Klaus-R
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RICOH TLS 401 und RICOH SINGLEX-TLS Kameraportrait

Hallo zusammen,
Gerne stelle ich hier ja immer wieder FILM Kameras vor, die bis heute einen hohen Gebrauchswert haben und nicht
wirklich unerschwinglich teuer sind.
So sind hier jetzt zwei Kameramodelle Thema, die durchaus Kamerageschichte geschrieben haben, die besonders
hochwertig sind (insofern, dass sie fast 60 Jahre nach Einführung auch heute noch problemlos funktionieren und
keine unlösbaren technischen Probleme bereiten.)
Der Fokus soll heute auf der 1967 vorgestellten RICOH SINGLEX TLS und
ihrer Nachfolgerin der 1970 nachgereichten RICOH TLS 401 liegen .
Beide Modelle nehmen ein ELDORADO der bekannten M42-Weltstandard-Objektiven an .... auch nichts neues ...
ich empfehle sehr gerne dieses Universal-Kamerasystem, weil man es unglaublich günstig und gut verglast kriegt ...
Das Objektiv- und Zubehör Angebot ist riesig.
Vorab ... beide Modelle sind für Film-Interessierte für lächerliches Taschengeld zu haben, gut verfügbar und mit hoher
Wahrscheinlichkeit technisch noch in Ordnung. Genau das ist es ja, was man braucht, wenn man sich für die Film-Photographie
neu oder wieder interessiert .... Interessantes und funktionierendes Gerät .... nicht für die Vitrine sondern zum tatsächlichen
Photographieren.
Wie immer geht es nicht anders .... lasst mich die Sachen eben historisch einordnen .... ich versuche es KURZ!
KAMERAGESCHICHTE:
Der "Urknall" einer ganzen Serie von mehr oder weniger nachgebauten Kleinbild-Spiegelreflex-Kameras kam aus dem Hause
Asahi Pentax.
Schon 1960 kündigte man bei Pentax die sog. SPOTMATIC an, eine Kamera, die in der Lage sein sollte, die Belichtung direkt durch das Objektiv also hochpräzise genau auf die Szene abgestimmt zu ermitteln, die es abzulichten galt.
Geplant war eine Kamera, die zusätzlich zur Integralmessung auch noch eine Spot-Belichtungsmessung mitbringen sollte.
Tatsächlich hatte keine einzige SPOTMATIC dieses Feature, der Name der Kamera blieb aber gesetzt. Späte Modelle hatten
dann eine etwas mittenbetonte Integralmessung ... eine wirklich Spot-Belichtungsmessung hatte die Pentax aber nie.
Aber das Thema Spot-Messung soll uns mit der TLS 401 noch beschäftigen!
Es sollte lange dauern ... aber 1964 kamm dann die PENTAX-Spotnatic tatsächlich auf den Weltmarkt und schlug ein, wie eine Bombe!
Diese Kamera konnte das, was unmittelbar alle anderen nachbauen sollten ... TTL-Arbeitsblendenmessung, was man erstmalig bei
PENTAX dann STEP-DOWN-METERING nannte und was über die nächsten Jahre bis zur "Offenblendmessung" Stand der Technik
bleiben sollte.
Insofern ist die Spotmatic ein wirklicher Meilenstein der Kamerageschichte, eine Kult-Kamera, die inzwischen sehr hochpreisig gehandelt wird ZUMAL dann, wenn sie noch tadellos funktioniert ... viele sind leider defekt .... und genau das ist NICHT das Problem der hier besprochenen RICOH-Modelle, die der Pentax Spotmatic sehr ähneln, sich aber als robuster bzw. langlebiger erwiesen haben.
RICOH Singlex TLS

1967 kam dann RICOH mit der Singlex an den Start, von der viele meinten, sie sei ja der Pentax ganz einfach nur
nachgebaut und der Verdacht lag ja auch nahe.
Nicht nur die technischen Daten waren vergleichbar, sondern eben auch das von Pentax erfundene STEP-DOWN-
METERING war identisch ... sogar der Step-DOWN-Schalter war an der selben Stelle angebracht, das Bedienkonzept
also auch das gleiche.

Dennoch gab es einen ganz entscheidenden Unterschied zur Pentax. die RICOH hatte nicht mehr den damals standardisierten
Horizontal-Tuchschlitzverschluss der Pentax, sondern einen ganz neu von COPAL entwickelten Edelstahl-Lamellenverschluss,
der über die kurze Kante vertikal ablief ... eine ganz neue Sache, auf die die Pentax verzichten musste.

Heute ist das ganz klar von Vorteil!! Stahllamellenverschlüsse gelten als praktisch "unkaputtbar" zumal im Vergleich
mit den viel anfälligeren Tuchschlitzverschlüssen, die sich als sehr unterschiedlich langlebig erwiesen haben ...
insbesondere abhängig von der Qualität der Verschlusstücher und der Lagerung der Kamera über die Jahre.
Kellerfeuchte ist für Tuchschlitzverschlüsse z.B. sehr schädlich, große Dauerhitze (Sonnenlicht) ebenfalls, wenn
gummierte Verschlusstücher verwendet wurden usw.. Der Stahllamellenverschluss ist da die wirklich solidere Technik,
der vertikale Verschlussablauf für Bewegungsaufnahmen günstiger.
Von daher ... egal jetzt, ob die RICOH der Abklatsch der Spotmatic ist oder nicht .... Die Wahrscheinlichkeit, dass eine
SINGLEX oder eine TLS 401 heute noch tadellos funktioniert, ist ähnlich hoch, wie bei einer Praktica (Kompliment an Letztere!)
Vor Inbetriebnahme!
Zwei kleine technische Probleme gibt es leider dann doch .... einfach zu lösen!
Die Lichtdichtungen der RICOHs sind leider sehr oft total morsch und müssen unbedingt überprüft werden.
Meistens werden sie zu tauschen sein!
Ich zeige das hier mal bei der Singlex:

Besonders die Scharnierdichtung (oben gezeigt!) macht oft Probleme! Der originale Schaumstoff zerbröselt regelmäßig
zu Krümeln, die man unbedingt beseitgen muss.
Die RICOHs machen es wie viele andere flach gebaute SLRs auch, sie wickeln die Filmemulsion nach außen:

Ein Lichteinfall an dieser Stelle ist fatal und versaut ggfls. den kompletten Film. Ich würde nicht lange überlegen
und bei jedem Zweifel die Lichtdichtung erneuern!

Hier eine neue hochwertige Scharnierdichtung. Die umlaufenden Dichtungen sind nicht ganz so "gefährlich",
weil sie in einer zusätzlichen Lichtfalle liegen. Ich erneuere sie bei der Gelegenheit aber auch gleich ... und zwar
nicht mit Schaumstoff, sondern so, wie das PENTACON in Dresden immer schon gemacht wurde ... mit einem
schwarzen Wollfaden, den man am besten mit einem Alleskleber einklebt!

Natürlich darf die Kamera NICHT geschlossen werden, bis der Kleber fest ist!! Ansonsten bleibt sie für immer zu!!
Bei den umlaufenden Dichtungen darauf achten, dass der Drücker für die Zählwerkrückstellung nicht behindert
oder festgeklebt wird!
Batterieproblem:
Beide, die Singlex und die 401 benötigen eigentlich die nicht mehr erlaubte quecksilberhaltige PX-625 Knopfzelle
mit deren oft fatalen 1,35V, die sich heute mit Batterieersatzlösungen nicht mehr realisieren lassen......
Ja ich weiß ... Zink-Luft Batterien usw ....aber die halten nur wenige Monate!
Glücklicherweise machen moderne 1,5V den RICOHs nichts aus, denn schon die SINGLEX hatte 1967 schon die heute so
wichtige Brückenschaltung (Wheatstone Bridge-Circuit) ... eine Elektronik, die die Kameraspannung konstant hält.
Die wenigsten Kameras hatten das in den 1960er Jahren.
Wie schon mehrmals erwähnt ... es gibt von VARTA eine Ersatzbatterie, die gehäusegleich zur PX 625 ist (Varta V-625 U),
aber 1,5V hat.
Man kann diese einfach bestellen, einlegen und gut!
Ich empfehle aber die Verwendung einer überall erhältlichen LR44 Zelle, die man mit einem Gummi-O-Ring aus dem
Klempnerbedarf für das zu große Batteriefach passend machen kann:


Links die Varta V625 U und rechts die LR44 mit O-Ring.
Der O-ring ist wirklich zwingend erforderlich! Die LR44 würde verrutschen und einen Kurzschluss im
Batteriefach verursachen.
Kameraportrait RICOH SINGLEX TLS:

Die Singlex ist eine elegante sehr solide verarbeitete Kamera mit der Besonderheit, dass ihr Zeiten/ISO-Stellrad vorne
am Gehäuse und nicht in der Deckplatte eingebaut ist. Mir fällt ansonsten nur die Olympus PEN-F ein,
wo das ähnlich gemacht wurde.
Als RICOH 1967 mit der Kamera in das schon angelaufene TTL-Rennen einstieg, wollte man Stückzahlen reißen und
bot die Kamera zu einem Hammerpreis an, den nur noch die Praktica NOVA parieren konnte.
Der Absatz wurde dadurch angekurbelt, dass man sich ab Produktionsbeginn mit den Discountern dieser Welt arrangierte
und die Kamera bereitwillig umlabelte.
Die SINGLEX TLS kann auch anders heißen:
SEARS TLS
Chinonflex TTL
Prinzflex TTL
Cosina Hi-Lite
Argus STL 1000
Focal TLX
Uniflex Reflex TTL
Revueflex 1000 S TTL
Revueflex T
Tatsächlich gelang es RICOH so, den Umsatz anzukurbeln und das Modell gut zu verkaufen ... aber ... wie es so ist ...
dem Firmenimage hat das natürlich sehr geschadet so dass diese wirklich sehr gute und solide Kamera bis heute ein
Ramsch-Image behalten hat ... auf Praktica Niveau .... überhaupt nicht gerechtfertigt aber insofern auch wieder gut,
als dass man diese beiden Modelle heute fast schon geschenkt bekommt.
Singlex und TLS 401 was beide ausmacht!
Da die TLS 401 auf der SINGLEX aufbaut, gilt das meiste für beide Modelle:
Beide Kameras benötigen die Batterie NUR für den gekoppelten TTL-Belichtungsmesser, der sich an diesem Schalter
einschalten lässt:

Gleichzeitig wird das Objektiv über die Springblendensteuerung der Kamera auf Arbeitsblende abgeblendet und
das tatsächlich durch das Objektiv fallende Licht gemessen.
Ansonsten sind beide Modelle voll mechanisch und funktionieren (ohne Belichtungsmesser) auch
batterieunabhängig.
Blick durch den Sucher der TLS 401 (praktisch identisch zur Singlex)

Rechts zeigt ein Drehspulenmesszeiger die Belichtung an. Steht er oben, zeigt er Überbelichtung, steht er unten,
zeigt er Unterbelichtung. Man muss jetzt Verschlusszeit und Blende so einstellen, dass der Zeiger quasi in der Mitte steht.
Im Sucher der Singlex fehlt allerdings unten links der S/A-Zeiger, den nur die 401 hat .. dazu komme ich noch.
Beide RICOHs können wirklich alles, was eine SLR bis 1970 überhaupt bieten konnte .... nämlich:
-Verschlusszeiten 1s bis 1/1000s und B
-Blitzsynchro X und M bis zu 1/125s (außergewöhnlich kurz damals!)
-TTL-Belichtungsmessung bei Arbeitsblende
-Blenden-innenauslösung (Springblende)
-Rückkehrspiegel
-Selbstauslöser
-Spiegelvorauslösung (über den Selbstauslöser)
Was die TLS 401 zusätzlich kann:
Das Einzigartige an der TLS 401 ist ihr Doppel-Suchersystem!


Die 401 hat wahlweise zum normalen Suchereinblick einer Standard SLR auch noch einen Suchereinblick von oben,
der umschaltbar ist ....

Durch Umschalten von "1" auf "2" bekommt man den Suchereinblick direkt von oben in die Kamera.
Man bekommt so das gleiche und seitenrichtige Sucherbild, wie beim "normalen" Suchereinblick.
Das ist ein tolles und einzigartiges Feature dieser Kamera und kann sehr nützlich werden.
Ferner realisiert RICOH mit der 401 das, was die Spotmatic ja eigentlich mal wollte .... eine umschaltbare
SPOT-Belichtungsmessung .... hier der Umschalter:

"SP" für Spotmessung im Bereich der Fokussierungshilfe auf der Mattscheibe

"AV" für Average ... also normale Integralmessung über das volle Sucherfeld.
Die Einstellung des Belichtungsmessers ist mit S und A im Sucher der 401 angezeigt:

Neu ist im Vergleich zur Singlex dann auch noch dieses Schulterdisplay:


ROT: Kamera nicht schussbereit ... Verschluss nicht gespannt, Film nicht transportiert
GRÜN: Kamera ist schussbereit
Die TLS 401 ist eine Kamera, die 1970 wirklich ALLES und noch mehr konnte, was ging.
RICOH wiederholte den Fehler mit der Umlabellung der Kamera für alle Discounter der Welt zwar diesmal nicht,
hatte aber keinen Erfolg damit, sich gegen die großen Marken der Zeit einen Namen zu machen.
Ricoh hatte damals nicht nur progressive und hochwertige Kameras, sondern auch sehr gute Objektive am Start
"RIKENON" genannt.
FAZIT:
Mit der RICOH SINGLEX TLS oder TLS 401 bekommt man heute eine wirklich solide, hochwertige und einstzfähige
M42 Spiegelreflex-Kamera zum Lachpreis.
Noch besser ... man kann gleich ein ganzes Kamerasystem mit wirklich guten Objektiven angeln .... so kann das aussehen:

Die Kamera ist aus hochwertigem Material gemacht, hochwertig beledert, präzise gefertigt. Klare Empfehlung von mir!
Sachen gereinigt, Lichtdichtungen neu, Batterie erneuert und los:

Aufnahme mit der 401 und dem oben gezeigten 200mm Exaktar, mit dem sie kam.
Grüße und rettet Film
Klaus

Hallo zusammen,
Gerne stelle ich hier ja immer wieder FILM Kameras vor, die bis heute einen hohen Gebrauchswert haben und nicht
wirklich unerschwinglich teuer sind.
So sind hier jetzt zwei Kameramodelle Thema, die durchaus Kamerageschichte geschrieben haben, die besonders
hochwertig sind (insofern, dass sie fast 60 Jahre nach Einführung auch heute noch problemlos funktionieren und
keine unlösbaren technischen Probleme bereiten.)
Der Fokus soll heute auf der 1967 vorgestellten RICOH SINGLEX TLS und
ihrer Nachfolgerin der 1970 nachgereichten RICOH TLS 401 liegen .
Beide Modelle nehmen ein ELDORADO der bekannten M42-Weltstandard-Objektiven an .... auch nichts neues ...
ich empfehle sehr gerne dieses Universal-Kamerasystem, weil man es unglaublich günstig und gut verglast kriegt ...
Das Objektiv- und Zubehör Angebot ist riesig.
Vorab ... beide Modelle sind für Film-Interessierte für lächerliches Taschengeld zu haben, gut verfügbar und mit hoher
Wahrscheinlichkeit technisch noch in Ordnung. Genau das ist es ja, was man braucht, wenn man sich für die Film-Photographie
neu oder wieder interessiert .... Interessantes und funktionierendes Gerät .... nicht für die Vitrine sondern zum tatsächlichen
Photographieren.
Wie immer geht es nicht anders .... lasst mich die Sachen eben historisch einordnen .... ich versuche es KURZ!
KAMERAGESCHICHTE:
Der "Urknall" einer ganzen Serie von mehr oder weniger nachgebauten Kleinbild-Spiegelreflex-Kameras kam aus dem Hause
Asahi Pentax.
Schon 1960 kündigte man bei Pentax die sog. SPOTMATIC an, eine Kamera, die in der Lage sein sollte, die Belichtung direkt durch das Objektiv also hochpräzise genau auf die Szene abgestimmt zu ermitteln, die es abzulichten galt.
Geplant war eine Kamera, die zusätzlich zur Integralmessung auch noch eine Spot-Belichtungsmessung mitbringen sollte.
Tatsächlich hatte keine einzige SPOTMATIC dieses Feature, der Name der Kamera blieb aber gesetzt. Späte Modelle hatten
dann eine etwas mittenbetonte Integralmessung ... eine wirklich Spot-Belichtungsmessung hatte die Pentax aber nie.
Aber das Thema Spot-Messung soll uns mit der TLS 401 noch beschäftigen!
Es sollte lange dauern ... aber 1964 kamm dann die PENTAX-Spotnatic tatsächlich auf den Weltmarkt und schlug ein, wie eine Bombe!
Diese Kamera konnte das, was unmittelbar alle anderen nachbauen sollten ... TTL-Arbeitsblendenmessung, was man erstmalig bei
PENTAX dann STEP-DOWN-METERING nannte und was über die nächsten Jahre bis zur "Offenblendmessung" Stand der Technik
bleiben sollte.
Insofern ist die Spotmatic ein wirklicher Meilenstein der Kamerageschichte, eine Kult-Kamera, die inzwischen sehr hochpreisig gehandelt wird ZUMAL dann, wenn sie noch tadellos funktioniert ... viele sind leider defekt .... und genau das ist NICHT das Problem der hier besprochenen RICOH-Modelle, die der Pentax Spotmatic sehr ähneln, sich aber als robuster bzw. langlebiger erwiesen haben.
RICOH Singlex TLS

1967 kam dann RICOH mit der Singlex an den Start, von der viele meinten, sie sei ja der Pentax ganz einfach nur
nachgebaut und der Verdacht lag ja auch nahe.
Nicht nur die technischen Daten waren vergleichbar, sondern eben auch das von Pentax erfundene STEP-DOWN-
METERING war identisch ... sogar der Step-DOWN-Schalter war an der selben Stelle angebracht, das Bedienkonzept
also auch das gleiche.

Dennoch gab es einen ganz entscheidenden Unterschied zur Pentax. die RICOH hatte nicht mehr den damals standardisierten
Horizontal-Tuchschlitzverschluss der Pentax, sondern einen ganz neu von COPAL entwickelten Edelstahl-Lamellenverschluss,
der über die kurze Kante vertikal ablief ... eine ganz neue Sache, auf die die Pentax verzichten musste.

Heute ist das ganz klar von Vorteil!! Stahllamellenverschlüsse gelten als praktisch "unkaputtbar" zumal im Vergleich
mit den viel anfälligeren Tuchschlitzverschlüssen, die sich als sehr unterschiedlich langlebig erwiesen haben ...
insbesondere abhängig von der Qualität der Verschlusstücher und der Lagerung der Kamera über die Jahre.
Kellerfeuchte ist für Tuchschlitzverschlüsse z.B. sehr schädlich, große Dauerhitze (Sonnenlicht) ebenfalls, wenn
gummierte Verschlusstücher verwendet wurden usw.. Der Stahllamellenverschluss ist da die wirklich solidere Technik,
der vertikale Verschlussablauf für Bewegungsaufnahmen günstiger.
Von daher ... egal jetzt, ob die RICOH der Abklatsch der Spotmatic ist oder nicht .... Die Wahrscheinlichkeit, dass eine
SINGLEX oder eine TLS 401 heute noch tadellos funktioniert, ist ähnlich hoch, wie bei einer Praktica (Kompliment an Letztere!)
Vor Inbetriebnahme!
Zwei kleine technische Probleme gibt es leider dann doch .... einfach zu lösen!
Die Lichtdichtungen der RICOHs sind leider sehr oft total morsch und müssen unbedingt überprüft werden.
Meistens werden sie zu tauschen sein!
Ich zeige das hier mal bei der Singlex:

Besonders die Scharnierdichtung (oben gezeigt!) macht oft Probleme! Der originale Schaumstoff zerbröselt regelmäßig
zu Krümeln, die man unbedingt beseitgen muss.
Die RICOHs machen es wie viele andere flach gebaute SLRs auch, sie wickeln die Filmemulsion nach außen:

Ein Lichteinfall an dieser Stelle ist fatal und versaut ggfls. den kompletten Film. Ich würde nicht lange überlegen
und bei jedem Zweifel die Lichtdichtung erneuern!

Hier eine neue hochwertige Scharnierdichtung. Die umlaufenden Dichtungen sind nicht ganz so "gefährlich",
weil sie in einer zusätzlichen Lichtfalle liegen. Ich erneuere sie bei der Gelegenheit aber auch gleich ... und zwar
nicht mit Schaumstoff, sondern so, wie das PENTACON in Dresden immer schon gemacht wurde ... mit einem
schwarzen Wollfaden, den man am besten mit einem Alleskleber einklebt!

Natürlich darf die Kamera NICHT geschlossen werden, bis der Kleber fest ist!! Ansonsten bleibt sie für immer zu!!
Bei den umlaufenden Dichtungen darauf achten, dass der Drücker für die Zählwerkrückstellung nicht behindert
oder festgeklebt wird!
Batterieproblem:
Beide, die Singlex und die 401 benötigen eigentlich die nicht mehr erlaubte quecksilberhaltige PX-625 Knopfzelle
mit deren oft fatalen 1,35V, die sich heute mit Batterieersatzlösungen nicht mehr realisieren lassen......
Ja ich weiß ... Zink-Luft Batterien usw ....aber die halten nur wenige Monate!
Glücklicherweise machen moderne 1,5V den RICOHs nichts aus, denn schon die SINGLEX hatte 1967 schon die heute so
wichtige Brückenschaltung (Wheatstone Bridge-Circuit) ... eine Elektronik, die die Kameraspannung konstant hält.
Die wenigsten Kameras hatten das in den 1960er Jahren.
Wie schon mehrmals erwähnt ... es gibt von VARTA eine Ersatzbatterie, die gehäusegleich zur PX 625 ist (Varta V-625 U),
aber 1,5V hat.
Man kann diese einfach bestellen, einlegen und gut!
Ich empfehle aber die Verwendung einer überall erhältlichen LR44 Zelle, die man mit einem Gummi-O-Ring aus dem
Klempnerbedarf für das zu große Batteriefach passend machen kann:


Links die Varta V625 U und rechts die LR44 mit O-Ring.
Der O-ring ist wirklich zwingend erforderlich! Die LR44 würde verrutschen und einen Kurzschluss im
Batteriefach verursachen.
Kameraportrait RICOH SINGLEX TLS:

Die Singlex ist eine elegante sehr solide verarbeitete Kamera mit der Besonderheit, dass ihr Zeiten/ISO-Stellrad vorne
am Gehäuse und nicht in der Deckplatte eingebaut ist. Mir fällt ansonsten nur die Olympus PEN-F ein,
wo das ähnlich gemacht wurde.
Als RICOH 1967 mit der Kamera in das schon angelaufene TTL-Rennen einstieg, wollte man Stückzahlen reißen und
bot die Kamera zu einem Hammerpreis an, den nur noch die Praktica NOVA parieren konnte.
Der Absatz wurde dadurch angekurbelt, dass man sich ab Produktionsbeginn mit den Discountern dieser Welt arrangierte
und die Kamera bereitwillig umlabelte.
Die SINGLEX TLS kann auch anders heißen:
SEARS TLS
Chinonflex TTL
Prinzflex TTL
Cosina Hi-Lite
Argus STL 1000
Focal TLX
Uniflex Reflex TTL
Revueflex 1000 S TTL
Revueflex T
Tatsächlich gelang es RICOH so, den Umsatz anzukurbeln und das Modell gut zu verkaufen ... aber ... wie es so ist ...
dem Firmenimage hat das natürlich sehr geschadet so dass diese wirklich sehr gute und solide Kamera bis heute ein
Ramsch-Image behalten hat ... auf Praktica Niveau .... überhaupt nicht gerechtfertigt aber insofern auch wieder gut,
als dass man diese beiden Modelle heute fast schon geschenkt bekommt.
Singlex und TLS 401 was beide ausmacht!
Da die TLS 401 auf der SINGLEX aufbaut, gilt das meiste für beide Modelle:
Beide Kameras benötigen die Batterie NUR für den gekoppelten TTL-Belichtungsmesser, der sich an diesem Schalter
einschalten lässt:

Gleichzeitig wird das Objektiv über die Springblendensteuerung der Kamera auf Arbeitsblende abgeblendet und
das tatsächlich durch das Objektiv fallende Licht gemessen.
Ansonsten sind beide Modelle voll mechanisch und funktionieren (ohne Belichtungsmesser) auch
batterieunabhängig.
Blick durch den Sucher der TLS 401 (praktisch identisch zur Singlex)

Rechts zeigt ein Drehspulenmesszeiger die Belichtung an. Steht er oben, zeigt er Überbelichtung, steht er unten,
zeigt er Unterbelichtung. Man muss jetzt Verschlusszeit und Blende so einstellen, dass der Zeiger quasi in der Mitte steht.
Im Sucher der Singlex fehlt allerdings unten links der S/A-Zeiger, den nur die 401 hat .. dazu komme ich noch.
Beide RICOHs können wirklich alles, was eine SLR bis 1970 überhaupt bieten konnte .... nämlich:
-Verschlusszeiten 1s bis 1/1000s und B
-Blitzsynchro X und M bis zu 1/125s (außergewöhnlich kurz damals!)
-TTL-Belichtungsmessung bei Arbeitsblende
-Blenden-innenauslösung (Springblende)
-Rückkehrspiegel
-Selbstauslöser
-Spiegelvorauslösung (über den Selbstauslöser)
Was die TLS 401 zusätzlich kann:
Das Einzigartige an der TLS 401 ist ihr Doppel-Suchersystem!


Die 401 hat wahlweise zum normalen Suchereinblick einer Standard SLR auch noch einen Suchereinblick von oben,
der umschaltbar ist ....

Durch Umschalten von "1" auf "2" bekommt man den Suchereinblick direkt von oben in die Kamera.
Man bekommt so das gleiche und seitenrichtige Sucherbild, wie beim "normalen" Suchereinblick.
Das ist ein tolles und einzigartiges Feature dieser Kamera und kann sehr nützlich werden.
Ferner realisiert RICOH mit der 401 das, was die Spotmatic ja eigentlich mal wollte .... eine umschaltbare
SPOT-Belichtungsmessung .... hier der Umschalter:

"SP" für Spotmessung im Bereich der Fokussierungshilfe auf der Mattscheibe

"AV" für Average ... also normale Integralmessung über das volle Sucherfeld.
Die Einstellung des Belichtungsmessers ist mit S und A im Sucher der 401 angezeigt:

Neu ist im Vergleich zur Singlex dann auch noch dieses Schulterdisplay:


ROT: Kamera nicht schussbereit ... Verschluss nicht gespannt, Film nicht transportiert
GRÜN: Kamera ist schussbereit
Die TLS 401 ist eine Kamera, die 1970 wirklich ALLES und noch mehr konnte, was ging.
RICOH wiederholte den Fehler mit der Umlabellung der Kamera für alle Discounter der Welt zwar diesmal nicht,
hatte aber keinen Erfolg damit, sich gegen die großen Marken der Zeit einen Namen zu machen.
Ricoh hatte damals nicht nur progressive und hochwertige Kameras, sondern auch sehr gute Objektive am Start
"RIKENON" genannt.
FAZIT:
Mit der RICOH SINGLEX TLS oder TLS 401 bekommt man heute eine wirklich solide, hochwertige und einstzfähige
M42 Spiegelreflex-Kamera zum Lachpreis.
Noch besser ... man kann gleich ein ganzes Kamerasystem mit wirklich guten Objektiven angeln .... so kann das aussehen:

Die Kamera ist aus hochwertigem Material gemacht, hochwertig beledert, präzise gefertigt. Klare Empfehlung von mir!
Sachen gereinigt, Lichtdichtungen neu, Batterie erneuert und los:

Aufnahme mit der 401 und dem oben gezeigten 200mm Exaktar, mit dem sie kam.
Grüße und rettet Film
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