Klaus-R
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Hallo zusammen,
die Idee, Kleinbildkameras extrem klein also wirklich für die "Westentasche" zu bauen ist uralt und nicht erst mit
späteren Klassikern wie der Rollei 35 oder der MINOX 35 Wirklichkeit geworden.
Nicht viel größer ist diese kleine "Kleinbildkamera", die (meinen Recherchen nach) wohl aus dem Jahr 1950 stammt
und in Dresden beim VEB-"Belca-Werk" gefertigt wurde.
Ich stelle die BELCA-Beltica (1950) vor, die mir auf einem berliner Trödelmarkt auffiel .... in einem traumhaft
schönen Zustand für wenig Geld .....

Nun denke ich bei solchen "schönen" Sachen ja immer auch darüber nach, ob ich damit auch "schöne" Photos
machen kann und da ist diese Zeiss Tessar 50mm/F:2,8 Optik ... die mit dem roten "T", das damals für "vergütet"
stand ....
EIN ADLERAUGE .... wie das bekannt scharfe vierlinsige Spitzenobjektiv seiner Zeit gerne genannt wurde.
Die Kamera soll im "Westen" damals für 260,-DM den Eigentümer gewechselt haben .... sehr viel Geld, etwa
ein Momats-Nettogehalt für einen Durschschnittsverdiener.
Die KLEINE Belca ist klein, durch den beliebten Trick mit dem Faltbalg. Zusammengeklappt passt sie tatsächlich in
meine Hemdtasche ... so weit, so klein und gut!
So "glanzvoll", -wie die Optik- ist allerdings NICHT ihr Zentralverschluss aus ostdeutscher Fertigung. Der "CLUDOR"
Zentralverschluss ist zwar mit einem Langzeitenwerk ab einer ganzen Sekunde unterwegs, kann aber "kürzestens"
nur 1/200s ... das ist entfernt von den westdeutschen Spitzenprodukten von Gauthier oder Deckel, die für die kleine
Verschlussgröße die 1/500s boten .... "schlecht"? ... Wir werden mal gucken bzw. messen, was er heute noch kann ...
der "CLUDOR" Zentralverschluss.
Die Kamera kann NICHT alles, was um 1950 technisch schon möglich war. Leider haben erst spätere Modelle (wohl ab
1952?) eine Doppelbelichtungssperre, die versehentliche Doppelbelichtungen sicher verhindern würde. Verschluss-
Aufzug und Filmtransport sind hier noch getrennt. Der automatische Filmtransportstopp muss mit einem Druck-
knopf am Kameraboden vor jedem Filmtransport entriegelt werden. Der Filmtransport Knopf (auch unterhalb
angeordnet) kann dann bis zum nächsten Frame-Stop gedreht werden.

Man muss sich also konzentrieren und sich angewöhnen, den Film nach jeder Auslösung sofort
zu transportieren. Den Zentralverschluss spannt man dann sinnvollerweise vor der nächsten
Auslösung ... erstens, weil das das Federwerk schont und zweitens, weil es keine Auslösesperre
gibt!
Ferner gibt es und auch kein Vorlaufwerk (Selbstauslöser) wohl aber schon X-Blitzsynchronisation!
Die Kamera hat einen ganz passabelen optischen Sucher, der sogar einen einstellbaren
Sucherparallaxenausgleich hat:


Die Beltica hat (leider) einen Linksauslöser (ich mag das nicht) immerhin mit Anschluss für einen
Standard-Drahtauslöser.
Rechts sieht man dann den Entriegelknopf für das federnd selbstöffnende Ausklappobjektiv.
Rechts das gut ablesbare Bildzählwerk, das vorwärts zählt. Es ist nicht selbstrückstellend ... man muss
es also "nullen" bevor man Frame 1 aufzieht.,
Es gibt KEINE Entfernungsmessung! Wer keinen separaten Entfernungsmesser benutzt (für den es auch
keinen Zubehörschuh gibt) muss die Entfernung also schätzen (um so schwieriger, je näher fokussiert
werden soll!)

Praktisch und sinnvoll ist, dass sich die Beltica NUR mit auf UNENDLICH eingestellter Fokussierung
zuklappen lässt! Unendlich ist IMMER die Grundeinstellung für alle Kameras, die keine gekoppelten
Messsucher haben. Versehentliche Fehleinstellungen können so reduziert werden. Unendlich passt
dann nämlich am häufigsten!
Auch wenn ich den Umgang mit "schwierigen" Kameras gewöhnt bin, können Fehlbedienungen bei
der Baltica schnell passieren!

So eine typische "Fehlerquelle" ist auch der sehr ungünstig angeordnete Verschlussspannhebel, der
bei der Kamera so ungünstig liegt, dass man beim Spannen sehr leicht as Zeitenstellrad mit verdreht
Es gilt also, die Verschlusszeiten Einstellung bei dann gespanntem Verschluss immer noch einmal zu
checken, um versehentliche Fehlbelichtungen zu vermeiden.
Die Beltica hat auch KEINEN eingebauten Belichtungsmesser. Wer keinen Handbelichtungsmesser nutzen
möchte, kann natürlich die kostenlose und sehr genaue "Lightmeter-APP" am Smartphone nutzen ....
klassisch oder "stilecht-nostalgisch" 'isses ja nicht .... ich habe natürlich einen Handbelichtungsmesser
genutzt (Gossen Lunasix 3).
Die Beltica hat noch die "alten" (nicht linearen) Vorkriegs-Verschlusszeiten. Mich stört das gar nicht ..kein
Problem damit!
Lineare Zeiten werden erst dann interessant, wenn mit Lichtwerten gearbeitet werden soll (eh nicht meins!)
Dann haben die "neuen" Zeiten natürlich den Vorteil, dass sie immer EXAKT 1EV gestuft sind und somit genau
zum Blendenabstand passen. Mir (as said) Hupe!

Kommen wir zum "CLUDOR" Verschluss .... kurz .... so, wie er war, hätte er nicht funktioniert ... da stimmte NIX mehr.
Jetzt muss ich aber dazu sagen, dass das bei vielen westdeutschen Zentralverschlüssen auch so ist, denn wir
haben es hier mit 75 Jahre alter Technik zu tun. Ich "behandele" im Grunde alle alten Zentralverschlüsse immer
gleich indem ich die NIE zerlege, weil die schönen Verschlüsse NIE wirklich was haben sondern nur mal eine
kleine Pflege benötigen. Natürlich müssen sie neu geschmiert werden und natürlich kann man dabei NIE verhindern,
dass auch die Verschlusslamellen dabei verölen ... so vorsichtig man auch mit einer feinen kleinen Spritze versucht, das
zu verhindern. Ich baue deswegen immer gleich die Verschlusslamellen frei (nicht aus!), um sie anschließend wieder
entfetten zu können. Auch wenn die Optik sehr sauber ankam, war das die Gelegenheit, auch die Optik komplett zu
reinigen bzw. die 4 Linsen mit einem weichen Lappen erst nass, dann trocken vorsichtig zu polieren.
Die Verschlusszeiten NACH der Wartung:

Das sieht jetzt klasse aus! Alle Zeiten liegen in der allgemein akzeptabelen 1/3-Stop Toleranz!
Allein die 1/200s liegt außerhalb .... wobei .....????
Bei den kurzen Zeiten bin ich mir bei meiner (einfachen) Messtechnik nicht ganz sicher, ob die Messergebnisse die
Realität da wirklich treffen. Die Lamellen sind ja träge und bei sehr kurzen Zeiten ergibt sich für die tatsächliche
Belichtungszeit irgendwas, was die Öffnungs-Aufblendung und die Schließ-Abblendung irgendwie "
"MITTIG" berücksichtigen müsste. In anderen Worten ... die Zeit, die der Verschluss wirklich KOMPLETT über
die Gesamtbelichtung geöffnet ist, liegt bei kurzen Zentralverschuss-Zeiten immer weiter von 100% entfernt,
als bei langen.
Auffällig ist, dass mit 1/200s belichtete Frames zumindest nicht merklich überbelichtet aussehen??!
Diskutiert wird aber in "Fachkreisen" seit JEHER schon, dass die "Jungs" mit ihren kürzesten Zeiten ähnlich
"geflunkert" haben sollen, wie die anderen "Jungs" mit ihren Offenblenden ....
.....
Ich lass es mal so stehen .... der "CLUDOR" ist für mich jetzt in Ordnung und liefert wieder präzise
Belichtungsergebnisse.
Film eingelegt!!!

Das ist sehr einfach! Man sieht jetzt sehr schön, dass man eine KB-Kamera wirklich gar nicht viel kleiner kriegen kann!
Später hat man bei ROLLEI und MINOX noch das Filmschrittwerk und damit auch die Nehmerspule rechts direkt an
das Filmfenster rangezogen ... das brachte auch nochmal "was".
Die Beltica kann keinen Ärger mit Lichtdichtungen machen, denn sie hat KEINE ... eine komplett umlaufende Lichtfalle
sorgt zuverlässig für Lichtdichtigkeit ... auch nach 75 Jahren!
Klappe zu und los!
Die Kamera kam zu mir in ihrer originalen neuwertig erhaltenen Ledertasche ... ein Schmuckstück ... I like it!

Irgendwie ist es NICHT verwunderlich, wenn ein Tessar "Adlerauge" performt! Der Vierlinser war damals einfach
eine der besten Rechnungen für verschiedenste Aufnahmeformate:
Der Testfilm:
Tatsächlich stand hier auch der Film zum Test an ... ein überlagert erstandener BULK-Cinefilm ... 26 Jahre alt ... der
Händler versprach, dass er noch prima in Ordnung sei .... und so kam er aus der "alten Dame" heraus:

Ein KODAK Double-X (1999 abgelaufen) .... war mit einer REAL-ISO von 100 angepriesen ...
Ich SEHE den sogar noch bei ISO 160 ... also fast noch "neuwertig" ... nach 26 Jahren!
Die Kamera hat teilweise etwas "großzügig" transportiert, was Aufnahme Nr. 36 zum Verhängnis wurde!
Ich habe den Film im Stockdunkelen etwas zu kurz an der Patrone (die ich wieder befülle) abgeschnitten.
Ich denke, ich habe den Fimtransport inzwischen wieder hinbekommen ... der nächste Film
wird das hoffentlich zeigen.
Die Testaufnahmen .....bei traurigem unphotogenem Sauwetter im Nieselregen ... aber ich wollte
es ja einfach nur wissen ... also wirklich NUR Testaufnahmen ohne künstlerischen Anspruch!







Nun .... das'schonn'nen TESSAR .... !

Die Kamera wurde damals mit verschiedenen Objektiven angeboten ... auch mit einem unvergüteten 3,5er Tessar ...
wahrscheinlich auch noch mit anderen günstigeren Objektiven! Das 2,8er "T" war die TOP-Motorisierung
FAZIT:
Die Kamera erfordert KONZENTRATION! Oben sieht man, dass ich keinen Fehler gemacht habe ... keine
Fehlbelichtungen und keine versehentlichen Doppelbelichtungen. Fehlfokussierungen habe ich zwar nicht,
wohl aber Verwackelungen ... es war einfach stockfinster und teilweise lag ich da wohl unterhalb der
Verwackelungsgrenze. Man kann die kleine Kamera und ihren sehr "gefühllosen" LINKS-Auslöser leider nicht so
SICHER mit einer 1/25s halten, wie eine griffigere CANON FD (oder ähnlich schöne Sachen!)
Wer aber SPAß an nostalgischer Photographie hat und sich mit der "schwierigen" Bedienung der Kamera
anfreunden kann (will), der hat da eine wirklich schönes SUPERKLEINES Spielzeug an der Hand.
Solche Kameras ziehen immer neugierige Blicke auf sich, sind IMMER Ansatz für nette Photo-Gespräche
und VIELLEICHT auch TRIGGER für NOCH JEMANDEN, der sich (die sich) in die klassische Film-Photographie
noch verlieben wird ......
Grüße und rettet Film
Klaus
NCHTRAG!!!
Hinzugekommen ist gerade die Beltica II (ab 1952), die ich hier mal noch hinzunehmen möchte!
(HIER MODELL 1955 mit GEHÄUSE-INTEGRALSUCHER) 1952 -1954 hatte die Beltica II noch einen
Aufklappsucher.)

Die Beltica II (LINKS!) löst die Vorgängerin (ab 1952) ab und kommt mit einem neuen Gehäuse und
verbesserter Technik an den Start.
Auch hier die TOP-Version mit dem CZJ 50mm /F: 2,8 TESSAR.
Ferner war die Kamera auch mit einem
-CZJ 50mm / F:3,5 Tessar
-Trioplan 50mm / F:2,9
-Meritar 50mm / F: 2,9
.....günstiger zu haben.
Das neue Modell klappt jetzt nach unten (nicht mehr zur Seite), hat einen integralen Gehäusesucher
(ebenfalls mit Parallaxenkorrektur), hat Rechtsauslösung und Doppelbelichtungssperre.
Ferner gibt es jetzt ein automatisch rückstellendes Bildzählwerk und der Filmtransport
wechselte auf die obere rechte Kameraschulter.

Die Gehäuserückwand ist ab 1952 nicht mehr gelenkig angeschlagen, sondern komplett abnehmbar,
ein Feature, dass an Praktica-Kameras bis 1964 erinnert. Wieder können KEINE morschen Lichtdichtungen
den Spaß bremsen, denn es gibt immer noch keine ... auch diese Beltica hat eine umlaufende Lichtfalle, die
auf Lichtdichtungen verzichten kann.
Die Kamera kam KOMPLETT in ihrer schönen 1a erhaltenen Ledertasche zu mir ... im Grunde in
gutem Zustand ... auf den ersten Blick!

Fungus in Innreren der 50mm Tessar Optik ... befallen waren zwei Linsenoberflächen des bekannt
scharfen Vierlinsers.
Das sind absolut typische "Keller-Schäden", die regelmäßig dann auftreten, wenn Photosachen
in luftfeuchten Kellerräumen dem TODE geweiht sind. BITTE IMMER WARM UND TROCKEN
ABLEGEN!!!

ERLEDIGT!


Erfreulicherweise nur leichter Pilzbefall, der sich dadurch beheben ließ, dass man beide Oberflächen
eine halbe Stunde lang in Isopropanol (immer wieder befeuchten!) badet und dann mit einem Wattestäbchen
bei geringem Andruck kreisend bewegend poliert.
Hier hat sogar die Vergütung überlebt ... aber auch dann, wenn sie (bei starkem Befall) nicht mehr zu retten ist,
ist das natürlich viel viel besser, als den Pilz zu dulden! Verpilzte Objektive performen nie gut ....logisch!
Ferner hatte der Filmtransportstop "Ladehemmung" ... kein Schaden ... nur Schmierungsmangel ... läuft
alles wieder, wie geschmiert!
Auch der Zentralverschluss ......

... hier ein Vebur (kein CLUDOR, wie beim Vormodell) wäre (so wie er kam) nicht mehr brauchbar gewesen
Bitte oben vergleichen ... ich hab's genau so gemacht!
(Ich habe mehrere Beltica II gefunden, die auch noch den älteren CLUDOR Zentralverschluss haben!)
Messwerte VEBUR nach der CLA:

Das Ergebnis ist wieder KLASSE .... (Ausnahme die schnellste Zeit (hier 1/250s)) liegen wieder alle
Messwerte innerhalb der allgemein üblichen 1/3-STOP Toleranz.
Für die 1/250s gilt exakt das, was ich oben für den CLUDOR Verschluss schreibe .... ich sage mal einfach, dass
das so auch noch "drin" ist, weil ich bei den kurzen Zeiten mit meiner einfachen (bezahlbaren) Messtechnik
regelmäßig zu lange Zeiten "messe", keineswegs MERKLICH überbelichtete Negative aber nahelegen, dass da
kein "Problem" besteht.
Die Wahrheit liegt sicher irgendwo in der Mitte ... natürlich wird auch dieser Zentralverschluss mit 73 Jahre
alten Federn vorgespannt .... alles GUT!
Klasse 1 Exportprodukt der DDR!

Dieses LOGO stand für "erste Klasse Exportqualität" der damals noch jungen DDR und wurde jahrzehntelang auf
Photoprodukte aus Ostdeutschland graviert ... hatte verdiente Weltanerkennung ... ich glaube in KEINEM anderen
Bereich hat man in der DDR damals wirkliche Welt-Spitzenqualität so lange halten können, wie in der Phototechnik.

So steht sie jetzt wieder da und wartet auf ihren Einsatz .... Balgen ist geprüft und lichtdicht, Unendlichfokus
ist geprüft und stimmt!
MODELLVIELFALT:
Es gibt eine weitere Variante der Beltica II (1952-1954), die ich leider nicht besitze und nicht zeigen kann. Diese
Kamera hat keinen Gehäuse-Integralsucher, sondern einen schön gemachten Aufklappsucher.
OZ 75 besitzt die Variante mit Klappsucher ... ich frage ihn mal, ob er sie uns hier auch noch zeigt....
der macht das bestimmt!
Grüße und rettet Film
Klaus
die Idee, Kleinbildkameras extrem klein also wirklich für die "Westentasche" zu bauen ist uralt und nicht erst mit
späteren Klassikern wie der Rollei 35 oder der MINOX 35 Wirklichkeit geworden.
Nicht viel größer ist diese kleine "Kleinbildkamera", die (meinen Recherchen nach) wohl aus dem Jahr 1950 stammt
und in Dresden beim VEB-"Belca-Werk" gefertigt wurde.
Ich stelle die BELCA-Beltica (1950) vor, die mir auf einem berliner Trödelmarkt auffiel .... in einem traumhaft
schönen Zustand für wenig Geld .....

Nun denke ich bei solchen "schönen" Sachen ja immer auch darüber nach, ob ich damit auch "schöne" Photos
machen kann und da ist diese Zeiss Tessar 50mm/F:2,8 Optik ... die mit dem roten "T", das damals für "vergütet"
stand ....
EIN ADLERAUGE .... wie das bekannt scharfe vierlinsige Spitzenobjektiv seiner Zeit gerne genannt wurde.
Die Kamera soll im "Westen" damals für 260,-DM den Eigentümer gewechselt haben .... sehr viel Geld, etwa
ein Momats-Nettogehalt für einen Durschschnittsverdiener.
Die KLEINE Belca ist klein, durch den beliebten Trick mit dem Faltbalg. Zusammengeklappt passt sie tatsächlich in
meine Hemdtasche ... so weit, so klein und gut!
So "glanzvoll", -wie die Optik- ist allerdings NICHT ihr Zentralverschluss aus ostdeutscher Fertigung. Der "CLUDOR"
Zentralverschluss ist zwar mit einem Langzeitenwerk ab einer ganzen Sekunde unterwegs, kann aber "kürzestens"
nur 1/200s ... das ist entfernt von den westdeutschen Spitzenprodukten von Gauthier oder Deckel, die für die kleine
Verschlussgröße die 1/500s boten .... "schlecht"? ... Wir werden mal gucken bzw. messen, was er heute noch kann ...
der "CLUDOR" Zentralverschluss.
Die Kamera kann NICHT alles, was um 1950 technisch schon möglich war. Leider haben erst spätere Modelle (wohl ab
1952?) eine Doppelbelichtungssperre, die versehentliche Doppelbelichtungen sicher verhindern würde. Verschluss-
Aufzug und Filmtransport sind hier noch getrennt. Der automatische Filmtransportstopp muss mit einem Druck-
knopf am Kameraboden vor jedem Filmtransport entriegelt werden. Der Filmtransport Knopf (auch unterhalb
angeordnet) kann dann bis zum nächsten Frame-Stop gedreht werden.

Man muss sich also konzentrieren und sich angewöhnen, den Film nach jeder Auslösung sofort
zu transportieren. Den Zentralverschluss spannt man dann sinnvollerweise vor der nächsten
Auslösung ... erstens, weil das das Federwerk schont und zweitens, weil es keine Auslösesperre
gibt!
Ferner gibt es und auch kein Vorlaufwerk (Selbstauslöser) wohl aber schon X-Blitzsynchronisation!
Die Kamera hat einen ganz passabelen optischen Sucher, der sogar einen einstellbaren
Sucherparallaxenausgleich hat:


Die Beltica hat (leider) einen Linksauslöser (ich mag das nicht) immerhin mit Anschluss für einen
Standard-Drahtauslöser.
Rechts sieht man dann den Entriegelknopf für das federnd selbstöffnende Ausklappobjektiv.
Rechts das gut ablesbare Bildzählwerk, das vorwärts zählt. Es ist nicht selbstrückstellend ... man muss
es also "nullen" bevor man Frame 1 aufzieht.,
Es gibt KEINE Entfernungsmessung! Wer keinen separaten Entfernungsmesser benutzt (für den es auch
keinen Zubehörschuh gibt) muss die Entfernung also schätzen (um so schwieriger, je näher fokussiert
werden soll!)

Praktisch und sinnvoll ist, dass sich die Beltica NUR mit auf UNENDLICH eingestellter Fokussierung
zuklappen lässt! Unendlich ist IMMER die Grundeinstellung für alle Kameras, die keine gekoppelten
Messsucher haben. Versehentliche Fehleinstellungen können so reduziert werden. Unendlich passt
dann nämlich am häufigsten!
Auch wenn ich den Umgang mit "schwierigen" Kameras gewöhnt bin, können Fehlbedienungen bei
der Baltica schnell passieren!

So eine typische "Fehlerquelle" ist auch der sehr ungünstig angeordnete Verschlussspannhebel, der
bei der Kamera so ungünstig liegt, dass man beim Spannen sehr leicht as Zeitenstellrad mit verdreht
Es gilt also, die Verschlusszeiten Einstellung bei dann gespanntem Verschluss immer noch einmal zu
checken, um versehentliche Fehlbelichtungen zu vermeiden.
Die Beltica hat auch KEINEN eingebauten Belichtungsmesser. Wer keinen Handbelichtungsmesser nutzen
möchte, kann natürlich die kostenlose und sehr genaue "Lightmeter-APP" am Smartphone nutzen ....
klassisch oder "stilecht-nostalgisch" 'isses ja nicht .... ich habe natürlich einen Handbelichtungsmesser
genutzt (Gossen Lunasix 3).
Die Beltica hat noch die "alten" (nicht linearen) Vorkriegs-Verschlusszeiten. Mich stört das gar nicht ..kein
Problem damit!
Lineare Zeiten werden erst dann interessant, wenn mit Lichtwerten gearbeitet werden soll (eh nicht meins!)
Dann haben die "neuen" Zeiten natürlich den Vorteil, dass sie immer EXAKT 1EV gestuft sind und somit genau
zum Blendenabstand passen. Mir (as said) Hupe!

Kommen wir zum "CLUDOR" Verschluss .... kurz .... so, wie er war, hätte er nicht funktioniert ... da stimmte NIX mehr.
Jetzt muss ich aber dazu sagen, dass das bei vielen westdeutschen Zentralverschlüssen auch so ist, denn wir
haben es hier mit 75 Jahre alter Technik zu tun. Ich "behandele" im Grunde alle alten Zentralverschlüsse immer
gleich indem ich die NIE zerlege, weil die schönen Verschlüsse NIE wirklich was haben sondern nur mal eine
kleine Pflege benötigen. Natürlich müssen sie neu geschmiert werden und natürlich kann man dabei NIE verhindern,
dass auch die Verschlusslamellen dabei verölen ... so vorsichtig man auch mit einer feinen kleinen Spritze versucht, das
zu verhindern. Ich baue deswegen immer gleich die Verschlusslamellen frei (nicht aus!), um sie anschließend wieder
entfetten zu können. Auch wenn die Optik sehr sauber ankam, war das die Gelegenheit, auch die Optik komplett zu
reinigen bzw. die 4 Linsen mit einem weichen Lappen erst nass, dann trocken vorsichtig zu polieren.
Die Verschlusszeiten NACH der Wartung:

Das sieht jetzt klasse aus! Alle Zeiten liegen in der allgemein akzeptabelen 1/3-Stop Toleranz!
Allein die 1/200s liegt außerhalb .... wobei .....????
Bei den kurzen Zeiten bin ich mir bei meiner (einfachen) Messtechnik nicht ganz sicher, ob die Messergebnisse die
Realität da wirklich treffen. Die Lamellen sind ja träge und bei sehr kurzen Zeiten ergibt sich für die tatsächliche
Belichtungszeit irgendwas, was die Öffnungs-Aufblendung und die Schließ-Abblendung irgendwie "
"MITTIG" berücksichtigen müsste. In anderen Worten ... die Zeit, die der Verschluss wirklich KOMPLETT über
die Gesamtbelichtung geöffnet ist, liegt bei kurzen Zentralverschuss-Zeiten immer weiter von 100% entfernt,
als bei langen.
Auffällig ist, dass mit 1/200s belichtete Frames zumindest nicht merklich überbelichtet aussehen??!
Diskutiert wird aber in "Fachkreisen" seit JEHER schon, dass die "Jungs" mit ihren kürzesten Zeiten ähnlich
"geflunkert" haben sollen, wie die anderen "Jungs" mit ihren Offenblenden ....
Ich lass es mal so stehen .... der "CLUDOR" ist für mich jetzt in Ordnung und liefert wieder präzise
Belichtungsergebnisse.
Film eingelegt!!!

Das ist sehr einfach! Man sieht jetzt sehr schön, dass man eine KB-Kamera wirklich gar nicht viel kleiner kriegen kann!
Später hat man bei ROLLEI und MINOX noch das Filmschrittwerk und damit auch die Nehmerspule rechts direkt an
das Filmfenster rangezogen ... das brachte auch nochmal "was".
Die Beltica kann keinen Ärger mit Lichtdichtungen machen, denn sie hat KEINE ... eine komplett umlaufende Lichtfalle
sorgt zuverlässig für Lichtdichtigkeit ... auch nach 75 Jahren!
Klappe zu und los!
Die Kamera kam zu mir in ihrer originalen neuwertig erhaltenen Ledertasche ... ein Schmuckstück ... I like it!

Irgendwie ist es NICHT verwunderlich, wenn ein Tessar "Adlerauge" performt! Der Vierlinser war damals einfach
eine der besten Rechnungen für verschiedenste Aufnahmeformate:
Der Testfilm:
Tatsächlich stand hier auch der Film zum Test an ... ein überlagert erstandener BULK-Cinefilm ... 26 Jahre alt ... der
Händler versprach, dass er noch prima in Ordnung sei .... und so kam er aus der "alten Dame" heraus:

Ein KODAK Double-X (1999 abgelaufen) .... war mit einer REAL-ISO von 100 angepriesen ...
Ich SEHE den sogar noch bei ISO 160 ... also fast noch "neuwertig" ... nach 26 Jahren!
Die Kamera hat teilweise etwas "großzügig" transportiert, was Aufnahme Nr. 36 zum Verhängnis wurde!
Ich habe den Film im Stockdunkelen etwas zu kurz an der Patrone (die ich wieder befülle) abgeschnitten.
Ich denke, ich habe den Fimtransport inzwischen wieder hinbekommen ... der nächste Film
wird das hoffentlich zeigen.
Die Testaufnahmen .....bei traurigem unphotogenem Sauwetter im Nieselregen ... aber ich wollte
es ja einfach nur wissen ... also wirklich NUR Testaufnahmen ohne künstlerischen Anspruch!







Nun .... das'schonn'nen TESSAR .... !
Die Kamera wurde damals mit verschiedenen Objektiven angeboten ... auch mit einem unvergüteten 3,5er Tessar ...
wahrscheinlich auch noch mit anderen günstigeren Objektiven! Das 2,8er "T" war die TOP-Motorisierung
FAZIT:
Die Kamera erfordert KONZENTRATION! Oben sieht man, dass ich keinen Fehler gemacht habe ... keine
Fehlbelichtungen und keine versehentlichen Doppelbelichtungen. Fehlfokussierungen habe ich zwar nicht,
wohl aber Verwackelungen ... es war einfach stockfinster und teilweise lag ich da wohl unterhalb der
Verwackelungsgrenze. Man kann die kleine Kamera und ihren sehr "gefühllosen" LINKS-Auslöser leider nicht so
SICHER mit einer 1/25s halten, wie eine griffigere CANON FD (oder ähnlich schöne Sachen!)
Wer aber SPAß an nostalgischer Photographie hat und sich mit der "schwierigen" Bedienung der Kamera
anfreunden kann (will), der hat da eine wirklich schönes SUPERKLEINES Spielzeug an der Hand.
Solche Kameras ziehen immer neugierige Blicke auf sich, sind IMMER Ansatz für nette Photo-Gespräche
und VIELLEICHT auch TRIGGER für NOCH JEMANDEN, der sich (die sich) in die klassische Film-Photographie
noch verlieben wird ......
Grüße und rettet Film
Klaus
NCHTRAG!!!
Hinzugekommen ist gerade die Beltica II (ab 1952), die ich hier mal noch hinzunehmen möchte!
(HIER MODELL 1955 mit GEHÄUSE-INTEGRALSUCHER) 1952 -1954 hatte die Beltica II noch einen
Aufklappsucher.)

Die Beltica II (LINKS!) löst die Vorgängerin (ab 1952) ab und kommt mit einem neuen Gehäuse und
verbesserter Technik an den Start.
Auch hier die TOP-Version mit dem CZJ 50mm /F: 2,8 TESSAR.
Ferner war die Kamera auch mit einem
-CZJ 50mm / F:3,5 Tessar
-Trioplan 50mm / F:2,9
-Meritar 50mm / F: 2,9
.....günstiger zu haben.
Das neue Modell klappt jetzt nach unten (nicht mehr zur Seite), hat einen integralen Gehäusesucher
(ebenfalls mit Parallaxenkorrektur), hat Rechtsauslösung und Doppelbelichtungssperre.
Ferner gibt es jetzt ein automatisch rückstellendes Bildzählwerk und der Filmtransport
wechselte auf die obere rechte Kameraschulter.

Die Gehäuserückwand ist ab 1952 nicht mehr gelenkig angeschlagen, sondern komplett abnehmbar,
ein Feature, dass an Praktica-Kameras bis 1964 erinnert. Wieder können KEINE morschen Lichtdichtungen
den Spaß bremsen, denn es gibt immer noch keine ... auch diese Beltica hat eine umlaufende Lichtfalle, die
auf Lichtdichtungen verzichten kann.
Die Kamera kam KOMPLETT in ihrer schönen 1a erhaltenen Ledertasche zu mir ... im Grunde in
gutem Zustand ... auf den ersten Blick!

Fungus in Innreren der 50mm Tessar Optik ... befallen waren zwei Linsenoberflächen des bekannt
scharfen Vierlinsers.
Das sind absolut typische "Keller-Schäden", die regelmäßig dann auftreten, wenn Photosachen
in luftfeuchten Kellerräumen dem TODE geweiht sind. BITTE IMMER WARM UND TROCKEN
ABLEGEN!!!

ERLEDIGT!


Erfreulicherweise nur leichter Pilzbefall, der sich dadurch beheben ließ, dass man beide Oberflächen
eine halbe Stunde lang in Isopropanol (immer wieder befeuchten!) badet und dann mit einem Wattestäbchen
bei geringem Andruck kreisend bewegend poliert.
Hier hat sogar die Vergütung überlebt ... aber auch dann, wenn sie (bei starkem Befall) nicht mehr zu retten ist,
ist das natürlich viel viel besser, als den Pilz zu dulden! Verpilzte Objektive performen nie gut ....logisch!
Ferner hatte der Filmtransportstop "Ladehemmung" ... kein Schaden ... nur Schmierungsmangel ... läuft
alles wieder, wie geschmiert!
Auch der Zentralverschluss ......

... hier ein Vebur (kein CLUDOR, wie beim Vormodell) wäre (so wie er kam) nicht mehr brauchbar gewesen
Bitte oben vergleichen ... ich hab's genau so gemacht!
(Ich habe mehrere Beltica II gefunden, die auch noch den älteren CLUDOR Zentralverschluss haben!)
Messwerte VEBUR nach der CLA:

Das Ergebnis ist wieder KLASSE .... (Ausnahme die schnellste Zeit (hier 1/250s)) liegen wieder alle
Messwerte innerhalb der allgemein üblichen 1/3-STOP Toleranz.
Für die 1/250s gilt exakt das, was ich oben für den CLUDOR Verschluss schreibe .... ich sage mal einfach, dass
das so auch noch "drin" ist, weil ich bei den kurzen Zeiten mit meiner einfachen (bezahlbaren) Messtechnik
regelmäßig zu lange Zeiten "messe", keineswegs MERKLICH überbelichtete Negative aber nahelegen, dass da
kein "Problem" besteht.
Die Wahrheit liegt sicher irgendwo in der Mitte ... natürlich wird auch dieser Zentralverschluss mit 73 Jahre
alten Federn vorgespannt .... alles GUT!
Klasse 1 Exportprodukt der DDR!

Dieses LOGO stand für "erste Klasse Exportqualität" der damals noch jungen DDR und wurde jahrzehntelang auf
Photoprodukte aus Ostdeutschland graviert ... hatte verdiente Weltanerkennung ... ich glaube in KEINEM anderen
Bereich hat man in der DDR damals wirkliche Welt-Spitzenqualität so lange halten können, wie in der Phototechnik.

So steht sie jetzt wieder da und wartet auf ihren Einsatz .... Balgen ist geprüft und lichtdicht, Unendlichfokus
ist geprüft und stimmt!
MODELLVIELFALT:
Es gibt eine weitere Variante der Beltica II (1952-1954), die ich leider nicht besitze und nicht zeigen kann. Diese
Kamera hat keinen Gehäuse-Integralsucher, sondern einen schön gemachten Aufklappsucher.
OZ 75 besitzt die Variante mit Klappsucher ... ich frage ihn mal, ob er sie uns hier auch noch zeigt....
der macht das bestimmt!
Grüße und rettet Film
Klaus
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