d. Einstellungen für Farbmanagement in Corel Draw/Photopaint
Weil der Einstellungsdialog in Photopaint so vorbildlich ist, fange ich mit diesem an. Wenn man das verstanden hat, ist es kein Problem mehr, äquivalente Einstellungen in anderen Programmen vorzunehmen.
Nebenbei: die Einstellung im Farbmanagement-Dialog von Photopaint bezieht sich auf die ganze Programmsuite und gilt dann auch für Draw. Ebenso könnte man den Dialog in Draw aufrufen und alles dort einstellen. Wir werden dieser Art zentraler Einstellung in den CreativeSuite-Versionen von Adobe wiederbegegnen.
Arbeitsfarbraum
Als erstes ist der Arbeitfarbraum einzustellen. Mit einem/dem sRGB-Profil seid ihr auf der sicheren Seite, da gibt es am wenigsten Probleme. Eine gute Regel sagt: Wer fragt, wozu ein größeres Profil (etwa AdobeRGB oder PhotoProRGB) gut ist, sollte bei sRGB bleiben.

Zum Aussuchen klickt man auf den Schriftbalken oder das kleine schwarze Dreieck unter dem Symbol für den Arbeitsfarbraum. Dann klappt eine Liste auf, aus der man aussuchen kann.
Klickt man auf das Symbol für den Arbeitsfarbraum selbst, öffnet sich ein erweiterter Dialog mit zwei Einstellungsmöglichkeiten: Wiedergabeabsicht (Rendering Intent) und Farb-Engine (Colour-Engine). Bei der Farb-Maschine gibt es die Auswahl, die Windows- oder die Kodak-Farbmaschine zu nutzen. Ist ziemlich egal, einfach so lassen, wie sie war: Kodak ist Corels Wahl.
Der Rendering Intent kann normalerweise auch so bleiben, wie er ist, nämlich auf "Automatisch".
Der RI bestimmt, wie die Farben in einen anderen größeren oder kleineren Farbraum skaliert, beschnitten oder komprimiert werden. Da wir diesem Prinzip später noch begegnen werden, erkläre ich kurz, was es damit auf sich hat. Allerdings sind solche Einstellungen für den DTP-Bereich wichtiger. Wer Scribus, InDesign, QuarkXpress, PagePlus oder irgendwas in der Richtung kennt, hat das schon mal gesehen. Corel ist da übrigens ein bisschen untypisch, der RI "automatisch" entspricht wohl einem, der woanders "wahrnehmbar" o. ä. heißt.
wahrnehmbar, Wahrnehmung o. ä. (bei Corel automatisch) heißt:
der Farbbereich des Quellprofils wird auf das Zielprofil skaliert. Die Leute im Bus müssen zusammenrücken.
relativ farbmetrisch o. ä. heißt:
gleiche Farbwerte in Quell- und Zielprofil werden beibehalten, andere Farben werden so verschoben, dass sie in das Zielprofil passen. Hier kommen die Stiefschwestern von Aschenputtel schon ins Spiel. Manche im Bus sitzen auf den falschen Plätzen.
Sättigung o. ä. heißt:
Sättigungswerte aus dem Quellprofil werden in Sättigungwerte des Zielprofils transformiert. Das ist schon EBV-Latein.
absolute Farbmetrik o. ä. heißt:
gleiche Farbwerte in Quell- und Zielprofil werden beibehalten, andere Farben werden gemäß ihres Eindrucks wenn auf Papier gedruckt angepasst
Hui, das ist kompliziert.
Bildschirm
Auch zur Bildschirmeinstellung gibt es in Photopaint zwei Funktionen:
Die Profilwahl für den Bildschirm, wo man natürlich das Profil seines Bildschirms aussuchen muss. Hier das für den Belinea 101915 passende Profil mit der Farbtemperatur 6500K.
Klickt man auf das Bildschirm-Icon, öffnet sich ein interessanter Dialog, der die Überpüfung von Farben insbesondere in Fotos erleichtert. Wenn man bei "Anzeigefarben außerhalb Druckergamut markieren" einen Haken setzt, ´wird grün im Bild, was so nicht gedruckt werden kann. Diese Einstellung bezieht sich auf die Justierungen, die man unter und mit dem Druckmaschinensymbol auf der rechten Seite des Dialogs oder dem Druckersymbol auf der linken einstellen kann. Es wird nichts grün gedruckt (wenn Grün als out-of-gamut-Farbe eingestellt ist), sondern nur angezeigt, welche Farben notwendig transformiert werden müssen.
Drucken in der Druckerei (rechtes Druckmaschinensymbol)
An dieser Stelle werden Profile für Bogenoffset-, Rollenoffset oder Zeitungsdruck eingestellt. Die Profile könnt ihr bei eci.org herunterladen. ISO-Coated für beschichtete Druckpapiere, ISO-Uncoated für unbeschichtete, ISO-uncoated-yellowish für Zeitungsdruck. Man sollte sich, wenn man diese Info brauchen kann, ein bisschen vertiefend damit beschäftigen.
Drucken am Arbeitsplatz (linkes Druckersymbol)
Hier wird natürlich das Druckerprofil vom am Rechner angeschlossenen installierten Drucker geladen. Entweder liefern die Hersteller Profile mit oder nicht, dann ist dem Drucker fast immer sRGB zugewiesen und sollte auch hier eingestellt werden. Oder alles so lassen, wie es zu Anfang ist.
Im- und Export von Dateien (Symbol ganz oben)
Hier kann man einstellen, wie Dateien (Bilder) behandelt werden, die in die EBV geholt oder aus ihr exportiert werden. Aktivierte rein-raus-Pfeile heißen, dass die Dateien überhaupt behandelt werden. Auf das Symbol geklickt und man sieht noch Optionen, wie Bilder, die unprofiliert sind, behandelt werden sollen. Das einfachste ist, Bilder immer ein Profil anzuhängen, dann wird es hier auch übernommen.
So.
Die Millionen Möglichkeiten, diese Matrix einzustellen, kann ich hier nicht beschreiben. Man kann die Verbindungen zwischen den Symbolen in vielfacher Weise verknüpfen und lösen. Da hilft nur ein bisschen ausprobieren und Erfahrung. Das ist wie beim Fotografieren. Einigermaßen logisch ist das Interface ja nun wirklich.
Aber vielleicht ist klar geworden, dass man hier eine sehr mächtige Funktion in der Hand hat, auf der Basis eines farbkorrigierten Systems Bilder zu bearbeiten, zu prüfen und zu drucken.
Noch Fragen? Klar soweit? Meldet euch einfach hier zurück.