Also dann erkläre ich mal, was in der Theorie passiert.
Dabei sind zwei Askekte auseinander zu halten:
1. Wie kommt das Licht auf den Sensor, und wie viel?
2. Was passiert damit im Sensor und danach bis zu fertigen Bild.
zu 1:
Stellt man die ISO Zahl eine Stufe hoch, regelt die Belichtungsautomatik entweder eine Blende kleiner, oder die Belichtungszeit eine Stufe kürzer. In beiden Fällen trifft jetzt halb soviel licht auf den Sensor.
Stellt man eine Belichtungskorrektur von -1 EV ein, passiert genau das gleiche. Es trifft halb soviel Licht auf den Sensor.
Folglich heben sich folgende Einstellungen auf:
ISO eine Stufe hoch und +1 EV Belichtungskorrektur.
ISO eine Stufe hoch und -1 EV Belichtungskorrektur.
Die Tatsächliche Lichtmenge die den Sensor trifft bleibt gleich, vorrausgesetz natürlich Motiv und Beleuchtung bleiben gleich. Diese Aussage ist leicht zu prüfen. Einfach mal an der Kamera einstellen und prüfen, welche Zeit und Blende die Automatik vorschlägt.
zu2: Was passier auf dem Sensor?
Der Sensor wandelt Licht in !analoge! elektrische Signale. Die Stärke dieser Signale verhält sich linear zur eingefallenen Lichtmenge. Danach werden die Signale verstärkt und digitalisiert.
Einige Sensoren lassen sich in ihrer Empfindlichkeit (in Grenzen) steuern.
- jedoch nicht der X3 Sensor
Einige Kamerahersteller können den Verstärkungsfaktor des analogen Signalverstärkers hinter dem Sensor steuern.
- jedoch nicht Sigma bis zur SD15. Diese tut dies (mutmaßlich) in ihrem analogen Frontend.
Was passiert also auf und hinter dem Sensor, wenn dieser durch Verstellung der ISO Zahl bzw der Belichtungskorektur weniger Licht erhält?
Die Zahlenwerte, die die Helligkeit jedes Pixels beschreiben werden kleiner. Das Bild wird also zunächst einmal dunkler. Wenn man -wie ich- die Möglichkeit hat die Rohdaten in den X3F Dateien zu betrachten, sieht man das sofort. Gleichzeitig wird in den Dateien die ISO Einstellung und die Belichtungskorrektur gespeichert. Die Software (z.B. SPP) multipliziert jetzt die Helligkeitswerte mit 2, 4, 8, ... Je nach ISO und Belichtungskorrektur. Das Ausgabebild hat dadurch wieder die richtige Helligkeit. Durch diese Multiplikation wird leider auch das Grundrauschen des Sensors verstärkt. Dadurch haben wir bei höheren ISOs höheres Bildrauschen. Dieses muss durch Software gemindert werden. Hier liegen Sigmas Schwächen.
Jetzt zu Pedros Beitrag: Pedro hat natürlich volkommen Recht.
ISO 800 und +0,7 EV macht Sinn, wenn man nicht ISO 800 sondern irgendwas zwischen ISO 400 und ISO 800 benötigt. Das Rauschen ist niedriger als bei ISO 800, leider müssen wir auch für mehr Licht sorgen: Länge Belichtungszeit wählen.
ISO 1600 +1 EV macht keinen Sinn, schadet aber auch nicht. Das Rauschen ist identisch mit einem ISO 800 Bild. Die Belichtungszeit und Blende auch.
Es gibt einen Menschen auf diesem Planeten der das systematisch ausprobiert hat: Chris Rijk hat dazu Bildreihen veröffentlicht und einen eigenen RAW Konverter geschrieben. Dieser zeigt wie SPP die RGB Werte neben dem Mauszeiger im Bild an. Gleichzeitig zeigt er auch die RAW Werte an. Wen es interessiert, der sollte sich mal für helle weiße Flächen in ISO 100, 200, 400, ... Bilder die RAW Werte ansehen.
SO: Aus meinem neunmalklugen Gelaber habe ich für mich einen einzigen neuen sinnvollen Trick abgeleitet:
ISO 400 und +2 EV ergeben wieder ISO 100 Bilder mit ISO 100 Bildrauchen ABER mit freigeschalteten Rauschreglern in SPP.
ISO 400 und +1 EV ergeben ISO 200 Bilder mit ISO 200 Bildrauchen ABER mit freigeschalteten Rauschreglern in SPP.
Nachteil: Die Bildvorschau und das Histogramm auf der Kamera verlieren an Aussagekraft.
Genug für heute, Gruß Hanno