Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf.

Diskutiere Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. im Digitalkamera Kaufberatung Forum im Bereich Digitalkamera Forum / DSLR Forum; Man darf hier doch wohl nach der Meinung fragen, oder?
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #21
@David ... Findest du nicht, das ein Thread für deine Frage reicht und du nicht in 3 Themen die selbe Frage stellen musst ?

Man darf hier doch wohl nach der Meinung fragen, oder?
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #22
Kommen wir nun zur Königsklasse der Fotografie, den digitalen Spiegelreflexkameras.

Wer sich mit dem Gedanken trägt, endlich "richtige" Bilder mit einer "richtigen" Kamera aufnehmen zu wollen, landet irgendwann bei einer DSLR. Der Nimbus, den diese Gerätegattung umgibt, verleitet zu einer Reihe an Fehlinterpretationen die nicht selten in Ernüchterung, Enttäuschung und gelegentlich in Frustration münden.

Die Ursachen hierfür sind vielfältig: Von der Werbung wird regelmässig suggeriert, dass die Benutzung einer DSLR spielend einfach zu perfekten Ergebnissen führt. Fatal in dieser Hinsicht ist die Naivität, dass dies auch ohne vorherige Beschäftigung mit der Materie klappt.

Nicht selten wird einem Neueinsteiger oder einem Umsteiger von einer Kompaktkamera ein kleines Modell aus dem mittlerweile unüberschaubar gewordenen Angebot an DSLRs empfohlen. Dies geschieht nicht nur bei der Beratung beim Discounter sondern vielfach auch dann, wenn sich der Interessent Hilfe suchend an vermeintliche Experten wendet. Nicht selten steht dabei die zentrale Frage nach dem "Meinst Du, dieses Modell reicht für mich?" in Bezug auf den Preis im Raum. Tatsache ist aber, dass besonders die als "Einsteigerkameras" definierten Geräte nicht selten den Nutzer überfordern- und zwar ordentlich. Sie bieten eine Reihe an fleissigen Helferlein, die in Form unterschiedlicher Automatikprogramme durchaus eine Hilfe sein können. Ist man aber am Ende der Automatik angelangt bleibt nur noch der manuelle Weg der Benutzung übrig. Und dies ist genau der Punkt, an dem die Grenzen des Fotografierenden erreicht werden. Dabei soll eine DSLR Grenzen der Fotografie überwinden, stellt sie doch einen riesigen Fundus an Optionen bereit, die sich einigen Nutzern allerdings nie erschliessen. Der Grund hierfür ist, wie so oft, der monetäre Faktor. In unzähligen Fällen kann man in Foren und im Bekanntenkreis ein Wehklagen darüber vernehmen, dass die mit "dem neuen Foto" (DSLR, Anmerkung des Autors) aufgenommenen Bilder verwaschen und unscharf seien und nicht besser sind als die mit "dem kleinen Foto" (Kompaktkamera, Anmerkung des Autors) aufgenommenen Bilder. Dieses Phänomen kann ich mittlerweile nachvollziehen: Die kleine Kompakte mit dem putzigen Sensor und einem 0,5mm Objektiv hat eine so krasse Schärfe, dass der Fokus theoretisch sogar an der Wand des gegenüberliegendes Hauses sitzen könnte und die Motive einen halben Meter vor dem Apparat werden noch scharf. Blende 5,6 an APS-C kann bei fehlsitzendem Fokus oder sich bewegenden Kindern eben schon mal zu einem,… hm,… verwaschenen Bild führen. Insbesondere bei Belichtungszeiten, die jenseits der 1/5 sec liegen, aber das hat andere Hintergründe.

Dazu muss ich übrigens kein Forum bemühen, einen solchen ausgewachsenen DAU habe ich im Bekanntenkreis. Der hatte sich ein kleines Modell von Sony samt 18-55 Kitobjektiv zugelegt. Grundsätzlich eine tolle Kombi, die tolle Bilder macht. Jedenfalls rief mich der DAU an und bat um Hilfe. Sein "Foto" macht keine Fotos mehr. Meinem ersten Impuls folgend bat ich ihn, die Kamera einzuschalten. Hat er getan, die Fotos blieben aber schlecht. Was er denn als Einstellung gewählt hat? Ein schräges "Was?" war die Antwort. Welchen Modus er gewählt hat an dem Knubbel oben auf der Kamera wollte ich detaillierter wissen? Die Antwort: "Ich hab´nix verstellt" bereitete mir eine bange Vorahnung und so ein leichtes Ziehen im Bauch. Wo er sie her hat, wollte ich daraufhin wissen? "Vom roten Discounter" kam zurück. Und da schon mal vorbei geschaut und nachgefragt, was mit der Kamera nicht stimmen könnte? "Die meinen, es ist alles ok mit dem Foto." Tja, was meint er nun genau…!? Ich setzte meine Befragung fort und wollte wissen, was er denn aufgenommen und zu den schlechten Bildern geführt hat? "Den Geburtstag zu Hause und die Fotos wurden alle zu dunkel" war die umfangreichste Antwort des Telefonats. Immerhin machte die Kamera noch Bilder,… dass sie nur zu dunkel wurden war aufgrund des gebotenen Intros ja nicht ersichtlich. Da ich an dem Tag eh in seine Richtung musste hielt ich en Passant bei ihm an und schaute mir das Gerät genauer an. Die Kamera stand im Modus "S " und die eingestellte Belichtungszeit bei 1/500. Kein Wunder, dass die Bilder zu dunkel wurden und der eingebaute Blitz nicht mehr hinterher kam. Fix die Kamera auf den grünen Automatikmodus umgestellt war der DAU auch schon wieder zufrieden. "Hey, der Foto geht ja doch. Ja, danke, bist halt ein Experte." Den darauf hin angebotenen Kaffee habe ich dankend ausgeschlagen und ich war froh, im Anschluss einen wirklich wichtigen Termin gehabt zu haben. Lange Erklärungen zu tieferen Zusammenhängen wie Zeit, ISO und Blende führen bei DAUs wie diesem regelmässig zu einem unverständlichen Gesichtsausdruck den man in der Schule sehr oft bei seinen Mitschülern in Fächern wie Physik oder in Mathe bei Integralrechnung erleben durfte. In Bio hatte er jedenfalls genauer aufgemerkt, die Familie ist komplett.

Bei einem Nachbarn hatte ich mir mal den Mund fusselig geredet über die Möglichkeiten des Blitzeinsatzes. Also, eines simplen Aufsteckblitzes, nichts übermässig Abgedrehtes. Nach etwa 3 Stunden und vielen Beispielbildern, die ich mit meiner Kombi zum direkten Vergleich zu seiner mit dem eingebauten Blitz geschossen hatte, kam er zum Entschluss, dass ein Aufsteckblitz ja was Tolles, in Anbetracht der mageren Verbesserungen aber ein völlig teures Unterfangen sei. Der Blitz kostet ja mehr als seine Kamera im Set (kleines Sony Modell aus dem roten Discounter zu einem Preis unter 300 Euro) gekostet hat. Ausserdem sei seine Kamera ja nicht mit meiner vergleichbar. Bei mir ist ja nicht einmal ein Blitz eingebaut. Das macht sie ja von vornherein schlecht und nicht vergleichbar mit seinem tollen Teil, das den Blitz ja schon drinnen hat. Mit einem "Ja, das passt schon" habe ich mich vom Hof gemacht. Die einfachen Regeln der Fotografie erledigt jetzt seine Kamera in einem intelligenten Modus, der seinen Intellekt.. ach, lassen wir das.

In einem einzigen Fall hat ein Aspirant selbst Zusammenhänge erkannt und reagiert. Ein Pentax K-r Besitzer war eine Weile mit mir in Rüttelschuppen unterwegs, um Partyfotos aufzunehmen. Der eingebaute Blitz störte ihn erheblich. Alle Motive wurden von dem kleinen Blitz erschlagen und der Hintergrund soff regelmässig ab. Die Kamera hatte er zu einem Preis von unter 400 Euro bekommen (im Set mit dem kleinen 18-55 Objektiv) und der Unterschied zwischen unseren Bilder mit und ohne Aufsteckblitz war für ihn nachvollziehbar. Beim nächsten Shoot hatte er einen großen Metzblitz dabei, kam mit der Bedienung aber nicht zurecht. Beim darauf folgenden hatte er den großen Pentaxblitz dabei und sich über die Bildergebnisse aufrichtig gefreut. Geschluckt hatte er natürlich als sein freundlicher Händler ihm die Preise für de Blitze nannte. Dennoch hat er den großen Pentax nicht bereut, obwohl das Handling mit der kleinen Kamera doch schon ein wenig gewöhnungsbedürftig wird.

Langer Rede, kurzer Sinn: Eine DSLR, egal welches Modell und egal aus welcher Preisklasse, gleicht die fehlenden Grundlagen nicht aus, die man zum Fotografieren mit einer Spiegelreflex mitbringen sollte. Allenfalls können sie eine Hilfe bieten und einige Motive mehr im Automatikmodus abdecken als es der Fotografierende im manuellen Modus vielleicht hinbekommen hätte. Wer A sagt muss aber auch B sagen und sich vor Augen führen, dass eine DSLR, sobald man die "normalen" Pfade der Fotografie verlässt, dann auch spezielles Zubehör, wie eben einen Blitz oder entsprechend angepasste Objektive und nicht selten weiteres Zubehör erfordert. Wer die hohen Neupreise für entsprechendes Equipment scheut kann auf den Gebrauchtmarkt ausweichen. Das ist im Übrigen auch hinsichtlich einer DSLR eine Überlegung wert, denn statt eines neuen "Einsteigermodells" bekommt man für das gleiche Geld möglicherweise eines aus einer erheblich höheren Liga aus der Epoche davor und stellt verblüfft fest, dass die teuren Kameras möglicherweise für Anfänger die besseren und weitreichenderen Automatikmodi bieten, ohne sich tatsächlich allzu sehr in der Tiefe der Fotografie verirren zu müssen. Das ist der für mich heutzutage krasseste Widerspruch, den ich immer wieder erlebe und mich immer wieder davon überzeugt, dass es keine Anfänger- oder Einsteigerkamera gibt. Am Ende der Automatik steht der manuelle Modus. Punkt.

Was das Verhalten der Kamera angeht erfordert auch das ein Umdenken: Kleine Sensoren mit den resultierenden kleinen Objektivabmessungen erzielen eine Schärfe, die man selbst mit FT oder APS- C Sensoren gelegentlich nicht auf Anhieb hinbekommt und die Bilder auf den ersten Blick anders aussehen lassen können als man das von seinem vorherigen Modell gewohnt war.

Apropos Zubehör: Wer dabei nun nur an abgedrehtes Zeug wie Studioblitze oder anderes Gedöns denkt liegt ein wenig daneben. Akkus und Ladegerät für einen eventuell vorhandenen Aufsteckblitze, ein Stativ, Kopf, Fernauslöser, Makro- oder Teleobjektive gehören für mich genauso zum Bereich Zubehör wie eine Tasche zum Transport und Aufbewahren oder ein simpler Ersatzakku für die Kamera selbst. All das lässt die vergleichsweise geringen Anschaffungskosten der eigentlichen Kamera manchmal recht schnell zum noch kleinsten Posten auf der Rechnung werden.

Wer also nur eine Kompakte oder Bridge gegen "ein größeren Foto" ersetzen möchte und keine weiteren Ausgaben tätigen will, sollte abwägen, ob das Gebotene den eigenen Ansprüchen genügt oder das Geld, das in spe ausgegeben werden soll, nicht doch besser in eine gut ausgestattete Kompakt- oder Bridgekamera investiert.

All das genannte kann man mittlerweile auch auf Systemkameras mit Wechselobjektiven übertragen. Einzig der noch aufgerufene Preis und die derzeit eingeschränkte Verfügbarkeit von Zubehör und speziellen Objektiven lässt die mittlerweile klassischen DSLRs noch nicht so alt aussehen, wie es die Kritiker bislang befürchten. Zudem sind die Gehäuseabmessungen durchaus gewöhnungsbedürftig und nicht jedermanns Sache. Wie umgekehrt natürlich auch DSLRs eine Frage des persönlichen Geschmacks sind hinsichtlich der Handhabung und Bedienung.

Die Thematik DSLR liesse sich in Hinblick auf die unterschiedlichen Sensorgrößen, den Gehäusen und der Verfügbarkeit an Objektiven für den einen oder anderen Hersteller nun sicherlich fortführen. Für´s Erste soll es aber reichen, dass sich ein potentieller Interessent für die Fotografie sich vorab Gedanken darüber macht, was er benötigt und was er auszugeben bereit ist. Wer nur sporadisch Bilder aufnimmt und das Ganze nicht vertiefen möchte dem sei eine gute Kompakte angeraten, wenn es um qualitativ gute Aufnahmen geht. Wer es vom Gehäuse etwas größer braucht und sich über viel Tele freut greift zur Bridge. Wer ernsthaft fotografieren, sich mit den Grundlagen der Fotografie näher auseinandersetzen möchte und auch Ausgaben nicht scheut oder von vornherein mit einplant, dem sei die DSLR ans Herz gelegt. Als, bisher allerdings nur eingeschränkte, Alternative auch die Systemkameras mit ihren Vorzügen seitens der Abmessungen, Gewicht und Handhabung.

Alles weitere findet sich im Laufe der Zeit von selbst- auch die digitale Nachbearbeitung. Aber das ist ein Thema für einen anderen Threat.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #23
24 Stunden später, ich lese den Text gerade erneut, muss ich feststellen, dass ich nicht alle mir wichtigen Punkte habe festhalten können. Und in einigen Punkten kann man das Geschriebene durchaus missinterpretieren.

Das Thema "Kaufberatung" ist ein weites Feld und man schafft es nicht, alle Aspekte wirklich kondensiert und reflektiert zusammen zu fassen. Eine Art Matrix für den Suchenden wäre eine Lösung. Dazu müsste man teilweise explizit auf Marken und Modelle eingehen, die aber in ein paar Monaten, wenn nicht sogar schon Wochen, wieder überholt wären. Ob das zielführend ist?

An dieser Stelle möchte ich mich für die teilweise etwas extreme Darstellung entschuldigen und mich bei den Protagonisten in diesem Forum auf herzlichste bedanken! In anderen Foren geht es bezüglich der Meinungsäußerung oder der teilweise schlichten Darstellung von Erlebnissen (wie in meinem Fall, und glaubt mir, da könnte ich noch unzählig viele weitere Negativbeispiele schildern) durchaus anders zu.

Ich möchte hier niemandem auf die Füsse treten wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass die überwiegende Mehrheit, die hier vertreten ist, durchaus weiss, was man mit einer Kamera anstellen kann und dem notwendigen theoretischen Rüstzeug nicht negativ gegenübersteht.

Auch bemerkenswert finde ich hier im Forum, dass den Hilfe suchenden nicht das eigene Equipment als die alleinig heilbringende Lösung aufgeschwatzt wird sondern auch Alternativen aufgezeigt werden, die weit vom eigenen Equipment entfernt liegen. Dazu habe ich unzählige Theras in anderen Foren gelesen, die ich nach wenigen Beiträgen schon nicht mehr verstanden habe und wenn man konkret hinterfragte blieben die Antworten plötzlich aus. Haben diese Leute denn auch das, was sie den anderen vermitteln wollen?

Wie auch immer, in Bezug auf Überlegungen VOR dem Kauf wird hier genauso geholfen wie nach dem Kauf. Und darauf liegt der Fokus. Zumindest unserer.

Lustige Geschichten schreibe ich an anderer Stelle wieder, in Bezug auf Kameras lasse ich zukünftig die Finger von. Versprochen!

:)
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #24
Manchesmal kann eine Kaufberatung aus dem Ruder laufen.
Mit Deiner Schreibe hast Du uns einen schönen seelichen Einblick eines Beraters gegeben.
Danke, hoffe das Deine Mühe belohnt wird.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #25
Ein wirklich herrlich geschriebener Erfahrungsbericht :D:D:D:D:D


@David ... Findest du nicht, das ein Thread für deine Frage reicht und du nicht in 3 Themen die selbe Frage stellen musst ?

Man darf hier doch wohl nach der Meinung fragen, oder?

Das darf man hier ;)
Schließlich gibt's verschiedene Meinungen verschiedener User, die auch nicht immer alle Threads lesen.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #26
Ich befürchte mittlerweilen, dass wir hier alle eine Meise haben :D:D:D

Solange wir die Macht fühlen, sind wir auf Kurs :klatschen::klatschen::klatschen:
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #27
Du meinst, die ganze Phalanx an "grosse Foto" und "kleine Foto" Benutzer sind die Normalen? Au weh...
 
Thema:

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