(Nacht) 2x Sternbild Orion - SD15 - Pancolar 1.8/50mm - Takumar 2/55mm

Diskutiere 2x Sternbild Orion - SD15 - Pancolar 1.8/50mm - Takumar 2/55mm im Sigma Bilder besprechen Forum im Bereich Sigma Forum; Gestern Abend auf "Kometenjagd" südwestlich Berlins (Werder/Havel), musste der Orion auch mal wieder auf den Sensor. #1 - 21:47Uhr SD15...
  • 2x Sternbild Orion - SD15 - Pancolar 1.8/50mm - Takumar 2/55mm Beitrag #1
Waldschrat
Waldschrat
Beiträge
9.447
Gestern Abend auf "Kometenjagd" südwestlich Berlins (Werder/Havel),
musste der Orion auch mal wieder auf den Sensor.


#1 - 21:47Uhr
2015_01_17_SD15_ISO800_15sec_Pancolar_50mm_Orion_Werder_0001_VarC.jpg
SD15, ISO800, 15sec, M42 CZJ MC Pancolar 1,8/50mm @1,8




#2 - 23:06Uhr
2015_01_17_SD15_ISO800_15sec_Takumar_55mm_Orion_Werder_0037_VarC.jpg
SD15, ISO800, 15sec, M42 Pentax SMC Takumar 2/55mm @2


Beide weitestgehend ausentwickelt im SPP 5.5.3,
maximale Entrauschung Luminanz und Chrominanz,
leichte Tonwerteverbiegung, JPG-Konvertierung, und Verkleinern in Darktable





Zunächst sind m.E. die deutlichen Abbildungsfehler beider Objektive bei
Offenblende äußerst interessant zu beschauen. Im Tageinsatz sind Beide
wirklich gute Optiken, die durchaus offenblendig sinnvoll verwendbar sind. :daumen:


Das Pancolar zeigt insgesamt feinere Sterne, deutlich weniger Farbsaum (CA?), dafür
eine interessante Koma bei den hellsten Sternen. Warum zeigt diese
Koma nach innen auf das Bildfeldzentrum? :confused: Was meint Ihr?


Die Sterne des Takumar sind deutlich "größer", zeigen deutliche lila
Farbsäume bis hin zur rötlichen Abbildung eigentlich bläulicher Sterne.
Siehe z.B. die drei Gürtelsterne nahe der Bildmitte. Die Koma des
Takumar am den hellen Randsternen ist hingegen deutlich kleiner
als die des Pancolars.

Was wichtiges übersehen? Sag es mir! :)



Nicht weniger interessant finde ich folgenden Fakt:
Die Aufnahmen sind ähnlich, aber nicht ganz identisch ausgearbeitet.
Das zweite Bild mit dem Takumar f/2 55mm zeigt erheblich mehr Sterne
und Größe des Orionnebels. Das grobstreifige Foveon-Rauschen
war deutlich besser als bei Aufnahme #1. Dies, obwohl
- der Orion schon deutlich tiefer stand als bei Bild #1, somit lichtschwächer (Extinktion)
- das Objektiv ggü. dem Pancolar etwas lichtschwächer ist mit seinen f/2

Zu diesem zunächst kontraintuitiven Phänomen gibt es eine Idee:
Bild #1 entstand als allererstes nach Auspacken der Ausrüstung.
Bild #2 wurde als allerletztes, 79 Minuten später, belichtet.
Es herrschte Frost mit ein paar Grad unter Null.
Die Wiese war prasseldürr gefroren. Trotz Dauernutzung der Kamera
vermute ich, dass die Abkühlung durch die Frostluft die Erwärmung durch
insgesamt 37 Langzeitbelichtungen innerhalb der 79 Minuten überwogen hat,
und der Sensor am Ende einfach größenordnungsmäßig ca. 20 Grad kälter war.

:pfeil: Also: Die Eisbeutel, oder besser den Flüssigstickstoff nicht
vergessen, bei Ausflügen mit Euren Siechmas. :psst: ;) :D


Herzliche Grüße
der Waldschrat... :)



PS: Natürlich sind beide Aufnahmen auch Grenzgänge an das Machbare mit einer Sigma SD15.
ISO800 würde ich normalerweise niemals verwenden. Das wird nur durch die Spezifik der
Sternaufnahmen - extremer Kontrast - und dadurch Möglichkeit, die Tiefen der Daten
rigoros abzuschneiden, möglich. (negatives FillLight -0,3)



_
 
  • 2x Sternbild Orion - SD15 - Pancolar 1.8/50mm - Takumar 2/55mm Beitrag #2
Hallo Waldschrat,

Danke für die sehr interessanten Ausführungen! :daumen:

Das Pancolar zeigt insgesamt feinere Sterne, deutlich weniger Farbsaum (CA?), dafür
eine interessante Koma bei den hellsten Sternen. Warum zeigt diese
Koma nach innen auf das Bildfeldzentrum? :confused: Was meint Ihr?

Nimm' einfach folgende Darstellung



und rotiere sie um die optische Achse. Ergebnis: Viele, perfekt ins Bildzentrum zeigende Koma(ten)-Schweife (welch' Wortwitz :rolleyes:). :D

Die Sterne des Takumar sind deutlich "größer", zeigen deutliche lila
Farbsäume bis hin zur rötlichen Abbildung eigentlich bläulicher Sterne.
Siehe z.B. die drei Gürtelsterne nahe der Bildmitte.

IMHO ziemlich starke axiale, chromatische Aberrationen.

...

Sicherlich werden sich beide Linsen an f/2,8 von ihrer Schokoladenseite zeigen. :)

Zu diesem zunächst kontraintuitiven Phänomen gibt es eine Idee:
Bild #1 entstand als allererstes nach Auspacken der Ausrüstung.
Bild #2 wurde als allerletztes, 79 Minuten später, belichtet.
Es herrschte Frost mit ein paar Grad unter Null.
Die Wiese war prasseldürr gefroren. Trotz Dauernutzung der Kamera
vermute ich, dass die Abkühlung durch die Frostluft die Erwärmung durch
insgesamt 37 Langzeitbelichtungen innerhalb der 79 Minuten überwogen hat,
und der Sensor am Ende einfach größenordnungsmäßig ca. 20 Grad kälter war.

:pfeil: Also: Die Eisbeutel, oder besser den Flüssigstickstoff nicht
vergessen, bei Ausflügen mit Euren Siechmas. :psst: ;) :D

Hört sich plausibel an. Ich warte dann mal auf die ersten Bilder der stickstoffgekühlten SD15. :D

Grüße,
Oz
 
  • 2x Sternbild Orion - SD15 - Pancolar 1.8/50mm - Takumar 2/55mm Beitrag #3
Nochmal zum Koma des Pancolar: Müssten die "Schweifchen" nicht nach außen zeigen, von der Bildmitte weg, in Richtung Bildfeldrand?
 
  • 2x Sternbild Orion - SD15 - Pancolar 1.8/50mm - Takumar 2/55mm Beitrag #4
Nochmal zum Koma des Pancolar: Müssten die "Schweifchen" nicht nach außen zeigen, von der Bildmitte weg, in Richtung Bildfeldrand?

Hallo Waldschrat,

was Du anmerkst, ist definitiv nicht falsch. Ein wenig franst die Abbildung auch zum Bildrand aus. Der Haupteffekt ist jedoch auf die optische Achse ausgerichtet. Warum?

Bei Schiefeinstrahlung gehen die zentralen Strahlen weitgehend ungestört ("quasilinear") durch den Kernbereich der Linse. Diese noch vergleichsweise wenig aberrierten Strahlen bilden dann auch abbildungsseitig tendenziell am Rand den (sauberen) Nukleus der Abbildung.

Anders sieht es mit Strahlen aus, die, salopp formuliert, eine extreme "Umlenkung" am Linsenrand erfahren, etwas prägnanter dargestellt.

Dass die obersten Randstrahlen bei ihrem Durchgang stärker beeinflußt werden als die untersten Randstrahlen, bedingt sich strahlenoptisch. Im schlimmsten Fall tritt sogar Totalreflexion ein.

Koma (das Phänomen Astigmatismus mal außenvor gelassen) ist der Sphärizität der Linse geschuldet (und somit eine Form sphärischer Aberration - für den Extremfall die Schiefeinstrahlung).

Um sphärische Aberration abzumildern, wurden asphärische Linsen entwickeln, deren Kurvatur an den Rändern bewußt abgeflacht ist.

Sehr eingängig ist dies dargestellt.

Gruß,
Oz
 
  • 2x Sternbild Orion - SD15 - Pancolar 1.8/50mm - Takumar 2/55mm Beitrag #5
Lieber Oz!

Danke für Deine Ausführungen! :daumen:
Links sind auch Klasse! Die Aktion hat sich in
Sachen Bildung und tieferem Verständnisses
voll gelohnt! :)

Herzlicher Gruß!




_
 
Thema:

2x Sternbild Orion - SD15 - Pancolar 1.8/50mm - Takumar 2/55mm

Zurück
Oben Unten