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Etwas off topic: RA4, Farbe, geht doch nur mit Trommel und Analyzer, etc. , oder seh ich das falsch?
War ja schon vor zwei Jahren überrascht, wie easy der C41 heute zu Hause läuft in der Entwicklung.
viele Grüße
Matt
Die RA4 Entwicklung soll eigentlich bei 35 Grad warm durchgeführt werden!
Das macht durchaus technische Probleme!
Die klassische Schalenentwicklung bringt gleich mehrere Nachteile:
-die Chemie oxidiert bei Schalenentwicklungt an der großen Oberfläche schneller an der Luft, als bei Zimmertemperatur.
- Man benötigt entweder Schalenwärmer (Untersetzer) oder ein Mantelbad (Kleine Schale in großer Warmhalteschale mit z.B. Aquarium-Heizstab.)
- Die "warme Suppe" verdampft natürlich dann und sorgt für subtropische Warmluftfeuchte im Labor, so dass eine Belüftungsanlege unverzichtbar wird. Letztlich möchte man vielleicht ja auch keinen Fungus in der Vergrößerungsoptik züchten und die Dämpfe auch nicht einatmen??!

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Lösungsansätze:
- Kaltentwickeln:
Es ist zwar mühselig, aber man kann mit der modernen ADOX-RA4-Chamie auch bei 20 Grad arbeiten, dann aber die Zeiten für Entwickeln und Bleichfixieren von 45s auf 3,5min verlängern.
Ich hatte den Tip aus einem Forum und habe das ausprobiert .... geht und macht im Bildergebnis tatsächlich keinen Unterschied. Komfortabel ist natürlich anders! Jedes Bild dann mit Zwischenwässerung und Endwässerung 10 min. lang prozessieren, ist wirklich extrem langwierig.
-Trommelentwicklung:
Chemie im Mantelbad auf 35 Grad anwärmen (wie bei C-41-Filmentwicklung) und in einer Trommel entwickeln (geht üblicherweise bis 30x40cm). Die Trommel kann im Dunkelbereich beschickt werden und genial ist dann, dass man die Belichtung im Labor machen kann und den kompletten Nassbereich bei Licht in einem anderen Raum durchführen kann.
In einer Trommel können alternativ dann auch vier 13x18 Prints oder zwei 18 x 24cm Prints gleichzeitig prozessiert werden.
Ich habe gerade einen Elektro-Antrieb von DURST im Zulauf, der mir das "Rollen" meiner Entwicklungstrommel auf dem Boden abnehmen soll (man wird ja nicht jünger und wer will schon "Rücken"?!

)
Vorteile: Minimaler Chemieverbrauch! Keine Dämpfe und Arbeiten bei Licht!
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COLOR ANALYZER:
Solche feinen (faszinierenden!) Geräte waren zu ihrer Zeit grausam teuer und es geht und ging immer schon ohne sie. Heute habe ich ein Luxusgerät der Marke WALLNER, weil einem solche Sachen fast schon hinterher geworfen werden.
RA4 Farbphotopapier hat weder eine genau festgelegte Lichtempfindlichkeit noch eine genau festgelegte Farbwiedergabe (hinsichtlich Weißabgleich) Dieses Problem löst auch der Analyzer zunächst nicht!
Jede neue Charge RA4 Photopapier muss durch Proben zunächst neutral angefiltert werden. Dazu wählt man sinnvollerweise ein Negativ des Filmes, das einen für den Film typischen Weißabgleich anbietet.
Belichtung und Anfilterung müssen für jede neue Schachtel oder Industrierolle Farbpapier immer wieder neu experimentell (also nach Auge) ermittelt werden. Das kann locker auch mal 90 min. dauern, bis man eine solche Filterung raus hat, die dann GENAU und NUR für diese Schachtel Papier und NUR für das verwendtete Vergrößerungsgerät gültig ist. Entsprechende Daten notiert man sich dann sinnvollerweise auf der Schachtel für's nächtste Ausbelichten!
Dabei kann der Analyzer NICHT HELFEN!
Der Analyzer kann etwas ganz anderes!
Hat man jetzt die Anfilterung für eine bestimmte Charge RA4 herausgefunden, dann kann man ein solches Gerät kalibrieren, indem man es quasi auf den für das Papier erforderlichen Filterwert NULLT.
Verwende ich jetzt z.B. einen anderen Farbfilm, einen anderen Vergrößerer oder eine Szene, die bei Kunstlicht auf einem Tageslicht-Farbfilm aufgenommen wurde, dann hilft mir das Gerät, ohne weitere Probestreifen Filteranpassungen vorzunehmen, die dann Ad Hoc passen.
Kurz: Wenn ich die Grundfilterung für eine Charge RA4 Papier einmal gefunden habe und den Analyzer darauf kalibriert habe, dann kann ich alles andere verändern .... anderes Gerät, andere Projektionslampe, andere Vergrößerungsoptik, anderer Film, anderer Vergrößerungsmaßstab usw.
Verwende ich aber anderes Papier (auch der selben Marke!) muss ich wieder von vorne anfangen!
Wichtig! Der Analyzer arbeitet, wie der automatische Weißabgleich einer Digitalkamera! Er kann das Motiv nicht bewerten!
Am genauesten kann man also damit arbeiten, wenn man ein Negativ für das Abphotographieren einer Graukarte opfert und darauf kalibriert. Ansonsten muss man ein Motiv nehmen, das eine möglichst "ausgewogene" Farbverteilung anbietet. Man schwenkt dafür eine Linse ein, die möglichst "unscharf" die Szene "vermischt", damit die Messonde den integralen YMC-Wert der Szene aufnehmen kann.
Grüße und rettet Film
Klaus