Apparat für Rotationsentwicklung selbstgestrickt

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  • Apparat für Rotationsentwicklung selbstgestrickt Beitrag #1
1957Exakta
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Bonsoir Messieurs-Dames 🙂,

Klaus hat mich angeregt, hier meine Apparatur vorzustellen, mit der ich Filme in Rotation entwickle.

Alles begann bei mir damit, daß ich einzelne Schwarzweiß-Diafilme im Jobo-1510-Tank entwickeln wollte: Die Dose sollte gedreht werden. Anfangs habe ich das buchstäblich mit der Dose in der Hand getan. Irgendwann allerdings (nach 20 plus x Filmen) bekommt man da Probleme mit den Handgelenken 😅.

Das Herumlesen in diversen Foren und der Anblick einer kommerziell angebotenen Vorrichtung hatten mich auf die Idee gebracht. Es ist kein Witz - auch wenn es so aussieht:

DSC02205N.JPG

Man braucht also nicht mehr als
  • eine halbwegs stabile Holzplatte (kam bei mir aus der Bastelkramkiste)
  • und mindestens drei ganz normale Rollen aus dem Baumarkt, wie man sie unter Schränke o.ä. schrauben kann. Kosteten mich irgendwas um die 4 bis 5,- € pro Stück.
Ohne Dose sieht's so aus (der braune Fleck stammt von während des Prozesses aus der Dose gesickertem Entwickler) :

DSC02204N.JPG

Zur Abrundung noch die Form, die ich momentan vorwiegend nutze: mit dem Jobo-1510-Tank:

DSC02206N.JPG

Hier läuft die Dose nicht ganz so stabil wie oben die große Plastimat-Dose - aber es geht.

Beim Zusammenschrauben muß man darauf achten, daß die Rollen richtig plaziert sind, damit die Dose "gerade" läuft. Sie braucht mindestens drei Rollen, die natürlich so weit wie möglich auseinander liegen sollten. Auf dem Bild oben kann man sehen, daß man sie u.a. der Form des kleinen Jobo-Tanks anpassen mußte.
Ich habe da etwas herumprobiert mit Dose und Rollen, Bohrlöcher markiert und dann gebohrt.

Gedreht wird natürlich mit der Hand - etwa 40 U/min.
Brauchbar ist die Sache selbstverständlich nur, wenn die Temperaturkonstanz gewährleistet ist.

Bislang habe ich ca. ein Dutzend Diafilme entwickelt - soweit alles prima.

Michael
 
  • Apparat für Rotationsentwicklung selbstgestrickt Beitrag #2
SUPER!!!

Michael, Du ahnst ja gar nicht, warum ich gerade soooo lachen muss ...denn .... wie sagt man ja so schön .... zwei "GENIALE" ein
Gedanke!

Guckst Du mal, wie das alles im Neandertal in der Steinzeit bei mir anfing .....😂😂😂

Ich bin ja eigentlich JOBO-FAN .... aber ich habe mein Labor gerade auf den Kopp gestellt, denn ich wusste, ich hatte "irgendwo"
doch auch noch Deine "PLASTIMAT" Dose .....😂😂😂

Bild - 2.jpg

Die Rollen kosten fastnix ... gab's bei ACTION im Krempelregal!
Jetzt lachen sich sicher schon die ersten hier schlapp .... warum hat der Spinner denn die Rollen auf Stein gedübelt??? Tut das Not??
😂

Das klärt sich noch auf ..... aber es soll noch spannend bleiben!

Lachende Grüße

Klaus
 
  • Apparat für Rotationsentwicklung selbstgestrickt Beitrag #3
Fachliches zur ROTATIONSENTWICKLUNG:

Das ganze macht tatsächlich unbedingten Sinn, denn man spart mit einer Rotationsentwicklung im Vergleich zur Kippentwicklung
tatsächlich auf die Dauer einiges an Geld, denn man benötigt im Vergleich zur Kippentwicklung nur die halbe Flüssigkeitsmenge an Chemie. Das insbesondere dann, wenn man nur mal einen einzigen 120er Rollfilm entwickeln möchte, der bei einer Kippentwicklung ansonsten noch'n Drittel mehr an Chemie benötigt, um "bedeckt" entwickelt werden zu können.

Rototions-Entwicklungsmaschinen sind aber enorm teuer und wenn sie noch "Warmrotieren" können sollen (also im beheizten Mantelbad arbeiten sollen) dann wird es BÖSE teuer und lohnt sich eigentlich nie!

Über solche Alternativlösungen nachzudenken macht also wirklich Sinn .... und begann bei mir wirklich in der Steinzeit .... wobei ... der Ziegel tatsächlich technisch motiviert ist .... ich zeig's noch!😂

Grüße und viel Steinzeitspaß

Klaus
 
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  • Apparat für Rotationsentwicklung selbstgestrickt Beitrag #4
Warum nun der Ziegelstein??!

Ganz einfach .... mein "Rollapparat" sollte eben auch unterwasser in einem warmen Mantelbad nutzbar sein, um quasi
einen preiswerten aber funktionierenden COLOR-Prozessor zu ermöglichen.

Der schwere Ziegelstein verhindert Auftrieb und ist wasserfest. Er verleiht der Konstruktion durch sein Gewicht Stabilität ....
ich zeige noch, wie ich das meine.......☺️

Fachwissen Farbfilmentwicklung:

Farbfilme können heute SOGAR ab 22 Grad Zimmertempertur entwickelt werden ... ich habe einiges darüber schon geschrieben ...
Das Problem dabei ist aber, dass das nicht mit jeder Chemie möglich ist und dass die Prozesszeiten dabei extrem lang werden.
Genormt sind 38Grad Celsius für den C41 Color-Prozess.

Das Problem dabei ist jetzt, dass es absolut NICHT ausreicht, die Chemikalien auf 38 Grad zu bringen, sondern dass man zuvor die komplette Hardware auf Prozesstemperatur bringen muss ... und zwar ganz genau!

Kippt man nämlich die warme "Suppe" in die kalte Entwicklungsdose, dann kühlen GERADE kleine Flüssigkeitsmengen dermaßen stark ab, dass die Entwicklung total scheitern wird. Schon ein Grad zu wenig entspricht dabei einer Unterentwicklung von einer halben ISO-Stufe ... die Dinge müssen also sehr genau gehandhabt werden!

Erforderlich ist es, die Dose mit vorgewärmtem Wasser MHERMALS vorzuwässern und so aufzuwärmen und sie dann vor und während der Entwicklung im warmnen Mantelbad konstant auf Prozesstemperatur zu halten .... ich zeige das noch.

Für ein perfekt geeignetes Warmmantelbad braucht man nicht wirklich viel Geld auszugeben .... Eine Kunsttoffwanne (nicht unnötig groß)!! und ein sog. "Sous-Vide"-Stick machen den JOB!

Wie das aussieht zeige ich noch .... es sei nur vorab gesagt, dass das alles NICHT TEUER war und ist.

Grüße und viel Spaß mit einer selbstgebauten Rotations-entwicklungsmaschine

Klaus
 
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  • Apparat für Rotationsentwicklung selbstgestrickt Beitrag #5
Grundkonstruktion einer Warm-Rotations-Vorrichtung mit Handrotation:

20241029_204204.jpg

Im Grunde FERTIG! Mehr braucht es nicht!

Plastikwanne:

Kostfastnix ...möglichst klein, damit nicht unnötig viel Wasser erwärmt werden muss ... das kostet Energie und dauert!
.... aber auch nicht ZU KLEIN! Ist das Füllvolumen ZU KLEIN, dann gibt es Handlingprobleme! Nicht nur die Dose muss ja da rein, sondern auch die Laborflaschen. Nimmt man eine Flasche heraus, sinkt der Wasserstand entsprechend!! Das alles
gilt es zu BEDENKEN!

Sous-Vide-Stick:

Kostet ab ca. 40,-€ .... ich habe da einen Versandrückläufer günstig erstanden. Diese tollen Geräte sind eigendlich für die Topfgarung
von Speisen vorgesehen ... also bei beliebigen Temperaturen unterhalb von 100 Grad. Sie haben sich HERVORRAGEND bei den
Photolabor-Fans verbreitet! Der Stick heizt nicht nur, er wälzt das Wasser in der Kiste auch ständig um und verteilt die Wärme 100%ig
gleichmäßig im Mantelbad! Das Aufheizen passiert in Rekordgeshwindigkeit ....die Dinger sind wirklich die idealen Geräte zur Labortemperierung von Mantelbädern!

Wo sind wir jetzt finanziell??? Na schlimmstenfalls bei ca. 60,-€

Einziger Nachteil: Ich muss hier manuell AGITIEREN ..... "Agitieren" meint im Photolabor "BEWEGEN", damit Flüssigkeiten bewegt werden, um immer frische Chemie nachzuspülen für gleichmäßiges Einwirken am Film.

Im Grunde braucht es für eine 100%ig exakte Rotations-Warmentwicklung jetzt nichts mehr zusätzlich .... aber ....
ich bin ja ein Tüftler vor dem Herrn .... und es soll noch weiter gehen...... 😂 😂 😂

Grüße und viel Spaß mit Film

Klaus
 
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  • Apparat für Rotationsentwicklung selbstgestrickt Beitrag #6
Nix gegen das Handrotieren .... und normalerweise sind es beim C41 Prozess ja auch nur 3,5 min. AGITATION
für das Entwickeln und jeweils ca, 7 min. für das Bleichen und dann nochmal 7 min., für das Fixieren.
Und .... nagut ....Rotieren muss ich permanent aber bei der Kippentwicklung muss ich ja auch eben kippen und
muss dabei bleiben .... na und Spaß macht es mir ehrlich gesagt immer .....aber .....

So ein "richtiger" Color-Prozessor (SEHR TEUER!!!), der rotiert natürlich die Dose maschinell .... kurz ...ich wollte das
auch haben, aber eben nicht für ganz viel Geld!☺️

Ich habe einen Aufsatz für meine Kiste konstruiert:

Bild - 4.jpg

Dieser Holzrahmen besteht aus billigsten Dachlatten, die einfach mit Stahlblechverbindern und SPAX-Schrauben
gefügt werden. Klarlack nicht vergessen! Ich würde das Holz lieber damit vor evtl. Spritzwasser schützen .... eigentlich
bleibt es ja trocken aber Klarlack ist vielleicht besser!

Bild - 5.jpg

Dieser Holzrahmen wir nun einfach auf die Kiste aufgesetzt und kann nicht verrutschen, weil die verzinkten Stahlblechlaschen das
ja verhindern.

Warum das alles ..... nun .... das zeige ich jetzt mal:

Grüße und viel Spaß

Klaus
 
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  • Apparat für Rotationsentwicklung selbstgestrickt Beitrag #7
......bei einem Trödelbesuch fielen mir Stützräder für ein Kinderfahrrad auf ....und brachten mich (wegen der weichen Gummierung!)
auf die dann umgesetzte Idee .... zwei Euros später hatte ich zwei "Treibscheiben" für meinen Rotationsantrieb!

Anhang anzeigen VID-20240904-WA0011.mp4

Wie das nun tatsächlich funktioniert, zeigt das Kurzviedeo genauer:

Anhang anzeigen VID-20240905-WA0027.mp4

Nasstestlauf ..... damals noch ohne Flaschenhalter:

Anhang anzeigen VID-20240905-WA0029.mp4

Was jetzt nur noch fehlte waren die oben gezeigten Laborflaschenhalter, denn jetzt, bei Maschinenbetrieb
dürfen die Laborflaschen natürlich nicht mehr frei im Mantelbad herumschwimmen! Die Lösung ist Messingdraht ....
kein Stahldraht!, der rostet!

Die Konstruktion ist einfach ... einzig die Nabe für den Anschluss des Stützrades (Treibscheibe) an den Getriebemotor
war etwas komplizierter! Die vielen Unterlegscheiben dienen als Rutschkupplung!!
Wenn doch mal etwas klemmt, rutscht so die Treibscheibe auf der Getriebe-Ausgangswelle durch, verhindert Übermomente, so dass
mir der Antrieb nicht den Aufbau "kaputtziehen" kann.

Als Antrieb kommt ein 12V Getriebemotor zum Einsatz den man mit ganz vielen Wunschübersetzungen bestellen kann. Wie Michael schon schreibt haben sich für die Dose so ca. 30U/min. bewährt. Da die Treibscheibe ungefähr Dosendurchmesser hat, passt hier
ein Antrieb mit einer Abgangsdrehzahl von 30U/min. sehr gut.

Die 12V "Niederspannung" ist natürlich ZWINGEND erforderlich, weil auf keinen Fall 230V Netzspannung in die Nähe von Wasserbädern gelangen dürfen!!!!

Kosten:

Ich liege immer noch im Klimpergeld-Bereich!

Die Dachlatten kosten Peanuts, das Netzgerät irgendwas mit Versandkostenfreien 4€, die Schaltsteckdose 3€ irgendwas und der Getriebemotor (Ausgangswelle D=6mm hohlgebohrt mit M4-Gewinde) kam für 8,50-€ ebenfalls versandkostenfrei mit der Post.
Kabel kommen noch dazu, Schrumpfschlauch und Lötzinn .....darf man finanziell glaube ich unerwähnt lassen.

Bei dem Fahrradstützrad ist WEICHE GUMMIERUNG ZWINGEND! Solche Treibscheiben kann man auch als "EBENDIESE" bestellen, dann kosten die aber leider deutliches Geld!

Ist die Gummierung hart und nicht "griffig", dann kann sie auf der nassen und glatten Entwicklungsdose durchrutschen!

Ergebnis: Dieser Colorprozessor arbeitet HERVORRAGEND und rotiert JEDE Dose. Es sind keine teuren und speziellen Dosen mit
speziellen Magnetkupplungen usw. erforderlich.
Dieser Colorprozessor ist WINZIG und leicht im Vergleich zu allem anderen, was man für viel Geld kaufen kann!
Ich habe einen kleinen Laborraum und muss schon darauf achten, dass ich mir den nicht mit unnötig sperrigen Sachen
zustelle!

Wie gesagt .....der letzte Teil ist Spaß .... und nicht unbedingt für eine perfekte Rotationsentwicklung nötig ....etwas Aufwand ist es schon aber nichts ist wirklich teuer!

Grüße und rettet Film😂

Klaus
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Apparat für Rotationsentwicklung selbstgestrickt Beitrag #8
Klaus, das ist ja der Hammer 🙂.
Deine Ausbau-Ideen finde ich total klasse 😎👍. Schon auf den Gedanken, die Rollvorrichtung unterwasserfest zu machen, bin ich nie gekommen...
 
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