Farbmodi sind REINE POSTProcessingfeatures.
Hallo miteinander,
da ich nunmehr "glücklicherweise" die SD14 und SD15 besitze, demnächst in den Urlaub fahre und keine bizarr durchgebratenen Sonnenuntergänge (=viel Frust) produzieren möchte, habe ich gestern
einen ganzen Sonnenuntergang (Serie) mit beiden Kameras bei gleichen Brennweiten abfotografiert.
SD14 + 120-400er APO @ 171mm
SD15 + 170-500er APO @ 170mm
Beide Kameras wurden parallel ausgerichtet, die Bilder mit dem 10s-Timer aufgenommen.
Mich interessierten bei diesem Experiment
nicht die Weissagungen der Belichtungscomputer. Ich wollte zunächst
nur einen Einflußparameter beobachten:
Nämlich, wie das interne Signalprocessing der beiden Kameras variiert - Stichwort AFE bei der SD15 als herausragendes signalverarbeitendes Unterscheidungsmerkmal.
Daher habe ich beide Kameras manuell auf die
Blende f/11 und jeweils
identische Belichtungszeiten festgelegt ("M").
Alle SD15-Aufnahmen wurden im
Standard-Farbmodus aufgenommen.
Nacholgend ein Beispiel aus der Vergleichsserie (f/11, 1/100s, ISO100):
Zunächst vorab zu den Farbmodi der SD15:
STANDARD (alle Regler auf "Null"):
NEUTRAL (alle Regler auf "Null"):
STANDARD MIT -0,9 Blenden NACHTRÄGLICHER UNTERBELICHTUNG UND GERINGFÜGIGER ENTSÄTTIGUNG (-0,3):
Wie man sieht, ist der Bildeindruck der "NEUTRAL"-Aufnahme ohne Probleme durch
nachträgliche Modifikation der "STANDARD"-Aufnahme unter SPP herstellbar. Nicht umsonst kann man unter SPP beliebig zwischen den Farbmodi hin- und herschalten (egal was vorher in der Kamera eingestellt war).
Nun könnte man meinen, dass die Kamera, bei vorheriger Wahl des "NEUTRAL"-Modus anders belichtet hätte. Meine Erfahrung zeigt jedoch, dass der
Belichtungscomputer nicht durch die Wahl der Farbmodi beeinflusst wird. Und zwar unabhängig vom Belichtungsmessverfahren (Spot/Matrix/...).
Im der oben gezeigten Aufnahme ist klar: Die Spitzlichter
um die Sonne sind brutal ausgebrannt - ein schäbiger, breiiger Pfannkuchen. HIER verhält sich der Standard-Modus nur insofern besser, als das im POSTProcessing der Aufnahme (innerhalb der Kamera bzw. innerhalb SPP, das ist "Jacke wie Hose") die Regler "quasi unsichtbar" um +0,9EV hochgeschoben und -in diesem Falle- die weggebrannten Highlights in einer Übelichtungskorona kaschiert werden.
So etwas ist abhängig von der Aufnahmesituation. Es kann sein, dass "Neutral" (bildabhängig) bessere Resultate liefern kann. Fakt ist jedoch, das alles auch nachträglich -in Eigenregie- verstellt werden kann.
Farbmodi beeinflussen nicht, was an Signalinformation im RAW-File hinterlegt ist. Sie beeinflussen auch nicht die Belichtungsmessung.
Die Hinterlegung von Signalinformation läuft unabhängig davon und ist ausschließlich belichtungs- und hardware-signalverarbeitungsabhängig.
Ich bin eigentlich froh über diesen Umstand. Ermöglicht er doch erst die "Qualitative Benutzeranalyse" der internen Signalverarbeitung beider Kameras (SD15/14), ohne Vermengung sonstiger "Farbmodi-Regelungen".
Nun hier dieselbe Aufnahmesituation mit der SD14 (f/11, 1/100s, ISO100); (alle Regler auf "Null"):
Fazit: Die INTERNE SIGNALVERARBEITUNG (und zwar VÖLLIG UNABHÄNGIG VON DER BELICHTUNGSMESSUNG) brennt im direkten Vergleich bei der SD15 die Spitzlichter weg.
Was kann man tun, um die Spitzlichtersituation bei der SD15 in eine der SD14 vergleichbare Region zu schieben? Klar: Knapper belichten.
SD15 (f/11, 1/250s, ISO100), Farbmodus "Standard", alle Regler auf "Null":
SD15 (f/11, 1/250s, ISO100), Farbmodus "Neutral", alle Regler auf "Null":
Das Resultat:
Die dunklen Partien saufen stärker ab.
Der Fairness halber: bei dieser SD15-Aufnahme steht die Sonne noch einen klitzekleinen Tick höher.
Ich interpretiere das Resultat dieser Experimente dennoch so, dass
gerade in Hochkontrastsituation mit scharfen Spitzlichtern, SD15-Aufnahmen mit einem nicht unmerklichen Verlust der Gesamtdynamik verbunden sind.
Überlässt man dann auch noch
in solchen Situationen durch teilautomatische Modi (z.B. Wahl von A) der SD15 die belichtungsmessungsgesteuerte Verschlusszeitenwahl, dann sind häßlichste Effekte vorprogrammiert. Denn sie belichtet jenseits der Spotmessung reichlicher (=>erhebliche Verschärfung der o.g. Effekte). Auch meine. Und ich bin überzeugt, dass sie
nicht kaputt ist (es ist die ehemalige Kamera von Bastian, der in hier in diesem Forum schon zahlreiche, absolut vernünftige Aufnahmen gezeigt hat).
Die Spotmessung ist aber in meinen Augen nur eine Krücke zur Kompensation einer zumindest
in solchen Situationen unterirdisch schlechten Belichtungsmessung der SD15. Die SD14 verhält sich mit ihrer primitiven Matrixmessung über 8 Felder bedeutend unkritischer als die SD15 mit ihren "hochentwickelten" 77 Messfeldern.
Und ja: Man darf seine Belichtungsmessung auch ruhig etwas an das interne Signalprocessing anpassen - Stichwort AFE!
Das Ganze ließe hoffen (es sollte über FW gut korrigierbar sein), wenn es sich bei den Gralshütern des m.E. wirklich bedauernswerten Foveon nicht um die "vollinerten Superkapazitäten von Sigma Japan" handelte.
In diesem Sinne wandert meine SD14 mit ins Urlaubs-Fotogepäck. Vorgänger sticht "Evolution" - genau o.g. Situationen.
Gruß ins Forum,
Oz