Klaus-R
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Funktionsrüfung einer Film-Spiegelreflex Kamera

Hallo zusammen,
wer heute mit dem Gedanken spielt, in die Welt der Film-Photographie einzutauchen, der sieht sich einem ENORMEN Angebot an teilweise lächerlich preiswerten und hoch interessanten Kameras gegenübergestellt.
Solche Sachen gibt es millionenfach teilweise in ganz hervorragendem Zustand ..... nur .... funktioniert das "Schätzken" denn auch???!
Film-Sachen sind nicht in die Jahre gekommen, sondern in die Jahrzehnte und die Frage stellt sich dann ja unmittelbar, welchem Angebot man denn nun trauen kann und welchem besser nicht?!
Das Problem ist nämlich, dass sich konventionelle Kameras nur viel mühevoller prüfen lassen, als digitale Kameras .... letztlich bringt ja erst ein damit belichteter Film allerletzte Klarheit, ob eine vielleicht 40-Jahre alte Kamera oder ein Objektiv noch immer fehlerfrei Dienst tun werden.
Nun liegen die Sachen auf dem Tisch und wie geht es dann weiter?!
Bis der erste Film dann ENDLICH aus dem Labor kommt sind dann die 2 Wochen Umtausch-Recht bei gewerblichen Käufen im Internet ja leider auch schon abgelaufen .... ein Testfilm kommt zudem teuer ..... Geht es auch OHNE Film?!
Kann man eine Kamera auch ohne Film auf Funktion prüfen??
Und JA ....DAS KANN MAN .... und schwierig ist das auch nicht.
JEDE Kamera muss zwar individuell etwas anders getestet werden, aber das Procedere unterscheidet sich innerhalb einer Bauform nur in Kleinigkeiten.
Ich will hier mal zeigen, wie man GRUNDSÄTZLICH eine Film-Spigelreflex-Kamera auch ohne Film FAST SICHER auf einwandfreie Funktion prüfen kann, um sie dann entweder zu behalten und zu nutzen, oder gleich wieder zum Händler zurückzuschicken.
GRUNDSÄTZLICH:
Privatkäufe sind erheblich günstiger als gewerblich gehandelte Sachen. Bei den privaten Verkäufern gibt es viele ehrliche und leider auch einige Betrüger, die darauf hoffen, dass mangelhafte Sachen nicht zeitnah ausprobiert werden (können) und so eine Rückgabe abgelehnt werden kann.
Eine andere Gruppe vom privaten Verkäufern (nicht selten), hat wirklich und ehrlich keine Ahnung von den Sachen .... da werden dann Photosachen angeboten, die aus Nachlässen von völlig ahnungslosen Verkäufern veräußert werden. Oft wird das auch so angegeben .... "ungeprüft" heißt es dann fast immer und Rücknahme ausgeshlossen ..... gut möglich aber, dass sich dahinter dann auch ein Betrüger versteckt .... man weiß es nicht .... man kann sich dann nur auf sein eigenes "Gefühl" verlassen.
FAZIT: Wer als Käufer kein Risiko eingehen möchte, nimmt LIEBER mehr Geld in die Hand und kauft "GEPRÜFT" und mit Gewährleistung bei einem seriösen Händler ein ..... das ist oft die bessere Entscheidung. Der Händler hat seinen Ruf zu verlieren und schon deswegen ist eine geprüfte und gewerblich gehandelte Kamera den Aufpreis ganz oft auch wert.
FAKT: Die wenigsten "GEPRÜFTEN" Kameras sind wirklich "FILM-GEPRÜFT"!
Eine wirkliche Film Prüfung ist dermaßen zeitintensiv und ja auch teuer, dass das praktisch nicht lohnend für den Verkäufer wäre .... aber ein gewissenhafter Händler wird genau das machen, was ich gleich zeigen werde und was der Käufer besser auch macht, bevor er einen Film einlegt und dann enttäuscht "das Schlimmste" feststellt ... eine defekte Kamera.
Eine wichtige Sache aber noch vorweg:
VOR DEM KAUF: CHECK!!
1) Hat die Kamera ein Batterie-Versorgungs-Problem?!
Ich rate dringend von Kameras ab, für die es keine geeigneten Batterien mehr gibt! Ganz viele Kameras benötigen die heute verbotenen und nicht mehr hergestellten Quecksilber-Batterien .... z.B. die berüchtigte PX-21 Mercury-Knopfzelle. Fast immer gibt es zwar "Batterie-Ersatzlösungen", nur sollte man überlegen, ob sich der oft erhebliche Bastelaufwand lohnt oder ob man nicht lieber auf ein diesbezüglich problemfreies Modell setzt.
2) Hat die Kamera bekannte und typische Mängel oder Probleme, auf die man besonders achten muss oder die einen Kauf nicht sinnvoll erscheinen lassen?
Beispiel .... Wer mit einer KIEV-88 photographieren will oder mit einer Pentacon SIX, der hat damit vorhersehbare nur schwer lösbare Probleme. Ich empfehle dann doch den Kauf einer bekannt unproblematischen Alternative, die es fast immer gibt.
Und los geht's ......
PRÜFEN EINER FILM SPIEGELREFLEX-KAMERA AUF EINWANDFEEIE FUNKTION OHNE FILM:
SICHTPRÜFUNG:
1) Kamera auf äußerliche Beschädigungen besichtigen. Normale Gebrauchsspuren müssen die Funktion der Kamera nicht beeinflussen, sind aber schon ein Hinweis für zu erwartenden Verschleiß. Beulen oder Beschädigungen, die auf einen Sturz der Kamera hindeuten, sind für mich ein Ausschlusskriterium.
Eine Spiegelreflex, die verzogen ist, ist wirklich wertlos ... damit kann man nicht mehr photographieren.
Häufig lösen sich die Belederungen der Kameras ab, oder fehlen schon. Natürlich ist da eine Reparatur möglich (Entfernen von Kleberückständen und Neuverklebung) oder komplette Erneuerung der Belederung. Für beliebte Modelle kann man fertige Zuschnitte bestellen ... gibt es so etwas nicht, muss man Meterware kaufen und selber zuschneiden ... das ist viel Aufwand und Arbeit.
2) Blick durch den Sucher:
-Objektivdeckel abnehmen und den Sucher in Augenschein nehmen:
Stimmt der Unendlich-Fokus mit dem Unendlich Anschlag (Unendlichstellung) des Objektives überein?!
Stimmt das nicht, dann ist die Kombination Kamera-Objektiv dejustiert und nicht brauchbar. Die Kamera kann zurückgehen!
- Objektiv abnehmen und den Sucher OHNE Optik besichtigen, denn so sieht man Verunreinigungen tatsächlich am besten.

Dieser Sucher ist perfekt sauber. Sich scharf abzeichnender Dreck (Flusen und Krümel) befinden sich mit Sicherheit auf der Mattscheibe. Natürlich beeinflusst der Sucher-dreck einer SLR das aufgenommene Bild einer SLR NICHT .... nur Spaß macht das nicht!
Ich rate dringend von dem oft schwierigen Ausbau der Mattscheibe zwecks Reinigung ab.... das ist was für geschickte Feinmechaniker.
FAST IMMER kann solcher Sucherdreck mit Pressluft entfernt werden. Auch das muss aber mit großer Vorsicht und mit viel Gefühl passieren! Die Verschlusslamellen können mit zu starker Druckluft schnell Schaden nehmen.
3) Spiegelkasten und SPIEGELDÄMPFER
Objektiv demontieren und in den Spigelkasten schauen:

Ist der Klappspiegel sauber und unbeschädigt?! Modernere Spiegelreflex-Kameras haben sog. Rückschwingspiegel, die immer "unten" sind .... egal ob der Verschluss gespannt ist, oder nicht. Manche (zumal ältere) Modelle müssen erst "gespannt" werden, damit der Spiegel herunter-klappt. Im ausgelösten Zustand kann man bei solchen Kameras also auch nichts im Sucher sehen.
Oben sieht man bei jeder SLR einen Schaumstoff Streifen (Spiegeldämpfer) der den Spiegelschlag abdämpfen soll.
Sehr oft ist dieser Schaumstoff zerbröselt und muss erneuert werden, was kein Problem ist. Entsprechendes Material ist problemlos lieferbar und kann selber montiert werden.
4) Filmtransport und Film-Zählwerk:
Ob ein Kleinbild-Film korrekt transportiert wird, kann man einfach mit einem Testfilm prüfen.
Ich habe mehrere solcher "Testfilme" .... oft ist ein alter Film noch in einer Kamera gewesen ... ideal dafür, den Filmtransport zu prüfen:
Film einlegen und Kamera-Rückwand schließen:

Die meisten Film-SLRs haben automatische Zählwerksrückstellung über einen Taststift, der beim Öffnen der Kamera das Zählwerk "nullt".

Bei geöffneter Rückwand muss jetzt z.B. ein "S" für START zu sehen sein .... oder je nach Kamera ein ähnliches Symbol. Hat die Kamera einen manuellen Rücksteller, dann muss das Zählwerk nach Schließen der Rückwand und zweimaligem Auslösen der Kamera auf NULL gestellt werden.
In diesem Fall die Kamera schließen und den Film so oft transportieren, bis die 1 zu sehen ist .... die erste "Aufnahme" ist jetzt im Filmfenster.
Den (24er) Testfilm 24 mal transportieren und prüfen, ob dann auch der Schnellspannhebel in Folge blockiert wird, weil der Film zu Ende sein sollte.
Ist das der Fall, ist der Filmtransport in Ordnung!
RÜCKSPULKUPPLUNG ENTRIEGELN:

Filmrückspulung entriegeln (hier Knopf am Kameraboden!) und Film zurückspulen. Geht das leichtgängig und geschmeidig?!
Film wieder entnehmen!
5) LICHTDICHTUNGEN PRÜFEN:
Fast immer haben die Lichtdichtungen älterer Spigelreflex-Kameras ihre besten Zeiten hinter sich! Der Schaumstoff löst sich auf und Lichteinfall droht, den Film zu versauen. BESONDERS ANFÄLLIG und kritisch sind die sog. "Scharnierdichtungen" am Klappgelenk der Rückwände:
Hier die von der alten Dichtung befreite und gereinigte Rückwand:


Bei dieser Gelegenheit auch die Filmandruckplatte prüfen! Eine Feder muss leichten Druck gegen die
Filmbühne ausüben!
Hier die erneuerte Dichtung:

Die umlaufenden Dichtungen sind weniger anfällig, weil eine zusätzliche Lichtfalle doppelt absichert. Bewährt hat sich das Reinigen der Nuten mit ISOPROPANOL und das Einkleben eines dünnen schwarzen Wollfadens mit einfachem Haushaltskleber. Bei Pentacon war ein solcher Wollfaden damals die Werkslösung .... besser als jeder Schaumstoff, weil unkaputtbar.
6) VERSCHLUSS PRÜFEN:

Fast alle Kleinbild SLRs haben sog. Schlitzverschlüsse. Die wenigen Ausnahmen (z.B. die deutschen Zentralverschluss-SLRs) müssen ganz anders geprüft werden ... hier nicht Thema.
Es gibt zwei Bauweisen. Dieses Modell hat einen elektronisch gesteuerten Stahllamellen Verschluss, dessen Prüfung sich nur in einem Punkt von der älteren Bauart, dem Tuchschlitzverschluss unterscheidet.
Die Stahllamellen selber können nicht lichtundicht werden, die Verschlusstücher von Tuchschlitzverschlüssen leider sehr wohl.
Bei Tuchschlitzverschlüssen müssen BEIDE Vorhänge auf Lichtundurchlässigkeit sehr sorgfältig geprüft werden. Dabei (wie zu sehen aber OHNE Objektiv) in einem absolut dunkelen Raum und mit Blinkschaltung der LED-Lampe den Verschluss einmal bei ausgelöster Kamera (zweiter Vorhang) und einmal bei gespannter Kamera (erster Vorhang) daraufhin prüfen, ob nicht kleinste Löcher im Verschlusstuch vorhanden sind.
Wenn das Tuch selber nicht marode ist, sondern nur die Farbe zerbröselt ist, ist das kein K.o. Kriterium .... undichte Verschlusstücher können mit Acrylfarbe wieder instandgesetzt werden.
Das Folgende gilt jetzt für BEIDE VERSCHLUSSTYPEN:
Objektiv abnehmen und LED-TASCHENLMPE so ausrichten, dass sie möglichst UNTER dem Spiegel durchleuchtet! Sucher entweder abdecken oder (wie hier möglich) dunkel-schalten (blendet sonst).
Jetzt den Schnellspannhebel betätigen und dabei die Verschlusslamellen beobachten, die sich dabei verschieben müssen.
E darf dabei KEIN LICHT durch den Verschluss fallen! Ist das doch der Fall, dann hat die Kamera einen eindeutigen Verschlussschaden, also Totalschaden!

7) OBJEKTIV PRÜFEN:
Alle weiteren Tests an der Kamera setzen ein einwandfrei funktionierendes Objektiv (insbesondere Springblendenfunktion) voraus.


Objektiv abnehmen und Blende voll öffnen. gegen das Licht prüfen, ob die Optik tadellos sauber, kratzerfrei und auch pilzfrei ist. Fungus im Objektiv sind dann ein ziemliches KO-Kriterium, wenn Kamera und Objektiv zusammen gekauft wurden bzw. wenn beides zusammen gelagert war. Praktisch immer war Kellerfeuchte die Ursache .... tötlich für Kamera und Objektiv.
Für die weitere Prüfung der Kamera MUSS die Springblende der Optik tadellos funktionieren, sonst geht's nicht.
Ggfls. bitte googlen, wie man manuell die Springblende des speziellen Kamerasystems am Objektiv betätigen muss, um sie zu prüfen.
Bei dieser M42-Kamera muss auf den Springblendenstift am Objektiv nur mit dem Finger gedrückt werden:
Blende auf kleinste Öffnung voreinstellen! Stift niederdrücken! Die Blende dabei beobachten. Die Blende muss sich leichtgängig und blitzschnell (Springblende) auf kleinste Öffnung schließen.
Druckstift wieder loslassen! Die Blende sollte sich "zügig" auf volle Öffnung öffnen. Wenn das nicht "blitzartig" passiert, ist das technisch zwar nicht "schlimm" sollte aber ebenfalls reibungslos ablaufen.
8) BLENDENSTEUERUNG DER KAMERA PRÜFEN:
Das vorgeprüfte Objektiv wieder montieren.
Die kleinstmögliche Blende am Objektiv einstellen.
Wenn das Obhjektiv einen M-A-Umschalter hat, dann auf A (automatische Blendensteuerung) umschalten.
Die Kamera auf "B" stellen und die Blende des Objektives beobachten.
Beim Niederdrücken und Festhalten des Auslösers der Kamera muss sich die
Blende des Objektives nun blitzschnell schließen und auf kleinster Öffnung halten.
Den Auslöser loslassen .... die Blende des Objektives muss sich zügig wieder voll öffnen.


9) BATTERIEFACH PRÜFEN UND NEUE BATTERIE (BATTERIEN) EINLEGEN
Wenn die Kamera eine Batterie benötigt, dann ist zunächst das Batteriefach zu prüfen. In diesem speziellen Fall benötigt die Kamera zwei LR44-Knopfzellen in Reihe.
Diese Kamera funktioniert nur im Notbetrieb OHNE Batterien. Der Verschluss wird dann mit der Blitzsynchronzeit 1/90s rein mechanisch arbeiten. Andere Verschlusszeiten können nur elektronisch gesteuert werden ... also Batteriefach auf Sauberkeit prüfen ggfls. reinigen und für frische Batterien sorgen.
10) LANGE VERSCHLUSSZEITEN PRÜFEN
Wenn bis hierhin alles o.k. ist, dann gilt es die langen Verschlusszeiten zu prüfen.
Im Netz ist oft zu lesen, dass man einen Schlitzverschluss nur mit enormem messtechnischen Aufwand auf Funktion prüfen können soll??!!!
Ich sehe das komplett anders.
Man kann mit einfachsten Mitteln die Funktion eines solchen Verschlusses zumindest grundsätzlich prüfen .... und zwar wie folgt:
Die langen Verschlusszeiten werden gebildet, indem der erste Verschlussvorhang öffnet, für die gewählte Verschlusszeit offen bleibt und zum Ende der gewünschten Belichtungszeit der zweite Vorhang quasi "hinterherfährt".
Man kann das gut hören!
Sagt man EINUNDZWANZIG, dann dauert das bei normalem Sprechtempo ziemlich exakt eine Sekunde .... und genau so prüft man eine SEKUNDE!
Es sind vier Silben! EIN-UND-ZWAN-ZIG.
Eine Viertelsekunde hört man, wenn der Verschluss nach "EIN" wieder schließt,
Eine halbe Sekunde hört man, wenn der Vewrschluss nach "EIN-UND" wieder schließt usw.
Eine 1/8s prüft man, weil sie sich kürzer anhört als die Virtelsekunde und die 15s, weil sie sich kürzer anhört, als die 1/8s u.s.w..
Bis zu 1/30s kann man Unterschiede tatsächlich hören! Wenn die SEKUNDE STIMMT und sich alle kürzeren Zeiten hörbar unterscheiden, dann passt die Sache und ist o.k..
Ab 1/60s kann man keine Unterschiede mehr hören, weil solche kurzen Zeiten dadurch entstehen, dass beide Vorhänge gleichzeitig hintereinander herlaufen und nur noch die Schlitzweite gesteuert wird .... und auch das lässt sich prüfen!
11) KURZE VERSCHLUSSZEITEN PRÜFEN
Und nein, es ist nicht unmöglich auch diese mit einfachsten Mitteln zu prüfen:
Aufbau:
Auch für andere Zwecke habe ich für verschiedenste Aufnahmeformate Hilfsmattscheiben angefertigt, die sich ganz schnell in die jeweiligen Filmbühnen eintapen lassen.
Dazu schneidet man sich ganz einfach die Sichtdeckel von Schnellheftern auf passende Größen. Für den nun folgenden Test muss die Mattscheibe nichtmal genau in der Filmebene liegen ... das kann man also ganz schnell zusammenbauen.

Den folgenden Aufbau realisieren:



Die Blende wieder voll öffnen und mit der LED-Taschenlampe möglichst genau senkrecht in die OPTIK leuchten!
Eine 1/60s einstellen, auslösen und die stärke des Lichtblitzes auf der Hilfsmattscheibe beobachten!
Die kürzeste Verschlusszeit wählen .... hier 1/1000s ... nochmal den Verschluss auslösen und die Stärke des Lichtblitzes auf der Hilfsmattscheibe beobachten.
Bei 1/1000s muss der Lichtblitz auf der Hilfsmattscheibe jetzt deutlich schwächer ausfallen.
Ist das der Fall, steht fest, dass die Kamera die Schlitzweite des Schlitzverschlusses steuert. Natürlich können so keine exakten Verschlusszeiten bestimmt werden ... aber die Steuerung funktioniert definitiv.
Die Wahrescheinlichkeit, dass die kurzen Verschlusszeiten zwar gesteuert werden, aber nicht stimmen, geht gegen NULL ....habe ich noch nie erlebt!
12) BELICHTUNGSMESSER PRÜFEN:
Nichts einfacher als das!

Den Belichtungsmesser einer Spiegelreflexkamera (wenn eingebaut) prüft man am einfachsten gegen einen bekannt zuverlässigen Handbelichtungsmesser bei EINDEUTIGER Lichtsituation .... am besten bei ISO 100 und hellem Tageslicht.
Bei Sonnenlicht z.B. sollte bei vorgewählter Blende 11 der Belichtungsmesser in etwa 1/125s vorschlagen.
Wenn solches Licht nicht zur Verfügung steht, dann einfach das Gegebene mit dem Handbelichtungsmesser ausmessen und mit der Kamera vergleichen.
CDS-Belichtungsmesser KÖNNEN auch nach 50 Jahren noch absolut genau abliefern! Oft ist das so, nicht selten kommt es zu Abweichungen, weil elektronische Bauteile der Kameraelektronik über die Zeit ihre Eigenschaften verändert haben .... ALTERUNG! Fast immer lassen sich solche Abweichungen dadurch beheben, dass man über die ISO-Einstellung der Kameras ausgleicht und dann einfach eine neue Bezugsmarkierung für den Stellring anbringt ODER sich die Abweichtung (z.B. + eine ISO Stufe oder -1,5 ISO-Stufen notiert!)
Am Ende der Prüfung muss der Belichtungsmesser der Kamera jedenfalls nachprüfbar richtig anzeigen und passende Zeit/Blende Relationen abliefern.
13) AUTOMATISCHE BELICHTUNGSSTEUERUNG PRÜFEN:
Jetzt kommt es auf die Ausstattung der Kamera an! Ich habe hier z.B. einen
Zeitautomaten! Bei vorgewählter Arbeitsblende soll die Kamera bei ebenfalls voreingestellter ISO (Filmlichtempfindlichkeit) die passende Verschlusszeit selbsttätig wählen und automatisch ausführen.
Ob sie das macht, ist ebenfalls mit einfachsten Mitteln überprüfbar!
Man provoziert über entsprechende Blendenvorwahlen und Lichtsituationen (z.B. Schreibtischlampe) LANGE Verschlusszeiten, deren Ausführungen man ja hören kann (siehe oben!)
Wenn die Kamera die langen Zeiten bestimmen und ausführen kann, dann wird sie die kurzen Zeiten ebenfalls bestimmen und ausführen können!!!
Dass sie manuell vorgewählte Zeiten differenzieren kann, hatten wir oben ja schon nachgewiesen.
14) BLENDENAUTOMATIK PRÜFEN:
Hat man einen sog. Blendenautomaten (z.B. CANON AE1), dann steuert die Kamera bei vorgewählter Zeit die Blendenöffnung.
Prüfung dadurch, dass man einmal eine automatisch gebildete Offenblende provoziert und beim Auslösen der Kamera beobachtet, ob die Blende tatsächlich offen bleibt und zum anderen eine automatisch gebildtete kleinste Blendenöffnung provoziert und beobachtet, ob die Kamera die Blende automatisch schließt oder nicht.
15) BEDIENUNGSANLEITUNGEN:
Bei all diesen Prüfungen sind Kenntnisse über die Bedienung und die Funktionen der zu prüfenden Kameras erforderlich. Du kannst nichts prüfen, was Du nicht bedienen kannst.
Selten sind Bedienungsanleitungen beim Kamerakauf dabei!
Im Netz aber sind fast alle Bedienungsanleitungen für die unmöglichsten Kameras frei verfügbar.
Diese Seite hier ist besonders zu empfehlen!
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FAZIT:
Wenn eine vergleichbare KB-Spiegelreflex-Kamera die oben genannten Prüfungen erfolgreich bestanden hat, dann geht die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Testfilm dann nicht tadellos belichtet gegen sowas wie NULL.
Tut sie das NICHT, dann ist sie definitiv nicht in Ordnung ......
Es lohnt sich also.
Grüße und rettet Film
Klaus

Hallo zusammen,
wer heute mit dem Gedanken spielt, in die Welt der Film-Photographie einzutauchen, der sieht sich einem ENORMEN Angebot an teilweise lächerlich preiswerten und hoch interessanten Kameras gegenübergestellt.
Solche Sachen gibt es millionenfach teilweise in ganz hervorragendem Zustand ..... nur .... funktioniert das "Schätzken" denn auch???!
Film-Sachen sind nicht in die Jahre gekommen, sondern in die Jahrzehnte und die Frage stellt sich dann ja unmittelbar, welchem Angebot man denn nun trauen kann und welchem besser nicht?!
Das Problem ist nämlich, dass sich konventionelle Kameras nur viel mühevoller prüfen lassen, als digitale Kameras .... letztlich bringt ja erst ein damit belichteter Film allerletzte Klarheit, ob eine vielleicht 40-Jahre alte Kamera oder ein Objektiv noch immer fehlerfrei Dienst tun werden.
Nun liegen die Sachen auf dem Tisch und wie geht es dann weiter?!
Bis der erste Film dann ENDLICH aus dem Labor kommt sind dann die 2 Wochen Umtausch-Recht bei gewerblichen Käufen im Internet ja leider auch schon abgelaufen .... ein Testfilm kommt zudem teuer ..... Geht es auch OHNE Film?!
Kann man eine Kamera auch ohne Film auf Funktion prüfen??
Und JA ....DAS KANN MAN .... und schwierig ist das auch nicht.
JEDE Kamera muss zwar individuell etwas anders getestet werden, aber das Procedere unterscheidet sich innerhalb einer Bauform nur in Kleinigkeiten.
Ich will hier mal zeigen, wie man GRUNDSÄTZLICH eine Film-Spigelreflex-Kamera auch ohne Film FAST SICHER auf einwandfreie Funktion prüfen kann, um sie dann entweder zu behalten und zu nutzen, oder gleich wieder zum Händler zurückzuschicken.
GRUNDSÄTZLICH:
Privatkäufe sind erheblich günstiger als gewerblich gehandelte Sachen. Bei den privaten Verkäufern gibt es viele ehrliche und leider auch einige Betrüger, die darauf hoffen, dass mangelhafte Sachen nicht zeitnah ausprobiert werden (können) und so eine Rückgabe abgelehnt werden kann.
Eine andere Gruppe vom privaten Verkäufern (nicht selten), hat wirklich und ehrlich keine Ahnung von den Sachen .... da werden dann Photosachen angeboten, die aus Nachlässen von völlig ahnungslosen Verkäufern veräußert werden. Oft wird das auch so angegeben .... "ungeprüft" heißt es dann fast immer und Rücknahme ausgeshlossen ..... gut möglich aber, dass sich dahinter dann auch ein Betrüger versteckt .... man weiß es nicht .... man kann sich dann nur auf sein eigenes "Gefühl" verlassen.
FAZIT: Wer als Käufer kein Risiko eingehen möchte, nimmt LIEBER mehr Geld in die Hand und kauft "GEPRÜFT" und mit Gewährleistung bei einem seriösen Händler ein ..... das ist oft die bessere Entscheidung. Der Händler hat seinen Ruf zu verlieren und schon deswegen ist eine geprüfte und gewerblich gehandelte Kamera den Aufpreis ganz oft auch wert.
FAKT: Die wenigsten "GEPRÜFTEN" Kameras sind wirklich "FILM-GEPRÜFT"!
Eine wirkliche Film Prüfung ist dermaßen zeitintensiv und ja auch teuer, dass das praktisch nicht lohnend für den Verkäufer wäre .... aber ein gewissenhafter Händler wird genau das machen, was ich gleich zeigen werde und was der Käufer besser auch macht, bevor er einen Film einlegt und dann enttäuscht "das Schlimmste" feststellt ... eine defekte Kamera.
Eine wichtige Sache aber noch vorweg:
VOR DEM KAUF: CHECK!!
1) Hat die Kamera ein Batterie-Versorgungs-Problem?!
Ich rate dringend von Kameras ab, für die es keine geeigneten Batterien mehr gibt! Ganz viele Kameras benötigen die heute verbotenen und nicht mehr hergestellten Quecksilber-Batterien .... z.B. die berüchtigte PX-21 Mercury-Knopfzelle. Fast immer gibt es zwar "Batterie-Ersatzlösungen", nur sollte man überlegen, ob sich der oft erhebliche Bastelaufwand lohnt oder ob man nicht lieber auf ein diesbezüglich problemfreies Modell setzt.
2) Hat die Kamera bekannte und typische Mängel oder Probleme, auf die man besonders achten muss oder die einen Kauf nicht sinnvoll erscheinen lassen?
Beispiel .... Wer mit einer KIEV-88 photographieren will oder mit einer Pentacon SIX, der hat damit vorhersehbare nur schwer lösbare Probleme. Ich empfehle dann doch den Kauf einer bekannt unproblematischen Alternative, die es fast immer gibt.
Und los geht's ......
PRÜFEN EINER FILM SPIEGELREFLEX-KAMERA AUF EINWANDFEEIE FUNKTION OHNE FILM:
SICHTPRÜFUNG:
1) Kamera auf äußerliche Beschädigungen besichtigen. Normale Gebrauchsspuren müssen die Funktion der Kamera nicht beeinflussen, sind aber schon ein Hinweis für zu erwartenden Verschleiß. Beulen oder Beschädigungen, die auf einen Sturz der Kamera hindeuten, sind für mich ein Ausschlusskriterium.
Eine Spiegelreflex, die verzogen ist, ist wirklich wertlos ... damit kann man nicht mehr photographieren.
Häufig lösen sich die Belederungen der Kameras ab, oder fehlen schon. Natürlich ist da eine Reparatur möglich (Entfernen von Kleberückständen und Neuverklebung) oder komplette Erneuerung der Belederung. Für beliebte Modelle kann man fertige Zuschnitte bestellen ... gibt es so etwas nicht, muss man Meterware kaufen und selber zuschneiden ... das ist viel Aufwand und Arbeit.
2) Blick durch den Sucher:
-Objektivdeckel abnehmen und den Sucher in Augenschein nehmen:
Stimmt der Unendlich-Fokus mit dem Unendlich Anschlag (Unendlichstellung) des Objektives überein?!
Stimmt das nicht, dann ist die Kombination Kamera-Objektiv dejustiert und nicht brauchbar. Die Kamera kann zurückgehen!
- Objektiv abnehmen und den Sucher OHNE Optik besichtigen, denn so sieht man Verunreinigungen tatsächlich am besten.

Dieser Sucher ist perfekt sauber. Sich scharf abzeichnender Dreck (Flusen und Krümel) befinden sich mit Sicherheit auf der Mattscheibe. Natürlich beeinflusst der Sucher-dreck einer SLR das aufgenommene Bild einer SLR NICHT .... nur Spaß macht das nicht!
Ich rate dringend von dem oft schwierigen Ausbau der Mattscheibe zwecks Reinigung ab.... das ist was für geschickte Feinmechaniker.
FAST IMMER kann solcher Sucherdreck mit Pressluft entfernt werden. Auch das muss aber mit großer Vorsicht und mit viel Gefühl passieren! Die Verschlusslamellen können mit zu starker Druckluft schnell Schaden nehmen.
3) Spiegelkasten und SPIEGELDÄMPFER
Objektiv demontieren und in den Spigelkasten schauen:

Ist der Klappspiegel sauber und unbeschädigt?! Modernere Spiegelreflex-Kameras haben sog. Rückschwingspiegel, die immer "unten" sind .... egal ob der Verschluss gespannt ist, oder nicht. Manche (zumal ältere) Modelle müssen erst "gespannt" werden, damit der Spiegel herunter-klappt. Im ausgelösten Zustand kann man bei solchen Kameras also auch nichts im Sucher sehen.
Oben sieht man bei jeder SLR einen Schaumstoff Streifen (Spiegeldämpfer) der den Spiegelschlag abdämpfen soll.
Sehr oft ist dieser Schaumstoff zerbröselt und muss erneuert werden, was kein Problem ist. Entsprechendes Material ist problemlos lieferbar und kann selber montiert werden.
4) Filmtransport und Film-Zählwerk:
Ob ein Kleinbild-Film korrekt transportiert wird, kann man einfach mit einem Testfilm prüfen.
Ich habe mehrere solcher "Testfilme" .... oft ist ein alter Film noch in einer Kamera gewesen ... ideal dafür, den Filmtransport zu prüfen:
Film einlegen und Kamera-Rückwand schließen:

Die meisten Film-SLRs haben automatische Zählwerksrückstellung über einen Taststift, der beim Öffnen der Kamera das Zählwerk "nullt".

Bei geöffneter Rückwand muss jetzt z.B. ein "S" für START zu sehen sein .... oder je nach Kamera ein ähnliches Symbol. Hat die Kamera einen manuellen Rücksteller, dann muss das Zählwerk nach Schließen der Rückwand und zweimaligem Auslösen der Kamera auf NULL gestellt werden.
In diesem Fall die Kamera schließen und den Film so oft transportieren, bis die 1 zu sehen ist .... die erste "Aufnahme" ist jetzt im Filmfenster.
Den (24er) Testfilm 24 mal transportieren und prüfen, ob dann auch der Schnellspannhebel in Folge blockiert wird, weil der Film zu Ende sein sollte.
Ist das der Fall, ist der Filmtransport in Ordnung!
RÜCKSPULKUPPLUNG ENTRIEGELN:

Filmrückspulung entriegeln (hier Knopf am Kameraboden!) und Film zurückspulen. Geht das leichtgängig und geschmeidig?!
Film wieder entnehmen!
5) LICHTDICHTUNGEN PRÜFEN:
Fast immer haben die Lichtdichtungen älterer Spigelreflex-Kameras ihre besten Zeiten hinter sich! Der Schaumstoff löst sich auf und Lichteinfall droht, den Film zu versauen. BESONDERS ANFÄLLIG und kritisch sind die sog. "Scharnierdichtungen" am Klappgelenk der Rückwände:
Hier die von der alten Dichtung befreite und gereinigte Rückwand:


Bei dieser Gelegenheit auch die Filmandruckplatte prüfen! Eine Feder muss leichten Druck gegen die
Filmbühne ausüben!
Hier die erneuerte Dichtung:

Die umlaufenden Dichtungen sind weniger anfällig, weil eine zusätzliche Lichtfalle doppelt absichert. Bewährt hat sich das Reinigen der Nuten mit ISOPROPANOL und das Einkleben eines dünnen schwarzen Wollfadens mit einfachem Haushaltskleber. Bei Pentacon war ein solcher Wollfaden damals die Werkslösung .... besser als jeder Schaumstoff, weil unkaputtbar.
6) VERSCHLUSS PRÜFEN:

Fast alle Kleinbild SLRs haben sog. Schlitzverschlüsse. Die wenigen Ausnahmen (z.B. die deutschen Zentralverschluss-SLRs) müssen ganz anders geprüft werden ... hier nicht Thema.
Es gibt zwei Bauweisen. Dieses Modell hat einen elektronisch gesteuerten Stahllamellen Verschluss, dessen Prüfung sich nur in einem Punkt von der älteren Bauart, dem Tuchschlitzverschluss unterscheidet.
Die Stahllamellen selber können nicht lichtundicht werden, die Verschlusstücher von Tuchschlitzverschlüssen leider sehr wohl.
Bei Tuchschlitzverschlüssen müssen BEIDE Vorhänge auf Lichtundurchlässigkeit sehr sorgfältig geprüft werden. Dabei (wie zu sehen aber OHNE Objektiv) in einem absolut dunkelen Raum und mit Blinkschaltung der LED-Lampe den Verschluss einmal bei ausgelöster Kamera (zweiter Vorhang) und einmal bei gespannter Kamera (erster Vorhang) daraufhin prüfen, ob nicht kleinste Löcher im Verschlusstuch vorhanden sind.
Wenn das Tuch selber nicht marode ist, sondern nur die Farbe zerbröselt ist, ist das kein K.o. Kriterium .... undichte Verschlusstücher können mit Acrylfarbe wieder instandgesetzt werden.
Das Folgende gilt jetzt für BEIDE VERSCHLUSSTYPEN:
Objektiv abnehmen und LED-TASCHENLMPE so ausrichten, dass sie möglichst UNTER dem Spiegel durchleuchtet! Sucher entweder abdecken oder (wie hier möglich) dunkel-schalten (blendet sonst).
Jetzt den Schnellspannhebel betätigen und dabei die Verschlusslamellen beobachten, die sich dabei verschieben müssen.
E darf dabei KEIN LICHT durch den Verschluss fallen! Ist das doch der Fall, dann hat die Kamera einen eindeutigen Verschlussschaden, also Totalschaden!

7) OBJEKTIV PRÜFEN:
Alle weiteren Tests an der Kamera setzen ein einwandfrei funktionierendes Objektiv (insbesondere Springblendenfunktion) voraus.


Objektiv abnehmen und Blende voll öffnen. gegen das Licht prüfen, ob die Optik tadellos sauber, kratzerfrei und auch pilzfrei ist. Fungus im Objektiv sind dann ein ziemliches KO-Kriterium, wenn Kamera und Objektiv zusammen gekauft wurden bzw. wenn beides zusammen gelagert war. Praktisch immer war Kellerfeuchte die Ursache .... tötlich für Kamera und Objektiv.
Für die weitere Prüfung der Kamera MUSS die Springblende der Optik tadellos funktionieren, sonst geht's nicht.
Ggfls. bitte googlen, wie man manuell die Springblende des speziellen Kamerasystems am Objektiv betätigen muss, um sie zu prüfen.
Bei dieser M42-Kamera muss auf den Springblendenstift am Objektiv nur mit dem Finger gedrückt werden:
Blende auf kleinste Öffnung voreinstellen! Stift niederdrücken! Die Blende dabei beobachten. Die Blende muss sich leichtgängig und blitzschnell (Springblende) auf kleinste Öffnung schließen.
Druckstift wieder loslassen! Die Blende sollte sich "zügig" auf volle Öffnung öffnen. Wenn das nicht "blitzartig" passiert, ist das technisch zwar nicht "schlimm" sollte aber ebenfalls reibungslos ablaufen.
8) BLENDENSTEUERUNG DER KAMERA PRÜFEN:
Das vorgeprüfte Objektiv wieder montieren.
Die kleinstmögliche Blende am Objektiv einstellen.
Wenn das Obhjektiv einen M-A-Umschalter hat, dann auf A (automatische Blendensteuerung) umschalten.
Die Kamera auf "B" stellen und die Blende des Objektives beobachten.
Beim Niederdrücken und Festhalten des Auslösers der Kamera muss sich die
Blende des Objektives nun blitzschnell schließen und auf kleinster Öffnung halten.
Den Auslöser loslassen .... die Blende des Objektives muss sich zügig wieder voll öffnen.


9) BATTERIEFACH PRÜFEN UND NEUE BATTERIE (BATTERIEN) EINLEGEN
Wenn die Kamera eine Batterie benötigt, dann ist zunächst das Batteriefach zu prüfen. In diesem speziellen Fall benötigt die Kamera zwei LR44-Knopfzellen in Reihe.
Diese Kamera funktioniert nur im Notbetrieb OHNE Batterien. Der Verschluss wird dann mit der Blitzsynchronzeit 1/90s rein mechanisch arbeiten. Andere Verschlusszeiten können nur elektronisch gesteuert werden ... also Batteriefach auf Sauberkeit prüfen ggfls. reinigen und für frische Batterien sorgen.
10) LANGE VERSCHLUSSZEITEN PRÜFEN
Wenn bis hierhin alles o.k. ist, dann gilt es die langen Verschlusszeiten zu prüfen.
Im Netz ist oft zu lesen, dass man einen Schlitzverschluss nur mit enormem messtechnischen Aufwand auf Funktion prüfen können soll??!!!
Ich sehe das komplett anders.
Man kann mit einfachsten Mitteln die Funktion eines solchen Verschlusses zumindest grundsätzlich prüfen .... und zwar wie folgt:
Die langen Verschlusszeiten werden gebildet, indem der erste Verschlussvorhang öffnet, für die gewählte Verschlusszeit offen bleibt und zum Ende der gewünschten Belichtungszeit der zweite Vorhang quasi "hinterherfährt".
Man kann das gut hören!
Sagt man EINUNDZWANZIG, dann dauert das bei normalem Sprechtempo ziemlich exakt eine Sekunde .... und genau so prüft man eine SEKUNDE!
Es sind vier Silben! EIN-UND-ZWAN-ZIG.
Eine Viertelsekunde hört man, wenn der Verschluss nach "EIN" wieder schließt,
Eine halbe Sekunde hört man, wenn der Vewrschluss nach "EIN-UND" wieder schließt usw.
Eine 1/8s prüft man, weil sie sich kürzer anhört als die Virtelsekunde und die 15s, weil sie sich kürzer anhört, als die 1/8s u.s.w..
Bis zu 1/30s kann man Unterschiede tatsächlich hören! Wenn die SEKUNDE STIMMT und sich alle kürzeren Zeiten hörbar unterscheiden, dann passt die Sache und ist o.k..
Ab 1/60s kann man keine Unterschiede mehr hören, weil solche kurzen Zeiten dadurch entstehen, dass beide Vorhänge gleichzeitig hintereinander herlaufen und nur noch die Schlitzweite gesteuert wird .... und auch das lässt sich prüfen!
11) KURZE VERSCHLUSSZEITEN PRÜFEN
Und nein, es ist nicht unmöglich auch diese mit einfachsten Mitteln zu prüfen:
Aufbau:
Auch für andere Zwecke habe ich für verschiedenste Aufnahmeformate Hilfsmattscheiben angefertigt, die sich ganz schnell in die jeweiligen Filmbühnen eintapen lassen.
Dazu schneidet man sich ganz einfach die Sichtdeckel von Schnellheftern auf passende Größen. Für den nun folgenden Test muss die Mattscheibe nichtmal genau in der Filmebene liegen ... das kann man also ganz schnell zusammenbauen.

Den folgenden Aufbau realisieren:



Die Blende wieder voll öffnen und mit der LED-Taschenlampe möglichst genau senkrecht in die OPTIK leuchten!
Eine 1/60s einstellen, auslösen und die stärke des Lichtblitzes auf der Hilfsmattscheibe beobachten!
Die kürzeste Verschlusszeit wählen .... hier 1/1000s ... nochmal den Verschluss auslösen und die Stärke des Lichtblitzes auf der Hilfsmattscheibe beobachten.
Bei 1/1000s muss der Lichtblitz auf der Hilfsmattscheibe jetzt deutlich schwächer ausfallen.
Ist das der Fall, steht fest, dass die Kamera die Schlitzweite des Schlitzverschlusses steuert. Natürlich können so keine exakten Verschlusszeiten bestimmt werden ... aber die Steuerung funktioniert definitiv.
Die Wahrescheinlichkeit, dass die kurzen Verschlusszeiten zwar gesteuert werden, aber nicht stimmen, geht gegen NULL ....habe ich noch nie erlebt!
12) BELICHTUNGSMESSER PRÜFEN:
Nichts einfacher als das!

Den Belichtungsmesser einer Spiegelreflexkamera (wenn eingebaut) prüft man am einfachsten gegen einen bekannt zuverlässigen Handbelichtungsmesser bei EINDEUTIGER Lichtsituation .... am besten bei ISO 100 und hellem Tageslicht.
Bei Sonnenlicht z.B. sollte bei vorgewählter Blende 11 der Belichtungsmesser in etwa 1/125s vorschlagen.
Wenn solches Licht nicht zur Verfügung steht, dann einfach das Gegebene mit dem Handbelichtungsmesser ausmessen und mit der Kamera vergleichen.
CDS-Belichtungsmesser KÖNNEN auch nach 50 Jahren noch absolut genau abliefern! Oft ist das so, nicht selten kommt es zu Abweichungen, weil elektronische Bauteile der Kameraelektronik über die Zeit ihre Eigenschaften verändert haben .... ALTERUNG! Fast immer lassen sich solche Abweichungen dadurch beheben, dass man über die ISO-Einstellung der Kameras ausgleicht und dann einfach eine neue Bezugsmarkierung für den Stellring anbringt ODER sich die Abweichtung (z.B. + eine ISO Stufe oder -1,5 ISO-Stufen notiert!)
Am Ende der Prüfung muss der Belichtungsmesser der Kamera jedenfalls nachprüfbar richtig anzeigen und passende Zeit/Blende Relationen abliefern.
13) AUTOMATISCHE BELICHTUNGSSTEUERUNG PRÜFEN:
Jetzt kommt es auf die Ausstattung der Kamera an! Ich habe hier z.B. einen
Zeitautomaten! Bei vorgewählter Arbeitsblende soll die Kamera bei ebenfalls voreingestellter ISO (Filmlichtempfindlichkeit) die passende Verschlusszeit selbsttätig wählen und automatisch ausführen.
Ob sie das macht, ist ebenfalls mit einfachsten Mitteln überprüfbar!
Man provoziert über entsprechende Blendenvorwahlen und Lichtsituationen (z.B. Schreibtischlampe) LANGE Verschlusszeiten, deren Ausführungen man ja hören kann (siehe oben!)
Wenn die Kamera die langen Zeiten bestimmen und ausführen kann, dann wird sie die kurzen Zeiten ebenfalls bestimmen und ausführen können!!!
Dass sie manuell vorgewählte Zeiten differenzieren kann, hatten wir oben ja schon nachgewiesen.
14) BLENDENAUTOMATIK PRÜFEN:
Hat man einen sog. Blendenautomaten (z.B. CANON AE1), dann steuert die Kamera bei vorgewählter Zeit die Blendenöffnung.
Prüfung dadurch, dass man einmal eine automatisch gebildete Offenblende provoziert und beim Auslösen der Kamera beobachtet, ob die Blende tatsächlich offen bleibt und zum anderen eine automatisch gebildtete kleinste Blendenöffnung provoziert und beobachtet, ob die Kamera die Blende automatisch schließt oder nicht.
15) BEDIENUNGSANLEITUNGEN:
Bei all diesen Prüfungen sind Kenntnisse über die Bedienung und die Funktionen der zu prüfenden Kameras erforderlich. Du kannst nichts prüfen, was Du nicht bedienen kannst.
Selten sind Bedienungsanleitungen beim Kamerakauf dabei!
Im Netz aber sind fast alle Bedienungsanleitungen für die unmöglichsten Kameras frei verfügbar.
Diese Seite hier ist besonders zu empfehlen!
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FAZIT:
Wenn eine vergleichbare KB-Spiegelreflex-Kamera die oben genannten Prüfungen erfolgreich bestanden hat, dann geht die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Testfilm dann nicht tadellos belichtet gegen sowas wie NULL.
Tut sie das NICHT, dann ist sie definitiv nicht in Ordnung ......
Es lohnt sich also.
Grüße und rettet Film
Klaus
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