Klaus-R
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Topmodelle .... ADOX MESS-GOLF IV vs. AGFA ISOLETTE 3 (Solinar)

Hallo zusammen,
ich möchte zwei TOP-Kameras aus den ganz frühen 1950er Jahren im Vergleich hier vorstellen.
Eine ist ein superseltenes Stück, auf das ich mir an dieser Stelle hier:
(LINK!)
ADOX GOLF 6x6 .... DIE VOLKSKAMERA ..... Modelle und mehr .....
...schon gar keine Hoffnung mehr gemacht hatte ... zu selten ist dieses Modell der Baureihe ADOX-Golf 6x6.... Die wenigen, "Mess-Golf-IV", die je gebaut wurden sind fest in Sammlerhänden ... ich habe über Jahre nie ein Verkaufsangebot finden
können .... nun geschah es umgekehrt ... die Kamera hat mich gefunden ... sie wurde mir von einem Gönner geschenkt ....
ich freu' mich sehr darüber.

Die andere Kamera ist ebenfalls recht selten und sehr gesucht ..... eine AGFA ISOLETTE 3 6x6
Die Isolette wurde (ähnlich wie die ADOX) in gestaffelter Ausführung angeboten, in verschiedenen Gehäusevarianten,
mit vier verschiedenen Objektiven und mit verschiedenen Zentralverschlüssen .... dazu später mehr.
Auch hier habe ich das TOP-Modell der Baureihe am Start .....
Auch diese Kamera habe ich nicht gesucht ... auch diese Kamera kam als Geschenk zu mir ....
jetzt ist sie Einsatzbereit und natürlich auch schon mit Aufnahmen eingeweiht bzw. getestet.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede:
Beide Kameras sind sozusagen Volkskameras (wenn auch nicht in diesen damals sehr teuren TOP-Varianten).
Insbesondere die ADOX-Golf, die in der einfachsten Ausführung "ADOX Golf 63" damals schon für 49,-DM
zu haben war und eine hervorragend gute Bildqualität ablieferte verkaufte sich wie "geschnitten Brot".
Natürlich hatte man Anfang der 1950er (so kurz nach Kriegsende) in Deutschland auch andere Probleme,
als das wenige Geld für Kameras auszugeben, so dass die günstigen Kameras vor allem auch riesige
Export-Erfolge wurden.
Fast 95% der ADOX-Modelle wurden als günstige und einfach gehaltene Einstiegsmodelle gefertigt ....
in riesigen Stückzahlen. Heute kann man die ADOX Golf als Modell "63" auf fast jedem Trödelmarkt
für 10 bis 15€ kaufen .... Alles über die ADOX Golf und die Modellvielfalt gibt's in meinem oben
verlinkten Faden zu lesen!
Die hier gezeigte MESS-Golf IV ist deswegen SUPERSELTEN, weil sie als TOP-Variante der Baureihe
preislich schon in Regionen "langte", wo dann doch eher prestigeträchtigere Marken den Vorzug
bekamen .... der Mensch ist nunmal auch eitel.....
Wie gesagt .... zur ADOX habe ich im anderen Faden schon ein Buch geschrieben, deswegen etwas
ausführlicher zur AGFA-Isolette 3 (Solinar).
Üblicherweise wurden die nach dem Krieg sehr beliebten 6x6 Falter mit dreilinsigen "TRIPLET"
Anastigmaten bewaffnet, die Lichtstärken einhielten, die sie hervorragend scharf abbilden ließen.
Ich habe dermaßen viele solcher Triplet-Falter, die dermaßen tolle Bilder abliefern, dass ich mir
NICHT einreden lasse, dass man zwingend eine der wenigen VIERLINSER aus diesen Zeiten haben
MUSS, um in den Genuss von Bildqualität kommen zu können.
Behauptet wird das allerdings sehr oft .... wo die Weisheit herkommt??? Ich weiß es nicht.
Fakt ist, dass solche (Vierlinser) Modelle (aller Hersteller) sehr gehypt sind in der Analog-Szene und
dass inzwischen auch "nette" Beträge für diese angesagten Seltenheiten bezahlt werden.
Nun die hier vorgestellte AGFA-Isolette 3 ist mit einem solchen VIERLINSER bewaffnet, dem
SOLINAR 75mm/ f:3,5, einer Optik, die im Grunde den Strahlengang des Carl Zeiss Tessars kopiert ....
Spötter sagen deswegen auch "Nachbau" dazu.
Beide Kameras haben die damals noch seltene eingebaute ENTFERNUNGSMESSUNG. Beide
Modelle haben eingebaute Mischbild-Entfernungsmesser, die wie verlinkt funktionieren:
Mischbildentfernungsmesser [Fotolexikon]
Eigentlich hatte ich mich in Sachen 6x6-Faltkameras ja auf ADOX festgelegt und in Sachen
6x9 Faltkameras auf AGFA und Voigtländer.
Erwähnenswert ist, dass die Baureihen AGFA-RECORD und AGFA-ISOLETTE technisch und
vom Design her übereinstimmen .... alles zur AGFA RECORD übrigens HIER:
(LINK)
AGFA RECORD 1952 - 6x9 Kameraportrait
Vergleich AGFA RECORD 3 (links) und AGFA ISOLETTE 3 (rechts)

Beide haben sog. "ungekoppelte" Entfernungsmessung:"


Die Entfernung wird also mit dem Mischbild-Entfernungsmesser ermittelt, dann abgelesen und am
Objektiv eingestellt.
Im Gegensatz zur ADOX hat die AGFA einen INTEGRIERTEN Mischbild-Messsucher, will sagen, die
Entfernungsmessung ist in den Motivsucher integriert.
Die ADOX hat ebenfalls Entfernungsmessung aber einen separaten Messsucher, der vom Motivsucher
getrennt ist und einen separaten Einblick hat:

Film laden:
Beide Kameras haben gut durchdachte Mechanik, die das einlegen eines Rollfilmes (TYP 120) sehr einfach
gestalten und zur Freude machen:
Hier die ADOX mit dem intelligenten Schwenk-Mechanismus aller GOLF-Modelle:


Nicht weniger elegant ist das "Filmeinlegen" bei der AGFA gelöst:


Bei der AGFA wird auf der Nehmerseite die Leerspule nicht "eingeschwenkt", sondern der Wickelknopf
"gezogen" und so entriegelt.
Auch das ist eine gute Lösung .... ich habe da keine Präferenz beides schön gemacht!

Zum Schließen der Rückwand muss bei der ADOX manuell "verriegelt" werden....


Bei der AGFA geht das Verriegeln automatisch .... das ist tatsächlich "eleganter" gelöst .... beides funktioniert aber gleich gut:


Design / Anmutung / Wertigkeit
Die AGFA war die deutlich teurere Volkskamera, was man ihr auch anmerkt!
Sie ist liebevoller und hübscher gefertigt, Belederung, Chromverzierungen, Schließmechanik,
Auslöseknopf usw... alles wirkt etwas wertiger und eleganter gestaltet.
Das heißt aber nicht, dass die ADOX das krasse Gegenteil darstellt. Da bekommt man zweckmäßige und
gute Qualität zum kleineren Preis.
In meinem ADOX-Golf Faden differenziere ich die Fertigungsqualität nach den unterschiedlichen Modellen
ja noch genauer. Sicher ist, dass nie an Wichtigem und zweckmäßigem gespart wurde, auch wenn es
Unterschiede je nach Modell und Baujahr gibt. Die ADOXen sind ordentlich und genau gebaut.
Ich mag beide Kameras sehr und möchte da keiner der beiden den "SIEG" zuordnen.
Den Mess-Steller der AGFA hatte ich oben schon gezeigt! Bei der ADOX ist der Messsteller sehr elegant
und gut erreichbar links oben am Kamerakopf angeordnet:

Objektive und Zentralverschlüsse:
Beide Kameras sind mit jeweils 75mm f:3,5 Objektiven ausgestattet.
Hier schießt die AGFA mit dem seltenen SOLINAR 75mm / F:3,5 den Vogel ab!
Nicht zu verwechseln ... es gab auch noch das günstigere (ebenfalls 4-linsige) Solinar 85mm / F:4,5 ....
welches heute ebenfalls sehr gesucht ist.

Ebenfalls damalige Weltklasse ist der Zentralverschluss der AGFA! Der Friedrich Deckel COMPUR RAPID
kann alles, was damals ging und ist mit seiner 1/500s der damals schnellste Zentralverschluss am Markt.
Auch später konnte die 1/500s nie WIRKLICH mit mechanischen Zentralverschlüssen getoppt werden
(Ausnahme einige wenige "Prestor-Modelle des VEB-Pentacon, die angeblich 1/750s erreicht haben sollen.)
Die ADOX tritt im Vergleich mit ihrer TOP-Optik, dem Steinheil München Cassar 75mm / F:3,5 und dem
Spitzenverschluss PRONTOR-S der Firma Gauthier an.
Der Prontor ist mit einer Spitzen-Verschlusszeit von 1/300s etwas langsamer, als der Cpmpur Rapid
der Agfa, ansonsten aber leistungsgleich.

Insgesamt darf gesagt werden, dass hier beidseitig wirklich hochwertiges Material
am Start sein sollte .... wir wollen SEHEN!
Fortsetzung folgt!
Grüße und viel Spaß mit Film
Klaus

Hallo zusammen,
ich möchte zwei TOP-Kameras aus den ganz frühen 1950er Jahren im Vergleich hier vorstellen.
Eine ist ein superseltenes Stück, auf das ich mir an dieser Stelle hier:
(LINK!)
ADOX GOLF 6x6 .... DIE VOLKSKAMERA ..... Modelle und mehr .....
...schon gar keine Hoffnung mehr gemacht hatte ... zu selten ist dieses Modell der Baureihe ADOX-Golf 6x6.... Die wenigen, "Mess-Golf-IV", die je gebaut wurden sind fest in Sammlerhänden ... ich habe über Jahre nie ein Verkaufsangebot finden
können .... nun geschah es umgekehrt ... die Kamera hat mich gefunden ... sie wurde mir von einem Gönner geschenkt ....
ich freu' mich sehr darüber.

Die andere Kamera ist ebenfalls recht selten und sehr gesucht ..... eine AGFA ISOLETTE 3 6x6
Die Isolette wurde (ähnlich wie die ADOX) in gestaffelter Ausführung angeboten, in verschiedenen Gehäusevarianten,
mit vier verschiedenen Objektiven und mit verschiedenen Zentralverschlüssen .... dazu später mehr.
Auch hier habe ich das TOP-Modell der Baureihe am Start .....
Auch diese Kamera habe ich nicht gesucht ... auch diese Kamera kam als Geschenk zu mir ....
jetzt ist sie Einsatzbereit und natürlich auch schon mit Aufnahmen eingeweiht bzw. getestet.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede:
Beide Kameras sind sozusagen Volkskameras (wenn auch nicht in diesen damals sehr teuren TOP-Varianten).
Insbesondere die ADOX-Golf, die in der einfachsten Ausführung "ADOX Golf 63" damals schon für 49,-DM
zu haben war und eine hervorragend gute Bildqualität ablieferte verkaufte sich wie "geschnitten Brot".
Natürlich hatte man Anfang der 1950er (so kurz nach Kriegsende) in Deutschland auch andere Probleme,
als das wenige Geld für Kameras auszugeben, so dass die günstigen Kameras vor allem auch riesige
Export-Erfolge wurden.
Fast 95% der ADOX-Modelle wurden als günstige und einfach gehaltene Einstiegsmodelle gefertigt ....
in riesigen Stückzahlen. Heute kann man die ADOX Golf als Modell "63" auf fast jedem Trödelmarkt
für 10 bis 15€ kaufen .... Alles über die ADOX Golf und die Modellvielfalt gibt's in meinem oben
verlinkten Faden zu lesen!
Die hier gezeigte MESS-Golf IV ist deswegen SUPERSELTEN, weil sie als TOP-Variante der Baureihe
preislich schon in Regionen "langte", wo dann doch eher prestigeträchtigere Marken den Vorzug
bekamen .... der Mensch ist nunmal auch eitel.....
Wie gesagt .... zur ADOX habe ich im anderen Faden schon ein Buch geschrieben, deswegen etwas
ausführlicher zur AGFA-Isolette 3 (Solinar).
Üblicherweise wurden die nach dem Krieg sehr beliebten 6x6 Falter mit dreilinsigen "TRIPLET"
Anastigmaten bewaffnet, die Lichtstärken einhielten, die sie hervorragend scharf abbilden ließen.
Ich habe dermaßen viele solcher Triplet-Falter, die dermaßen tolle Bilder abliefern, dass ich mir
NICHT einreden lasse, dass man zwingend eine der wenigen VIERLINSER aus diesen Zeiten haben
MUSS, um in den Genuss von Bildqualität kommen zu können.
Behauptet wird das allerdings sehr oft .... wo die Weisheit herkommt??? Ich weiß es nicht.
Fakt ist, dass solche (Vierlinser) Modelle (aller Hersteller) sehr gehypt sind in der Analog-Szene und
dass inzwischen auch "nette" Beträge für diese angesagten Seltenheiten bezahlt werden.
Nun die hier vorgestellte AGFA-Isolette 3 ist mit einem solchen VIERLINSER bewaffnet, dem
SOLINAR 75mm/ f:3,5, einer Optik, die im Grunde den Strahlengang des Carl Zeiss Tessars kopiert ....
Spötter sagen deswegen auch "Nachbau" dazu.
Beide Kameras haben die damals noch seltene eingebaute ENTFERNUNGSMESSUNG. Beide
Modelle haben eingebaute Mischbild-Entfernungsmesser, die wie verlinkt funktionieren:
Mischbildentfernungsmesser [Fotolexikon]
Eigentlich hatte ich mich in Sachen 6x6-Faltkameras ja auf ADOX festgelegt und in Sachen
6x9 Faltkameras auf AGFA und Voigtländer.
Erwähnenswert ist, dass die Baureihen AGFA-RECORD und AGFA-ISOLETTE technisch und
vom Design her übereinstimmen .... alles zur AGFA RECORD übrigens HIER:
(LINK)
AGFA RECORD 1952 - 6x9 Kameraportrait
Vergleich AGFA RECORD 3 (links) und AGFA ISOLETTE 3 (rechts)

Beide haben sog. "ungekoppelte" Entfernungsmessung:"


Die Entfernung wird also mit dem Mischbild-Entfernungsmesser ermittelt, dann abgelesen und am
Objektiv eingestellt.
Im Gegensatz zur ADOX hat die AGFA einen INTEGRIERTEN Mischbild-Messsucher, will sagen, die
Entfernungsmessung ist in den Motivsucher integriert.
Die ADOX hat ebenfalls Entfernungsmessung aber einen separaten Messsucher, der vom Motivsucher
getrennt ist und einen separaten Einblick hat:

Film laden:
Beide Kameras haben gut durchdachte Mechanik, die das einlegen eines Rollfilmes (TYP 120) sehr einfach
gestalten und zur Freude machen:
Hier die ADOX mit dem intelligenten Schwenk-Mechanismus aller GOLF-Modelle:


Nicht weniger elegant ist das "Filmeinlegen" bei der AGFA gelöst:


Bei der AGFA wird auf der Nehmerseite die Leerspule nicht "eingeschwenkt", sondern der Wickelknopf
"gezogen" und so entriegelt.
Auch das ist eine gute Lösung .... ich habe da keine Präferenz beides schön gemacht!

Zum Schließen der Rückwand muss bei der ADOX manuell "verriegelt" werden....


Bei der AGFA geht das Verriegeln automatisch .... das ist tatsächlich "eleganter" gelöst .... beides funktioniert aber gleich gut:


Design / Anmutung / Wertigkeit
Die AGFA war die deutlich teurere Volkskamera, was man ihr auch anmerkt!
Sie ist liebevoller und hübscher gefertigt, Belederung, Chromverzierungen, Schließmechanik,
Auslöseknopf usw... alles wirkt etwas wertiger und eleganter gestaltet.
Das heißt aber nicht, dass die ADOX das krasse Gegenteil darstellt. Da bekommt man zweckmäßige und
gute Qualität zum kleineren Preis.
In meinem ADOX-Golf Faden differenziere ich die Fertigungsqualität nach den unterschiedlichen Modellen
ja noch genauer. Sicher ist, dass nie an Wichtigem und zweckmäßigem gespart wurde, auch wenn es
Unterschiede je nach Modell und Baujahr gibt. Die ADOXen sind ordentlich und genau gebaut.
Ich mag beide Kameras sehr und möchte da keiner der beiden den "SIEG" zuordnen.
Den Mess-Steller der AGFA hatte ich oben schon gezeigt! Bei der ADOX ist der Messsteller sehr elegant
und gut erreichbar links oben am Kamerakopf angeordnet:

Objektive und Zentralverschlüsse:
Beide Kameras sind mit jeweils 75mm f:3,5 Objektiven ausgestattet.
Hier schießt die AGFA mit dem seltenen SOLINAR 75mm / F:3,5 den Vogel ab!
Nicht zu verwechseln ... es gab auch noch das günstigere (ebenfalls 4-linsige) Solinar 85mm / F:4,5 ....
welches heute ebenfalls sehr gesucht ist.

Ebenfalls damalige Weltklasse ist der Zentralverschluss der AGFA! Der Friedrich Deckel COMPUR RAPID
kann alles, was damals ging und ist mit seiner 1/500s der damals schnellste Zentralverschluss am Markt.
Auch später konnte die 1/500s nie WIRKLICH mit mechanischen Zentralverschlüssen getoppt werden
(Ausnahme einige wenige "Prestor-Modelle des VEB-Pentacon, die angeblich 1/750s erreicht haben sollen.)
Die ADOX tritt im Vergleich mit ihrer TOP-Optik, dem Steinheil München Cassar 75mm / F:3,5 und dem
Spitzenverschluss PRONTOR-S der Firma Gauthier an.
Der Prontor ist mit einer Spitzen-Verschlusszeit von 1/300s etwas langsamer, als der Cpmpur Rapid
der Agfa, ansonsten aber leistungsgleich.

Insgesamt darf gesagt werden, dass hier beidseitig wirklich hochwertiges Material
am Start sein sollte .... wir wollen SEHEN!
Fortsetzung folgt!
Grüße und viel Spaß mit Film
Klaus
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