Klaus-R
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REVUEFLEX EE-303 (Cosina Hi-Lite ECL) 1977 Kameraportrait

Hallo zusammen,
19,99,-€ hat das Schmuckstück (nur Gehäuse) gekostet .... eine ganz besondere M42-Kamera, die mir wirklich
gut gefällt und die ich hier KURZ vorstellen möchte.
Kurz deswegen, weil ich zu der kleinen Gruppe von besonderen M42ern HIER schon ALLES geschrieben hatte.
Wer sich für diese kleine Gruppe von M42-"Belichtungsautomaten" und deren "Pseudo-Offenblendmessung"
genauer interessiert, erfährt in diesem Faden alles darüber, was ich weiß bzw. in Erfahrung bringen konnte!
LINK:
https://www.bilderforum.de/threads/revueflex-ac1-kameraportrait.35566/
Warum nur 19,99,-€?
Nun ... die 303 wird unselten für defekt gehalten ... und genau so ....-"defekt nur für Teile"-, wurde
sie von einem "Fachhändler" auch abgeboten ... zum genannten Preis. So perfekt erhalten,
wie sie aber aussah und weil ich mich wirklich gut mit den genannten "Zeitautometen-M42-Modellen"
auskenne, habe ich einfach mal darauf gewettet, dass die gar nicht defekt ist ... da stand nämlich
"Kamera löst aus, Zeiten funktionieren aber nicht"
Genau das passiert nämlich, wenn man die Batterie falsch herum einlegt ...
Warum sollte man das machen? Weil's damals falsch in der Anleitung stand!
Dieser und andere Fehler wurden nicht durch Neudruck der Anleitungen von Foto Quelle korrigiert,
sondern nur durch einen Zusatzzettel, der beigelegt wurde und heute ganz oft fehlt!
So sah das dann damals aus:

Dieser und andere Fehler wurden also nur durch den Zettel berichtigt. Fehlt dieser, dann wird
die Batterie falsch herum eingesetzt und der "Gläubige" denkt, die Kamera sei defekt.
Ich öffne also das Batteriefach und NATÜRLICH ... mich guckt die Batterie mit ihrem Pluspol an ...
genau dieser muss aber in die Kamera und nicht zum Deckel zeigen. Ich setze gleich eine frische
PX28 (4LR44) ein und siehe da ... die Kamera nimmt die Arbeit auf ..... sie ist in einem perfekten
neuwertigen und funktionstüchtigen Zustand. BINGO!
Batterie RICHTIG einsetzen:
So muss die Batterie (PX 28 / 4LR44) RICHTIG herum rein ...in der Bedinungsanleitung steht es leider falsch.


Der Batterietest bestätigt das mit einer leuchtenden LED ....

Kameras für die PX-28 (übrigens problemlos verfügbar!) nehmen i.d.R. KEINEN Schaden durch verkehrt
eingesetzte Batterien, weil sie sinnvollerweise praktisch alle eine Dioden-Verpolsicherung haben, denn
die PX28 lässt sich nun mal immer auch falsch herum einsetzen.
Kurzportrait Revueflex EE-303
Die "303" basiert auf der COSINA Hi-Lite ECL (1977) die wiederum auf der COSINA Hi-Lite EC (1972) basiert.
Die Kamera war 1972 ein Knaller, den leider kaum jemand bemerkte ... ein geniales Teil, das leider völlig
übersehen wurde und eine Reihe wirklich außergewöhnlicher M42 Kameras einleitete.
Das Besondere .... Sie kann automatisch belichten (Zeitautomatik) und das mit ganz normalen M42-Objektiven,
die nichts weiter bieten, als eine Springblendenmechanik. Automatische Belichtung setzt üblicherweise
Offenblendmessung voraus, die mit den alten M42 Objektiven leider nicht möglich ist. Mit einem Trick
geht das dann doch!
Über einen zweistufigen Auslöser wird im Moment des Auslösens blitzschnell von Offen- auf Arbeitsblende
umgeschaltet und quasi in Echtzeit (also in Sekundenbruchteilen) bei Arbeitsblende die Belichtung gemessen.
Um dann zeitautomatisch belichten zu können.
Weil das mit den damals üblichen CDS-Messzellen nicht möglich ist (die brauchen für ein stabiles Messergebnis
ca. eine Sekunde Zeit, kamen völlig neu entwickelte Silizium-Sensoren zum Einsatz, die praktisch
verzögerungsfrei Messergebnisse liefern können. Man kann also wirklich offenblendig arbeiten und den
Auslöser einfach durchdrücken ... die 303 wird richtig belichten OHNE, dass sie zuvor "wusste",
welche Arbeitsblende eingestellt war.
Einziger Nachteil zu ECHTER Offenblendmessung .... Die Belichtungszeit, die sich dann genau ergibt,
kann bei Offenblende nicht angezeigt werden.
Will man GENAU sehen, welche Verschlusszeit sich ergibt, muss man den Auslöser vor der eigentlichen
Aufnahme antippen ... dann schaltet die Kamera auf Arbeitsblende um und die Verschlusszeit wird im
Sucher angezeigt.
Wie das alles GENAU funktioniert, zerlege ich im oben verlinkten Faden ... muss hier nicht wiederholt werden.
COSINA Hi-Lite EC (1972) vs. COSINA Hi-Lite ECL (REVUE EE-303) 1977
Die 1972er "EC" wurde 1977 zur "ECL" weiterentwickelt und auch als REVUEFLEX EE-303 über Foto Quelle verkauft.
Die Unterschiede sind marginal. Die ECL bekam eine um eine ISO-Stufe erweiterte Einstellskale (bis ISO 3200),
eine geänderte Batteriekontrolle (Außen-LED statt Suchernadelanzeige) zwei Blitzsynchronbuchsen
(Kabelbuchsen für X und FP-Birnenblitze) und eine Belichtungs-Messwertspeichertaste zusätzlich.
Damit gehört die "303" meiner Meinung nach zu den höchstentwickelten M42 Kameras überhaupt
(zusammen mit den Chinon-Modellen, die ich im oben verlinkten Faden ausführlich aufliste und vorstelle.)
Die 303 ist traumhaft ausgestattet!


Neben den fest einstellbaren linearen Verschlusszeiten kann sie STUFENLOS elektronisch gesteuert
automatisch belichten!
Die 303 verfügt über einen COPAL-Stahllamellenverschluss, der sogar die damals noch besondere
und seltene 1/2000s schafft! Das konnten damals nur wenige Kameras bieten..insbesondere nur wenige
M42-Modelle.
Stahllamellenverschluss (Copal elektronisch gesteuert):

Blick durch den Sucher:
Die "303" hat einen wirklich großen, sehr hellen Sucher und eine Mikroprismen Fokussierhilfe, die richtig
klasse funktioniert. Links zeigt ein Zeigerinstrument die ermittelte Verschlusszeit an, die im
Automatikbetrieb stufenlos arbeitet.

Die EE-303 ist elektronisch gesteuert und deswegen natürlich batterieabhängig. Ohne Batterie belichtet
sie mit ihrer "Notzeit" 1/125s ... ist so dann also ohne Belichtungsmesser zur NOT auch ohne Batterie einsetzbar.
Verschlusszeitenmessung der manuell eingestellten Zeiten:

(Alle Zeiten prima in den Toleranzen!)

FAZIT:
Die Revueflex EE-303 (COSINA Hi-Lite ECL) ist eine richtig gute, sehr hochwertig aus Ganzmetall
gefertigte Kamera, mit butterweichem, leichtgängigem Filmtransport, einem schönen, sanften
Auslösegeräusch und gefälliger Belederung, Sie baut etwas größer, als die 1978er Revueflex AC1,
aber etwas kleiner als die CHINON Memotron I /II Modelle.
Komfortabeler und angenehmer kann man mit den (damals schon veralteten, weil nicht
offenblendmessfähigen) M42-Objektiven nicht arbeiten .... das Ding macht einfach Spaß!
Ähnlichen Spaß machen auch die anderen im anderen Faden gelisteten HIGH END M42-Modelle.
Alle diese COSINA und CHINON-Kameras gibt es auch als Revueflex-Modelle ...
Einige auch als PORST-Varianten .... damals (wie heute) i.d.R. günstiger, als die Originale ... wobei ...
es sind ja WIRKLICH genau die gleichen Kameras.
Mir ist es wurscht .... für mich gerne Revueflex oder Porst ... damals wie heute kein Problem
mit den "Billigmarken".
Der Unterschied zwischen PREISWERT und BILLIG wird letztendlich JETZT (50 Jahre später!)
überdeutlich, wo ehemalige QUELLE und PORST Modelle mit weit überdurchschnittlicher
Zuverlässigkeit und Problemlosigkeit die damals belächelten Marken RICOH/Cosina/und CHINON
in ein spätes aber helles Licht rücken.
Schlussendlich darf ich die EE-303 zur heutigen Verwendung sehr empfehlen.
Wären diese so konstruierten pfiffigen Zeitautomaten bekannter geworden, hätte der M42-Standard
vielleicht doch noch länger Bestand haben können.
Im Grunde war die COSINA Hi-Lite EC 1972 früh genug am Start ... nur wenige wollten sie.
Die EE-303 war 1977 mit dem hier gezeigten Cosinon 55mm/F:1,4 mit 769,-DM zwar teuer,
im Leistungsvergleich mit ähnlichen Kameras aber wirklich nicht ZU TEUER.
Grüße und schöne Photos
Klaus

Hallo zusammen,
19,99,-€ hat das Schmuckstück (nur Gehäuse) gekostet .... eine ganz besondere M42-Kamera, die mir wirklich
gut gefällt und die ich hier KURZ vorstellen möchte.
Kurz deswegen, weil ich zu der kleinen Gruppe von besonderen M42ern HIER schon ALLES geschrieben hatte.
Wer sich für diese kleine Gruppe von M42-"Belichtungsautomaten" und deren "Pseudo-Offenblendmessung"
genauer interessiert, erfährt in diesem Faden alles darüber, was ich weiß bzw. in Erfahrung bringen konnte!
LINK:
https://www.bilderforum.de/threads/revueflex-ac1-kameraportrait.35566/
Warum nur 19,99,-€?
Nun ... die 303 wird unselten für defekt gehalten ... und genau so ....-"defekt nur für Teile"-, wurde
sie von einem "Fachhändler" auch abgeboten ... zum genannten Preis. So perfekt erhalten,
wie sie aber aussah und weil ich mich wirklich gut mit den genannten "Zeitautometen-M42-Modellen"
auskenne, habe ich einfach mal darauf gewettet, dass die gar nicht defekt ist ... da stand nämlich
"Kamera löst aus, Zeiten funktionieren aber nicht"
Genau das passiert nämlich, wenn man die Batterie falsch herum einlegt ...
Warum sollte man das machen? Weil's damals falsch in der Anleitung stand!
Dieser und andere Fehler wurden nicht durch Neudruck der Anleitungen von Foto Quelle korrigiert,
sondern nur durch einen Zusatzzettel, der beigelegt wurde und heute ganz oft fehlt!
So sah das dann damals aus:

Dieser und andere Fehler wurden also nur durch den Zettel berichtigt. Fehlt dieser, dann wird
die Batterie falsch herum eingesetzt und der "Gläubige" denkt, die Kamera sei defekt.
Ich öffne also das Batteriefach und NATÜRLICH ... mich guckt die Batterie mit ihrem Pluspol an ...
genau dieser muss aber in die Kamera und nicht zum Deckel zeigen. Ich setze gleich eine frische
PX28 (4LR44) ein und siehe da ... die Kamera nimmt die Arbeit auf ..... sie ist in einem perfekten
neuwertigen und funktionstüchtigen Zustand. BINGO!
Batterie RICHTIG einsetzen:
So muss die Batterie (PX 28 / 4LR44) RICHTIG herum rein ...in der Bedinungsanleitung steht es leider falsch.


Der Batterietest bestätigt das mit einer leuchtenden LED ....

Kameras für die PX-28 (übrigens problemlos verfügbar!) nehmen i.d.R. KEINEN Schaden durch verkehrt
eingesetzte Batterien, weil sie sinnvollerweise praktisch alle eine Dioden-Verpolsicherung haben, denn
die PX28 lässt sich nun mal immer auch falsch herum einsetzen.
Kurzportrait Revueflex EE-303
Die "303" basiert auf der COSINA Hi-Lite ECL (1977) die wiederum auf der COSINA Hi-Lite EC (1972) basiert.
Die Kamera war 1972 ein Knaller, den leider kaum jemand bemerkte ... ein geniales Teil, das leider völlig
übersehen wurde und eine Reihe wirklich außergewöhnlicher M42 Kameras einleitete.
Das Besondere .... Sie kann automatisch belichten (Zeitautomatik) und das mit ganz normalen M42-Objektiven,
die nichts weiter bieten, als eine Springblendenmechanik. Automatische Belichtung setzt üblicherweise
Offenblendmessung voraus, die mit den alten M42 Objektiven leider nicht möglich ist. Mit einem Trick
geht das dann doch!
Über einen zweistufigen Auslöser wird im Moment des Auslösens blitzschnell von Offen- auf Arbeitsblende
umgeschaltet und quasi in Echtzeit (also in Sekundenbruchteilen) bei Arbeitsblende die Belichtung gemessen.
Um dann zeitautomatisch belichten zu können.
Weil das mit den damals üblichen CDS-Messzellen nicht möglich ist (die brauchen für ein stabiles Messergebnis
ca. eine Sekunde Zeit, kamen völlig neu entwickelte Silizium-Sensoren zum Einsatz, die praktisch
verzögerungsfrei Messergebnisse liefern können. Man kann also wirklich offenblendig arbeiten und den
Auslöser einfach durchdrücken ... die 303 wird richtig belichten OHNE, dass sie zuvor "wusste",
welche Arbeitsblende eingestellt war.
Einziger Nachteil zu ECHTER Offenblendmessung .... Die Belichtungszeit, die sich dann genau ergibt,
kann bei Offenblende nicht angezeigt werden.
Will man GENAU sehen, welche Verschlusszeit sich ergibt, muss man den Auslöser vor der eigentlichen
Aufnahme antippen ... dann schaltet die Kamera auf Arbeitsblende um und die Verschlusszeit wird im
Sucher angezeigt.
Wie das alles GENAU funktioniert, zerlege ich im oben verlinkten Faden ... muss hier nicht wiederholt werden.
COSINA Hi-Lite EC (1972) vs. COSINA Hi-Lite ECL (REVUE EE-303) 1977
Die 1972er "EC" wurde 1977 zur "ECL" weiterentwickelt und auch als REVUEFLEX EE-303 über Foto Quelle verkauft.
Die Unterschiede sind marginal. Die ECL bekam eine um eine ISO-Stufe erweiterte Einstellskale (bis ISO 3200),
eine geänderte Batteriekontrolle (Außen-LED statt Suchernadelanzeige) zwei Blitzsynchronbuchsen
(Kabelbuchsen für X und FP-Birnenblitze) und eine Belichtungs-Messwertspeichertaste zusätzlich.
Damit gehört die "303" meiner Meinung nach zu den höchstentwickelten M42 Kameras überhaupt
(zusammen mit den Chinon-Modellen, die ich im oben verlinkten Faden ausführlich aufliste und vorstelle.)
Die 303 ist traumhaft ausgestattet!


Neben den fest einstellbaren linearen Verschlusszeiten kann sie STUFENLOS elektronisch gesteuert
automatisch belichten!
Die 303 verfügt über einen COPAL-Stahllamellenverschluss, der sogar die damals noch besondere
und seltene 1/2000s schafft! Das konnten damals nur wenige Kameras bieten..insbesondere nur wenige
M42-Modelle.
Stahllamellenverschluss (Copal elektronisch gesteuert):

Blick durch den Sucher:
Die "303" hat einen wirklich großen, sehr hellen Sucher und eine Mikroprismen Fokussierhilfe, die richtig
klasse funktioniert. Links zeigt ein Zeigerinstrument die ermittelte Verschlusszeit an, die im
Automatikbetrieb stufenlos arbeitet.

Die EE-303 ist elektronisch gesteuert und deswegen natürlich batterieabhängig. Ohne Batterie belichtet
sie mit ihrer "Notzeit" 1/125s ... ist so dann also ohne Belichtungsmesser zur NOT auch ohne Batterie einsetzbar.
Verschlusszeitenmessung der manuell eingestellten Zeiten:

(Alle Zeiten prima in den Toleranzen!)
FAZIT:
Die Revueflex EE-303 (COSINA Hi-Lite ECL) ist eine richtig gute, sehr hochwertig aus Ganzmetall
gefertigte Kamera, mit butterweichem, leichtgängigem Filmtransport, einem schönen, sanften
Auslösegeräusch und gefälliger Belederung, Sie baut etwas größer, als die 1978er Revueflex AC1,
aber etwas kleiner als die CHINON Memotron I /II Modelle.
Komfortabeler und angenehmer kann man mit den (damals schon veralteten, weil nicht
offenblendmessfähigen) M42-Objektiven nicht arbeiten .... das Ding macht einfach Spaß!
Ähnlichen Spaß machen auch die anderen im anderen Faden gelisteten HIGH END M42-Modelle.
Alle diese COSINA und CHINON-Kameras gibt es auch als Revueflex-Modelle ...
Einige auch als PORST-Varianten .... damals (wie heute) i.d.R. günstiger, als die Originale ... wobei ...
es sind ja WIRKLICH genau die gleichen Kameras.
Mir ist es wurscht .... für mich gerne Revueflex oder Porst ... damals wie heute kein Problem
mit den "Billigmarken".
Der Unterschied zwischen PREISWERT und BILLIG wird letztendlich JETZT (50 Jahre später!)
überdeutlich, wo ehemalige QUELLE und PORST Modelle mit weit überdurchschnittlicher
Zuverlässigkeit und Problemlosigkeit die damals belächelten Marken RICOH/Cosina/und CHINON
in ein spätes aber helles Licht rücken.
Schlussendlich darf ich die EE-303 zur heutigen Verwendung sehr empfehlen.
Wären diese so konstruierten pfiffigen Zeitautomaten bekannter geworden, hätte der M42-Standard
vielleicht doch noch länger Bestand haben können.
Im Grunde war die COSINA Hi-Lite EC 1972 früh genug am Start ... nur wenige wollten sie.
Die EE-303 war 1977 mit dem hier gezeigten Cosinon 55mm/F:1,4 mit 769,-DM zwar teuer,
im Leistungsvergleich mit ähnlichen Kameras aber wirklich nicht ZU TEUER.
Grüße und schöne Photos
Klaus
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