Es ist sehr ruhig geworden .....

Stephan_B

Stephan_B

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Hallo Klaus,

ich bin in den letzten Jahren aus verschiedenen privaten Gründen leider recht wenig in diesen Forum unterwegst gewessen und antworte deshalb erst jetzt auch deinen Beitrag.

Es ist ein interessantes Thema das Du hier ansprichst. Das Thema geht eigentlich weit über das Thema Fotografie hinaus. Man kann auch vereinfacht sagen schneller, höher und weiter, ist der Triebmotor einer Kapitalistisch geprägten Wirtschaft und der dazugehörigen Konsumgesellschaft.

Früher hat man das was man hatte gehegt und gepflegt und wenn möglich auch noch an die nächste Generation weitergegeben. Heute ist das gerade gekaufte in den Moment wo man es kauft, eigentlich schon wieder veraltet, weil ja spätestens in 12 Monate die Nachfolger auf den Markt kommen.

Obwohl ich technisch sehr interessiert bin, privat wie beruflich, habe ich für mich schon vor langer Zeit beschlossen nicht jeden Trend der gerade läuft mitzumachen. Im Gegenteil ich habe viel Freude daran alte Sachen wieder in Stand zu setzen und zu benutzen.

Um jetzt wieder auf das Thema Fotografie zu kommen, natürlich kann ich heute mit den neuesten Kameras oder gar Smartphones ansehnliche Bilder produzieren. Eigentlich brauche ich nur nur auf den Auslöser zu drücken. Auf Basis der hohen Megapixel Zahl kann ich dann im Nachhinein noch den Passenden Ausschnitt festlegen. Die Automatiken und Ki`s dieser Welt sind da schon sehr gut geworden.

Das Ergebnis mag manchmal den eines Profi Fotografen entsprechen oder auch vereinzelt besser wirken.

Die Frage ist ist das dann noch mein Foto ? Verbinde ich damit auch noch nach Jahren Erinnerungen wenn ich es mir ansehe ? Oder sind diese Fotos zwar Perfekt aber nur noch Nett und beliebig. Wenn 99 % meiner Bilder immer Perfekt sind über was freue ich mich dann wenn ich Sie im Nachgang betrachte. Oder betrachte ich im Nachgang die Bilder gar nicht mehr und speichere Sie nur noch ab.

Wenn ich mir heute zum Beispiel Bilder von Rehen und Hirschen ansehe die ich mit meine alten Nikon DX2 , mit den 80-200mm, gemacht habe, kommt halt auch die Erinnerung wie ich teilweise Stundenlang bei Regen und Sonnenschein darauf gewartet habe diese Tiere zu Fotografieren und wie sehr ich mich bei der ersten Begutachtung und auch noch heute darüber freue das ich geschafft habe.

Oder das Fotografieren von Möwen im Flug , mit einer Sigma SD 9 und einen 70-300 mm Objektiv.

Für mich ist das Erfolgserlebnis über ein gutes Foto um zu größer, wenn die dafür benutzte Ausrüstung dafür eigentlich nicht ideal ist. Wenn ich mit meiner Erfahrung und meinen können diese Bild erzeugt habe und nicht irgendeine Ki oder Automatik.

Selbst eine meiner alte Kameras wie meine Nikon DX2 , Fuji S5pro oder Sigma SD9 sind High Tek.

Ich habe mit eine Agfa Box 50 angefangen zu Fotografieren ohne jegliche Automatik oder gar einen Belichtungsmesser.

Ein Großteil der heute, auch in diesen Forum tätigen, Hobby Fotografen haben schon einen längere fotografische Entwicklung hinter sich und haben das Wissen und das handwerkliche können ohne all diese Unterstützungstechniken gute Bilder machen zu können.

Ich freue mich mehr darüber mit einer handwerklich gut verarbeiteten alte Kamera, mit den entsprechenden Objektiven ein Bild zu machen als mit einen Plastikbomber mit vielen Automatiken, schnellen Prozessoren und Ki Unterstützung die die Mängel an Objektivqualität und handwerklichen können, quasi wegrechnen.

Früher wo Filmmaterial und Entwicklung, richtig teuer waren hat man sich aus meiner Sicht deutlich mehr Gedanken zu Motiven und zu idealen Abbildung dieser gemacht.

Vieleicht bin ich altmodisch, aber ich brauche auch heute keine Kamera die Bilder am Fließband produziert oder wie so manches Handy bis zu 1000 Bilder pro Sekunden um diese dann über eine Ki zu einen zu verrechnen, meist mit einen Ergebnis was mit den realen Bedingungen nichts zu tun hat, aber schön aussieht.
Wie immer gilt das ist meine persönliche und private Meinung, jeder hat das recht eine andere zu haben die ich auch gerne respektiere.

Schönes Licht und gute Bilder wünscht ich

Stephan
 
MROH

MROH

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Hallo in die Runde,

dann möchte ich auch gerne einmal meine Gedanken zu diesem interessanten Themenkomplex beisteuern.

Zunächst bin ich kein Jünger, der der neuesten Technik hinterherläuft. Im Gegenteil gerade bin ich dabei die letzten "neueren" Fuji-Kameras (X-T2 und X-Pro2) zu verkaufen. Von Fuji bleiben mir dann noch drei Kameras, die ich mit Bedacht ausgewählt habe: Die X100, die X-Pro1 und die X-T1. Dazu die drei Objektive der ersten Generation: XF18mm F2, XF35mm F1.4 und XF60mm F2.4, also die Basis der Fujifilm X Reihe. Der Schritt ist mir wirklich schwer gefallen, da ich die X-Pro2's und die X-T2 aus dem FF bedienen konnte und ich mit ihnen fantastische Aufnahmen gemacht habe. Aber auch einigen Schrott.

Trotzdem habe ich mich entschlossen, einen Systemwechsel zu vollziehen und einen deutlichen Schritt zurück zu machen. Gewechselt habe ich zu Nikon FX mit einer D800 und einer Df, also zwei deutlich älteren Spiegelreflex-Kameras. Die Frage nach dem Warum stellt sich jedem, der den Trend weg vom Spiegel, hin zum elektronischen Sucher kennt und nachvollziehen kann. Meine Antwort darauf ist, dass das für mich keine Rolle mehr spielt. Denn die technischen Weiterentwicklungen, die zu großen Teilen ja sogar sinnvoll und gut sind, brauche ich gar nicht.

Die Einstellungen meiner Kameras sind seit Jahren die gleichen: Aufnahme in RAW und damit ist alles in den Menüs erledigt. Alles weitere wird außen justiert: Belichtung, Blende, ISO, Belichtungskorrektur (falls mit Automatik), Belichtungsmessung, Kontrolle der Schärfentiefe. Und das können die alten Kameras heute noch so gut, wie aktuelle Modelle. Ich sehe da keinen Unterschied.

Das bedeutet, kameratechnisch bin ich tatsächlich mehrere Reihen nach hinten gerückt. Objektivtechnisch teilweise sogar noch weiter. Das einzige, was ich mir aktuell gekauft habe, weil es wirklich einen qualitativen Gewinn bedeutet, war das Tamron 17-35. Ansonsten sind meine "neuen" Nikkore zwischen 25 und 40 Jahre alt, viele sogar nur manuelle AI(S).

Welche Bedeutung hatte das für meine Fotografie? Eine sehr große. Nach der Gewöhnung an das neue System, Fuji und Nikon unterscheiden sich in einigen Dingen deutlich, habe ich gemerkt, dass der Kopf wieder freier wurde. Sprich, mit alter Ausrüstung habe ich mich befreit gefühlt. Für die Konzentration auf die Bildgestaltung ein fundamentaler Befreiungsschlag. Aktuelle Ausrüstung sind bei mir tatsächlich Stativ, Rucksack und Wanderstiefel.

Und trotzdem darf man die Entwicklung der Kamerahersteller nicht unterschätzen. Denn in der allgemeinen Wahrnehmung ändern sich viele Dinge, vor allem über die Medien, die wir konsumieren. Die Sportsendungen und -magazine, wie wir sie heute kennen, wären ohne aktuelle Technik gar nicht möglich. Ich rede hier von den aktuellen und ausgezeichneten Autofokussystemen von Canon und Sony beispielsweise.

Aber auch in der Landschaftsfotografie werden heute mit 60MP Aufnahmen gemacht, aus denen sich dann viele Einzelaufnahmen herauscroppen lassen. Man kann also mit einer sorgfältig gestalteten Aufnahme eine halbe Fotoreportage füllen, wenn man möchte.

Welche Möglichkeiten bietet uns die neueste Fototechnik, an die wir vor 5 Jahren gar nicht dachten. Höchste Auflösungen, die im Hoch-ISO-Bereich rauscharm sind, vor 10 Jahren nicht vorstellbar. Dazu kommen noch Möglichkeiten der Bildbearbeitung, die vor 5 Jahren gar nicht denkbar waren. Auch da wird die Entwicklung nicht halt machen. Wenn ich daran denke, wie vor 8 Jahren über die Df gestaunt wurde, wie hoch man die ISO reißen kann. Auch heute noch ist sie in dem Bereich sehr gut, aber nichts was einen Technikaffinen vom Stuhl reißt.

Für den normalen Hobbyfotografen wird die Luft aber dünner. Denn die Handyfotos werden immer besser. Die physikalischen Grenzen dieser Minisensoren werden durch immer leistungsfähigere Prozessoren gerissen. Was das Linsensystem nicht leisten kann, macht dann die Rechenpower. Das wird auch irgendwann in die Kameras Einzug halten. Moderne und aktuelle Kameras, wie wir sie kennen, werden sich dann aber nur noch die Profis leisten können.

Aber eines wird sich nicht ändern: Der Gestaltungswille des Fotografen wird die Voraussetzung für gute Fotografien bleiben. Egal welche Technik er verwendet. Und darüber, ob eine Fotografie gut ist oder nicht, entscheidet der Betrachter, dem die Kamera egal ist. Der Betrachter will von einer Aufnahme berührt werden, die Technik interessiert da nicht sonderlich.

Herzliche Grüße
Mark
 
nobbi26

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"Zitat" @MROH (Mark)
Aber eines wird sich nicht ändern: Der Gestaltungswille des Fotografen wird die Voraussetzung für gute Fotografien bleiben. Egal welche Technik er verwendet. Und darüber, ob eine Fotografie gut ist oder nicht, entscheidet der Betrachter, dem die Kamera egal ist. Der Betrachter will von einer Aufnahme berührt werden, die Technik interessiert da nicht sonderlich.

👍 👍 👍
 
RoToR

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Ich bin auch ein Fan von älteren Kameras, da mir das Fotografieren damit viel Spaß macht. Momentan beschäftige ich mich mit der Portrait Fotografie und habe aber bemerkt, dass ein automatischer Augenfokus ganz nett wäre und weniger Ausschuss produzieren würde.
Es kommt halt immer darauf an, was man fotografiert und ob man damit Geld verdienen will.
Als Profifotograf macht es Sinn in neue Technik zu investieren, wenn man dadurch die Chance hat mehr Geld zu verdienen. Viele Profifotografen leihen oder leasen sich das Equipment sogar, weil es günstiger kommt und so die Technik zum Einsatz kommt, die sie gerade benötigen.
 
MROH

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Die Profis, die ich kenne, kaufen deswegen regelmäßig neue Kameras, einfach weil sie durch sind. Die machen in zwei drei Jahren an die 500.000 bis 1 Mio Auslösungen. Danach ist die Kiste auch schrottreif. Warum dann nicht aktuelle Technik kaufen.
Leasen ist für Profis eine Option, aber öfter sehe ich, dass die Canon 5D MK? und vllt eine PhaseOne gekauft werden und dann auftragbezogen wird dann das 150MP Back oder das entsprechende Objektiv gemietet.
Das verschafft den Profis einigen Puffer.

Portraits fotografiere ich aktuell kaum. Aber wenn ich portraitiere, dann nutze ich ausschließlich manuelle Linsen.
 
Nitram_B.

Nitram_B.

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Die Profis, die ich kenne, kaufen deswegen regelmäßig neue Kameras, einfach weil sie durch sind. Die machen in zwei drei Jahren an die 500.000 bis 1 Mio Auslösungen. Danach ist die Kiste auch schrottreif. Warum dann nicht aktuelle Technik kaufen.
Leasen ist für Profis eine Option, aber öfter sehe ich, dass die Canon 5D MK? und vllt eine PhaseOne gekauft werden und dann auftragbezogen wird dann das 150MP Back oder das entsprechende Objektiv gemietet.
Das verschafft den Profis einigen Puffer.

Portraits fotografiere ich aktuell kaum. Aber wenn ich portraitiere, dann nutze ich ausschließlich manuelle Linsen.
aktuelle Kameras gibt es bei mir nicht. Auf Personen-und Studiofotografie verzichte ich gänzlich wegen der kosten und notwendigen Genehmigungen. Ich habe noch nie ein Bild verkauft.

Gruß Martin