Klaus-R
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EDIT: Weiter unten, Post #31 zeige ich jetzt auch die komplette Neukalibrierung des GerĂ€tes. 
GOSSEN LUNASIX 3 ... Batterieproblem und mehr ....

Hallo zusammen,
der Gossen Lunasix war, ist und bleibt seit seiner Vorstellung in 1960 der
Urknall des externen- oder Handbelichtungsmessers ĂŒberhaupt.
Zwar gab es gute und genaue Handbelichtungsmesser auch schon viel frĂŒher, aber dieses GerĂ€t konnte und
kann Schwachlicht ab 0,17 Lux messen.
Das ist LOW LIGHT an der Grenze zu NO LIGHT und ist bis heute nicht sinnvoll zu toppen.
Was bedeutet das in der Praxis?
Ein solcher nun bis zu 63 Jahre alter Lichtmesser kann Nachtbelichtungszeiten bis zu 8 Stunden bestimmen
.... 0,17 Lux Messgrenze ... das entspricht dem Lichtwert -5 bei ISO 100 (21-DIN).
Der Lichtwert 0 entspricht bei ISO 100 etwa einer Neumond-Nacht und der Gossen kann noch 5mal weniger
Licht messen! Wie gesagt ... das ist beeindruckend, bis heute.
Das Problem mit diesem tollen GerÀt ist nur, dass es heute ohne Modifikation
nicht mehr funktioniert, weil es seine beiden Queksilber-Batterien (PX625 Mallory)
aus Umweltschutz-GrĂŒnden nicht mehr gibt .... wie man den Gossen heute noch mit modernen Batterien
betreibt .... dazu spÀter.
ZunĂ€chst einmal "Unabdingbares Wissen", zur Verwendung historischer Handbelichtungsmesser:
Lichtempfindlichkeiten in DIN / ASA / ISO
Wer sich diesen alten aber immer noch hochgenauen Handbelichtungsmesser anschaut,
wird ihn nicht unbedingt verstehen ... denn......

Wer versucht, hier die Filmempfindlichkeit zu justieren erlebt eine böse Ăberraschung:

21 DIN entsprehen hier 40 ASA ??? Wie kann denn das??
.... oder

30 DIN sollen hier 320 ASA entsprechen???
Der Grund ist der, dass dieser schöne und heute immer noch toll funktionierende
Lichtmesser aus den 1950er Jahren ist.
1957 wurden die amerikanischen ASA neu genormt ..... um ca 1,33 EV angehoben
So wurden aus 80 ASA dann 200 ASA oder aus 160 ASA dann 400 ASA.
Aber da stimmt ja immer noch nix! Dann mĂŒssten ja 21 DIN wenigstens 80 alt-ASA
entsprechen und nicht 40???!
Janö .... denn 1960 wurde auch die DIN-NORM fĂŒr Film-Empfindlichkeiten geĂ€ndert und genau um EINE Belichtungsstufe
angehoben! ALTE 21 DIN entsprechen also ab 1960/61 dann 24 DIN bzw. 200 ASA.
Dieser alte ZEISS-Messer kann durchaus auch heute noch Verwendung finden .... nur muss ich dann eine DIN-Stufe
HĂHER einstellen ... statt 21 DIN dann eben 24 DIN .... die ALT-ASA lasse ich mal lieber .... da haben ich keinen
Bezug mehr zu .... ich bin zu jung!
Folgender Zusammenhang sollte klar sein, wenn man SpaĂ an historischen Lichtmessern haben will UND
korrekt belichtete Filme:

Der alte ZEISS-Lichtmesser aus den frĂŒhen 1950ern zeigt also noch ALT-DIN und ALT-ASA Werte an ....
es gibt das GerĂ€t SPĂTER ansonsten baugleich auch mit NEU-DIN und NEU ASA Eichung bis Ende der
1960er Jahre. Ich erwÀhne es nur .... AUFPASSEN ist hier angesagt ... man kann diese alten SchÀtzken
gut und gerne noch verwenden ... man muss nur MITDENKEN! Ich stelle einfach eine DIN-Stufe höher
ein und alles passt wieder!
Warum gerade die DIN-Empfindlichkeit um eine Stufe heraufgesetzt wurde fand ich auch TOTAL spannend
... darf gegurgelt werden .... fĂŒhrt hier jetzt zu weit.
SELEN vs CDS-Belichtungsmesser:
GrundsÀtzlich werden zwei Bauweisen von Handbelichtungsmessern unterschieden.
Die sog. Selen-Belichtungsmesser sind ganz einfach daran zu erkennen, dass sie keine Batterie benötigen.
Ihre Drehspulen-Messwerke werden von einer aktiv Strom-erzeugenden SELEN-Zelle angetrieben.
TatsĂ€chlich waren (und sind) solche Messer sehr genau, wenn sie gut ĂŒber die Zeit gekommen sind.
Viele Selenzellen funktionieren auch nach 80 Jahren noch wie neu, wenn sie trocken und DUNKEL ĂŒber die
Jahrzehnte gekommen sind.
Bei Selen-Belichtungsmessern ist das sehr oft der Fall, denn sie haben fast immer in ihren Schutztaschen
gut und dunkel ĂŒberlebt. Selenzellen vertragen keine jahrelange Dauerbelichtung ... heute weiĂ man das.
FĂŒr alles, was man (auch mit hochempfindlichen) Filmen aus der Hand belichten kann, reichen Selen-Messer
allemal aus nur fĂŒr wirkliches Schwachlicht bei langen Zeiten reicht deren Lichtempfindlichkeit eben nicht mehr aus.
FĂŒr hochempfindliche Handbelichtungsmesser braucht man also hoch-Lichtempfindliche Sensoren UND
elektronische SignalverstÀrkung und so kamen in den 1950ern die ersten SEHR TEUREN CDS-Belichtungsmesser auf.
Solche CDS-Messer beschÀftigen einen Cadmiumsulfid-Photowiderstand, der viel höher sensibel auch
noch kleinste Lichtmengen erfassen kann.
Diese GerÀte benötigen IMMER Batteriestrom und sind daran zu erkennen.
Ein weiterer Vorteil der CDS-Sensoren ist, dass sie praktisch keiner Alterung unterliegen, sofern sie einigermaĂen
sinnvoll behandelt werden.
Ich weiĂ, dass es im Netz auch andere Meinungen gibt, halte das aber fĂŒr falsch.
Ich kenne meinerseits bei CDS-Lichtmessern keine Alterungserscheinungen, bei Selenzellen sehr wohl.
Und jetzt zum eigentlichen Thema: GOSSEN LUNASIX 3
1960 also gab es mit dem GOSSEN LUNASIX den Urknall eines damals hochmodernen und technisch
unschlagbar guten Handbelichtungsmessers.
Geht man noch weiter in die Vergangenheit der "genormten" Lichtmessung, dann tauchen auch noch
Licht-messwerte in WESTON und SCHEINER Einheiten auf .... dafĂŒr gibt es Vergleichstabellen ....
SCHEINER ist besonders "gefÀhrlich", denn da gibt es auch wieder ALT- und Neu-Scheiner ......
ich sage mal .... solche GerÀte einfach neu abgleichen und auf ISO-umskalieren ... oder nicht mehr benutzen
... es ist aber möglich!

Ich zeige hier einen LUNASIX 3, der 1966 eingefĂŒhrt wurde und mit einer Doppelbatterie-Ausstattung eine
stabilere Stromversorgung und ein solideres Messwerk erhielt.
Genau hier aber liegt das Problem! Man kann diese GerÀte heute allesamt nicht mehr betreiben,
weil es die damals hochbeliebte PX-625 Mallory-Batterie nunmal nicht mehr gibt.
NUR DESWEGEN sind die GerÀte heute auch zum Spottpreis zu haben!
Nun gibt es zwar von VARTA mit der V625U Batterie gehÀusegleichen Ersatz, aber mit 1,5V Spannung anstelle
der benötigten 1,35V .... macht in Reihe geschaltet bei zwei dieser Zellen dann etwas mehr als 3V
anstelle der benötigten 2,7V.
TatsÀchlich hatten praktisch fast alle der damaligen MessgerÀte keine eingebaute Spannungsanpassung
(Wheatstone-BrĂŒckenschaltung), weil die PX-625 eine derart konstante Spannungsabgabe ĂŒber ihre
gesamte Lebensdauer hatte, dass sie quasi von jetzt auf gleich ausfiel, bis zu allerletzt aber korrekt arbeitete.
Umbau des Gossen LUNASIX 3 auf moderne Batterien:
Möglichkeit 1:
Nicht wirklich ungeschickt ist die Verwendung der ja lieferbaren V625U Ersatzbatterie, die ja gehÀusegleich
sind und ohne Probleme (zweifach in Reihe) in das Batteriefach passen.
Nachteil ist allerdings, dass man diese Batterien bestellen muss, dass sie teuer sind und dass man sie in
Ermangelung "unterwegs" nirgendwo bekommen kann.
DAS ĂBERSPANNUNGSPROBLEM BLEIBT DAMIT UNGELĂST!
Möglichkeit 2:
Umbau fĂŒr Verwendung ĂŒblicher einfach verfĂŒgbarer LR44-Knopfzellen:
Genau dafĂŒr entscheide ich mich:
Die LR44 hat einen deutlich kleineren Durchmesser als die Mallory PX 625.
FĂŒr eine Angleichung sorgen ganz einfach entsprechend passende Gummi-O-Ringe
aus der Klempnerkiste.

Beim Einlegen der LR44 muss unbedingt auf richtige Polung geachtet werden
.... + muss nach oben! Die Mallory kann man nicht falsch herum einlegen ....
die LR44 schon! Da die LR44 auch etwas flacher baut, sorgt etwas Alufolie auf
der Plusseite fĂŒr den Ausgleich!


Was bleibt ist das Problem der Ăberspannung!
Ein Batterietest zeigt das sehr deutlich:

Der Messwerkzeiger muss beim Batterietest im roten Toleranzfeld landen .... was er (wie zu erwarten)
natĂŒrlich nicht macht.
Wie auch zu erwarten, stimmen natĂŒrlich auch die Lichtmessungen mit dem Gossen so ĂŒberhaupt nicht.
Nix erzÀhlen lassen .... im Netzt steht auch sowas wie "KEIN PROBLEM GEHT ALLES .... nein, es ist nicht so!
Schon bei eindeutigen LichtverhÀltnissen liegt der Gossen im Vergleich zu bekannt richtigen Messern um
mehr als 1,5 EV daneben ... nicht zu gebrauchen!
Auch eine ISO-Einstellungs-Korrektur hilft nicht wirklich, weil der Fehler bei unterschiedlichen LichtverhÀltnissen
nicht konstant bleibt sondern stark variiert.
Im Netz behauptet jemand, er habe den Gossen auf 3V neu kalibrieren können.
tatsÀchlich gibt es im inneren des Messers insgesamt 5 Trimm-Potentiometer, mit denen eine Neukalibrierung
im Prinzip möglich wĂ€re .... aber .... erstens lese ich an anderer Stelle, dass der Stellbereich der Potis dafĂŒr
nicht ausreichen soll und zweitens .... wer bitte will ein solches HochprĂ€zisionsgerĂ€t OHNE PrĂŒfstand in
beiden Messbereichen komplett neu abgleichen .... incl. BatterieprĂŒfanzeige???
Ich sage nicht, dass das unmöglich wĂ€re ĂŒber Vergleichsmesspunkte mit bekannten GerĂ€ten .... aber ....
nicht mein Weg! Finger weg von der Werkskalibrierung .... die exakten 2,7V mĂŒssen her!
Die Verwendung von den teuren WINECELL Batterien, die schon nach 4 Monaten
schlapp machen, ist keine sinnreiche Lösung, ein von Gossen angebotener Batterie-Adapter auch nicht,
denn der ist fĂŒr Silberoxid-Batterien, die teuer sind und unterwegs auch nicht zu bekommen ....
ALCALINE gehen damit nicht, weil geringere Spannung.
Meine Lösung ist der Einbau einer DIODE in die Spannungsversorgung des Gossen.
Ein simpeler Vorwiderstand kann den Job nicht machen, weil sein Spannungsfall ja nach dem Ohmschen
Gesetz mit dem Stromfluss schwankt. Der Gossen hat ja keine konstante Stromaufnahme,
denn sie schwankt je nach Lichteinfall erheblich.
Eine Diode kann den Job machen .... Dioden haben in Durchlassrichtung stromflussunabhÀngige
SpannungsfÀlle.
Man unterscheidet drei Typen:
Schottkys ...die haben etwa 150mV Spannungsfall
Germaniumdioden .... die haben etwa 300mV Spannungsfall
Siliciumdioden ..... haben etwa 700mV Spannungsfall
ERGO ... eine Germaniumdiode könnte passen ich gewinne eine aus meiner Grabbelkiste .....

Die RĂŒckplatte des Gossen ist geklebt. Mit einem Fön vorsichtig erwĂ€rmt lĂ€sst sie sich
vorsichtig abhebeln .....
Jetzt muss man gucken, wie und wo man die Diode möglichst minimalinvasiv
einlötet .... die PLUS-Seite des Batteriefaches ist besser zugĂ€nglich .... die MINUS-Seite wĂŒrde weiteres
Zerlegen des GerÀtes erfordern .... und es ist dem Stromkreis ja HUPE, wo die Diode verbaut wird:
DIODE: (1N 4007)


Der spannende Moment nach dem Zusammenbau des Lunasix .....
Folgendes zeigt nun der Batterietest nach Einbau der Diode:

PUNKTLANDUNG!
Ich erreiche das Toleranzfeld mit ganz frischen Batterien am rechten Rand, so dass es
bei ermĂŒdenden Batterien noch maximal lange im roten Bereich verbleiben wird.
Mit frischen Mallorys war es ĂŒbrigens genau so.
Victory ... der Gossen ist betriebsbereit!
Der Messabgleich mit zuverlÀssigen GerÀten und einer modernen Digitalkamera bestÀtigt ....
Der Gossen liefert JETZT einwandfrei korrekte Belichtungswerte ab.
Wichtig ist auch der Ăbergang beider Messbereiche!!
Man muss prĂŒfen, ob der Skalenwert 12 (Ende der LOW-LIGHT Skale) genau mit dem Anfag
der Starklicht-Skale ĂŒbereinstimmt.
Mit einer Schreibtischlampe z.B. lÀsst sich dieser Wert gegen ein Blatt Papier herstellen, so dass sich
fĂŒr Low Light exakt WERT 12 einstellt (Rechtsanschlag).
Ergibt sich beim Umschalten auf Starklicht ebenfalls genau 12, dann stimmt alles exakt ...
die Kalibrierung kann so bleiben, wie sie war .... ist ja auch logisch .... der Messer hat ja seine 2,7V genau.
Ein weiterer Vorteil der Diodenlösung ist, dass der Lunasix jetzt auch VERPOLSICHER ist!
Die originalen PX 625 Batterien konnten nicht falsch herum eingesetzt werden, weil deren
GehÀuse das ausschloss. Die modernen LR44-Batterien kann man theoretisch auch falsch herum
einsetzen. Die Germaniumdiode verhindert jetzt eine dadurch verursachte BeschÀdigung der
Elektronik. Falsch herum kann jetzt kein Strom mehr flieĂen!
EIN NACHTTEIL BLEIBT!
Mit der Mallory-Zelle gab es damals keine Falschmessung! Die fiel ja, -wenn verbraucht-, schlagartig ganz aus.
Genau so verhalten sich auch GerĂ€te mit Wheatstone BrĂŒckenschaltung und Alkaline Zellen ...
sie messen richtig oder gar nicht!
Mit diesem Umbau kann es passieren, dass die Batteriespannung unbemerkt unter den zulÀssigen
Toleranzwert abfÀllt, der Gossen also scheinbar arbeitet, aber MIST misst!
Passieren wird das NICHT, wenn man entweder den Batterietest regelmĂ€Ăig durchfĂŒhrt oder die LR44 so
nach etwa zwei drei Jahren freiwillig tauscht ....was ja nicht wirklich teuer kommt ....
nur .... wissen muss man's.
GrĂŒĂe und rettet Film
Klaus
P.S.
NATĂRLICH gibt es zur Verwendung historischer Handbelichtungsmesser "sinnvolle" Alternativen ...
und wenn es eine SMARTPHONE APP ist!
Solche Apps liefern mit Marken-Phones sehr gute Ergebnisse.
Mit einem frĂŒheren Billig-Phone aus China war das anders ... ganz einfach ... die
LichtstÀrke des Kameraobjektives war geflunkert und digital falsch hinterlegt .... klar, dann kann der
digitale Belichtungsmesser auch nicht sauber arbeiten.
NatĂŒrlich kann man auch einen modernen Handbelichtungsmesser mit einer historischen Kamera
nutzen .... ist nicht verboten .... nur .... macht das SpaĂ?
Ist das stilecht?
Will man Digitaltechnik nutzen, wenn man mal ANALOG photographiert???
Passt das?
Ich sage mal NĂĂĂ! Ein klassischer Lichtmesser gehört zu einer klassischen Kamera ...
und es ist doch auch machbar!
Fragen? Immer gerne ... ich weiĂ noch mehr!
GOSSEN LUNASIX 3 ... Batterieproblem und mehr ....

Hallo zusammen,
der Gossen Lunasix war, ist und bleibt seit seiner Vorstellung in 1960 der
Urknall des externen- oder Handbelichtungsmessers ĂŒberhaupt.
Zwar gab es gute und genaue Handbelichtungsmesser auch schon viel frĂŒher, aber dieses GerĂ€t konnte und
kann Schwachlicht ab 0,17 Lux messen.
Das ist LOW LIGHT an der Grenze zu NO LIGHT und ist bis heute nicht sinnvoll zu toppen.
Was bedeutet das in der Praxis?
Ein solcher nun bis zu 63 Jahre alter Lichtmesser kann Nachtbelichtungszeiten bis zu 8 Stunden bestimmen
.... 0,17 Lux Messgrenze ... das entspricht dem Lichtwert -5 bei ISO 100 (21-DIN).
Der Lichtwert 0 entspricht bei ISO 100 etwa einer Neumond-Nacht und der Gossen kann noch 5mal weniger
Licht messen! Wie gesagt ... das ist beeindruckend, bis heute.
Das Problem mit diesem tollen GerÀt ist nur, dass es heute ohne Modifikation
nicht mehr funktioniert, weil es seine beiden Queksilber-Batterien (PX625 Mallory)
aus Umweltschutz-GrĂŒnden nicht mehr gibt .... wie man den Gossen heute noch mit modernen Batterien
betreibt .... dazu spÀter.
ZunÀchst einmal "Unabdingbares Wissen", zur Verwendung historischer Handbelichtungsmesser:
Lichtempfindlichkeiten in DIN / ASA / ISO
Wer sich diesen alten aber immer noch hochgenauen Handbelichtungsmesser anschaut,
wird ihn nicht unbedingt verstehen ... denn......

Wer versucht, hier die Filmempfindlichkeit zu justieren erlebt eine böse Ăberraschung:

21 DIN entsprehen hier 40 ASA ??? Wie kann denn das??
.... oder

30 DIN sollen hier 320 ASA entsprechen???
Der Grund ist der, dass dieser schöne und heute immer noch toll funktionierende
Lichtmesser aus den 1950er Jahren ist.
1957 wurden die amerikanischen ASA neu genormt ..... um ca 1,33 EV angehoben
So wurden aus 80 ASA dann 200 ASA oder aus 160 ASA dann 400 ASA.
Aber da stimmt ja immer noch nix! Dann mĂŒssten ja 21 DIN wenigstens 80 alt-ASA
entsprechen und nicht 40???!
Janö .... denn 1960 wurde auch die DIN-NORM fĂŒr Film-Empfindlichkeiten geĂ€ndert und genau um EINE Belichtungsstufe
angehoben! ALTE 21 DIN entsprechen also ab 1960/61 dann 24 DIN bzw. 200 ASA.
Dieser alte ZEISS-Messer kann durchaus auch heute noch Verwendung finden .... nur muss ich dann eine DIN-Stufe
HĂHER einstellen ... statt 21 DIN dann eben 24 DIN .... die ALT-ASA lasse ich mal lieber .... da haben ich keinen
Bezug mehr zu .... ich bin zu jung!
Folgender Zusammenhang sollte klar sein, wenn man SpaĂ an historischen Lichtmessern haben will UND
korrekt belichtete Filme:

Der alte ZEISS-Lichtmesser aus den frĂŒhen 1950ern zeigt also noch ALT-DIN und ALT-ASA Werte an ....
es gibt das GerĂ€t SPĂTER ansonsten baugleich auch mit NEU-DIN und NEU ASA Eichung bis Ende der
1960er Jahre. Ich erwÀhne es nur .... AUFPASSEN ist hier angesagt ... man kann diese alten SchÀtzken
gut und gerne noch verwenden ... man muss nur MITDENKEN! Ich stelle einfach eine DIN-Stufe höher
ein und alles passt wieder!
Warum gerade die DIN-Empfindlichkeit um eine Stufe heraufgesetzt wurde fand ich auch TOTAL spannend
... darf gegurgelt werden .... fĂŒhrt hier jetzt zu weit.
SELEN vs CDS-Belichtungsmesser:
GrundsÀtzlich werden zwei Bauweisen von Handbelichtungsmessern unterschieden.
Die sog. Selen-Belichtungsmesser sind ganz einfach daran zu erkennen, dass sie keine Batterie benötigen.
Ihre Drehspulen-Messwerke werden von einer aktiv Strom-erzeugenden SELEN-Zelle angetrieben.
TatsĂ€chlich waren (und sind) solche Messer sehr genau, wenn sie gut ĂŒber die Zeit gekommen sind.
Viele Selenzellen funktionieren auch nach 80 Jahren noch wie neu, wenn sie trocken und DUNKEL ĂŒber die
Jahrzehnte gekommen sind.
Bei Selen-Belichtungsmessern ist das sehr oft der Fall, denn sie haben fast immer in ihren Schutztaschen
gut und dunkel ĂŒberlebt. Selenzellen vertragen keine jahrelange Dauerbelichtung ... heute weiĂ man das.
FĂŒr alles, was man (auch mit hochempfindlichen) Filmen aus der Hand belichten kann, reichen Selen-Messer
allemal aus nur fĂŒr wirkliches Schwachlicht bei langen Zeiten reicht deren Lichtempfindlichkeit eben nicht mehr aus.
FĂŒr hochempfindliche Handbelichtungsmesser braucht man also hoch-Lichtempfindliche Sensoren UND
elektronische SignalverstÀrkung und so kamen in den 1950ern die ersten SEHR TEUREN CDS-Belichtungsmesser auf.
Solche CDS-Messer beschÀftigen einen Cadmiumsulfid-Photowiderstand, der viel höher sensibel auch
noch kleinste Lichtmengen erfassen kann.
Diese GerÀte benötigen IMMER Batteriestrom und sind daran zu erkennen.
Ein weiterer Vorteil der CDS-Sensoren ist, dass sie praktisch keiner Alterung unterliegen, sofern sie einigermaĂen
sinnvoll behandelt werden.
Ich weiĂ, dass es im Netz auch andere Meinungen gibt, halte das aber fĂŒr falsch.
Ich kenne meinerseits bei CDS-Lichtmessern keine Alterungserscheinungen, bei Selenzellen sehr wohl.
Und jetzt zum eigentlichen Thema: GOSSEN LUNASIX 3
1960 also gab es mit dem GOSSEN LUNASIX den Urknall eines damals hochmodernen und technisch
unschlagbar guten Handbelichtungsmessers.
Geht man noch weiter in die Vergangenheit der "genormten" Lichtmessung, dann tauchen auch noch
Licht-messwerte in WESTON und SCHEINER Einheiten auf .... dafĂŒr gibt es Vergleichstabellen ....
SCHEINER ist besonders "gefÀhrlich", denn da gibt es auch wieder ALT- und Neu-Scheiner ......
ich sage mal .... solche GerÀte einfach neu abgleichen und auf ISO-umskalieren ... oder nicht mehr benutzen
... es ist aber möglich!

Ich zeige hier einen LUNASIX 3, der 1966 eingefĂŒhrt wurde und mit einer Doppelbatterie-Ausstattung eine
stabilere Stromversorgung und ein solideres Messwerk erhielt.
Genau hier aber liegt das Problem! Man kann diese GerÀte heute allesamt nicht mehr betreiben,
weil es die damals hochbeliebte PX-625 Mallory-Batterie nunmal nicht mehr gibt.
NUR DESWEGEN sind die GerÀte heute auch zum Spottpreis zu haben!
Nun gibt es zwar von VARTA mit der V625U Batterie gehÀusegleichen Ersatz, aber mit 1,5V Spannung anstelle
der benötigten 1,35V .... macht in Reihe geschaltet bei zwei dieser Zellen dann etwas mehr als 3V
anstelle der benötigten 2,7V.
TatsÀchlich hatten praktisch fast alle der damaligen MessgerÀte keine eingebaute Spannungsanpassung
(Wheatstone-BrĂŒckenschaltung), weil die PX-625 eine derart konstante Spannungsabgabe ĂŒber ihre
gesamte Lebensdauer hatte, dass sie quasi von jetzt auf gleich ausfiel, bis zu allerletzt aber korrekt arbeitete.
Umbau des Gossen LUNASIX 3 auf moderne Batterien:
Möglichkeit 1:
Nicht wirklich ungeschickt ist die Verwendung der ja lieferbaren V625U Ersatzbatterie, die ja gehÀusegleich
sind und ohne Probleme (zweifach in Reihe) in das Batteriefach passen.
Nachteil ist allerdings, dass man diese Batterien bestellen muss, dass sie teuer sind und dass man sie in
Ermangelung "unterwegs" nirgendwo bekommen kann.
DAS ĂBERSPANNUNGSPROBLEM BLEIBT DAMIT UNGELĂST!
Möglichkeit 2:
Umbau fĂŒr Verwendung ĂŒblicher einfach verfĂŒgbarer LR44-Knopfzellen:
Genau dafĂŒr entscheide ich mich:
Die LR44 hat einen deutlich kleineren Durchmesser als die Mallory PX 625.
FĂŒr eine Angleichung sorgen ganz einfach entsprechend passende Gummi-O-Ringe
aus der Klempnerkiste.

Beim Einlegen der LR44 muss unbedingt auf richtige Polung geachtet werden
.... + muss nach oben! Die Mallory kann man nicht falsch herum einlegen ....
die LR44 schon! Da die LR44 auch etwas flacher baut, sorgt etwas Alufolie auf
der Plusseite fĂŒr den Ausgleich!


Was bleibt ist das Problem der Ăberspannung!
Ein Batterietest zeigt das sehr deutlich:

Der Messwerkzeiger muss beim Batterietest im roten Toleranzfeld landen .... was er (wie zu erwarten)
natĂŒrlich nicht macht.
Wie auch zu erwarten, stimmen natĂŒrlich auch die Lichtmessungen mit dem Gossen so ĂŒberhaupt nicht.
Nix erzÀhlen lassen .... im Netzt steht auch sowas wie "KEIN PROBLEM GEHT ALLES .... nein, es ist nicht so!
Schon bei eindeutigen LichtverhÀltnissen liegt der Gossen im Vergleich zu bekannt richtigen Messern um
mehr als 1,5 EV daneben ... nicht zu gebrauchen!
Auch eine ISO-Einstellungs-Korrektur hilft nicht wirklich, weil der Fehler bei unterschiedlichen LichtverhÀltnissen
nicht konstant bleibt sondern stark variiert.
Im Netz behauptet jemand, er habe den Gossen auf 3V neu kalibrieren können.
tatsÀchlich gibt es im inneren des Messers insgesamt 5 Trimm-Potentiometer, mit denen eine Neukalibrierung
im Prinzip möglich wĂ€re .... aber .... erstens lese ich an anderer Stelle, dass der Stellbereich der Potis dafĂŒr
nicht ausreichen soll und zweitens .... wer bitte will ein solches HochprĂ€zisionsgerĂ€t OHNE PrĂŒfstand in
beiden Messbereichen komplett neu abgleichen .... incl. BatterieprĂŒfanzeige???
Ich sage nicht, dass das unmöglich wĂ€re ĂŒber Vergleichsmesspunkte mit bekannten GerĂ€ten .... aber ....
nicht mein Weg! Finger weg von der Werkskalibrierung .... die exakten 2,7V mĂŒssen her!
Die Verwendung von den teuren WINECELL Batterien, die schon nach 4 Monaten
schlapp machen, ist keine sinnreiche Lösung, ein von Gossen angebotener Batterie-Adapter auch nicht,
denn der ist fĂŒr Silberoxid-Batterien, die teuer sind und unterwegs auch nicht zu bekommen ....
ALCALINE gehen damit nicht, weil geringere Spannung.
Meine Lösung ist der Einbau einer DIODE in die Spannungsversorgung des Gossen.
Ein simpeler Vorwiderstand kann den Job nicht machen, weil sein Spannungsfall ja nach dem Ohmschen
Gesetz mit dem Stromfluss schwankt. Der Gossen hat ja keine konstante Stromaufnahme,
denn sie schwankt je nach Lichteinfall erheblich.
Eine Diode kann den Job machen .... Dioden haben in Durchlassrichtung stromflussunabhÀngige
SpannungsfÀlle.
Man unterscheidet drei Typen:
Schottkys ...die haben etwa 150mV Spannungsfall
Germaniumdioden .... die haben etwa 300mV Spannungsfall
Siliciumdioden ..... haben etwa 700mV Spannungsfall
ERGO ... eine Germaniumdiode könnte passen ich gewinne eine aus meiner Grabbelkiste .....

Die RĂŒckplatte des Gossen ist geklebt. Mit einem Fön vorsichtig erwĂ€rmt lĂ€sst sie sich
vorsichtig abhebeln .....
Jetzt muss man gucken, wie und wo man die Diode möglichst minimalinvasiv
einlötet .... die PLUS-Seite des Batteriefaches ist besser zugĂ€nglich .... die MINUS-Seite wĂŒrde weiteres
Zerlegen des GerÀtes erfordern .... und es ist dem Stromkreis ja HUPE, wo die Diode verbaut wird:
DIODE: (1N 4007)


Der spannende Moment nach dem Zusammenbau des Lunasix .....
Folgendes zeigt nun der Batterietest nach Einbau der Diode:

PUNKTLANDUNG!
Ich erreiche das Toleranzfeld mit ganz frischen Batterien am rechten Rand, so dass es
bei ermĂŒdenden Batterien noch maximal lange im roten Bereich verbleiben wird.
Mit frischen Mallorys war es ĂŒbrigens genau so.
Victory ... der Gossen ist betriebsbereit!
Der Messabgleich mit zuverlÀssigen GerÀten und einer modernen Digitalkamera bestÀtigt ....
Der Gossen liefert JETZT einwandfrei korrekte Belichtungswerte ab.
Wichtig ist auch der Ăbergang beider Messbereiche!!
Man muss prĂŒfen, ob der Skalenwert 12 (Ende der LOW-LIGHT Skale) genau mit dem Anfag
der Starklicht-Skale ĂŒbereinstimmt.
Mit einer Schreibtischlampe z.B. lÀsst sich dieser Wert gegen ein Blatt Papier herstellen, so dass sich
fĂŒr Low Light exakt WERT 12 einstellt (Rechtsanschlag).
Ergibt sich beim Umschalten auf Starklicht ebenfalls genau 12, dann stimmt alles exakt ...
die Kalibrierung kann so bleiben, wie sie war .... ist ja auch logisch .... der Messer hat ja seine 2,7V genau.
Ein weiterer Vorteil der Diodenlösung ist, dass der Lunasix jetzt auch VERPOLSICHER ist!
Die originalen PX 625 Batterien konnten nicht falsch herum eingesetzt werden, weil deren
GehÀuse das ausschloss. Die modernen LR44-Batterien kann man theoretisch auch falsch herum
einsetzen. Die Germaniumdiode verhindert jetzt eine dadurch verursachte BeschÀdigung der
Elektronik. Falsch herum kann jetzt kein Strom mehr flieĂen!
EIN NACHTTEIL BLEIBT!
Mit der Mallory-Zelle gab es damals keine Falschmessung! Die fiel ja, -wenn verbraucht-, schlagartig ganz aus.
Genau so verhalten sich auch GerĂ€te mit Wheatstone BrĂŒckenschaltung und Alkaline Zellen ...
sie messen richtig oder gar nicht!
Mit diesem Umbau kann es passieren, dass die Batteriespannung unbemerkt unter den zulÀssigen
Toleranzwert abfÀllt, der Gossen also scheinbar arbeitet, aber MIST misst!
Passieren wird das NICHT, wenn man entweder den Batterietest regelmĂ€Ăig durchfĂŒhrt oder die LR44 so
nach etwa zwei drei Jahren freiwillig tauscht ....was ja nicht wirklich teuer kommt ....
nur .... wissen muss man's.
GrĂŒĂe und rettet Film
Klaus
P.S.
NATĂRLICH gibt es zur Verwendung historischer Handbelichtungsmesser "sinnvolle" Alternativen ...
und wenn es eine SMARTPHONE APP ist!
Solche Apps liefern mit Marken-Phones sehr gute Ergebnisse.
Mit einem frĂŒheren Billig-Phone aus China war das anders ... ganz einfach ... die
LichtstÀrke des Kameraobjektives war geflunkert und digital falsch hinterlegt .... klar, dann kann der
digitale Belichtungsmesser auch nicht sauber arbeiten.
NatĂŒrlich kann man auch einen modernen Handbelichtungsmesser mit einer historischen Kamera
nutzen .... ist nicht verboten .... nur .... macht das SpaĂ?
Ist das stilecht?
Will man Digitaltechnik nutzen, wenn man mal ANALOG photographiert???
Passt das?
Ich sage mal NĂĂĂ! Ein klassischer Lichtmesser gehört zu einer klassischen Kamera ...
und es ist doch auch machbar!
Fragen? Immer gerne ... ich weiĂ noch mehr!
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