Bildschnitt ...
Hallo Cyliane,
"Auf den meisten Bildern ist zu viel drauf" ... das ist eine ganz alter A. Feininger Aussage, die mir selber auch auf die eigene Fahne schreibe ... es stimmt nämlich!
An Beispielen:
BILD1:
Das Erdmännchen ist technisch in Ordnung. Der Fokus sitzt auf der Augenpartie, der HG bzw. das "Bokeh (bildunscharfer Bereich)" sind gefällig ... der Bildschnitt ist IMHO nicht wirklich gut gewählt.
Da gibt es den sog. "goldenen Schnitt",....
http://de.wikipedia.org/wiki/Goldener_Schnitt
... das ist eine wirklich uralte Erkenntnis, bzw. Empfehlung, wie Bilder ausgewogen bzw. gefällig gestaltet werden können ... in Worten .... eine Teilung soll so erfolgen, dass sich das
Kleine zum
Mittleren, wie das
Mittlere zum
Ganzen verhalten soll.
Bei Deinem Bild bildet das rechte Auge des Erdmännchens den Blickfang für den Betrachter. Du hast jetzt die Möglichkeit, das Bild so zu schneiden, dass dieses Auge das Bild sowohl horizontal, wie auch vertikal ca. im Goldenen Schnitt teilt.
Der "Goldene Schnitt" ist zwar kein Allheilmittel für jedes Motiv, kann aber bei sehr vielen Szenen für eine harmonische Gewichtung sorgen.
Bild 2:
Das Spatzenmännchen hat einen leichten Frontfokus (der Fokus liegt nicht exakt auf dem Auge, wo er hingehört, sondern auf der Schnabelspitze.) Leichte Fehlfokussierungen kann man "kaschieren" ... hier jetzt nicht das Thema .. ich hab's dennoch mal nicht lassen können.
Der Bildschnitt ist hier gar nix! Sehr oft sollte ein Motiv aus der Bildmitte herausgenommen werden, so ganz gewiss auch hier. Zusätzliche Schwierigkeit ist, dass oberhalb des Köpfchens "Bildfutter" fehlt, das ich hier mal dazuretouchiert habe. (ebenfalls jetzt nicht das Thema

).
Das Motiv ist das klassische Hochformat!
REGELN:
1) Platz lassen, das Motiv "erstickt" sonst am Bildrand
2) Blickrichtung immer in das Bild, nie aus dem Bild heraus
3) Bewegungsrichtung (hier nicht vorhanden!) in das Bild, nie aus dem Bild heraus
4) Leserichtung beachten! Die typische "Leserichtung" eines Bildes (Photos) ist von links nach rechts (hier umgekehrt!) So manches Bild profitiert ungemein davon, dass man es ggfls. horizontal entsprechend spiegelt.

Das kann was bringen, ich hab's hier bewusst gelassen.
5) An den Goldenen Schnitt denken und das Bild dahingehend prüfen, ob man ihn (horizontal, wie vertikal) berücksichtigen kann oder sollte.
5) Keine Regel ohne Ausnahme!
Bild 5:
Der Geier ist technisch fast in Ordnung ... Fokus sitzt. Leider ist das Bild flau ... (die Tonwertverteilung ist nicht weit genug gespreizt, was durch Refektionen (Scheibe) zusätzlich noch ungleichmäßig der Fall ist. (hier nicht das Thema.) Solche Scheiben-reflexe zu entfernen ist grundsätzlich möglich aber was für "später

" ... ich hab's nicht lassen können.
Was den Bildschnitt betrifft habe ich die oben genannten Regeln angewendet ....
Moderne Kameras und gute Objektive erlauben auch großzügige Crops (Bildausschnitte). Natürlich geht dabei Auflösung bzw. Bildqualität verloren!
Meine Meinung ist, dass für ein qualitativ gutes Bild mindestens knapp die halbe Bildsensor Fläche erhalten werden sollte. Man sollte also nicht viel mehr, als die halbe Bildfläche wegschneiden müssen.
Mit zunehmender Erfahrung wirst Du mehr und mehr diese genannten Aspekte gleich bei der Bildaufnahme berücksichtigen lernen und so immer bessere Bildschnitte gleich bei der Aufnahme realisieren können.
Überprüfe mal die anderen Aufnahmen auf das Gesagte.
A. Feininger:
auf den meisten Bildern ist zuviel drauf!
Wenn Du dann noch das Photographische Argument der "Slektiven Schärfe" (gewollte Tiefenunschärfe für bildirrelevante Dinge) umsetzen lernst, dann wird aus einem Photo immer öfter auch ein Bild und unterscheidet sich dann so von üblicher "Knipserei".

Das Auge des Betrachters auf das Motiv konzentrieren, das ist die eigentliche Kunst bei der Sache.
Grüße und schöne Photos
Klaus