Klaus-R
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Hallo zusammen,
ich möchte eine weitere wunderschöne Mittelformat-Faltkamera der Marke
Zeiss-IKON vorstellen, die Superikonta 531 A (1936 - 1951).


Seit den frühen 1930er Jahren stellte man bei der Zeiss Ikon AG in Dresden sehr erfolgreich die Faltkameras für
den ältesten aller Filmtypen her, den Rollfilm 120.
So gab es Modelle verschiedener Baureihen in verschiedenen Preisklassen mit verschiedenster Ausstattung
für drei verschiedene Aufnahmeformate.
Es gab Kameras für die damals klassischen Aufnahmeformate 6x6cm und 6x9cm und auch für das damals
(1936) noch sehr neue und unübliche 4,5x6cm Aufnahmeformat.
Eine solche sehr kleine, und praktische Reisekamera war das seit 1936 verfügbare 4,5 x 6cm TOP-Modell der
IKONTA-Baureihe die .....
SUPERIKONTA 531 A.

Modellvielfalt:
Je nach Geldbeutel konnte man bei Zeiss-IKON auch vergleichsweise günstigere Kameras in Falt-Bauweise erstehen.
Preisgünstiger aber weniger luxuriös ausgestattet waren die Modelle der Baureihen NETTAR oder ERCONA.
Die mit IKONTA gelabelten Modelle rundeten das damalige Verkaufsangebot nach oben hin ab.
Innerhalb der IKONTA-Baureihe gab es dann noch die SUPERIKONTA-Modelle, zu denen auch die hier
vorgestellte 531 A gehört.
Unterscheidungsmerkmale bei Mittelformat Faltkameras:
Neben den mehr oder weniger teuren Objektiven und Zentralverschlüssen der Kameras machte damals
die FOKUSSIERUNG den Preis aus.
Typ 1 (sehr häufig) waren Modelle ganz ohne Entfernungsmessung. Die Aufnahmeentfernung muss geschätzt
werden oder mit einem Aufsteck-Entfernungsmesser bestimmt werden und dann am Fokusring manuell
eingestellt werden.
Typ 2 (selten) waren Modelle mit eingebauten Entfernungsmessern. Solche Kameras hatten dann meist zwei Sucher,
den üblichen Motivsucher und einen zweiten "Messsucher", der dann einen Mischbildentfernungsmesser
beinhaltete, mit dem man die Motiventfernung über die Konvergenz eines Schattenbildes bestimmen kann,
um sie dann "ungekoppelt" manuell am Fokus-Stellring einzustellen.
Man nennt das "Ungekoppelte-Entfernungsmessung"
Typ 3 (sehr selten) waren Kameras mit sog. "gekoppelter" Entfernungsmessung.
Bei der gekoppelten Entfernungsmessung stellt man die Entfernung GLEICHZEITIG mit der Entfernungsmessung
automatisch am Objektiv ein. Eine separate Messung und dann manuelle Übertragung am Fokusstellring, ist bei
solchen seltenen Luxus-Faltkameras dann nicht mehr notwendig.
Hier das Einstellrändel für die gekoppelte Entfernungs-Mess-Einstellung und die ausgeklappte
Messucher-Führungslinse.

Innerhalb der SuperIkonta-Baureihe gab es vier verschieden teure Objektive:
ALLE 75mm Brennweite und F:3,5
NOVAR-AASTIGMAT - Dreilinser Triplet in bewährter Anastigmat-Bauweise
XENAR-Schneider Kreuznach-Vierlinser in angelehnter Tessar-Bauweise
TESSAR - Klassischer Tessar-Vierlinser original von Carl Zeiss Jena
TESSAR - OPTON - Tessar Vierlinser von CZJ damals revolutionär vergütet
Ich habe hier eine 531 mit Tessar Objektiv.

EINSCHUB zu damaliger Faltkamera-Optik:
Eine (nur meine) Meinung zu den damaligen Mittelformat-Objektiven .... aufgrund
reichhaltiger Erfahrungen damit:
Optische Qualität ist bei solchen Mittelformat Faltkameras wirklich FAST selbstverständlich,
nicht nur bei diesen vier Objektiven der Super-Ikonta-Top-Baureihe von Zeiss-Ikon,
sondern auch bei viel einfacheren und preisgünstigeren Baureihen oder anderen Marken.
Die Devise war damals ganz klar: Schärfe VOR Lichtstärke!
Dass sich Abbildungsleistung und Lichtstärke natürlich beißen, war damals wie heute bekannt.
Für die ganz einfachen Kontakt-Prints gab es ja damals die günstigen und mäßig guten BOX-Kameras,
so dass man von einer solchen erheblich teureren Faltkamera ganz klar Bildqualität erwartete
und auch geliefert bekam.
Wenn das Budget nicht für damalige HIGH-END Produkte reichte und man sich
für günstigere Falter von AGFA, KODAK oder ADOX entschied (oder für eine günstigere Baureihe von
Zeiss IKON), dann musste man eben nicht auf ordentliche Kameraoptik verzichten,
sondern auf Lichtstärke. Ähnliche Abstriche mussten dann auch beim Zentralverschluss gemacht werden.
F:3,5 war für die 1930er Jahre bei 6x6 oder 4,5x6 Kameras schon extrem gut ....
mit den wenigen 2,8ern wäre ich eher vorsichtig .... ich hatte hier ja mal eine sehr frühe 2,9er Mittelformat-Optik
vorgestellt .... es war noch zu früh dafür.
Kameraportrait RODENSTOCK CITONETTE:
Rodenstock Citonette 4,5 x 6 - Kameraportrait
Die Erklärung dafür, dass nicht gerade wenige Falter HEUTE auch mal sehr bescheiden abliefern,
liegt ganz woanders! Viele dieser Kameras sind nach bis zu 100 Jahren mächtig verbastelt!
Schon minimaler Verzug des Klappgestänges oder missglückte Reinigungsversuche,
Verschlussreparaturen u.s.w. führen zur fatalen Dejustage solcher Kameras. Man kann auch nicht
einfach die Objektive zweier (auch baugleicher) Kameras einfach so austauschen und dann erwarten,
dass der Fokus dann stimmt! Nach jeder Zerlegung der Kamera MUSS sie anschließend neu kalibriert
werden ... und zwar mit liebevoller Sorgfalt, ansonsten wird sie keine scharfen Aufnahmen mehr
abliefern .... ein leidiges Problem!
Zurück aber zur 531 A .... ich gehe davon aus, dass alle vier verfügbaren Objektive an dieser dresdener
Kamera Spaß machen.
ZENTRALVERSCHLUSS:
Hier kommt bei allen SuperIkonta-Modellen nur das damalige TOP-Modell zum Einsatz, der COMPUR-RAPID
aus dem Hause Friedrich Deckel.
Dieser Verschluss kann nicht nur lange Verschlusszeiten bis zu einer Sekunde, sondern eben auch den
damligen Weltrekord ..... 1/500s.
Viel schneller ging es übrigens NIE. 1/750s wurde später noch erreicht, die 1/1000s blieb bis heute
feinmechanisch technisch nicht machbar.
Alle Vorkriegsmodelle (so auch meine hier) haben noch kein Vorlaufwerk (Selbstauslöser) und auch noch keine
Blitzsynchronisation ... beides wurde erst nach dem 2. Weltkrieg realisiert.

Die 531 verfügt über einen Gehäuse-Auslöser und eine Doppelbelichtungs-Sperre!

Gerade diese Doppelbelichtungssperre finde ich persönlich SEHR wichtig! Die Sperre verhindert, dass man
versehentlich einen Frame zweimal belichtet und so gleich zwei Aufnahmen versaut!
Das Problem entsteht dadurch, dass bei den Faltern Verschlussspannen und Filmtransport immer ungekoppelt
sind! Man transportiert also erst den Film, spannt dann vorne am Objektiv den Verschluss und löst erst dann aus!
Ohne Doppelbelichtungssperre wäre es möglich, den Filmtransport zu vergessen und aus Versehen doppelt zu
belichten. Der ROTE PUNKT zeigt, dass schon transportiert wurde und dass der Auslöser frei ist. Ist der rote
Punkt NICHT zu sehen, muss erst noch transportiert werden und der Auslöser ist gesperrt.
Ein Gehäuseauslöser ist übrigens auch nicht selbstverständlich! Ganz einfache Faltkameras haben ihn nicht
und werden mit einem Taster am Objektiv ausgelöst.
Was mich persönlich wirklich stört, ist, dass die Ikonta Linksauslösung hat!!
Mit der linken Hand auszulösen und mit rechts zu fokussieren geht mir sehr gegen die Gewohnheit
..... erfordert ganz schön UMDENKEN .... keine gute Idee damals .... ist aber so!
Modell-Geschichte:
Frühe Vorkriegs-SUPER-Ikontas haben noch Rückwände mit Doppel-Zählfenstern.


Warum nur ZWEI Schau-Fenster für den Rollfilm-120 Filmtransport???
Exkurs Rollfilm Typ 120:
Der Rollfilm Typ 120 ("120 Film") ist der älteste und traditionsreichste Photo-Film aller Zeiten und er
möge mich bitte überleben, denn er ist für die klassische Film-Photographie viel wichtiger als alles
andere, was leider aussterben musste!
Die ersten Rollfilme 120 kamen wirklich Ende der 1880er Jahre in den Gebrauch (kein Tippfehler!)
Kurz:
Die beiden Aufnahmeformate 6x9cm und 6x6cm sind UR-Klassiker und dafür brauchbare Zählspuren
auf dem Filmträger (Backpaper) hatten historische Tradition.
Die Idee für das kleinste Mittelformat (4,5 x6cm) kam erst in den 1930 Jahren auf.
Die später selbstverständliche 16er Zählspur für 4,5 x 6 cm gab es vor dem Krieg einfach noch nicht.
Ich kann hier kein Geschichtsbuch schreiben, weil mir sonst der allerletzte Leser meiner schrägen Fäden von
der Fahne geht ... aber ganz kurz noch dazu .... denn was war passiert??!
Durch Oscar Barnacks richtungsweisende Idee, den Cine-Film (Typ 135 umgetauft) zum photographieren zu nutzen
ging eines nicht mehr .... die einfache Kontakt-Ausbelichtung (Durchlicht-Positiv-Ausbelichtung auf Photopapier).
Die nun winzigen Kleinbild-Negetive MUSSTEN vergrößert werden und LEITZ nahm sich seit den 1920er Jahren
dieser Herausforderung konsequent an und schuf eine komplette Infrastruktur an Photolaboren, die mit den ja
später selbstverständlichen Vergrößerungsgeräten, die zur Ausbelichtung des neuen Kleinbildfilmes geeignet waren,
ausgestattet waren. Es gab damals eine Zeit, als fast alle KB-Vergrößerer von LEITZ gebaut waren.
Als Nebeneffekt dieser "neuen" Ausbelichtungstechnik (Positiv viel größer, als Negativ) kamen auch die
Rollfilm-Kamera-Macher auf die Idee, ihre Frames sinnvoll zu verkleinern und dann auch zu "vergrößern".
Es gab RIESEN-Fortschritte mit immer besseren und feinkörnigeren Filmen, die erheblich bessere Auflösungen
ermöglichten und damit ein enormes Vergrößerungspotential hatten. Warum also nicht mit ausgezeichnet guten
Objektiven nur noch "hochkant" 4,5X6cm belichten und so dann 16 Aufnahmen statt 12 (6x6) oder nur 8 (6x9) auf
den selben 120er Rollfilm belichten?!
Ich komme zurück zur Rückwand der 531 A .....
Es gab noch keine 16er Zählspur auf den Filmträgern damaliger 120er Rollfilme, denn die IDEE einer 4,5 x 6cm Kamera
kam diesmal NICHT von den Filmherstellern selber, sondern von diversen Kameraherstellern.
Die Vorkriegs-Filme hatten damals nur die 8er Zählspur für 6x9 und die 12er Zählspur für 6x6 .... die heute
selbstverständliche dritte 16er Zählspur kam erst nach dem Krieg.
4,5x6 Kameras, der Vorzeit mussten also die 8er Spur für die 4,5 x 6 Belichtung nutzen ..... mit einem simplen Trick:
Frame 1 wird zuerst im rechten Zählfenster eingestellt und dann im linken für die 2. Aufnahme.
Die Dritte Aufnahme wird dann auf der "2" im rechten Zählfenster belichtet, die 4. Aufnahme auf der "2" im linken Zählfenster usw..
Mit diesem Trick wurde praktisch jeweils eine 6x9 Aufnahme in zwei 4,5x6 Aufnahmen gestückelt.
Nachkriegs-Ikontas haben deswegen andere Rückwände, die OBEN nur noch ein einziges Zählfenster haben,
das die dann "neue" 16er Zählspur heutiger 120er Rollfilme auch nutzt .... seit es sie gibt.
Der Kreis schließt sich wieder .... wir sind zurück bei der Modell Geschichte der 531 A
Späte 531 A haben also einen in der beschriebenen Weise geänderten Rückdeckel mit nur noch einem
Schaufenster und einen modernisierten "Synchro" Compur-Zentralverschluss.
Während VOR dem Krieg Blitzlichtgeräte eine noch ganz andere Rolle spielten, kamen nach dem Krieg
die sog. Birnen-Blitzlichtgeräte ganz groß in Mode.
Vor dem Krieg wurden Blitzgeräte mit "Wilder" Pyrotechnik noch während einer "BULB" Belichtung
manuell (also nicht von der Kamera gesteuert) ausgelöst.
Daher kommt übrigens auch der Begriff!!! BULB-Belichtung ..... heißt auf Englisch nämlich (Blitz) Birne.
Nach dem Krieg kamen moderne Birnenblitzgeräte für einfach verwendbare Blitzbirnen auf,
die vom Kameraverschluss quasi "synchron "zeitgleich" zur Auslösung der Kameras gezündet
werden konnten. Die damals genormte Blitzkontaktbuchse ist bis heute unverändert auch für
Elektronenblitzgeräte üblich.
Es ist noch etwas komplizierter, kann aber hier nur kurz angerissen werden.
Birnenblitzgeräte haben eine minimale Auslöseverzögerung (das Licht kommt erst Sekundenbruchteile
nach der Zündung) Alle frühen Synchro-Verschlüsse synchronisieren OHNE Vorzündung (also -X)
Bis zu einer 1/30s war das den Blitzbirnen egal .... ihre Verzögerung war egal, das Licht kam
BEVOR der Verschluss schon wieder geschlossen war.
Kürzere Blitzsynchronzeiten waren also mit frühen SYNCHRO-Zentralverschlüssen unmöglich.
Modernere Synchro-Verschlüsse waren umschaltbar .... von X auf M Synchro!
Bei der M-Synchro wurde der Birnenblitz einfach Vor-gezündet, so dass Birnenblitzen mit solchen
Verschlüssen bei allen Verschluszzeiten möglich wurde.
Verwendet man heute also ein modernes (völlig verzögerungsloses) Elektronenblitzgerät,
dann sind die UR-synchro Verschlüsse aus der Anfangszeit genau so gut, wie die späteren SV-Typen
.... es sei denn, man verwendet wirklich noch Birnenblitze ..... UND DAS IST (unter Schwierigkeiten!)
auch heute noch möglich ... ein anderes Thema ... ich arbeite daran!
Zurück zur Kamerageschichte .... meine Vorkriegs 531 A hat noch gar keinen Synchro-Compur Verschluss
... gesteuerte Blitzauslösung ist mit ihr nicht möglich.
Ferner hat sie noch die Doppelfenster-Rückwand.
Abgesehen von diesen beiden Änderungen (geänderte Rückwand und Blitzsynchronisation)
gab es vom ersten bis zum letzten Modell keine weiteren Veränderungen.
PHOTOGRAPHIEREN MIT DER 531 A:
Es macht einfach besonderen Spaß, mit solch einer fast 90 Jahre alten Kamera
heute noch zu photographieren. Sie ist einfach ein Hingucker .... fällt auch anderen sofort auf
.... Du wirst beobachtet .... erstaunt .... insteressiert .... belächelnd ...... (bedauernd???)
Belichtungsmesser zur Hand nehmen, Belichtung messen, Zeit und Blende einstellen, Fokussieren dann
erst auslösen ..... das interessiert viele .... was macht der da?? So ein Aufwand für ein einziges Photo!
Und das ist ja nur der Aufnahmeaufwand .... dann kommt ja erst noch der Laboraufwand ....
kaum jemand weiß noch, wie es mal war (oder ist) wenn man einem Film ein Photo entlocken will
..... ich wiederhole es immer wieder .... PROBIERT ES DOCH MAL AUS!
Eines ist sicher .... ihr habt anschließend ganz andere Photos und eine DEZIDIERT andere Einstellung zur
Photographie ..... aus Erfahrung sage ich ..... diejenigen, die sich von mir haben anfixen lassen, sind ALLE
immer noch voll dabei ... ES MACHT EINFACH SPAß!
Indienststellung der alten Zeiss Ikonta .....
NUN ..... garantiert funktionstüchtige 90 Jahre alte Kameras gibt es nur selten. In der Regel muss
man da selber etwas für tun.
Dabei ist man aber nicht wirklich alleine .... in aller Regel freuen sich Liebhaber ja, ihr Wissen zu teilen
... da geht wirklich viel.
Diese 531er kam in wirklich sehr gutem Zustand zu mir ... dennoch musste die Klappmechanik beweglich
gemacht werden, der Motivsucher konvergiert werden und eine Lichtundichtigkeit an der Rückwand
behoben werden.
Der erste Testfilm geht nicht selten schief ..... so auch hier.
Die Aufnahmen vom zweiten Film will ich Euch zeigen .... nachdem ich mich jetzt mit ihrer Linkshänderbedienung
schon leichter tu .... es ist nicht meins .... aber für die IKONTA mach' ich da mal die Ausnahme.
Das 75mm Tessar-Objektiv ist wirklich megascharf .... ich mag das alte gute Stück wirklich sehr.
Zur Lichtmessung kam einer meiner GOSSEN LUNASIX Lichtmesser (über dessen Umrüstung ich ja hier schon
so viel geschrieben hatte) ..... ein schönes Teil ..... wenn auch aus den 1960ern .... fast schon modern ....
so ist alles relativ:
Photos:
Zeiss IKON SUPERIKONTA 531 A (4,5 x 6)
Film: Fomapan 400 ACTION (120 Rollfilm)
Entwicklung: KODAK D76 1+1
Digitalisierung: Epson V600 PHOTO Software: Epson SCAN
Grüße und schöne Photos
Klaus
ich möchte eine weitere wunderschöne Mittelformat-Faltkamera der Marke
Zeiss-IKON vorstellen, die Superikonta 531 A (1936 - 1951).


Seit den frühen 1930er Jahren stellte man bei der Zeiss Ikon AG in Dresden sehr erfolgreich die Faltkameras für
den ältesten aller Filmtypen her, den Rollfilm 120.
So gab es Modelle verschiedener Baureihen in verschiedenen Preisklassen mit verschiedenster Ausstattung
für drei verschiedene Aufnahmeformate.
Es gab Kameras für die damals klassischen Aufnahmeformate 6x6cm und 6x9cm und auch für das damals
(1936) noch sehr neue und unübliche 4,5x6cm Aufnahmeformat.
Eine solche sehr kleine, und praktische Reisekamera war das seit 1936 verfügbare 4,5 x 6cm TOP-Modell der
IKONTA-Baureihe die .....
SUPERIKONTA 531 A.

Modellvielfalt:
Je nach Geldbeutel konnte man bei Zeiss-IKON auch vergleichsweise günstigere Kameras in Falt-Bauweise erstehen.
Preisgünstiger aber weniger luxuriös ausgestattet waren die Modelle der Baureihen NETTAR oder ERCONA.
Die mit IKONTA gelabelten Modelle rundeten das damalige Verkaufsangebot nach oben hin ab.
Innerhalb der IKONTA-Baureihe gab es dann noch die SUPERIKONTA-Modelle, zu denen auch die hier
vorgestellte 531 A gehört.
Unterscheidungsmerkmale bei Mittelformat Faltkameras:
Neben den mehr oder weniger teuren Objektiven und Zentralverschlüssen der Kameras machte damals
die FOKUSSIERUNG den Preis aus.
Typ 1 (sehr häufig) waren Modelle ganz ohne Entfernungsmessung. Die Aufnahmeentfernung muss geschätzt
werden oder mit einem Aufsteck-Entfernungsmesser bestimmt werden und dann am Fokusring manuell
eingestellt werden.
Typ 2 (selten) waren Modelle mit eingebauten Entfernungsmessern. Solche Kameras hatten dann meist zwei Sucher,
den üblichen Motivsucher und einen zweiten "Messsucher", der dann einen Mischbildentfernungsmesser
beinhaltete, mit dem man die Motiventfernung über die Konvergenz eines Schattenbildes bestimmen kann,
um sie dann "ungekoppelt" manuell am Fokus-Stellring einzustellen.
Man nennt das "Ungekoppelte-Entfernungsmessung"
Typ 3 (sehr selten) waren Kameras mit sog. "gekoppelter" Entfernungsmessung.
Bei der gekoppelten Entfernungsmessung stellt man die Entfernung GLEICHZEITIG mit der Entfernungsmessung
automatisch am Objektiv ein. Eine separate Messung und dann manuelle Übertragung am Fokusstellring, ist bei
solchen seltenen Luxus-Faltkameras dann nicht mehr notwendig.
Hier das Einstellrändel für die gekoppelte Entfernungs-Mess-Einstellung und die ausgeklappte
Messucher-Führungslinse.

Innerhalb der SuperIkonta-Baureihe gab es vier verschieden teure Objektive:
ALLE 75mm Brennweite und F:3,5
NOVAR-AASTIGMAT - Dreilinser Triplet in bewährter Anastigmat-Bauweise
XENAR-Schneider Kreuznach-Vierlinser in angelehnter Tessar-Bauweise
TESSAR - Klassischer Tessar-Vierlinser original von Carl Zeiss Jena
TESSAR - OPTON - Tessar Vierlinser von CZJ damals revolutionär vergütet
Ich habe hier eine 531 mit Tessar Objektiv.

EINSCHUB zu damaliger Faltkamera-Optik:
Eine (nur meine) Meinung zu den damaligen Mittelformat-Objektiven .... aufgrund
reichhaltiger Erfahrungen damit:
Optische Qualität ist bei solchen Mittelformat Faltkameras wirklich FAST selbstverständlich,
nicht nur bei diesen vier Objektiven der Super-Ikonta-Top-Baureihe von Zeiss-Ikon,
sondern auch bei viel einfacheren und preisgünstigeren Baureihen oder anderen Marken.
Die Devise war damals ganz klar: Schärfe VOR Lichtstärke!
Dass sich Abbildungsleistung und Lichtstärke natürlich beißen, war damals wie heute bekannt.
Für die ganz einfachen Kontakt-Prints gab es ja damals die günstigen und mäßig guten BOX-Kameras,
so dass man von einer solchen erheblich teureren Faltkamera ganz klar Bildqualität erwartete
und auch geliefert bekam.
Wenn das Budget nicht für damalige HIGH-END Produkte reichte und man sich
für günstigere Falter von AGFA, KODAK oder ADOX entschied (oder für eine günstigere Baureihe von
Zeiss IKON), dann musste man eben nicht auf ordentliche Kameraoptik verzichten,
sondern auf Lichtstärke. Ähnliche Abstriche mussten dann auch beim Zentralverschluss gemacht werden.
F:3,5 war für die 1930er Jahre bei 6x6 oder 4,5x6 Kameras schon extrem gut ....
mit den wenigen 2,8ern wäre ich eher vorsichtig .... ich hatte hier ja mal eine sehr frühe 2,9er Mittelformat-Optik
vorgestellt .... es war noch zu früh dafür.
Kameraportrait RODENSTOCK CITONETTE:
Rodenstock Citonette 4,5 x 6 - Kameraportrait
Die Erklärung dafür, dass nicht gerade wenige Falter HEUTE auch mal sehr bescheiden abliefern,
liegt ganz woanders! Viele dieser Kameras sind nach bis zu 100 Jahren mächtig verbastelt!
Schon minimaler Verzug des Klappgestänges oder missglückte Reinigungsversuche,
Verschlussreparaturen u.s.w. führen zur fatalen Dejustage solcher Kameras. Man kann auch nicht
einfach die Objektive zweier (auch baugleicher) Kameras einfach so austauschen und dann erwarten,
dass der Fokus dann stimmt! Nach jeder Zerlegung der Kamera MUSS sie anschließend neu kalibriert
werden ... und zwar mit liebevoller Sorgfalt, ansonsten wird sie keine scharfen Aufnahmen mehr
abliefern .... ein leidiges Problem!
Zurück aber zur 531 A .... ich gehe davon aus, dass alle vier verfügbaren Objektive an dieser dresdener
Kamera Spaß machen.
ZENTRALVERSCHLUSS:
Hier kommt bei allen SuperIkonta-Modellen nur das damalige TOP-Modell zum Einsatz, der COMPUR-RAPID
aus dem Hause Friedrich Deckel.
Dieser Verschluss kann nicht nur lange Verschlusszeiten bis zu einer Sekunde, sondern eben auch den
damligen Weltrekord ..... 1/500s.
Viel schneller ging es übrigens NIE. 1/750s wurde später noch erreicht, die 1/1000s blieb bis heute
feinmechanisch technisch nicht machbar.
Alle Vorkriegsmodelle (so auch meine hier) haben noch kein Vorlaufwerk (Selbstauslöser) und auch noch keine
Blitzsynchronisation ... beides wurde erst nach dem 2. Weltkrieg realisiert.

Die 531 verfügt über einen Gehäuse-Auslöser und eine Doppelbelichtungs-Sperre!

Gerade diese Doppelbelichtungssperre finde ich persönlich SEHR wichtig! Die Sperre verhindert, dass man
versehentlich einen Frame zweimal belichtet und so gleich zwei Aufnahmen versaut!
Das Problem entsteht dadurch, dass bei den Faltern Verschlussspannen und Filmtransport immer ungekoppelt
sind! Man transportiert also erst den Film, spannt dann vorne am Objektiv den Verschluss und löst erst dann aus!
Ohne Doppelbelichtungssperre wäre es möglich, den Filmtransport zu vergessen und aus Versehen doppelt zu
belichten. Der ROTE PUNKT zeigt, dass schon transportiert wurde und dass der Auslöser frei ist. Ist der rote
Punkt NICHT zu sehen, muss erst noch transportiert werden und der Auslöser ist gesperrt.
Ein Gehäuseauslöser ist übrigens auch nicht selbstverständlich! Ganz einfache Faltkameras haben ihn nicht
und werden mit einem Taster am Objektiv ausgelöst.
Was mich persönlich wirklich stört, ist, dass die Ikonta Linksauslösung hat!!
Mit der linken Hand auszulösen und mit rechts zu fokussieren geht mir sehr gegen die Gewohnheit
..... erfordert ganz schön UMDENKEN .... keine gute Idee damals .... ist aber so!
Modell-Geschichte:
Frühe Vorkriegs-SUPER-Ikontas haben noch Rückwände mit Doppel-Zählfenstern.


Warum nur ZWEI Schau-Fenster für den Rollfilm-120 Filmtransport???
Exkurs Rollfilm Typ 120:
Der Rollfilm Typ 120 ("120 Film") ist der älteste und traditionsreichste Photo-Film aller Zeiten und er
möge mich bitte überleben, denn er ist für die klassische Film-Photographie viel wichtiger als alles
andere, was leider aussterben musste!
Die ersten Rollfilme 120 kamen wirklich Ende der 1880er Jahre in den Gebrauch (kein Tippfehler!)
Kurz:
Die beiden Aufnahmeformate 6x9cm und 6x6cm sind UR-Klassiker und dafür brauchbare Zählspuren
auf dem Filmträger (Backpaper) hatten historische Tradition.
Die Idee für das kleinste Mittelformat (4,5 x6cm) kam erst in den 1930 Jahren auf.
Die später selbstverständliche 16er Zählspur für 4,5 x 6 cm gab es vor dem Krieg einfach noch nicht.
Ich kann hier kein Geschichtsbuch schreiben, weil mir sonst der allerletzte Leser meiner schrägen Fäden von
der Fahne geht ... aber ganz kurz noch dazu .... denn was war passiert??!
Durch Oscar Barnacks richtungsweisende Idee, den Cine-Film (Typ 135 umgetauft) zum photographieren zu nutzen
ging eines nicht mehr .... die einfache Kontakt-Ausbelichtung (Durchlicht-Positiv-Ausbelichtung auf Photopapier).
Die nun winzigen Kleinbild-Negetive MUSSTEN vergrößert werden und LEITZ nahm sich seit den 1920er Jahren
dieser Herausforderung konsequent an und schuf eine komplette Infrastruktur an Photolaboren, die mit den ja
später selbstverständlichen Vergrößerungsgeräten, die zur Ausbelichtung des neuen Kleinbildfilmes geeignet waren,
ausgestattet waren. Es gab damals eine Zeit, als fast alle KB-Vergrößerer von LEITZ gebaut waren.
Als Nebeneffekt dieser "neuen" Ausbelichtungstechnik (Positiv viel größer, als Negativ) kamen auch die
Rollfilm-Kamera-Macher auf die Idee, ihre Frames sinnvoll zu verkleinern und dann auch zu "vergrößern".
Es gab RIESEN-Fortschritte mit immer besseren und feinkörnigeren Filmen, die erheblich bessere Auflösungen
ermöglichten und damit ein enormes Vergrößerungspotential hatten. Warum also nicht mit ausgezeichnet guten
Objektiven nur noch "hochkant" 4,5X6cm belichten und so dann 16 Aufnahmen statt 12 (6x6) oder nur 8 (6x9) auf
den selben 120er Rollfilm belichten?!
Ich komme zurück zur Rückwand der 531 A .....
Es gab noch keine 16er Zählspur auf den Filmträgern damaliger 120er Rollfilme, denn die IDEE einer 4,5 x 6cm Kamera
kam diesmal NICHT von den Filmherstellern selber, sondern von diversen Kameraherstellern.
Die Vorkriegs-Filme hatten damals nur die 8er Zählspur für 6x9 und die 12er Zählspur für 6x6 .... die heute
selbstverständliche dritte 16er Zählspur kam erst nach dem Krieg.
4,5x6 Kameras, der Vorzeit mussten also die 8er Spur für die 4,5 x 6 Belichtung nutzen ..... mit einem simplen Trick:
Frame 1 wird zuerst im rechten Zählfenster eingestellt und dann im linken für die 2. Aufnahme.
Die Dritte Aufnahme wird dann auf der "2" im rechten Zählfenster belichtet, die 4. Aufnahme auf der "2" im linken Zählfenster usw..
Mit diesem Trick wurde praktisch jeweils eine 6x9 Aufnahme in zwei 4,5x6 Aufnahmen gestückelt.
Nachkriegs-Ikontas haben deswegen andere Rückwände, die OBEN nur noch ein einziges Zählfenster haben,
das die dann "neue" 16er Zählspur heutiger 120er Rollfilme auch nutzt .... seit es sie gibt.
Der Kreis schließt sich wieder .... wir sind zurück bei der Modell Geschichte der 531 A
Späte 531 A haben also einen in der beschriebenen Weise geänderten Rückdeckel mit nur noch einem
Schaufenster und einen modernisierten "Synchro" Compur-Zentralverschluss.
Während VOR dem Krieg Blitzlichtgeräte eine noch ganz andere Rolle spielten, kamen nach dem Krieg
die sog. Birnen-Blitzlichtgeräte ganz groß in Mode.
Vor dem Krieg wurden Blitzgeräte mit "Wilder" Pyrotechnik noch während einer "BULB" Belichtung
manuell (also nicht von der Kamera gesteuert) ausgelöst.
Daher kommt übrigens auch der Begriff!!! BULB-Belichtung ..... heißt auf Englisch nämlich (Blitz) Birne.
Nach dem Krieg kamen moderne Birnenblitzgeräte für einfach verwendbare Blitzbirnen auf,
die vom Kameraverschluss quasi "synchron "zeitgleich" zur Auslösung der Kameras gezündet
werden konnten. Die damals genormte Blitzkontaktbuchse ist bis heute unverändert auch für
Elektronenblitzgeräte üblich.
Es ist noch etwas komplizierter, kann aber hier nur kurz angerissen werden.
Birnenblitzgeräte haben eine minimale Auslöseverzögerung (das Licht kommt erst Sekundenbruchteile
nach der Zündung) Alle frühen Synchro-Verschlüsse synchronisieren OHNE Vorzündung (also -X)
Bis zu einer 1/30s war das den Blitzbirnen egal .... ihre Verzögerung war egal, das Licht kam
BEVOR der Verschluss schon wieder geschlossen war.
Kürzere Blitzsynchronzeiten waren also mit frühen SYNCHRO-Zentralverschlüssen unmöglich.
Modernere Synchro-Verschlüsse waren umschaltbar .... von X auf M Synchro!
Bei der M-Synchro wurde der Birnenblitz einfach Vor-gezündet, so dass Birnenblitzen mit solchen
Verschlüssen bei allen Verschluszzeiten möglich wurde.
Verwendet man heute also ein modernes (völlig verzögerungsloses) Elektronenblitzgerät,
dann sind die UR-synchro Verschlüsse aus der Anfangszeit genau so gut, wie die späteren SV-Typen
.... es sei denn, man verwendet wirklich noch Birnenblitze ..... UND DAS IST (unter Schwierigkeiten!)
auch heute noch möglich ... ein anderes Thema ... ich arbeite daran!
Zurück zur Kamerageschichte .... meine Vorkriegs 531 A hat noch gar keinen Synchro-Compur Verschluss
... gesteuerte Blitzauslösung ist mit ihr nicht möglich.
Ferner hat sie noch die Doppelfenster-Rückwand.
Abgesehen von diesen beiden Änderungen (geänderte Rückwand und Blitzsynchronisation)
gab es vom ersten bis zum letzten Modell keine weiteren Veränderungen.
PHOTOGRAPHIEREN MIT DER 531 A:
Es macht einfach besonderen Spaß, mit solch einer fast 90 Jahre alten Kamera
heute noch zu photographieren. Sie ist einfach ein Hingucker .... fällt auch anderen sofort auf
.... Du wirst beobachtet .... erstaunt .... insteressiert .... belächelnd ...... (bedauernd???)
Belichtungsmesser zur Hand nehmen, Belichtung messen, Zeit und Blende einstellen, Fokussieren dann
erst auslösen ..... das interessiert viele .... was macht der da?? So ein Aufwand für ein einziges Photo!
Und das ist ja nur der Aufnahmeaufwand .... dann kommt ja erst noch der Laboraufwand ....
kaum jemand weiß noch, wie es mal war (oder ist) wenn man einem Film ein Photo entlocken will
..... ich wiederhole es immer wieder .... PROBIERT ES DOCH MAL AUS!
Eines ist sicher .... ihr habt anschließend ganz andere Photos und eine DEZIDIERT andere Einstellung zur
Photographie ..... aus Erfahrung sage ich ..... diejenigen, die sich von mir haben anfixen lassen, sind ALLE
immer noch voll dabei ... ES MACHT EINFACH SPAß!
Indienststellung der alten Zeiss Ikonta .....
NUN ..... garantiert funktionstüchtige 90 Jahre alte Kameras gibt es nur selten. In der Regel muss
man da selber etwas für tun.
Dabei ist man aber nicht wirklich alleine .... in aller Regel freuen sich Liebhaber ja, ihr Wissen zu teilen
... da geht wirklich viel.
Diese 531er kam in wirklich sehr gutem Zustand zu mir ... dennoch musste die Klappmechanik beweglich
gemacht werden, der Motivsucher konvergiert werden und eine Lichtundichtigkeit an der Rückwand
behoben werden.
Der erste Testfilm geht nicht selten schief ..... so auch hier.
Die Aufnahmen vom zweiten Film will ich Euch zeigen .... nachdem ich mich jetzt mit ihrer Linkshänderbedienung
schon leichter tu .... es ist nicht meins .... aber für die IKONTA mach' ich da mal die Ausnahme.
Das 75mm Tessar-Objektiv ist wirklich megascharf .... ich mag das alte gute Stück wirklich sehr.
Zur Lichtmessung kam einer meiner GOSSEN LUNASIX Lichtmesser (über dessen Umrüstung ich ja hier schon
so viel geschrieben hatte) ..... ein schönes Teil ..... wenn auch aus den 1960ern .... fast schon modern ....
so ist alles relativ:
Photos:
Zeiss IKON SUPERIKONTA 531 A (4,5 x 6)
Film: Fomapan 400 ACTION (120 Rollfilm)
Entwicklung: KODAK D76 1+1
Digitalisierung: Epson V600 PHOTO Software: Epson SCAN
Grüße und schöne Photos
Klaus
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