Klaus-R
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Hallo zusammen,
#1

der klassische Kleinbild Film (Typ 135) ist ja bekanntlich EIGENTLICH ein 35mm Cinefilm für Bewegtbilder.
Die ersten Photos auf diesem Material entstanden bekanntlich mit Oscar Barnacks UR-Leica (LEItzCAmera).
Der Ur-Kleinbildfilm war also SW-Kinofilm, der einfach in die bis heute bekannten und verwendeten Kleinbild-
Filmpatronen umkonfektioniert wurde.
Später entstanden dann spezielle Filme (Filmemulsionen), die speziell auf die STILL-Photographie abgestimmt wurden
auf dem selben 35mm-Filmformat.
Bis heute ist es möglich, Cinefilme umzukonfektionieren und als Photo-Filme zu verwenden .... ich schrieb schon
einiges darüber.... derzeit ist es nicht nur aus Kostengrüneden .... nicht unüblich geworden, Cinefilm einfach
umzukonfektionieren und so für Kleinbild-Kameras nutzbar zu machen:
HIER z.B. die Verwendung von KODAK VISION-KINO-Farbfilm als Photo-Film
Kodak Vision 3 250D .... Farb-Photographieren mit Kinofilm
Hier soll es jetzt mal un einen SW-Cinefilm gehen ... den KODAK Double X (5222), der in der Film-Szene schon fast
Kult-Status angenommen hat, weil er einen ganz besonderen SW-Look "macht" ... warum eigentlich?
KODAK DOUBLE X:
Der "XX" geht auf den 1933 erstmalig von KODAK produzierten Panatomic-X-Film zurück. Der Panatomic-X war eine frühe 40 ASA
Panchromatic Version des späteren 250 ISO KODAK Double X Kinofilmes.
Ab 1950 wurde der "Panatomic-X" dann durch den "KODAK SUPER-XX" abgelöst (der war lichtempfindlicher und feinkörniger) und
schließlich ab 1959 durch den bis heute unverändert produzierten "KODAK DOUBLE-X".
Der KODAK DOUBLE X IST EIN URALTER FILM!
Der Grund, dass diese uralte Kinofilm-Emulsion bis heute unverändert hergestellt wird, liegt ganz einfach im einzigartigen und
unverwechselbaren Look dieses Filmes. Über die Jahrzehnte wurden Filme Klassiker in Schwarzweiß auf DOUBLE-X gedreht:
Kino Klassiker wie:
RAGING BULL, Schindlers LISTE, STRANGER THAN PARADISE, MEMENTO, KAFKA, CASINO ROYALE, I'M NOT THERE, KILL BILL,
Manhatten, CINDERELLA MAN .....ferner die EDGAR WALLACE FILME, MISS MARPLE usw....
....wurden auf KODAK DOUBLE X gedreht.
Wie kommt es zu diesem merkwürdigen Dasein von so altem Film-Zeugs???
Die uralte Filmemulsion gilt zwar als "schon panchromatisch" sensibilisiert, hat aber eine nur eingeschränkte Rot-Empfindlichkeit.
Während klassich orthochromatische SW-Filme total rot- und fast grünblind waren /sind, ist die "frühe" Panchromatic-Emulsion
des Double-X Films zwar schon etwas "rotsichtig", ROT wird aber im Verhältnis zum eigentlichen Grauwert deutlich zu dunkel
abgebildet. heute werden solche Emulsionen deswegen als "ortho-panchromatisch" bezeichnet.
Weil Kunstlicht deutlich weniger Blauanteile enthält, müssen Orthochromatische SW-Filme, die bei kunstlicht verwendet werden sollen zwei ISO-Stufen kräftiger belichtet werden! das bedeutet, dass ein ISO 100-Ortho-Film bei Kunstlicht nur ISO 25 belichtet werden kann.
Beim "XX" ist das nicht ganz so extrem ... seine Lichtempfindlichkeit wird bei Tageslicht mit ISO 250 angegeben und bei Kunstlicht mit ISO 200.
Der "MISS Marple Look" des "XX" basiert also einerseits auf seiner klassischen Rotschwäche und andererseits auf seiner DIA-ähnlichen Kontrastwiedergabe, die zu steilen, sehr plastischen Strukturen führt, ohne dass man dem Film absprechen müsste, er könne keine Halbtöne umsetzen ... denn das kann er prima.
EIGENSCHAFTEN des KODAK XX in der STILL-Photographie:
Kurz: Man kriegt diesen "EDGAR-WALLACE" Look sehr schön auf's Photopapier, wenn man den Double X sehr genau auf den Punkt belichtet und wenn man ihn präzise entwickelt ... dazu unten mehr.
Der XX benimmt sich also ähnlich, wie ein Diafilm! Er macht steile "Projektionskontraste", die früher beim Kontaktkopieren auf den Projektionsfilm dann zum ausdruckstarken KINO-Positiv umkopiert wurden.
Fehlbelichtung bekommt ihm gar nicht! Der "XX" hat eben nicht die übliche Fehlbelichtungstoleranz anderer SW-Negativ-Filme. Nur leicht unterbelichtet verliert er eben seine typische "Knackigkeit", wird flau und flach ... einfach "matschig". Überbelichtung mag er auch nicht ... dann wird er EXTREM grobkörnig und GLOOMY in den Lichtern.
Wie gesagt ... man muss ihn behandeln, wie einen Diafilm!
Diese uralte Emulsion gilt als "körnig", was ich so NICHT finde! Wenn genau belichtet, dann macht der "XX" ein "charmantes" zwar sichtbares aber nicht störendes Korn, das ihm meiner Meinung nach gut steht und seinen typischen Look ausmacht.
Entwicklung:
Seit 1959 soll der "XX" in KODAKs "D96" entwickelt werden ("D" steht bei KODAK für "Developer=Entwickler") und die 96 ist seine UR-Katalognummer.
Der D96 ist in seiner Rezeptur allerdings dem (einfacher und billiger verfügbaren) Klassiker D76 so ähnlich, dass der "XX" heute zumeist in D76 entwickelt wird, ein Feinkorn-Entwickler, der sowieso allerbestens dokumentiert ist und praktisch immer gute Dienste leistet.
Eine Entwicklung in schärfesteigernden Entwicklern wie RODINAL ist zwar möglich, resultiert aber in deutlich gröberer Filmkörnung, als in D76!!
Wer sich für die Unterschiede interessiert, findet im Netz interessante Vergleiche .... ich rate davon ab!
Ich war mit diesem wirklich reizvollen Film unterwegs ....
KODAK DOUBLE-X
Aufnahmen mit CANON EF und diversen FD-Objektiven Entwicklung in KODAK D76 1+1 .... viel Spaß!
#2

#3

#4

Fortsetzung folgt .... Fragen und Kommentare immer gerne!
Grüße und schöne Photos
Klaus
#1

der klassische Kleinbild Film (Typ 135) ist ja bekanntlich EIGENTLICH ein 35mm Cinefilm für Bewegtbilder.
Die ersten Photos auf diesem Material entstanden bekanntlich mit Oscar Barnacks UR-Leica (LEItzCAmera).
Der Ur-Kleinbildfilm war also SW-Kinofilm, der einfach in die bis heute bekannten und verwendeten Kleinbild-
Filmpatronen umkonfektioniert wurde.
Später entstanden dann spezielle Filme (Filmemulsionen), die speziell auf die STILL-Photographie abgestimmt wurden
auf dem selben 35mm-Filmformat.
Bis heute ist es möglich, Cinefilme umzukonfektionieren und als Photo-Filme zu verwenden .... ich schrieb schon
einiges darüber.... derzeit ist es nicht nur aus Kostengrüneden .... nicht unüblich geworden, Cinefilm einfach
umzukonfektionieren und so für Kleinbild-Kameras nutzbar zu machen:
HIER z.B. die Verwendung von KODAK VISION-KINO-Farbfilm als Photo-Film
Kodak Vision 3 250D .... Farb-Photographieren mit Kinofilm
Hier soll es jetzt mal un einen SW-Cinefilm gehen ... den KODAK Double X (5222), der in der Film-Szene schon fast
Kult-Status angenommen hat, weil er einen ganz besonderen SW-Look "macht" ... warum eigentlich?
KODAK DOUBLE X:
Der "XX" geht auf den 1933 erstmalig von KODAK produzierten Panatomic-X-Film zurück. Der Panatomic-X war eine frühe 40 ASA
Panchromatic Version des späteren 250 ISO KODAK Double X Kinofilmes.
Ab 1950 wurde der "Panatomic-X" dann durch den "KODAK SUPER-XX" abgelöst (der war lichtempfindlicher und feinkörniger) und
schließlich ab 1959 durch den bis heute unverändert produzierten "KODAK DOUBLE-X".
Der KODAK DOUBLE X IST EIN URALTER FILM!
Der Grund, dass diese uralte Kinofilm-Emulsion bis heute unverändert hergestellt wird, liegt ganz einfach im einzigartigen und
unverwechselbaren Look dieses Filmes. Über die Jahrzehnte wurden Filme Klassiker in Schwarzweiß auf DOUBLE-X gedreht:
Kino Klassiker wie:
RAGING BULL, Schindlers LISTE, STRANGER THAN PARADISE, MEMENTO, KAFKA, CASINO ROYALE, I'M NOT THERE, KILL BILL,
Manhatten, CINDERELLA MAN .....ferner die EDGAR WALLACE FILME, MISS MARPLE usw....
....wurden auf KODAK DOUBLE X gedreht.
Wie kommt es zu diesem merkwürdigen Dasein von so altem Film-Zeugs???
Die uralte Filmemulsion gilt zwar als "schon panchromatisch" sensibilisiert, hat aber eine nur eingeschränkte Rot-Empfindlichkeit.
Während klassich orthochromatische SW-Filme total rot- und fast grünblind waren /sind, ist die "frühe" Panchromatic-Emulsion
des Double-X Films zwar schon etwas "rotsichtig", ROT wird aber im Verhältnis zum eigentlichen Grauwert deutlich zu dunkel
abgebildet. heute werden solche Emulsionen deswegen als "ortho-panchromatisch" bezeichnet.
Weil Kunstlicht deutlich weniger Blauanteile enthält, müssen Orthochromatische SW-Filme, die bei kunstlicht verwendet werden sollen zwei ISO-Stufen kräftiger belichtet werden! das bedeutet, dass ein ISO 100-Ortho-Film bei Kunstlicht nur ISO 25 belichtet werden kann.
Beim "XX" ist das nicht ganz so extrem ... seine Lichtempfindlichkeit wird bei Tageslicht mit ISO 250 angegeben und bei Kunstlicht mit ISO 200.
Der "MISS Marple Look" des "XX" basiert also einerseits auf seiner klassischen Rotschwäche und andererseits auf seiner DIA-ähnlichen Kontrastwiedergabe, die zu steilen, sehr plastischen Strukturen führt, ohne dass man dem Film absprechen müsste, er könne keine Halbtöne umsetzen ... denn das kann er prima.
EIGENSCHAFTEN des KODAK XX in der STILL-Photographie:
Kurz: Man kriegt diesen "EDGAR-WALLACE" Look sehr schön auf's Photopapier, wenn man den Double X sehr genau auf den Punkt belichtet und wenn man ihn präzise entwickelt ... dazu unten mehr.
Der XX benimmt sich also ähnlich, wie ein Diafilm! Er macht steile "Projektionskontraste", die früher beim Kontaktkopieren auf den Projektionsfilm dann zum ausdruckstarken KINO-Positiv umkopiert wurden.
Fehlbelichtung bekommt ihm gar nicht! Der "XX" hat eben nicht die übliche Fehlbelichtungstoleranz anderer SW-Negativ-Filme. Nur leicht unterbelichtet verliert er eben seine typische "Knackigkeit", wird flau und flach ... einfach "matschig". Überbelichtung mag er auch nicht ... dann wird er EXTREM grobkörnig und GLOOMY in den Lichtern.
Wie gesagt ... man muss ihn behandeln, wie einen Diafilm!
Diese uralte Emulsion gilt als "körnig", was ich so NICHT finde! Wenn genau belichtet, dann macht der "XX" ein "charmantes" zwar sichtbares aber nicht störendes Korn, das ihm meiner Meinung nach gut steht und seinen typischen Look ausmacht.
Entwicklung:
Seit 1959 soll der "XX" in KODAKs "D96" entwickelt werden ("D" steht bei KODAK für "Developer=Entwickler") und die 96 ist seine UR-Katalognummer.
Der D96 ist in seiner Rezeptur allerdings dem (einfacher und billiger verfügbaren) Klassiker D76 so ähnlich, dass der "XX" heute zumeist in D76 entwickelt wird, ein Feinkorn-Entwickler, der sowieso allerbestens dokumentiert ist und praktisch immer gute Dienste leistet.
Eine Entwicklung in schärfesteigernden Entwicklern wie RODINAL ist zwar möglich, resultiert aber in deutlich gröberer Filmkörnung, als in D76!!
Wer sich für die Unterschiede interessiert, findet im Netz interessante Vergleiche .... ich rate davon ab!
Ich war mit diesem wirklich reizvollen Film unterwegs ....
KODAK DOUBLE-X
Aufnahmen mit CANON EF und diversen FD-Objektiven Entwicklung in KODAK D76 1+1 .... viel Spaß!
#2

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Fortsetzung folgt .... Fragen und Kommentare immer gerne!
Grüße und schöne Photos
Klaus
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