Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf.

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  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #1
fotom
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Eine vielfach an mich gerichtete Frage ist die nach der passenden Kamera. Dabei dreht es sich allerdings selten um einen zu den Aufnahmesituationen passenden, sondern mehr auf den Geldbeutel zugeschnittenen Apparat.

Meine erste Gegenfrage lautete bisher immer: "Wofür möchtest Du denn die Kamera einsetzen?" Bei den daraufhin folgenden und oft vorwurfsvoll gegebenen Antworten gruselte es mir bisweilen ein wenig, denn selten war es den Interessenten bewusst, welche Anforderungen sie tatsächlich an das Wunschgerät stellten. Darunter waren Dinge wie: "Meine Kinder zu Hause beim Toben fotografieren", gefolgt von "Meinen Sohn beim Fussballspielen", "Rodeln" und "beim Spielen im Garten" ablichten. Nicht zu vergessen die obligatorischen Landschaftsaufnahmen, Urlaubsaufnahmen vom Skifahren, am Strand von was- weiss- ich- wo und die schönsten Momente bei Hochzeiten und Feierlichkeiten im Rahmen der Familie oder im Bekannten- und Kollegenkreis. Das Ganze, bitte schön, für unter hundert Euro, schliesslich kann ja jedes Handy mittlerweile mit gigantischen 5MP und mehr schon Bilder in bester Qualität aufnehmen und das hat der potentielle Interessent ja schliesslich auch immer dabei.

Warum suchen sich solche Leute eigentlich immer Opfer wie mich für solche grundlegenden Folterfragen? Geht man nämlich auf die einzelnen Situationen, die da aufgenommen werden sollen, etwas detaillierter ein und versucht auf rationaler Ebene eine Lösung zu finden, scheitert man regelmässig am aufgerufenen Preis des eventuell in Frage kommenden Modells.

Ach ja, das hätte ich fast vergessen: So einen riesigen Brocken für, Zitat: "500 Euro wie ich ihn habe" will natürlich niemand: Viel zu groß, zu klobig, zu teuer. Die Wunschkamera muss bis 3000 Meter wasserfest und dicht sein, in die dunkelsten Löcher dieser Erde so tief wie nur möglich fallen können, ohne dabei auch nur den kleinsten Kratzer danach aufzuweisen, am allerbesten bei Herren in die Brusttasche und bei Frauen in den mikroskopisch kleinsten begehbaren Wandschrank namens "Handtasche" passen, den Folterungen kleiner Monster, sabbernder Tiere und auch einmal den Sturz in den Topf mit kochendem Wasser aushalten können. Nicht zu vergessen, dass diese Dinger auch noch bei finsterer Nacht gestochen scharf und hell aufnehmen und dabei von "ganz nah" bis "super weit weg" alles auf das Bild draufbekommen sollen. Die Bedienung muss intuitiv und logisch sein, sich dabei aber nur auf einen einzigen Knopf reduzieren, eine integrierte Nachbearbeitung aufweisen und tolle Motive am Besten automatisch finden, sich darauf ausrichten und dann das Bild ohne weiteres Zutun erstellen. Wenn nötig soll sie auch mal "Passbilder aufnehmen" können, den Gang zum Fotografen im Studio ersetzen, die tollsten Familienaufnahmen mit gleichmässigem Hintergrundmotiv machen können und selbstverständlich zur Not die Bilder in 600 dpi auf die Hauswand projizieren können. (Die 600 dpi habe ich mal angemerkt).

Für uns Amateure mal in technische Daten übersetzt:

- Sensor mit ca. 500 MP Auflösung
- ISO 10 bis 2.000.000
- 1 bis 2500 mm Brennweite auf KB bezogen
- Blende 0,1 bis 64 (die Landschaft soll ja schliesslich "besser als in echt" rüber kommen
- integrierter und ausklappbarer Blitz mit 1000 Ws Leistung und automatisch ausfahrenden Lichtformern
- Gesamtgewicht kleiner 50 gr
- lange Akkulaufzeit (mehrere Monate)
- Abmessungen kleiner als eine Streichholzschachtel, bei Frauen idealerweise noch kleiner als ein künstlicher Fingernagel
- Integrierte Bildbearbeitung mit automatischer Übermittlung der Daten an den noch zu Hause bei dem Vollhorst aufzustellenden Drucker
- ein intuitiv und logisch zu bedienendes Menü, um im Bedarfsfall wirklich alle Parameter der Kamera ändern zu können (und ich meine damit: ALLE!!!)
- eine wirklich intelligent arbeitende Vollautomatik, die gerade genanntes Menü überflüssig macht
- Full Metal alloyed Body mit exquisiter Haptik und Optik, um auch mal dem anderen Geschlecht zu beeindrucken (seht her, ich bin der wahre Profi. Der Typ mit dem riesigen veralteten Gerät könnte jetzt mal langsam nach Hause gehen, der stört).
- wasserdicht bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter
- Preis zwischen 49,99 Euro bis maximal 59,99 Euro
- 10 Jahre Garantie
- permanenter Zugriff auf einen Fotografen, der mit seinem eigenen Geraffel tatsächlich die Bilder macht

Hab ich irgendwas vergessen? Nein, ich glaube das war´s im Wesentlichen.

Mein daraufhin beginnendes Kopfkratzen und eintretendes konsterniertes Schweigen wird fälschlicherweise immer als Problem bezogenes Nachdenken interpretiert. Tatsächlich denke ich aber nur darüber nach, wo ich ganz schnell und ganz nah eines dieser tiefen Löcher finden könnte, in dem ich mich vor diesem grenzdebil lächelnden Vollhorst verstecken könnte. Oder noch besser: Wo ich ihn verstecken könnte bis zum Ausbruch der nächsten Eiszeit oder mindestens bis zur Erfindung der von ihm gewünschten Kamera. Eine passende Lösung habe ich für ihn nämlich nicht.

Aber verstecken gilt nicht und im Laufe der Zeit lernt man schliesslich im Umgang mit solchen Situationen hinzu und blickt recht schnell hinter die Fassade des Fragenden. Die Lösung liegt nicht selten im psychologischen Ansatz der Werbung versteckt, die aus dem Fotografieren im Laufe der letzten Jahre eine wahre Lappalie gemacht hat. Eine solch triviale Angelegenheit muss auch mit einem trivialen Apparat zu bewerkstelligen sein. Schliesslich kann ja auch jeder Depp einen Computer bedienen und tolle Sachen damit machen. Verlaufsdiagramme erstellen, zum Beispiel, oder den Hintergrund des Desktop ändern. Knallharte Experten schreiben damit sogar Briefe oder erstellen Tabellen, wie man hört... aber das ist ein anderes Thema.

Nein, Fotografie kann mittlerweile doch mit jedem Gerät erledigt werden. Ich habe mich deshalb bekehren lassen und empfehle nur noch die aktuellen Angebote aus dem Discounter. Die reichen für die mich Fragenden total aus und erhalten dieses liebreizende Lächeln auf deren Lippen, wenn sie mich nach dem Kauf wieder sehen. Beim Anblick meiner Kamera können sie sich aber einen mitleidvollen Kommentar nicht verkneifen und ich gelobe jedem von ihnen Besserung und verspreche, bei nächster Gelegenheit das ganze Zeug einem völlig Verwirrten anzudrehen und mir auch ein solches Universalgerät zuzulegen, wie ich es ihnen empfohlen habe.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #2
Nach dem etwas längeren Intro, das, ich gestehe es, etwas ins Satirische abgedriftet ist, mein persönlicher grundlegender Ansatz zur immer wieder gern gestellten Frage:

Welche Kamera passt zu mir?

Lässt man die Werbeversprechungen einmal aussen vor und konzentriert sich wirklich auf das Wesentliche der eigenen Ansprüche könnte grundsätzlich jede Kamera die richtige sein. Das ist aber leider ein unbestätigtes Theorem, denn der Markt stellt eine große Auswahl an Geräten mit unterschiedlichen Einsatzzwecken zur Verfügung und nicht selten stellt sich erst nach dem Kauf heraus, dass man auf das falsche Pferd gesetzt hat oder die Ansprüche doch ein wenig größer sind als man anfangs geglaubt hat.

Daher ist es durchaus angebracht vor dem Kauf einige relevante Fragen zu klären, um hinterher nicht einen Fehlkauf vor der Frau und dem Rest der Welt verteidigen zu müssen. Man nehme mir meine satirische Betrachtungsweise bitte nicht übel, aber nachdem ich im Bekanntenkreis nun zum x-ten Mal in nahezu genau der oben beschriebenen Art malträtiert worden bin habe ich mir quasi meinen Kopf für diese Leute "fremdzerbrochen" und vielleicht hilft dem Einen oder Anderen Fragenden hier die Eine oder Andere Antwort.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #3
Der Kameramarkt hält mittlerweile unterschiedliche, hm, sagen wir einmal lax, Geräteformen parat. Zu nennen sind dabei:

- Kompaktkameras
- Bridgekameras
- Systemkameras mit Wechselobjektiven
- Digitale Spiegelreflexkameras (DSLR)
- Mittelformatkameras

Die oben genannten Kameratypen sind mittlerweile als gängige digitale Exemplare zu bekommen. Dabei hat jede dieser Sparten eine Daseinsberechtigung. Die grundlegende Frage lautet für einen potentiellen Interessenten nun vorab:

Was genau möchte ich mit der Kamera anstellen?

Eine genaue Kategorisierung der eigenen Ansprüche, insbesondere, wenn man sich noch am Anfang der Fotografie befindet, ist für den Suchenden schwierig. Vielfach wird deshalb eine "Einsteiger-" oder "Anfängerkamera" empfohlen.

In Bezug auf digitale Spiegelreflexkameras ist die Bezeichnung "Anfängerkamera" aus meiner Sicht leider nicht gerechtfertigt. Ein Beispiel: Die Nikon D3000 ist aufgrund ihres Preises als Anfänger- oder Einsteigerkamera definiert. Mit wachsenden Ansprüchen hat man schnell das Ende der Fahnenstange und der automatisch ablaufenden Möglichkeiten der Kamera erreicht. Der Wunsch nach einem anderen Modell keimt auf. Das ist allerdings unberechtigt, denn diese Kamera bietet einen Modus "M", mit dem sich plötzlich viele Möglichkeiten auftun, die man bei einem größeren Modell als komfortable Funktion auf einer Zusatztaste entdeckt. Ist die D3000 deshalb nicht mehr weiter nutzbar? Keineswegs. An der Bildqualität ändert sich im Ergebnis nichts nur weil man einen anderen Body vor das gleiche Objektiv schnallt. Ähnlich ergeht es den Modellen von Canon (EOS 1000D, 1100D) oder jedem anderen Hersteller. Die Frage, die sich der Interessent stellen muss, ist: Will ich mich abseits der Automatik mit Dingen wie "Zeit, ISO und Blende" beschäftigen?

Also wieder zurück zur Ausgangsfrage:

Was genau möchte ich mit der Kamera anstellen?

Wenn man seine Kamera bei jeder Gelegenheit mitnehmen möchte, sie immer griffbereit sein soll, dabei in die Hosentasche passen und gleichzeitig sehr günstig sein muss, kommt man um eine Kompaktkamera nicht herum. Alleine bei dieser Geräteklasse gibt es eine riesige Auswahl an Modellen unterschiedlicher Hersteller, die jede für sich betrachtet Vor- und Nachteile aufzuweisen haben. Man muss sich aber vor Augen führen, dass es seinen Grund hat, weshalb es Geräte für unter hundert Euro gibt und welche für mehr als 450. Die teureren Geräte bieten mehr Möglichkeiten, um im Bedarfsfall auch manuelle Einstellungen oder Korrekturen vornehmen zu können wohingegen die 90 Euro Brecher meist nur Automatikprogramme aufweisen, auf die man auf Gedeih und Verderb in jeder Angelegenheit angewiesen ist und bleibt. Macht man damit "nur" die obligatorischen Aufnahmen unter guten Lichtbedingungen und stellt man dabei keine Anforderungen nach dem Schema "Morgen am Nürburgring will ich aber mal die rasenden Autos fotografieren" ist die Investition in eine 90 Euro Kamera völlig legitim und gerechtfertigt. Sobald aber mehr verlangt wird bei kleinen Abmessungen, sollte man durchaus in der Preisskala ein wenig nach oben schielen und damit auch ein Gerät ins Auge fassen, das unter Umständen mehr Freiraum in der Bedienung lässt. Wenn man im Bekanntenkreis jemanden kennt, der eine Kompakte sein eigen nennt, spricht nichts dagegen, sich das Gerät mal genauer anzusehen und von seinen persönlichen Erfahrungen mit dem Gerät zu profitieren.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #4
So mancher Anspruch lässt sich durchaus mit einer Kompaktkamera befriedigen wenn man auf einige technische Aspekte achtet: Hohe Lichtstärke der eingebauten Objektive reduzieren die permanente Nutzung hoher ISO- Werte erheblich, ohne dabei einen zu hohen Verlust in der Schärfe hinnehmen zu müssen. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn sich auf den kleinen Sensoren mehrere Millionen Pixel tummeln müssen und dafür erheblich weniger an Platz zur Verfügung steht als auf einem Fingernagel. Fälschlicherweise interpretiert man in die Größe des Sensors die bisweilen erkennbar brutale Schärfentiefe hinein, die Bildern solcher Kameras manchmal zu eigen ist. Dieser Effekt ist aber der reduzierten Bauweise bzw. den vergleichbar geringen Brennweiten bezogen auf das Kleinbild geschuldet und verhindert im Gegenzug das kreative Spiel mit Schärfe und Unschärfe. Damit ist ein wesentlicher Nachteil auch schon benannt: Möglichkeiten, wie sie den Benutzern von DSLRs zur Verfügung stehen, sind mit den kompakten Modellen zum Teil nicht möglich. Wenn man darauf verzichten kann ist das Kompaktgerät die erste Wahl bei verhältnismässig geringen Anschaffungskosten.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #5
Die sprichwörtliche Brücke zwischen den kompakten und den DSLR- Kameras schlagen die sogenannten "Bridgekameras". Sie verfügen nicht selten über einen Funktionsumfang wie eine vergleichbare DSLR, überfordern aber Umsteiger, die von einer Kompaktkamera her kommen, nicht, da sie die obligatorischen Automatikprogramme genauso beinhalten, dabei über ein größeres Gehäuse verfügen und nicht selten eine sehr weit reichende Brennweite abdecken.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #6
eine sehr wichtige gegenfrage zur frage "welche kamera passt zu mir" ist folgende, die ICH dann immer wieder stelle:

"sollen die fotos, so wie sie aus der kamera herauskommen, verwendet werden oder noch am computer optimiert werden?"

es gibt nämlich viele leute, die haben keinen bock, sich am computer noch damit zu befassen... und das grenzt damit dann schon die auswahl wieder etwas ein...
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #7
Köstlich, feine Schreibe und Unterhaltung.

Zitat
"ich gelobe jedem von ihnen Besserung und verspreche, bei nächster Gelegenheit das ganze Zeug einem völlig Verwirrten anzudrehen und mir auch ein solches Universalgerät zuzulegen, wie ich es ihnen empfohlen habe."

Ich bin ein völlig Verwirrter, Dein ganzes Zeug kannste mir andrehen.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #8
Hehe, das stimmt. Aber das ist ein weiteres Kapitel bei der Antwort auf die Frage:

Welche Kamera soll es denn nun werden?

Ich melde mich mal kurz ab da ich einen Termin im Bekanntenkreis wahrnehmen muss. Da findet eine Hochzeit statt. Zum Glück ohne mich als engagierten Fotografen. Aber es werden ganz viele Experten da sein und da benötige ich mein Geraffel aus genannten Gründen eh nicht... :)
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #9
Wars das schon, oder gibt es eine Fortsetzung von der Geschichte?
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #10
Fortsetzung folgt.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #11
Darauf warte ich gespannt.:klatschen::klatschen::klatschen::klatschen:


mfg der Fritz
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #12
:klatschen::klatschen:
hi hi hi, ich leg mich hin........ großartig. Warte gespannt auf die Fortsetzung.

gruß karo
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #13
Realismus ohne Werbeversprechen, super Story.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #14
Danke sehr. Weiter geht´s.

Bridgekameras bieten einen erweiterten Umfang an manuellen Möglichkeiten und nicht selten die Option, Bilder im RAW- Format speichern zu können. Die Freiheit im Zuge der Nachbearbeitung, die man alleine dadurch erhält, ist unermesslich im Gegensatz zu den mageren Optionen einer Kompaktkamera, bei der die spitzfindige Frage durchaus einmal angemerkt sein darf, wie sinnvoll es ist, wenn der verbaute Sensor 12 MP "sehen", in einem völlig kastrierten jpg später aber "nur" noch wenige hundert Kilobyte an Daten stecken und das fertig entwickelte Bild in der Kamera 1200x800 Pixel aufweist. Rein mathematisch betrachtet ist das weniger als 1 MP...

Ein Aspekt gegen die Verwendung einer Bridgekamera könnte deren verhältnismässig kleiner Sensor sein. Wie in Kompaktmodellen werden in den Bridges ähnlich kleine Sensoren verbaut, die in einem leichten Missverhältnis zur Größe der Gehäuse stehen und eine etwas gesteigerte Potenz im Sinne von wahrer Größe eben auch des Sensors vermitteln. Ein kleiner Werbegag? Ein Schelm, wer den inneren Zusammenhang dabei verkennt. Dennoch, trotz der Abmessungen, die zwar nun nicht mehr Brusttaschen konform sind, bleiben Bridgekameras eine Option gegenüber den klassischen DSLRs, da sie immer noch kleiner und handlicher sind und obendrein mit ihren mittlerweile Faktor 24 und mehr reichenden Zoom den Objektivwechsel überflüssig machen. Vom fehlenden Staub auf dem Sensor und der damit entfallenen obligatorischen Putzorgie nach einem Ausflug ins Freie möchte ich gar nicht erst anfangen.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #15
Konkurrenz bekommen Bridgekameras derzeit von den sogenannten spiegellosen oder Systemkameras. Überwiegend weisen diese ein Bajonett auf, an dem sich Wechselobjektive ansetzen lassen. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um DSLRs, nur ohne Spiegel im optischen Strahlengang und das ermöglich erheblich kleinere Gehäusebauformen. Mit einem klassischen Pancake ausgestattet können solche Kameras hinsichtlich der Abmessungen und dem Gewicht einer Kompakten Paroli bieten, die klassische Bridgekamera ist dann sogar erheblich größer.

Die verbauten Sensoren sind allesamt größer als bei Kompakten oder Bridges, auch wenn bei neu auf dem Markt erscheinenden Kameras sich mittlerweile ein neues Zwischenformat eingeschlichen hat. Neben FT (Olympus, Panasonic, Sensorcrop oder Verlängerung zu Kleinbild Faktor 2) und APS-C (Sony- Sensoren, Sensorcrop zu KB Faktor 1,5) hat Nikon nun einen Sensor mit Cropfaktor 2,7 eingeführt. Dieser Faktor entspricht auf Kleinbild bezogen der Verlängerung der auf den Objektiven aufgedruckten Brennweiten.

Ein Beispiel: An einer Olympus mit einem Four Third Sensor, der den Faktor 2 aufweist, setzt man ein Objektiv mit einer Brennweite von 12 mm an. In der Bildwirkung entspricht dies nun einem Weitwinkel mit 24 mm (Faktor 2). An einer Nikon mit Faktor 2,7 entspräche dieses Objektiv schon fast einer Normalbrennweite mit 32,4 mm, hingegen an einer Sony mit Verlängerung 1,5 nach wie vor einem Weitwinkel von 18 mm.

Die Systemkameras mit Wechselobjektiven haben also einige erhebliche Vorteile gegenüber Kompakt- oder Bridgekameras:

- größere Sensoren
- kleinere Abmessungen der Gehäuse gegenüber Bridgekameras
- bei moderater Auflösung und/ oder neuerer Elektronik sehr viel rauschärmer
- in der Regel sehr viel schneller agierende Autofokussysteme
- eine breite Palette an manuellen Einstellmöglichkeiten bei dennoch vorhandenen Automatikprogrammen
- Ausbau mit Systemzubehör nach den Bedürfnissen des Nutzers in alle Richtungen möglich

Mit diesen breiter aufgestellten Möglichkeiten hinsichtlich der Handhabung, der ähnlich umfangreichen Optionen in Bezug auf Zubehör und mittlerweile etablierten Bildergebnissen, die denen einer klassischen DSLR in nichts oder kaum noch nachstehen, sehen viele schon den Niedergang des christlichen Abendlandes eingeläutet und die DSLRs in der Versenkung verschwinden.

Warum dem aber noch lange nicht so ist werden wir in der nächsten Folge von "Finde die Kamera" erfahren.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #16
Wirkliche Bridgekameras sind schon seit längerer Zeit tot.
Die Suppenhuhns, welche heute noch die äußerliche Form derer behalten haben, haben mit erstgenannten Geräten, bis auf dies, nur noch wenig gemein.
Die m.M.n. letzte ihrer Art, war die Sony DSC-R1.
Großer Bildaufnahmesensor, ein sehr gut korrigiertes Objektiv mit sinnvoller Brennweite.
Kein Vergleich zu den heutigen Super-Mega-Zoom mit den ex. Bierflaschenböden als Optik.

Grüße,
Eule
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #17
Dem stimme ich teilweise zu. Im Zuge des Gigantismus wurde neben der Auflösung auch der optische Zoom den Gehäuseabmessungen angepasst. Damit wurden Bridge zu den viel gescholtenen Superkameras, die viel bieten aber nichts wirklich richtig können. Es ist verblüffend, dass die auf den Geräten aufgedruckte Werbung einen nachhaltigen Einfluss auf das Kaufverhalten haben. Man kann den Bridgekameras nun aber zu Gute halten, dass sie die Vorteile des größeren Gehäuses dadurch ausgleichen, indem sie ein besseres Akkumanagement und gleichzeitig längere Akkulaufzeiten durch größere Zellen bieten. Bei einigen Herstellern wird das mit hauseigenen Akkus umgesetzt, in anderen können handelsübliche AA- Akkus eingesetzt werden, wiederum andere nutzen noch die sehr teuren Fotobatterien.

Das Gehäuse und dessen Größe mag ich aber auch nicht unterschätzt sehen. Einige kommen mit den kleinen Gehäusen der Kompaktklasse nicht zurecht und suchen bewusst nach etwas größerem, das besser in der Hand liegt und sich anders bedienen lässt.

Zur Bildqualität unterschiedlicher Geräte finden sich einige Beispiele hier im Forum wie auch an anderer Stelle im Internet. Einige unterstreichen den gesetzten Anspruch, andere können nicht wirklich überzeugen.
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #18
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #19
@David ... Findest du nicht, das ein Thread für deine Frage reicht und du nicht in 3 Themen die selbe Frage stellen musst ?
 
  • Welche Kamera passt zu mir? Grundlegende Überlegungen VOR dem Kauf. Beitrag #20
Die vielfach anzutreffende Ansicht, dass Bridgekameras unvollendete Alleskönner seien, teile ich nicht. Ich habe mich oben im Beitrag dazu etwas missverständlich ausgedrückt und wie ich schon erwähnte gibt es hier wie anderswo klasse Beispiele zur Bildqualität der ach so verschmähten Geräte. Leider kann man die guten Ergebnisse einer Kamera nicht auf alle anderen und dazu Hersteller übergreifend übertragen. Denn wie in allen Bereichen tummeln sich hier gute neben sehr schlechten Geräten.
 
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