Richtige Farben - Farbmanagement für alle

  • Autor des Themas pedro
  • Erstellungsdatum

pedro

Beiträge
516
Hallo zusammen,

pedro (Schlauberger) am Apparat.

Im folgenden Tutorial geht es um richtige Farben zwischen Kamera und Drucker (bzw. Fotodienst). Das Thema ist sehr umfassend, trotzdem werde ich versuchen, alles Wichtige zu sagen. Falls ich das nicht schaffen sollte (nebenbei, da geht ja immer irgendwas den Bach runter), einfach nachhaken. Dafür ist es ja ein Thread. Und es sind noch andere da, die Schlaues von sich geben können.

I Einleitung

Wir möchten alle das, was wir fotografiert haben auf den Bildschirm und später zum Drucker oder zum Fotoladen bringen. Und wir wollen natürlich nicht, dass die Farben dann ganz anders aussehen, als wir sie in Erinnerung haben.
Um hier eine akzeptable Konsistenz zu halten, gibt es Farbmanagement. Es bedeutet, dass Geräte Anweisungen erhalten, wie sie Farben darstellen sollen.

Das Problem ist nämlich, das die Geräte unterschiedliche Farbräume haben. Das ist, als ob sie verschiedene Sprachen sprechen. Zwischen denen muss übersetzt werden. Klar, dass das nicht ohne Konflikte und Abstriche funktioniert. Welcher Roman oder Film ist gleich in der Quell- und Zielsprache nach einer Übersetzung bzw. Synchronisation?

Hier ein Farbraum, wie man ihn anschaulich darstellen kann. Auf verschiedenen Achsen horizontal die Farben, vertikal Weiß und Schwarz.

Die geschlossene Linie auf dem Grund zeigt den maximalen "Gamut" an.

cms001.jpg

cms002.jpg



Nachfolgend ein Vergleich des ungefähren Farbraums eines RAW-Files direkt aus der Kamera mit einem Bildschirmprofil. Das Bildschirmprofil liegt innen und ist farbig, das RAW-Profil ist grau dargestellt. Die Gamutlinien zeigen gut, wie viel kleiner als der Kamerafarbraum das Bildschirmprofil ist. Ui, ui. Man sieht aber auch, dass der Bildschirm Farben darstellen könnte, die die Kamera nicht kennt. Aber wer will schon dieses heftige, superhelle Magenta?

cms003.jpg

Die Antwort auf die Unterschiede ist entweder abschneiden (hat schon bei Aschenputtels Stiefschwestern nicht so schöne Effekte gehabt) oder enger sitzen. Ist zwar unbequem, aber auch in einem engen Bus kommt man ans Ziel. Aber vielleicht wird einem das Frühstück unterwegs zerquetscht. Aber immerhin. Alle kommen an.

So auch die Farben aus der Kamera: leicht lädiert und schlechtgelaunt, aber einigermaßen vollständig, kommen sie auf dem Bildschirm, dann im Drucker oder im Fotoladen an. Wer schafft das? Das Farbmanagement. Ohne einen überzeugenden Busfahrer könnten nicht alle mitfahren und dann würden einige, vielleicht die wichtigsten fehlen, einige auf falschen Plätzen sitzen und so ähnlich.

Weiter geht es in meiner nächsten Pause. ;)
 
26.10.2009
#1

Anzeige

Guest

Schau mal hier: Richtige Farben - Farbmanagement für alle . Dort wird jeder fündig!
Saturn

Saturn

Moderator
Beiträge
6.885
weiter so, das ist ja klasse! :klatschen::klatschen:
 

pedro

Beiträge
516
II der Monitor

Egal, ob man RAW oder jpeg/jpg fotografiert, der Bildschirm ist eine der wichtigsten Komponenten in der Kette. An ihm werden Farben beurteilt, verändert, anhand seiner Darstellung gebt ihr euren Bildern den letzten Schliff oder den Todesstoß.

Wir wollen versuchen, unserem Bildschirm eine Darstellung beizubringen, auf die wir uns dabei verlassen können. Perfekt wird das nicht sein, aber was ist das schon. C'est la vie.

Wenn euer Bildschirm sehr billig war oder ihr am Klapprechner arbeitet, sind die Chancen geringer, dass etwas Tolles herauskommt, aber ausgeschlossen ist es nicht.

Bildschirme im mittleren Preisegment sind ganz gut einstellbar, wobei meine Beobachtung ist, dass die Qualität in den letzten Jahren allem Möglichen geopfert wurde. Einer unserer Bildschirme hier ist ein 5 Jahre alter Belinea101915, der gut eingestellt ist und seine Sache gut macht, obwohl er eigentlich als Büro-Schirm gedacht war (vom Hersteller), er kann einen Farbraum darstellen, der an manchen Stellen etwas größer, an anderen et minimal kleiner als sRGB ist.

sRGB ist übrigens der Standardfarbraum für WIN-Rechner und ganz ordentlich konzipiert für tägliche Multimedia und Bildarbeit. Und (digitale) Hobbyfotografie. Man sollte ihn nicht smallRGb schimpfen, das hat er nicht verdient. Zumal er die ganze Rechnerei von einem zum nächsten Farbraum erheblich vereinfacht hat. Für uns (?) Hoppyfotografen. ;)

Die üblichen Bildschirme stellen denn auch nicht mehr dar als eben dieses sRGB, da vielleicht ein winziges Bisschen mehr, dort ein winziges Bisschen weniger. Hab ihr einen üblichen Bildschirm?

Seltener sind Bildschirme, die mehr, viel mehr als sRGB darstellen können. Kosten dann auch mal eben 2000 Ulli-Doppelmärker oder mehr. Das muss aber nicht von Vorteil sein, es macht das Handling von Farben eher schwierig. Glaubt mir, keiner von euch würde es genießen, Vorlagen im CMYK-Farbraum auszuliefern, wie es noch vor einigen Jahren üblich war. Bilder in CMYK sehen total verkehrt aus, man kann sie ganz schlecht beurteilen. Das gleiche gilt für vergrößerte Farbräume, man macht da schnell einen Fehler. Schade dann.

Also der Bildschirm. Versucht beim Hersteller eures Bildschirms ein Farbprofil zu bekommen. Viele bieten es als Download an. Vielleicht ist auch schon eins installiert, aber nicht zugewiesen, oder es ist auf der Begleit-CD (nur eben nicht auf eurem Rechner). Das ist "nur" ein Typenprofil (ja, manche Profis machen monatlich ein individuelles für ihren Schirm, andere Profis arbeiten an "föllig valschvarbenen" Monitoren, alles schon gesehen ;)), aber es ist eine gute, akzeptable Grundlage. Unterschätzt die nicht. Wählt (wenn ihr die Wahl habt) eins aus, das irgendwie mit "warm" oder "6500" oder "6500K" heißt. 6500 Kelvin ist die Temperatur hellen Tageslichts und für unsere Zwecke brauchbar.

Wenn euer Hersteller kein Geld hatte, für euch ein Bildschirmprofil zu erstellen, geht die Welt nicht unter. Auch da kann man was machen, wird aber ein bisschen schwieriger im dritten Schritt, der Einstellung des Monikas.

Farbprofile haben die Dateiendung *.icc oder *.icm und liegen bei WIN unter C:\WINDOWS\system32\spool\drivers\color

Wahrscheinlich sind da schon welche, vielleicht nicht so viele, wie auf dem Bild:

mon001.jpg

Da gibt es Profile für Bildschirme, Scanner, Drucker, generelle Profile etc.

Wenn ihr ein zu eurem Bildschirm passendes Profil habt, müsst ihr mit Administratorrechten eingeloggt sein, um die folgenden Schritte durchführen zu können:

1. Farbprofil installieren

2. Farbprofil dem Bildschirm zuweisen

Anm: wie es unter MACOS geht, weiß ich nicht (will ich auch nicht wissen), unter Linux ist das ebenfalls etwas komplizierter (war es jedenfalls noch vor wenigen Jahren, als wir hier alle Maschinen unter Linux laufen hatten). Sorry

Also Admin werden, das Farbprofil einfach mit der Maus markieren und per Kontextmenu installieren.

Dann auf dem Desktop über Eigenschaften/Einstellungen/Erweitert/ in Farbverwaltung gehen. Hinzufügen auswählen und dann aus dem oben genannten Pfad zu allen Profilen das passende Bildschirmprofil aussuchen.

Ab da sollte Windows beim Starten immer das entsprechende Bildschirmprofil laden.

Wenn Fragen geblieben sind, bitte fragen.

Teil III, die Einstellung des Bildschirms in der nächsten Pause.
 
Zuletzt bearbeitet:

pedro

Beiträge
516
Einschub: Solltet ihr kein Bildschirmprofil haben, lasst ihr den Schritt der Profilzuweisung einfach aus oder weist dem Bildschirm sRGB zu.

Technischer Hintergrund: WIN arbeitet ohnehin mit sRGB und weist jedem Gerät sRGB zu, dem kein Profil zugerordnet ist.

Ob es einen Unterschied zwischen keinem Profil und zugewiesenem sRGB gibt, weiß ich nicht. Allerdings werden nicht getaggte Bilder und mit sRGB getaggte von allen (?) Browsern leicht unterschiedlich angezeigt. Also eventuell probieren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Telekomiker

Telekomiker

Beiträge
4.828
echt Spitze, was ich hier lese !!:klatschen::klatschen::klatschen:
 

pedro

Beiträge
516
III Bildschirm einstellen

Was jetzt kommt, ist schwer und leicht zugleich. Eventuell holt man sich jemanden zu Hilfe, der gegensätzlich farbenblind ist wie man selbst.

Jetzt zuallerst den Bildschirm auf Werkseinstellungen setzen. Handbuch des Bildschirms?

Die im Anschließenden folgenden Einstellungen kann man an den Kontrollen des Monitors selbst machen (doof) oder über die Grafikkartentreiber-Interfaces (Nvidia und Ati bieten da ganz hilfreiche Oberflächen, hier die von Ati-Karten, die Nvidia-Karten bieten ähnlich komfortable Späße:

monitor004.jpg)

Wir besorgen uns nun:

entweder:

von der Site http://www.eci.org/doku.php?id=de:downloads den "eci_monitortest_pc.zip"

Wenn man das Paket ausgepackt hat, sieht man fast alle diese Sachen hier (nicht die Systemfiles des Vorführrechners und auch nicht mehr das zip ;))

monitor001.jpg

Bitte unbedingt den Beipackzettel lesen, sonst hilft auch der Apotheker nicht mehr. Das Paket enthält quasi eine Graukarte für den Bildschirm mit verschiedenen Einstellungshilfen: Grauverlauf, Gammafinder und Farbstichprüfer. Ladet dazu das Bild, das eurer Bildschirmgröße entspricht als Bildschirmhintergrund. Falls es keins in eurer Größe gibt, nehmt ein fast so großes und ladet es aber auf jeden Fall unverzerrt, d. h. als "zentriert".


oder:

ihr geht auf diese Website:

http://www.lagom.nl/lcd-test/

Das ist im Prinzip das Gleiche, aber lasst euch nicht verwirren. Dieser Test ist viel schwieriger durchzuführen. Bietet sich vielleicht für ein zweites Mal an, wenn man schon ein bisschen Einstellmuskeln aufgebaut hat und das Zittern aufgehört hat. Auch hier den Beipackzettel lesen!

Jetzt versucht man seinen Bildschirm nach den zuvor dazu gelesenen Anweisungen richtig einzustellen. Lasst euch Zeit, wenn ihr sie habt, macht es eventuell nochmal und nochmal, manche Sachen sehen zwei Tage später wieder anders aus. Das ist wie mit unseren Fotos. ;)

Achtung: Farben können sich mit Helligkeit und Kontrast und Gamma signifikant ändern! Vielleicht nicht in diesem Teil-Helligkeits- oder -Farbbereich, aber im anderen. :eek:

Auch die Raum-Beleuchtung einkalkulieren, der Schirm muss schon eine Stunde laufen, besser tagsüber als abends bei Kunstlicht (giftig! ;)) usw.

Man sollte nach der Einstellung eine recht akzeptable und für die Arbeit mit Fotos vorteilhafte Darstellung haben.

Achtung: wenn ihr den Bildschirm auf Bürokälte eingestellt hattet (8000 K oder darüber) sehen 6500 K erstmal gelb wie Pipi aus. :p Ist eine Gewohnheitssache, später werdet ihr sehen, dass man in diesem Licht die Farben wesentlich besser beurteilen kann.

Und: wenn ihr nach Eindruck einstellen könnt, habt ihr eine Sicherheitsleine, falls ihr später einmal mit einer Spinne kalibieren wollt, und die euch verar....t. ;)

Habe ich alles Wichtige gesagt oder was vergessen?

Dann freut euch auf Teil IV, die EBV und den Arbeitsraum vorbereiten.
 
Robert

Robert

Moderator
Beiträge
11.094
Super Arbeit, die Du Dir hier machst, vielen Dank dafür! [SCHILD]Respekt[/SCHILD]
 
netzuser

netzuser

Beiträge
3.408
Besser,verständlicher und kürzer habe ich es noch nie gesehen.
Das Wesentliche in launigen Worten.
Gruß
Uwe
 

k/x

Guest
[SCHILD]Alle Achtung[/SCHILD]

Das versteh sogar ich und das will was heissen.:)

mfg Lutz
 

Chris

Beiträge
204
Kann mich nur anschließen und digges Danke für deine großen Mühen. Ist super Erklärt und sehr gut nachvollziehbar.
Vor dem Bereich hab ich mich immer absolut gedrückt, weil man ja doch immer wieder mal was drüber hört usw. Dabei ist es gar nicht soooo schwer, wenn man ne gute ausführliche Anleitung hat ;)

LG Chris
 

pedro

Beiträge
516
Dank euch allen schön.

Es geht dann ja auch noch weiter, bis zum bitteren Ende. ;) Nur heute nicht mehr.

pedro
 
wpau

wpau

Beiträge
4.533
Anm: wie es unter MACOS geht, weiß ich nicht (will ich auch nicht wissen), unter Linux ist das ebenfalls etwas komplizierter (war es jedenfalls noch vor wenigen Jahren, als wir hier alle Maschinen unter Linux laufen hatten). Sorry
Ja, Sorry, weil dort vielleicht der falsche Admin tätig war.

Ist unter Linux natürlich ein Kinderspiel.

Für KDE Desktop ist das ganze in den System Einstellungen zu finden.
Admin Rechte sind nicht nötig, da jeder User sein persönliches Profil einstellen kann.

http://www.multimedia4linux.de/coolscan/monitor_kalibrieren.html

Hier auch ein interessanter Bericht in englisch:

http://www.linux.com/archive/articles/113936

Ich habe mir mal von meiner Tochter (Dipl. Kommunikations-Designerin (FH)) einen Spyder 3 von Ihrer Arbeit mitbringen lassen und die Kalibrierung meines EIZO LCD zeigte keine Verbesserung gegenüber den Werkseinstellungen sRGB Bereich.

Auch Apple hat dazu gelernt und verwendet endlich Gamma 2.2 als Standard in Snow Leopard und ihren neuen Computern.

http://www.gballard.net/psd/go_live_page_profile/embeddedJPEGprofiles.html

Also ruhig auch mal schauen was andere Betriebssysteme bieten.

Viren frei seit nun mehr 10 Jahren, Dank Linux und Apple.
 

pedro

Beiträge
516
Hallo Werner,

hab vielen Dank für deinen Beitrag. Klar, das bei einer solchen Darstellung immer etwas vergessen wird. Passiert mir natürlich auch, gerade mir. Und Information, die meinen Willens- und Wissenslücken beispringen will, begrüße ich normalerweise auch.

Allerdings: Es will mir vorkommen, als habest du deinen Beitrag mit einem "Tritt vor das Schienbein" begonnen. War das Absicht? Wenn ja, warum? Oder habe ich hier was missverstanden?

Die Information, die du danach auf die Schnelle "losgetreten" hast, ist nach meinem Eindruck nicht geeignet, hier substanziell beizutragen.

Schade eigentlich.

Gruß

pedro
 
Zuletzt bearbeitet:

pedro

Beiträge
516
Einschub 2: Hilfe! Ich habe kein Bildschirmprofil und überhaupt zeigt mein Monitor "föllich valsche Vaaben" oder ich arbeite am Klapprechner und was pedro da gezeigt hat, funktioniert bei mir nicht!!! :eek:

Der Vorführplatz (der mir ein durchschnittlicher Arbeitsplatz zu sein scheint und den ich hier als Beispiel genommen habe) ist mit zwei Bildschirmen verbunden: dem Belinea 101915, dessen Farbraum schon vor 5 Jahren größer (ein bisschen) als sRGB war und als Paletten- und Hilfsschirm ein Belinea 101556. Der eine, wie die Typenbezeichnung sagt, mit 19, der andere mit 15 Zoll Diagonale im 4:3 Verhältnis (so wie die Fotos auch). Der Farbraum des 101556 ist um Einiges kleiner als sRGB. In der Grafik bezeichnet der innere farbige Körper den Farbraum des 101556 und der graue Körper drumherum den sRGB-Farbraum.

ebv003.jpg

Das heißt leider auch, dass dieser Monitor für die Bildbearbeitung weniger geeignet ist. Ihn einzustellen, ist recht schwierig. Mit Geduld und Spucke kann man aber auch hier etwas machen und wenn man nicht zu hohe Ansprüche hegt, kann auch dieser Bildschirm in Ungefähr darstellen, was später am Drucker rauskommt. Es kann allerdings Überraschungen geben, wegen denen man nicht verzweifeln darf und die Bearbeitung in der EBV kann durchaus weniger verlässlich sein. :confused:

Meine Erfahrung ist übrigens, dass das Farbraumverhalten der günstigeren Bildschirme nicht besser geworden ist. Aber ich kann mich irren.

Da hilft nur, sich eingehend mit der Einstellungsmöglichkeit des Schirms zu beschäftigen, das Interface des Grafiktreibers genau zu studieren und dann mit dem ECI-Monitorprüfbild im Hintergrund zu versuchen, das Maximale aus der Situation zu machen. Die Tonne kann ruhig noch warten. :rolleyes:

Es kann einen signifikanten Unterschied geben, ob man einen Bildschirm digital oder analog an den Rechner angestöpselt hat. Oft ist man mit einem mittelguten Bildschirm, dem Typenprofil und einem Anschluss über die DVI-Buchse schon am Ziel seiner Reise und nur minimale Korrekturen sind zum Fotospaß nötig. Die Reise kann länger sein, wenn der Bildschirm am analogen Port hängt. Da kann eine umfangreiche Justierung jedes einzelnen Farbkanals hinsichtlich Helligkeit, Kontrast und Gamma nötig sein.

Bloß nicht entmutigen lassen. :cool:
 
Zuletzt bearbeitet:

pedro

Beiträge
516
IV Farbmanagement in der Bildbearbeitung

a.

Auf dem Vorführrechner sind allerhand Programme, die wir hier selten brauchen, aber nicht deinstallieren wollen, weil es Situationen gibt, in denen man sie doch braucht. Es gibt immer wieder Leute, die exotische Dateien zu uns bringen. Wir haben sogar noch einen anderen Rechner, der nicht betrieben wird. Auf dem warten viele ganz alte und kaum noch bekannte Programme auf ihre Anwendung im Fall des Falles.

Auch wenn CorelDraw und CorelPhotoPaint nicht gerade superverlässliches Farbmanagement garantieren können (mehr für Hobbyisten ;)), die Handhabung desselben ist jedenfalls vorbildlich.

Da wird auch noch mal klar, wie das Farbhandling funktioniert. Hier Screenshots aus der CorelDrawSuite Version 12. Es war die letzte Version, die wir gekauft haben, es wurde einfach nicht besser. (Die 13 kann man übrigens für relativ wenig Geld bekommen, 90 € oder so, die ist dann sogar upgradeberechtigt, 14 ist zum gleichen Preis für "nichtkommerzielle Aktivitäten" erhältlich.)

In der folgenden Einstellung soll man sehen können, wie das Bild auf dem Bildschirm aussehen wird. Stichwort Webdesign. Funktioniert auch. Die Farben werden vom Scanner an den Arbeitsfarbraum übergeben und der Probedruck zeigt ebenfalls die Bildschirmdarstellung, natürlich konvertiert auf den Farbraum des Druckers.

Na ja, fast. Identisch ist es nie, egal welchen Aufwand man treibt

ebv001.jpg

Die Einstellung im zweiten Beispiel erlaubt zu sehen, wie eine Grafik im Offsetdruck aussehen wird. Die Farben werden über das Offsetdruckprofil gefiltert auf dem Bildschirm ausgegeben. Auch der Probedruck sollte zeigen, wie der Offsetdruck aussehen soll. Damit ist ein sogenannter Proof möglich. Es ist immer die Konvertierung, Komprimierung von einem Farbraum in den anderen im Spiel. Erstaunlich, dass das so gut funktioniert. ;)

ebv002.jpg

Ich denke, die beiden Bilder machen noch einmal schön deutlich, wie das Farbmanagement funktioniert: Hand in Hand, und bei Bedarf wie Sardinen in der Dose.

So schön wie bei Corel habe ich den Einstellungsdialog nirgendwo gesehen. Bei den anderen Herstellern ist da mehr Blindflug angesagt.

Nächster Abschnitt dann: Einstellung der EBV für Farbmanagement am Beispiel diverser Programme
 

pedro

Beiträge
516
So eins noch, das war es dann für heute. Morgen in der nächsten Pause geht es weiter. ;)

b. Arbeitsfarbraum und drumherum

Um das richtig und endgültig zu verstehen, gucken wir uns noch mal die Farbeinstellung in Corel-Photopaint (oder Draw) an.

Aus der Sicht der Bildbearbeitung sitzt das Arbeitsprofil (das hier sRGB ist) im Zentrum, alles andere gruppiert sich drumherum.

- ganz oben Dateien die im- oder exportiert werden, werden "farbgemanaged", deswegen sind die Pfeile für rein und raus aktiviert.

- Daten aus dem Scanner kommen mit Profil in den Arbeitsfarbraum

- in dieser Einstellung wird der Arbeitsfarbraum (oder was sich in ihm bewegt) in den Bildschirmfarbraum übersetzt

- man könnte es auch so regeln, dass der Arbeitsfarbraum als Offset profiliert (ISO-Coated) ausgegeben wird und der Bildschirm die Farbigkeit des geplanten Drucks zeigt

- der angeschlossene Drucker kann z. B. entweder den Arbeitsfarbraum widerspiegeln oder den Offset-Druck imitieren

- es können auch andere Farbprofile eingestellt werden

ebv004.jpg

Das gleiche ist auch in anderen Bildverarbeitungen möglich. Es sieht nur anders aus. Wenn man das Prinzip verstehen will, ist die Einstellungoberfläche von Corel wirklich gut.

Fragen? Habe ich was vergessen? Bitte einfach hier antworten. Morgen geht es weiter.
 

pedro

Beiträge
516
c. Farbsubsystem der Bildbearbeitung, des DTP-Programms

Jedenfalls noch WINXP hat sein eigenes Farbsystem, das wie beschrieben auf sRGB basiert (und sehr schwer zu modifizieren ist, aber es geht!, Vista und W7 sind da anders, auch MacOSX (@wpau), der X-Server, der auf dem Linux-Kernel aufsetzt, beherrscht ebenfalls nur sRGB, anderes wäre mir neu. ;) ).

Fixe sRGB-Systeme sind damit für professionelle Anwendungen einigermaßen limitiert. Daher haben gute DTP-Programme und Bildbearbeitungen ihr eigenes Farb-Subsystem. Es ist damit tatsächlich möglich einen Bildschirm zu nutzen, der z. B. Adobe-RGB oder einen Wide-Gamut-Farbraum darstellen kann.

Dazu lassen sich die Programme das Bildschirmprofil übergeben und dann läuft das irgendwie so, dass das OS im Auftrag der EBV die Farben "richtig" ausgibt.

Haben wir ja im Bild oben auch gesehen: Die EBV (hier Photopaint, nicht unterschätzen das Program!) hat einen eigenen Arbeitsfarbraum (den man auch auf AdobeRGB oder etwas anderes einstellen kann) und bezieht sich danach auf Bildschirm, Drucker, Scanner usw. Mit WIN verhandelt die EBV nur hinter verschlossenen Türen.

Aber so kann die EBV Farben darstellen oder vielmehr repräsentieren, die WIN nicht beherrscht.

Alles richtig? Bitte um Kritik, wenn nötig. ;)
 

sigmacrazy

Guest
Hallo pedro,

danke für die verstänlichen Ausführungen.
Das wird mein Wochenendlehrgang.
Meintest Du das Photopaint aus der Corel Draw Suite?
Ich hab hier diese 11er Version, doch noch nie aufgespielt
weil alle immer von PS reden.

Danke pedro, macht Lust auf mehr.
 

Ähnliche Themen

Neueste Beiträge