Lichtstarkes M42 50er? Welches?

Diskutiere Lichtstarkes M42 50er? Welches? im Sigma Objektive Forum im Bereich Sigma Forum; Vielleicht auch als Ergänzung zu den Möglichkeiten feinmechanischer Werkstätten bei der Instandsetzung solcher Objektive: Man hört und liest...
  • Lichtstarkes M42 50er? Welches? Beitrag #141
Vielleicht auch als Ergänzung zu den Möglichkeiten feinmechanischer Werkstätten bei der Instandsetzung solcher Objektive:

Man hört und liest gelegentlich, diese seien nach Rückkehr perfekt "justiert". Nur was denn justiert bitte? Mechanisch? Wenn ja, was? Optisch? Hat man einmal ein solches Doppelgauß-Objektiv zerlegt, so wird einem schnell klar, dass es sich kaum um eine optische Justage handeln dürfte. Die optische Zentrierung solcher überaus simplen Doppelgauß-Konstruktionen wird durch die Passung von Glas und Fassung sowie über die jeweiligen Feingewinde-Klemmringe vorgegeben. D.h.: Keine Justage sondern eine saubere Montage (bei der man praktisch nichts falsch machen kann) sind entscheidend. Egal ob beim Helios, Pentacon, Pancolar, Yashinon oder sonstwas.

Feinmechanisch dürfte außer Frage stehen, dass kompetente Werkstätten bei der Instandsetzung gutes bewerkstelligen können. Überwiegend mechanisch, wohlgemerkt.

Es ist sicher bedauerlich wenn einen so ein Objektiv kaputt geht.
Bei vielen anderen Fotofreunden tun sie aber seit Jahrzehnten ihren Job.

Es ist immer etwas schwierig, daraus Schlüsse zu ziehen. Wer jetzt sein kaputtes Objektiv beiseite packt, wer sich darüber im Netz äußert, wer seines bei Meister Olbrich instandgesetzt weitergenießt, wer nie ein Problem hatte...

Ich meine mich zu entsinnen, dass unser Schrat irgendwo etwas von 6 Wochen Wartezeit bei den Görlitzern für Reparaturen geschrieben hatte, was wiederum als gewisses Indiz gewertet werden könnte, dass die Leute dort nicht gerade wenig zu tun bekommen. Nein, selbstverständlich dürften dies nicht alles Pancolare sein, die dort auf Heilung warten...

...genug der (Positiv-/Negativ-)Spekulation...

Das Pancolar wurde über Jahrzehnte produziert und wurde sicher zuvor ausgiebig getestet.
Kann mir nicht vorstellen das Carl Zeiss Jena da geschludert hat.

Aber nicht doch. Von Schluderei war und ist hier nicht die Rede, sondern von einer Schwachkonstruktion (um den zu harten Begriff der Fehlkonstruktion zu vermeiden) in Verbindung mit einer Schmiermittelproblematik. Diese Kombination macht sich dann irgendwann bemerkbar - mit den Jahren - und nicht im Werk.

Was das Technische betrifft, steht für mich die unglückliche Konstruktion des Pancolar 50/1,8 auto außer Frage, zumal es sich da am epochal, regional und konzeptionell verwandten Pentacon messen muss.

Hier das Pentacon 50/1.8 (Auto Revuenon 50/1,8)

Eine einzige, bestens zugängliche, kräftige Drehfeder bewerkstelligt die gesamte Springblendenspannung
500k_SAM_0466.jpg

Im Inneren herrscht gefällige Einfachheit: im Blendenbereich versteckt sich hier keine Achillesverse in From einer extrem schwach dimensionierten Zugfeder.
500k_SAM_0468.jpg

Die Instandsetzung eines solchen Objektivs ist ein Kinderspiel. Sofern Probleme auftreten. Das haben die richtig gut gemacht, die Dresdner.

Noch mal zum Vergleich das Pancolar mit seiner Doppelfederkonstruktion:



Ob dieses Pancolar und andre Carl Zeiss Jena Objektive überwertet sind ist uninteressant den jeder muss für sich selber entscheiden ob er kauft oder nicht.

Das kann man m.E. so nicht stehen lassen. Im Netz werden diese Linsen aufgrund ihrer optischen Qualität weithin gelobt - auch in diesem Thread. Klartext: Es werden Interessenten begeistert und mittelbare/unmittelbare Kaufempfehlungen ausgesprochen.
Andere Formen von Hinweisen und Wertungen zu Pancolaren sind selbstverständlich interessant und zulässig, auch zur gebotenen Preis-Leistung, solange sachlich fundiert/begründet. Inbesondere, wenn sie das Bild für die Kaufentscheidung komplettieren. Dass der potenzielle Interessent die endgültige Kaufentscheidung in seinen Händen hält, ist selbstredend.

Man sollte sich auch einen Überblick zu Aufnahmen in voller Auflösung verschaffen um die Bildwirkung der Objektive beurteilen zu können.

Der von mir verlinkte Offenblendentest an KB zeigt Bilder mit 2600px Kantenlänge. Das ist schon sehr viel - und auch aussagekräftig.

Das Pentacon/Revuenon fällt optisch zurück, ist mechanisch aber gut!
Das Pancolar macht sich optisch sehr gut, wobei weit entfernt von der Leistung einer modernen Optik wie dem Sigma 50/1,4 (wie alle älteren 50er). Hinzu kommt die mechnische Konstruktion und der daraus resultierende absehbare Instandsetzungsbedarf.

Das Yashinon DS-M 50/1,7 ist optisch definitiv auf dem Niveau des Pancolar und kostet weniger als die Hälfte. Es ist mechanisch komplizierter als das Pentacon aber innen sehr gut verarbeitet.



Gruß,
Oz
 
  • Lichtstarkes M42 50er? Welches? Beitrag #142
Wirklich sehr interessante und hilfreiche Beiträge von Euch.
Oz, das Yashinon werde ich mir mal genauer ansehen. Das macht in der Tat einen sehr guten Eindruck.
Das "Risiko" mit dem Pancolar würde ich grdstzl. eingehen, jedoch nicht zu den Preisen, die im Moment in der Bucht dafür aufgerufen werden.
Hier in Dresden wohnt ganz in der Nähe ein älterer Herr, der zu DDR-Zeiten Meister bei Pentacon war. Der repariert mir Objektive aus der damaligen Zeit, wenn mal Bedarf besteht. Übrigens nicht nur Pentacon. Ich liebe es die Werkstatt zu betreten. Ein einmaliger Duft von Fotogerät kommt einem da entgegen.
Preislich bin ich da selten über 10 bis 15 Euro gekommen (Instandsetzung, Blendenmechanismus, Reinigung etc.). Der würde dem Pancolar mit Sicherheit auch zu Leibe rücken. Aber wie gesagt, ich seh mir erst mal näher das Yashinon an.
 
  • Lichtstarkes M42 50er? Welches? Beitrag #143
Hallo Oguzhan,

danke mal für die vielen Fakten und die engagiert geschriebenen Posts.:daumen::klatschen::klatschen:

Zum Zeiss Pancolar 50/1,8 gibt's eine solchen Fülle von Meinungen, dass man sich nach Statistiken sehnt.:eek:

Ich bin mir nicht sicher, ob man der Optik einen sicheren "Servicebedarf" nachsagen muss?!

Ich habe hier ein bildschönes "Zebra", das zwischen 1971 und 1973 produziert sein sollte. Die Springblende funktioniert superleichtgängig und einwandfrei. Der Meterring war zuerst etwas "kratzig" (noch unkritisch) ... und hat sehr von meiner "Kriechöl-60-Grad-Backofen" Behandlung profitiert .... geht seither wie warme Butter. Das "ranzige:D" DDR-Fett lässt sich eigentlich immer "noninvasiv" mit ein paar Tropfen Kriechöl und Backofenwärme prima mit Caramba "aufkochen" und so wieder geschmeidig machen. Mein Zeiss Triotar 135mm/4 war so schwergängig, dass man es nur noch mit einer Rohrzange fokussieren konnte ....:D

Wie gesagt ... mein uraltes Pancolar schreit gar nicht nach Generalüberholung .... hoffe, ich behalte da Recht.;)

Man findet ähnliche Probleme übrigens auch bei japanischen Objektiven...

Meinem Tomioka 55mm/1,4 wird eine sehr anfällige Springblende nachgesagt. Stimmt wohl auch (bei bestimmten Baujahren). Ich habe eines aus den 60ern, das ist absolut einwandfrei ... wie neu ... und ein jüngeres aus den späten 70ern .... das musste ich wegen der besagten Probleme zerlegen und reparieren.

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
  • Lichtstarkes M42 50er? Welches? Beitrag #144
Zur Bildwirkung.
Die im "50er Offenblendtest" gezeigten Aufnahmen im Post 1 haben alle unterschiedliche Lichtverhältnisse.
Gut zu sehen wenn man alle Aufnahmen nebeneinander geöffnet hat.
6861 ist sichtbar dunkler rechts am Waldrand als die anderen Aufnahmen.
Optimales Licht scheint in dem Test von den drei 50er Brennweiten nur 6863 gehabt zu haben.

Mir ist bewusst das so ein Test nicht einfach ist und dies auch alles vorbereitet sein will.
Daher bin ich der Meinung man sollte da selber versuchen sich ein Bild zu verschaffen.
Zu unterschiedlich reagieren die verschiedenen Sensoren und jeder Kameratyp hat so seine "Egenheiten" und auch "Vorlieben".
Diese Vielfalt aussagekräftig in einen Test unterzubringen ist für mein technisches Verständnis sehr schwierig.
Hut ab der sich daran wagt.
 
  • Lichtstarkes M42 50er? Welches? Beitrag #145
... und abermals bemerkt, dass die Unterschiede in der Praxis VIEL geringer ausfallen, als bei solchen Pixelpiepereien.;)
Schon abgeblendet auf F:2,8 sind die Unterschiede IMHO kaum noch erkannbar. Ich sehe auch, dass das moderne Yongnuo noch minimal offenschärfer ist, als das Pancolar.
Faszinierend aber wirklich, wie nahe das jahrzehntealte Zeiss da herankommt.:daumen:

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
  • Lichtstarkes M42 50er? Welches? Beitrag #146
Das "Risiko" mit dem Pancolar würde ich grdstzl. eingehen, jedoch nicht zu den Preisen, die im Moment in der Bucht dafür aufgerufen werden.
Hier in Dresden wohnt ganz in der Nähe ein älterer Herr, der zu DDR-Zeiten Meister bei Pentacon war. Der repariert mir Objektive aus der damaligen Zeit, wenn mal Bedarf besteht. Übrigens nicht nur Pentacon. Ich liebe es die Werkstatt zu betreten. Ein einmaliger Duft von Fotogerät kommt einem da entgegen.

So einen Meister in der Nähe zu haben, ist natürlich was etwas Feines. Über einen solchen, persönlichen Kontakt geht nichts - und wenn das museale Ambiente hinzukommt, dann wird Der Besuch zum Ereignis... :)

Ich habe hier ein bildschönes "Zebra", das zwischen 1971 und 1973 produziert sein sollte. Die Springblende funktioniert superleichtgängig und einwandfrei. Der Meterring war zuerst etwas "kratzig" (noch unkritisch) ... und hat sehr von meiner "Kriechöl-60-Grad-Backofen" Behandlung profitiert .... geht seither wie warme Butter. Das "ranzige:D" DDR-Fett lässt sich eigentlich immer "noninvasiv" mit ein paar Tropfen Kriechöl und Backofenwärme prima mit Caramba "aufkochen" und so wieder geschmeidig machen.

Klaus, im Nachgang ist man schlauer. Hättest Du mal bei Zeiten Deinen Geschenk-Konvolut carambaverseucht in den Backofen gefahren. In mir hättest Du einen munteren Nachahmer gefunden. :D:D:D

Nein, Jux beiseite. Das Fett habe ich aus den Pancolar-Lamellen herausbekommen. Das geht minimalinvasiv.
Aber es lag bei mir vor allem an den ermüdeten Federn. Und da hätte die Klaus'sche Kuchenbackmethode wohl nicht weitergeholfen. :D
Im Pancolar (zumindest bei meinem Typ) arbeiten da immer zwei Federn gegeneinander, wobei die innere, bei den Blendenlamellen befindliche Feder sehr schwach dimensionert ist.

Was ich brauche, um das Ding instandzusetzen, ist jetzt eben eine solche Innenfeder. Ich muss da noch einmal auf die Suche gehen.

In heutigen Zeiten, d.h. im überwiegend digitalen Einsatz, ist diese Springblendenmechanik ja wirklich überflüssig. Am wohlsten fühle ich mich daher bei alten Schätzchen mit Vorwahlblende (siehe Biotar 58/2 ; Helios 44-2). Die sind wirklich völlig unverwüstlich. :)

Apropos Qualitätsanmutung: Das Beste, was ich je in den Händen gehalten habe (und halte), sind die phantastisch gebauten FD-Objektive von Canon. Meine persönlichen Spitzenreiter. Da habe ich ein 50er 1.4, das seit über 35 Jahren im Besitz der Familie ist. Einfach eine haptische, funktionelle und optische Augenweide. :daumen:

... und abermals bemerkt, dass die Unterschiede in der Praxis VIEL geringer ausfallen, als bei solchen Pixelpiepereien.;)

Nix da. ;) Da sieht man sehr gut bereits eine Menge im Feld. Und f/2.8 ist schön und gut, aber die Offenblende sollte weitestgehend auch gut abschneiden.

Zur Bildwirkung.
Die im "50er Offenblendtest" gezeigten Aufnahmen im Post 1 haben alle unterschiedliche Lichtverhältnisse.
Gut zu sehen wenn man alle Aufnahmen nebeneinander geöffnet hat.
6861 ist sichtbar dunkler rechts am Waldrand als die anderen Aufnahmen.
Optimales Licht scheint in dem Test von den drei 50er Brennweiten nur 6863 gehabt zu haben.

Mir ist bewusst das so ein Test nicht einfach ist und dies auch alles vorbereitet sein will.
Daher bin ich der Meinung man sollte da selber versuchen sich ein Bild zu verschaffen.

Da hast Du recht. Das lag an dem unstetigen Sonne-Wolken-Mix am Aufnahmetag. Ich werde mal bei Gelegenheit bei konstantem Wetter eine Ergänzungsserie auflegen.

Die Testszenerie ist für die Beurteilung der optischen Leistung gut geeignet, da im Hintergrund (im Unendlichen) sehr feine Strukturen (Baumgeäste, etc...) vorherrschen, welche die eingesetzte Optik maximal fordern. Meines Erachtens besser als die meisten Testcharts.

Daher bin ich der Meinung man sollte da selber versuchen sich ein Bild zu verschaffen.
Zu unterschiedlich reagieren die verschiedenen Sensoren und jeder Kameratyp hat so seine "Egenheiten" und auch "Vorlieben".
Diese Vielfalt aussagekräftig in einen Test unterzubringen ist für mein technisches Verständnis sehr schwierig.
Hut ab der sich daran wagt.

Natürlich geht nicht über den eigenen Versuch. :)
Dieser setzt aber entweder die Ausleihe (sofern möglich) oder den Kauf solcher Linsen voraus.

Ganz so schwierig sehe ich die Kamera(s) (bzw. Sensoren) nicht. Gerade bei Tests achte ein peinlich darauf, völlig auf jegliche Automatiken zu verzichten, um irgendwelche Quereinflüsse zu vermeiden. Der Rest ist dann einfach Strahlen- und Wellenoptik sowie ein wenig Photonensammeln. Idealerweise bei stabilem Wetter/Licht.

Grüße,
Oz
 
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