Bekam gar nicht mit, dass Ihr hier noch kräftig weiter diskutiert habt!
Dann passt vielleicht auch noch meine ganz persönliche "Trabant 601
S deluxe" - Geschichte. Einmal
muss sie ja aufgeschrieben werden:
Die Großeltern erhielten ihren werksneuen PKW Trabant 601 S deluxe so 1986 oder 1987? Irgendwem aus der Nachbarschaft hatten sie für mehrere tausend DDR-Mark (!) eine bald Zuteilungs-reife PKW-Anmeldung für Trabant 601 "schwarz" abgekauft. Nur das Papier der Anmeldung! Der irgendwann danach zugeteilte, daraufhin unverzüglich im Werk persönlich abzuholende, PKW kostete natürlich nochmal extra.
Oha, Opa war sauber!

Bei etwaigen Mitfahr-Allüren mussten die möchtegern-Fahrgäste sich vor dem Einsteigen die Straßenschuhe draußen ausziehen, und auf der Straße zurücklassen. Und gerade sitzen, nicht aufmucken, eine der Situation angemessene Würde zeigen!

Nee, Schmarrn! Sieben mal gründlich die Schuhe abputzen und gewissenhaft nachschauen, ob kein Sandkorn mehr in der Sohle klemmt, ging wohl auch irgendwie, war aber erkennbar schon eine Grenzüberschreitung jenseits der Komfortzone. Dem frisch in die Familie geborenen Kraftwagen verlangte es nunmehr nach einer angemessenen, sauberen, trockenen, windgeschützten Kraftwagenhalle. So wurde ihm eine Garage für viel Geld gekauft. Und der Trabbi selbst wurde gepflegt und gehätschelt und gegossen und geputzt und gewachst und geschmiert, und ihm exklusiv ein warmes Fell über alle Sitze gezogen, damit er nicht frieren möge, der Gutste. Das vierrädrige Vehikel hatte sogar einen Kose-Namen, (welchen ich leider leider nicht mehr erinnere). Soweit ich weiss, wurde der PKW ausschließlich im nahen Umkreis der Heimatstadt meiner Großeltern bewegt. Gerne schön langsam, damit man was von der Gegend sieht. Eine Urlaubsfahrt über mehrere hundert Kilometer oder ähnlich fand meines Wissens durch meine Großeltern nie statt. (Für Reisen war, und ist, ja auch die Eisenbahn da!

).
Dann kam der überraschende Anschluss der DDR an die BRD. Prompt verlor die Arbeiter-Edelkutsche aus Zwickau von einer Woche auf die andere ihren Nimbus! Mein Großvater wollte jetzt ganz vornehm einen Audi, suchte sich einen Audi, kaufte sich einen gebrauchten Audi.
Da ich Anfang 1991 gerade meinen PKW-Führerschein gemacht hatte, ging der entliebte, enthätschelte, entfolgte, seit Monaten nur noch herumstehende, nachwievor neuwertige Trabbi vollkommen unprätentiös durch Übergabe des Zündschlüssels und der Papiere in meinen Besitz über. Bin dann ungefähr ein Jahr und etliche tausend Kilometer damit gefahren! Oft mit Frau und Kind. Es war unsere alltägliche Familienkutsche. Als (damals ganz schlimm dabei) Funkamateur mussten natürlich dringendst mehrere Antennen an den PKW angebaut, mehrere Funkgeräte(halterungen) und eine zweite Autobatterie eingebaut werden. Zusätzlich zu den üblichen Familienfahrten, Einkaufsfahrten, usw. mutierte unser Trabbi für mich zu einem Amateurfunk-Expeditionsmobil. Er brachte mich nebst Funkkram, Antennen, und Antennenmasten immer zuverlässig auf diverse Hügel in meiner vorpommerschen Heimat und im westlichen Polen. Unwegsame Waldwege, Feldwege, hoppelige Stoppelfelder, ... Kein Thema. Nur mit den am Fahrzeug angebauten Antennen und den üblicher Weise mitgeführten Funkgeräten wurde damals aus dem Auto auch über Satelliten gefunkt. Vielleicht war dieser Trabant der einzige Trabant aller Trabanten, aus welchem heraus regelmäßig Funkkontakte über Amateurfunksatelliten gepflegt wurden? Who knows ... Überwiegend über den 2m-auf-10m Lineartransponder des
sowjetischen Amateurfunksatelliten RS-10/11. Auch die Nutzung des japanischen
Fuji Oscar 20 mit seinem von 2m auf 70cm umsetzenden Lineartransponder funktionierte, war aber etwas frickeliger wegen des enormen Doppler-Effekts auf 70cm. Den Kosmonauten auf der
Raumstation MIR wurde regelmäßig zugehört. Ach ja,
Trabant ist übrigens auch nur ein anderes Wort für Satellit oder in weiterem Sinne Mond ... So modern waren wir mal.
Einmal kam ich auf nassem Kupferschlackepflaster bei vermutlich 50km/h (Ortschaft) ins Rutschen, das Auto drehte sich schlitternd um 180°, und knallte rückwärts in eine kleine Gartenmauer am Straßenrand. Die Radaufhängung hinten rechts nahm die Energie des Aufpralles auf, und zeigte sich danach leider übelst verbogen. Auf einem Schrottplatz durfte ich mir für glaube zwanzig Mark in die Kaffeekasse das komplette Hinterrad nebst Radaufhängung eines anderen Trabbis abschrauben. War ja alles nix mehr wert. Bei mir rangeschraubt, selbstverständlich auch die Bremsleitung verbunden, Bremsprobe positiv, fährt. Abstoßungsreaktionen waren nach dieser Organtransplantation keine zu bemerken. Ich glaube, solch eine pragmatische Herangehensweise an Unfallschäden ist heutzutage kaum mehr üblich.
Das Bessere ist der Feind des Guten! 1992 kaufte ich mir dann einen Subaru Libero Kleinbus mit Allradantrieb, dem ich heute noch manchmal nachtrauere. Der bis auf die grobmotorisch getauschte Hinterradmimik und einen kleinen Karosserieschaden aus dem gleichen Unfall ansonsten noch exzellentest erhaltene Trabbi, deluxe hin, deluxe her, war nun wiederum überzählig. Damals in den 1990er Jahren auch leider total unverkäuflich, bzw. man musste sogar Geld bezahlen (!!!) (Größenordnung ca.300 Mark?) um so ein Auto loszuwerden. Glaubt einem heutzutage kein Mensch! Das obsolete Fahrzeug stand bei Schwiegervattern dann ein oder zwei Jahre auf dem Bauernhof herum und setzte Moos und Algen an. Final zerschlug ich ihn mit Beil und Vorschlaghammer, einmal komplett die Duroplastkarosserie runter, dazu Scheiben und Türverkleidungen usw. abgerissen, ausgebaut. Das entfernte bzw. zerkloppte Drumherum wurde kleinstückig im Hausmüll versenkt. Jene grobe vorab-"Mülltrennung" am Objekt war Bedingung des Schrotthändlers, welchen der Schwiegervater angeheuert hatte, um seinen Hof von tonnnenweise obsoletem eisernen Landwirtschaftsgerät zu befreien. Der Schrotthändler lud dann auch das traurige, nach seinen Wünschen zubereitete, Trabbi-Gerippe kostenfrei mit auf. Da fuhr er hin und ward nie mehr gesehen.
Hach ja! Ist traurig, aber so war es halt.
Soweit ein paar meiner ganz persönlichen Trabant-Erinnerungen.
Herzliche Grüße in die Runde!
der Waldschrat