Klaus-R
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Hallo zusammen,
Schön ist sie NICHT!
Mamiya UNIVERSAL PRESS (Modell 1969)

Schön wird sie dann, wenn man realisiert, was sie kann! Ansonsten kommt da ERSTMAL der "Charme" einer
"VERKEHRÜBERWACHUNGSANLAGE" zur Erzeugung minderwertiger und überteuerter Portraits am
Steuer eines Kraftfahrzeuges rüber. .... aber ... gucken wir doch mal! .... VIEL SPAß
INHALT:
-VORGEPLÄNKEL
-Mamiya UNIVERSAL-Press (Modell 1969)
-RECHTSAUSLÖSER (Eigenbau)
-Sucherproblematik
-MITTELFORMATE mit der MAMIYA PRESS:
-Sucheranpassungen:
-Objektive für die Mamiya Press:
-Technische Probleme mit bis zu 65 Jahre alter Phototechnik:
-FEHLBEDIENUNG DER MAMIYA PRESS
-Kaufberatung:
Vorgeplänkel.
6x9 Mittelformat:
6x9cm .... das ist das größte Standard-Mittelformat, das sich auf den Rollfilm Typ 120 oder 220
belichten lässt.
Wer Lust hat, mit diesem "King-Size" Mittelformat zu photographieren, muss zunächst mal NICHT
sehr tief in die Tasche greifen. Eine Unzahl hervorragend guter Faltkameras der 1930er bis 1960er
Jahre bedienen dieses Filmformat wirklich gut!
Nachteil aber ist, dass alle diese Kameras auf ihre Normalobjektive beschränkt sind. Als
Normalbrennweiten wurden häufig 105mm Objektive, seltener 110mm
verbaut. 105mm an 6x9 entsprechen übrigens genau 44mm an Kleinbild.
Da das Seitenverhältnis das selbe ist (3:2) ergibt sich ein Cropfaktor (bezogen auf KB) von 0,5.
Will sagen, ein 65mm Objektiv hat den ungefähren Bildwinkel eines 32mm KB-Objektives ....
(ganz genau entspricht es einem 28mm) .... aber über den Daumen kann man die Brennweite
in etwa halbieren, um eine Idee zu haben, wie Brennweiten und Bildblickwinkel zusammen hängen.
6x9 Systemkameras für Wechselobjektive:
Und jetzt wird die LUFT sehr dünn, denn es gab (gibt) ganze zwei Kamerasysteme,
die es ermöglichen 6x9 mit Wechselobjektiven zu photographieren, die hier
vorgestellte Mamiya PRESS und die FUJICA G690 ....
Beide sind Messsucherkameras ... zur Technik komme ich später in den Details.
Die hochgehypte FUJICA (eigentlich eine tolle Kamera und das viel modernere Kamerakonzept),
scheidet leider wegen NICHTVERFÜGBARKEIT aus! Kamera mit 100mm Normalobjektiv kann man
für UNSUMMEN zwar bekommen, die wenigen verfügbaren Wechselobjektive sind aber so
phantastisch teuer und so selten überhaupt im Handel, dass die Fuji leider deswegen keine Rolle
spielen kann.

Aufnahme Mamiya Press (SEKOR-P 250mm/F:8) auf Fomapan 400 ... in D76 1+1
bei 25 Grad entwickelt
Allerdings gibt es eine andere Möglichkeit, 6x9 Tele- und Weitwinkelphotos zu machen und
das ist die Nutzung einer Großformatkamera mit einem angesetzten 6x9 Rollfilmrückteil ....
und so wird es von den meisten 6x9-Fans auch gemacht .... mit einem gravierenden Nachteil ....
Großformater haben entweder gar keine Messucherfokussierung ODER (bei wenigen LUXUS-
Laufbodenkameras, nie aber bei Studiokameras verfügbar) es gibt einen Seitenachsen
Messsucher, selbiger arbeitet aber immer nur für das Normalobjektiv, weil ja über die
Verschiebung der Frontstandarte fokussiert werden muss. Werden Weitwinkel- oder
Teleobjektive genutzt, dann muss also immer umständlich auf der Mattscheibe fokussiert
werden (also Stativzwang!) und nur für statische Motive so möglich.
Möchte man tatsächlich mit verschiedenen Brennweiten heute noch 6x9 aus der Hand
photographieren, dann bleibt leider nur ein einziges Kamerasystem übrig, das noch
verfügbar und bezahlbar ist, die MAMIYA PRESS, die ich hier vorstelle.
Ich wünsche viel Spaß bei einer Zeitreise, die 1960 mit der Vorstellung der ersten Mamiya
Press begann und bis heute andauert, denn die Sachen sind noch verfügbar .... natürlich
gebraucht und ohne jegliche Hersteller-Unterstützung ... denn Mamiya gibt es ja nicht
mehr und die Mamiya Press wurde um 1990 endgültig eingestellt. Wie auch immer ...
Mamiya UNIVERSAL-Press (Modell 1969)

Mamiya "UNIVERSAL" Press (1969) … das letzte Modell der "PRESS" Serie.
UNIVERSAL heißt sie, weil ihr "Rückadapter" tauschbar ist! Der serienmäßige "M" Adapter
"Mamiya" kann gegen einen "G"-Adapter getauscht werden, so dass dann ein GRAFLEX 6x9
GRAFLOK-Rückteil angeschlossen werden kann und so alle GRAFLOK-kompatibelen Rollfilm-
oder Planfilm-Rückteile alternativ auch passen ... ich gehe auf solche Details hier mal NICHT
ein ... es würde zu komplex.
Ich selber arbeite nur mit Mamiya-Teilen ... und so werden auch fast alle Kameras angeboten.


Hier der "M-Adapter", der nur an der "Universal" gegen den seltenen "G-Adapter" austauschbar ist.
Kameragehäuse:
Das eigentliche Kameragehäuse ist ein (vermeintlich) leerer Kasten .... nix Dolles .... sollte man meinen
aber dem ist NICHT so, denn dieser Kasten beinhaltet ein superwichtiges und sehr ausgeklügeltes
Seitenachsen-Messsuchersystem, auf das ich noch genauer eingehen werde und das für das gesamte
Kamerasystem sehr wichtig ist. Dieses Suchersystem wurde deswegen in 1967 mit Einführung der
SUPER 23 ERHEBLICH verbessert und ist natürlich auch Bestandteil der UNIVERSAL, die –wie gesagt-
in 1969 debüttierte.
LINKSAUSLÖSER:
Leider fängt es an dieser Stelle (für mich!) an, wirklich ärgerlich zu werden! Wenn mich etwas an der
Press GRUNDSÄTZLICH STÖRT, dann ist das ihre IMHO völlig fehlkonstruierte Linksgriff-Auslösung
über einen in diesen Griff integrierten Drahtauslöser:

Über ERGONOMIE darf gestritten werden! Ich kann's nicht gut haben, mit rechts zu fokussieren
und mit links auszulösen! Ich brauche das (nach Möglichkeit) richtigrum ... aber das ist NICHT
alles! Man DARF DIE Kiste mit montiertem Drahtauslöser -allen Ernstes- NICHT abstellen! Der
Edding, den ich da unterlege, dient dazu, dass der Drahtauslöser nicht am Objektiv HEBELT und
so die Feinmechanik verbiegt bzw. zerstört. Ferner macht der IMHO unsinnige Griff, die Kamera
nicht "handlicher", sondern zum Monster, das so in keine Phototasche mehr passen kann ...
ewiges An- und Abbauen des Griffes soll dann "Spaß" machen?
RECHTSAUSLÖSER (Eigenbau)
Kurz .... ich habe einen intelligenteren Rechtsauslöser gebaut und so sieht er aus:



Mit montiertem Rollfilm-Back hat die PRESS ein tadelloses Handling (eben OHNE den dämlichen
Griff) und jetzt auch ergonomisch sinnvolle Rechtsauslösung.
Die Mamiya kann jetzt auch völlig gefahrlos –MONTIERT- abgestellt werden.
Dadurch dass ich eine "Zwischen-Gewinde-Stativschraube" verwende, verliere ich noch nicht
einmal den so "missbrauchten" zusätzlichen Hochformat-Stativanschluss ... die Kamera
kann also auch mit montiertem Rechtsauslöser hochformat auf ein Stativ geschraubt werden.
Das nun überflüssige Griffgewinde schütze ich mit einem dafür angepassten Bakelit Flaschenverschluss.
Dafür einen solchen Deckel mit viel Gefühl erhitzen und warmformen! Vorsicht! Bakelit ist eigentlich
KEIN Thermoplast .... löst sich bei Überhitzung komplett auf! Den heißen, dann teigig weichen Deckel
dann mit Lederhandschuh warm aufschrauben! Das notwendige Innengewinde schneidet sich dann selber ......

Sucherproblematik (gut gelöst!):
Für das größte Mittelformat bietet sich wirklich keine Spiegelreflex-Lösung mehr an! Ein dafür
erforderlicher Spiegel wäre riesig, würde zu enormen Erschütterungen führen und hätte ein sicher
"ordentliches" Auslösegeräusch zur Folge!
Viel WICHTIGER und bei solchen Forderungen ständig vergessen ... der Spiegelschwingkreis!
Spiegelreflex-Kameras erschweren und verteuern die Rechnung von Weitwinkelobjektiven ENORM.
Die sog. Retrofokus-Bauweise, die es umständlich ermöglicht, größere Rücklinsenabstände zu rechnen,
als der Brennweite entsprechen, macht Weitwinkelobjektive für den RIESIGEN 6x9 Ausleuchtungskreis
zum Abenteuer. Fakt ist, es gab nie Retrofokus-Weitwinkel für mehr als 6x7 Kameras (mir fällt auch
für 6x7nur noch die PENTAX 67 ein, die eine 6x7 SLR ist.)
Es kommt also für dieses Format nur ein Seitenachsen-Messsuchersystem infrage, das von Mamiya
HERVORRAGEND gut gelöst werden konnte ... allerdings erst ab 1967 / 1969 mit den beiden "neuen"
Modellen, weswegen ich die älteren PRESS - Modelle deswegen nicht empfehlen möchte.
Es gelang, einen MOTIV/Messucher mit perfektem Parallaxenausgleich gleich für drei Brennweiten
in das Kameragehäuse einzubauen! Der Sucher lässt sich dementsprechend dann einfach umschalten:



je nach gewählter Brennweite werden dann die passenden CROP-Lines in den Sucher eingeblendet
und genau passend zur Fokussierung dann verschoben. In der Suchermitte ist ein glasklar
sichtbares Mischbild-Feld zur exakten Echtzeit-Fokussierung ... besser geht nicht:
Sucher mit Crop-Lines je nach Brennweite:
Die Crop-Linien zeigen den genauen Bildausschnitt für 6x9 bzw. 6x7 ... dazu später mehr!




Aufnahme Mamiya UNIVERSAL PRESS (SEKOR P 150mm auf FOMAPAN 400 +
KODAK D76 1+1 Entwicklung)
Parallaxenproblematik:
Seitenachsensucher müssen IMMER desachsiert sein, will sagen, Du guckst etwas neben der
optischen Achse auf das Motiv. Bei großen Motivabständen ist das völlig egal, spielt quasi gar
keine Rolle, Will man aber bei nahen Motivabständen GENAU komponieren, muss diese
Abweichung zwischen Sucherbild und tatsächlicher Aufnahme wirklich exakt ausgeglichen
werden und das kann die Press tatsächlich!
Der Sucher der Mamiya ist sowohl horizontal, wie vertikal desachsiert (versetzt) und so werden
die Crop Linien je nach Fokuseinstellung in beiden Ebenen passend verschoben.
Irgendwo ist natürlich die Grenze eines Suchers erreicht! Für die drei verfügbaren Weitwinkel-
Objektive gibt es dann passende Aufsteck-Sucher. Fokussiert wird dann eben über das Kameragehäuse,
der Bildausschnitt dann über den Aufsteck-Sucher gefunden.
Hier der Aufstecksucher für das 65mm Weitwinkel:

Auch die Aufstecksucher bieten Croplines für 6x9 und 6x7 Aufnahmeformate und einstellbaren
Sucherparallaxenausgleich. Vergessen werden sollte nicht, dass man für ein SEKOR-P
("P" für PRESS) Weitwinkel immer auch den passenden Sucher benötigt!!!
Die Mamiya Press als Multiformat-Mittelformater:
Wenn man die Mamiya Press als 6x9 Mittelformat-Systemkamera bezeichnet, dann ist
das STARK untertrieben denn sie kann tatsächlich ALLE-Mittelformate belichten und
sogar auch noch das kleinste Großformat (6,5x9 Planfilm!)
Hier mal das Mattscheiben-Rückteil der PRESS mit 6,5x9cm Planfilmkasetten



Es gibt sogar doppelseitige Planfilmkassetten.....


Solche Kassetten sind aber superselten und haben eher mal Sammlerwert ... ich habe sie nicht gekauft
... sie waren "Beifang". Tatsächlich machte schon "damals" das kleinste Großformat nie wirklich Sinn,
weil ja nur MINIMAL größer, als 6x9 Rollfilm und von daher nicht wirklich sinnreich.
Heute ist 6,5x9 Planfilm netterweise immer noch von FOMA lieferbar .... großes Kompliment an die
Firma, die noch ALLE Großformate liefert ... auch Vorkriegsformate wie 10x15 u.s.w.!

Aufnahme MAMIYA UNIVERSAL PRESS (SEKOR P 65mm F;6,3 Entwicklung KODAK D76 1+1)

AUFNAHME MAMIYA UNIVERSAL PRESS SEKOR P auf FOMAPAN 400 DEV KODAK D76 1+1
MITTELFORMATE mit der MAMIYA PRESS:
Hier mal ein Mamiya Press Film 6x9 belichtet:

.....und hier ein Film 4,5x6 "645" belichtet ....

Tatsächlich kann die Mamiya Press wahlweise ALLE Mittelformate bedienen:
4,5x6
6x6
6x7
6x9
....jeweils mit den dafür geeigneten Rollfilm 120 Rückteilen:


Rollfilm-Backs:

Rückteil A (6x9): Automatischer Filmtransportstop (auch für Rollfilm 220)
Rückteil B (6x7): Automatischer Filmtransportstop (auch für Rollfilm 220)
Rückteil K (4,5x6/6x6/6x9) Nur manueller Filmtransport nur 120 Film)
Das Rückteil "K" ist besonders "versatil" denn man kann über das Einlegen von Blechmasken
das Aufnahmeformat ändern: 6x6 und 4,5x 6 mit Masken ... 6x9 ohne Maske:

Der Deckel bietet dann drei Schieber für die jeweiligen Zählspuren der genannten Aufnahmeformate:


Aufnahme Mamiya Universal Press (SEKOR 65mm F:6,3 4,5x6 + D76 1+1 DEV)
Sucheranpassungen:
Die beiden großen Mittelfomate 6x9 und 6x7 werden suchermäßig sowieso erfasst ... durch entsprechende
Croplinien. 6x6 kann man sich mit etwas Phantasie noch ganz gut "etwas enger" als 6x7 vorstellen,
spätestens aber bei dem (wie ich finde sehr interessanten) 4,5x6 Aufnahmeformat muss eine weitere
Sucheranpassung her!
Es gab für die "neuen" Modelle zahlreiche Suchermasken zu kaufen ... für alle erdenklichen Formate und Objektive,
die man heute aber kaum noch findet und die auch damals schon selten gekauft wurden....
Hier habe ich die wichtigste Maske .... 4,5x6 und 6x6 für das 100mm Objektiv:


Für "Weiteres" bietet es sich an, einen Taschenrechner zu verwenden und sich andere Brennweiten
und Formate selber auszurechnen! Einlegemasken, wie diese, lassen sich dann aus schwarzer
Pappe doch selber anfertigen!




Mit einem simplen Trick kann auch der Parallaxenausgleich ganz exakt mit den Masken genutzt werden!
Man blendet sich ganz einfach die 250mm Croplinien in den Sucher ein und guckt so durch den Sucher,
dass die Croplinien in der Mitte der Maskierung liegen.
Hier mal das "gesammelte" Format-und Sucherzubehör in einer dafür genutzten Lederschachtel:


Aufnahme MAMIYA UNIVERSAL PRESS (SEKOR P 65mm 4,5x6 DEV KODAK D76 1+1 auf FOMAPAN 400)
Fokussieren unterhalb der Messsucher-Distanzen.
Seitenachsen-Messsucher finden ihre Grenze natürlich in einer endlichen Nahgrenze, die auch von der
Brennweite abhängt. Will man kürzere Distanzen fokussieren, dann bietet die Mamiya Press ein
Zwischenringsystem und parallel dazu auch einen "Spacer", der zusätzlich auch noch das Rückteil vom
Kameragehäuse abrücken kann:
Fokussiert werden muss dann auf einem hinten montierten Mattscheiben-Rückteil, das gleichzeitig
dann auch der Planfilmhalter ist:
Zwischenringe, Spacer und das Mattscheiben-Back

Die Press mit montierter Mattscheibe:

Die zu dunkele Mattscheibe habe ich mit einer dafür angefertigten Fresnel-Linse aufgehellt.

Schnelles Arbeiten oder aus der Hand ist im Ultranahbereich also unmöglich!
Hier gilt ganz klar Stativzwang!
Um dann tatsächlich zu Photographieren muss im einfacheren Fall ein Planfilm eingeschoben
werden ODER das Mattscheiben-Back komplett gegen ein Rollfilm-Back ausgetauscht werden
.... das ist Großformat-Umstand!

Aufnahme MAMIYA PRESS (SEKOR P 100mm f:3,5 auf FOMAPAN 400 DEV KODAK D76 1+1)
Objektive für die Mamiya Press:

Ich bleibe hier KURZ .... die sind natürlich alle makellos genial gut ... ansonsten hätte das ganze
Kamerasystem nie Sinn gemacht.
Ich habe hier mal das 65mm, das 100/f:3,5mm, das 150mm und das 250mm/F:8
Das ist eine schön gestaffelte Auswahl aus insgesamt 10 möglichen Objektiven des Systems.
Bis 1967 wurden die älteren PRESS-Modelle mit einem 90mm/f:3,5 ausgeliefert ... mit entsprechend
angepassten Sucher dafür, ab 1967 dann mit einem (einschiebbaren) 100mm/f:3,5
Besonders gesucht ist das 100mm/f:2,8, das natürlich eine für diesen riesigen Ausleuchtungskreis
beeindruckende Offenblende hat. Dagegen spricht nur eines ... der Preis.....
Interessiert man sich für Aufnahmeformate KLEINER als 6x7, dann gilt es zu berücksichtigen,
dass man es dann mit anderen Cropfaktoren zu tun bekommt. Das "normale" 100mm rückt
dann in den Telebereich.
Es gelten für die verschiedenen Mittelformate folgende Brennweiten als "normal".
6x9: 100-110mm
6x7: 90-100mm
6x6: 75-85mm
4,5x6: 75mm
Für die kleineren Formate sollte man also eines der drei Weitwinkel-Objektive anstreben.
50mm / 65mm / oder 75mm
Bei dem günstigeren 250er (also meinem F:8) gilt es zu wissen, dass es KEINE Messsucherkopplung
hat. Man "soll" es also ohne Mattscheibenfokussierung nur ab mindestens 7m Motivabstand und dann
geschätzter Fokussierung nutzen.
Man kann aber auch einen ungekoppelten Mischbild-Entfernungsmesser nutzen ... hier gezeigt ...

... und dann die so gemessene Entfernung auf das Objektiv übertragen. Die Sucherparalllaxe
muss dann (wie bei vielen anderen Kameras) im Nahbereich "geschätzt" werden.

MAMIYA UNIVERSAL PRESS + SEKOR P 65mm 6,3 + FOMAPAN 400 + D76 1+1 auf 4,5x6
Historisches:
Die Mamiya Press kam 1960 als angedachte "Pressekamera" reichlich SPÄT.
Angedacht war zunächst, eine etwas leichtere Alternative zu den seit den späten 1930ern
sehr erfolgreichen GRAFLEX Presse-Großformatern zu bieten.
Allerdings wurden in den 1960ern schon mehrheitlich deutlich kleinere und praktischere
Aufnahmeformate und VIEL einfacher bedienbare Kameras eingesetzt. Als Pressekamera
wurde sie deswegen ein ziemlicher FAIL ... aber ... und erfreulicherweise... fand die "PRESS"
ihre Fans ganz wo anders ... nämlich in der Mode-Portrait und hochwertigen Landschaftsphotographie.
Auch im Studio wurde die "PRESS" gerne für hochwertige Aufnahmen auf Film eingesetzt.
Ihr Einsatz als 6,5x9 Großformter blieb natürlich überschaubar ... der Rollfilm war ihre wirkliche
Stärke und es sollte NIE etwas vergleichbar leistungsfähiges für 6x9 Rollfilmnutzung geben.
Während die Mamiya Press in Kontinentaleuropa selten blieb (wohl ihre Fans hatte) war sie
in Fernost ein beachtlicher Verkaufserfolg!
Wer heute eine hat, gibt sie LEBEND nicht ab! Ich übrigens auch nicht!
Wer heute eine haben will, kommt SELTEN an Japan vorbei, wo man fast alles bestellen kann.
Das klappt über die ja bekannte Verkaufsplattform zwar gut ABER ES MUSS mit erheblichen
Zusatzkosten gerechnet werden!
Auf die SUMME aus Kaufpreis und Versandkosten kommen noch Importzoll und die deutsche
Umsatzsteuer, denn wir haben KEIN Freihandelsabkommen mit Japan. Rechnen muss man also
Kaufpreis plus Versandkosten Plus ca. 35% auf beides!
Sinn macht ja NUR ein PRESS-Kamerasystem ... nur das 100mm Standardobjektiv macht ja
wenig Sinn. Muss man ein solches Kamerasystem aus (durchaus verfügbaren) Einzelteilen
zusammenstellen, dann wird das SEHR TEUER!
Ich habe meinen Kram (fast) komplett aus einer Sammlungsauflösung im Set und in Deutschland kaufen
können .... so ging's preislich .... und nur deswegen auch. Ich habe NICHT gezögert ... sowas ist SELTEN!
Technische Probleme mit der bis zu 65 Jahre alter Phototechnik:
Ganz KLAR!! Ja ... es gibt technische Probleme mit diesen alten und durchaus empfindlichen Sachen.
Ein Kauf ist besondere Vertrauenssache und etwas für KENNER auf Käufer- wie Verkäuferseite, sonst
ist die Gefahr, dass das in die Buchse geht ERHEBLICH!
Problematisch ist am Kameragehäuse das hochkomplizierte Messsuchersystem, das nicht selten leider
"verpeilt", verdreckt, verpiltzt oder durch Sturzschäden in Mitleidenschaft geraten ist.
Fast IMMER kann man das richten, wenn man mit Verständnis, Fingerspitzengefühl und viel
Geduld dieser Feinmechanik/Feinoptik begegnen kann. Es gibt im Netz Anleitungen und Zeichnungen
für solche Eingriffe. Für Ersttäter ist so was gar NIX!
Jedes Objektiv hat einen eigenen kompletten Zentralverschluss, der ebenfalls uralt ist und die
von mir schon so oft genannten Probleme machen kann.
Die alten Linsensysteme sind vom Feinsten, wenn alles sauber und klar ist ... aber NUR dann.
Problem Lichtdichtungen:
Hier sieht man, was ich meine:

Das 6x9 Back hatte LEICHTEN Lichteinfall ... noch nicht relevant ... aber hier bei starkem
Sonnelicht beim Testfilm nicht übersehbar!
Diese Lichtdichtungen sind bei ALLEN Rückteilen IMMER hinne und müssen deswegen
auch IMMER erneuert werden:


Der uralte Schaumstoff ist zu TEER zerfallen und macht den job nicht mehr!
Der Dreck muss mit Isoprop gelöst und entfernt werden!
Fortsetzung folgt!
Grüße
Klaus
Schön ist sie NICHT!
Mamiya UNIVERSAL PRESS (Modell 1969)

Schön wird sie dann, wenn man realisiert, was sie kann! Ansonsten kommt da ERSTMAL der "Charme" einer
"VERKEHRÜBERWACHUNGSANLAGE" zur Erzeugung minderwertiger und überteuerter Portraits am
Steuer eines Kraftfahrzeuges rüber. .... aber ... gucken wir doch mal! .... VIEL SPAß
INHALT:
-VORGEPLÄNKEL
-Mamiya UNIVERSAL-Press (Modell 1969)
-RECHTSAUSLÖSER (Eigenbau)
-Sucherproblematik
-MITTELFORMATE mit der MAMIYA PRESS:
-Sucheranpassungen:
-Objektive für die Mamiya Press:
-Technische Probleme mit bis zu 65 Jahre alter Phototechnik:
-FEHLBEDIENUNG DER MAMIYA PRESS
-Kaufberatung:
Vorgeplänkel.
6x9 Mittelformat:
6x9cm .... das ist das größte Standard-Mittelformat, das sich auf den Rollfilm Typ 120 oder 220
belichten lässt.
Wer Lust hat, mit diesem "King-Size" Mittelformat zu photographieren, muss zunächst mal NICHT
sehr tief in die Tasche greifen. Eine Unzahl hervorragend guter Faltkameras der 1930er bis 1960er
Jahre bedienen dieses Filmformat wirklich gut!
Nachteil aber ist, dass alle diese Kameras auf ihre Normalobjektive beschränkt sind. Als
Normalbrennweiten wurden häufig 105mm Objektive, seltener 110mm
verbaut. 105mm an 6x9 entsprechen übrigens genau 44mm an Kleinbild.
Da das Seitenverhältnis das selbe ist (3:2) ergibt sich ein Cropfaktor (bezogen auf KB) von 0,5.
Will sagen, ein 65mm Objektiv hat den ungefähren Bildwinkel eines 32mm KB-Objektives ....
(ganz genau entspricht es einem 28mm) .... aber über den Daumen kann man die Brennweite
in etwa halbieren, um eine Idee zu haben, wie Brennweiten und Bildblickwinkel zusammen hängen.
6x9 Systemkameras für Wechselobjektive:
Und jetzt wird die LUFT sehr dünn, denn es gab (gibt) ganze zwei Kamerasysteme,
die es ermöglichen 6x9 mit Wechselobjektiven zu photographieren, die hier
vorgestellte Mamiya PRESS und die FUJICA G690 ....
Beide sind Messsucherkameras ... zur Technik komme ich später in den Details.
Die hochgehypte FUJICA (eigentlich eine tolle Kamera und das viel modernere Kamerakonzept),
scheidet leider wegen NICHTVERFÜGBARKEIT aus! Kamera mit 100mm Normalobjektiv kann man
für UNSUMMEN zwar bekommen, die wenigen verfügbaren Wechselobjektive sind aber so
phantastisch teuer und so selten überhaupt im Handel, dass die Fuji leider deswegen keine Rolle
spielen kann.

Aufnahme Mamiya Press (SEKOR-P 250mm/F:8) auf Fomapan 400 ... in D76 1+1
bei 25 Grad entwickelt
Allerdings gibt es eine andere Möglichkeit, 6x9 Tele- und Weitwinkelphotos zu machen und
das ist die Nutzung einer Großformatkamera mit einem angesetzten 6x9 Rollfilmrückteil ....
und so wird es von den meisten 6x9-Fans auch gemacht .... mit einem gravierenden Nachteil ....
Großformater haben entweder gar keine Messucherfokussierung ODER (bei wenigen LUXUS-
Laufbodenkameras, nie aber bei Studiokameras verfügbar) es gibt einen Seitenachsen
Messsucher, selbiger arbeitet aber immer nur für das Normalobjektiv, weil ja über die
Verschiebung der Frontstandarte fokussiert werden muss. Werden Weitwinkel- oder
Teleobjektive genutzt, dann muss also immer umständlich auf der Mattscheibe fokussiert
werden (also Stativzwang!) und nur für statische Motive so möglich.
Möchte man tatsächlich mit verschiedenen Brennweiten heute noch 6x9 aus der Hand
photographieren, dann bleibt leider nur ein einziges Kamerasystem übrig, das noch
verfügbar und bezahlbar ist, die MAMIYA PRESS, die ich hier vorstelle.
Ich wünsche viel Spaß bei einer Zeitreise, die 1960 mit der Vorstellung der ersten Mamiya
Press begann und bis heute andauert, denn die Sachen sind noch verfügbar .... natürlich
gebraucht und ohne jegliche Hersteller-Unterstützung ... denn Mamiya gibt es ja nicht
mehr und die Mamiya Press wurde um 1990 endgültig eingestellt. Wie auch immer ...
Mamiya UNIVERSAL-Press (Modell 1969)

Mamiya "UNIVERSAL" Press (1969) … das letzte Modell der "PRESS" Serie.
UNIVERSAL heißt sie, weil ihr "Rückadapter" tauschbar ist! Der serienmäßige "M" Adapter
"Mamiya" kann gegen einen "G"-Adapter getauscht werden, so dass dann ein GRAFLEX 6x9
GRAFLOK-Rückteil angeschlossen werden kann und so alle GRAFLOK-kompatibelen Rollfilm-
oder Planfilm-Rückteile alternativ auch passen ... ich gehe auf solche Details hier mal NICHT
ein ... es würde zu komplex.
Ich selber arbeite nur mit Mamiya-Teilen ... und so werden auch fast alle Kameras angeboten.


Hier der "M-Adapter", der nur an der "Universal" gegen den seltenen "G-Adapter" austauschbar ist.
Kameragehäuse:
Das eigentliche Kameragehäuse ist ein (vermeintlich) leerer Kasten .... nix Dolles .... sollte man meinen
aber dem ist NICHT so, denn dieser Kasten beinhaltet ein superwichtiges und sehr ausgeklügeltes
Seitenachsen-Messsuchersystem, auf das ich noch genauer eingehen werde und das für das gesamte
Kamerasystem sehr wichtig ist. Dieses Suchersystem wurde deswegen in 1967 mit Einführung der
SUPER 23 ERHEBLICH verbessert und ist natürlich auch Bestandteil der UNIVERSAL, die –wie gesagt-
in 1969 debüttierte.
LINKSAUSLÖSER:
Leider fängt es an dieser Stelle (für mich!) an, wirklich ärgerlich zu werden! Wenn mich etwas an der
Press GRUNDSÄTZLICH STÖRT, dann ist das ihre IMHO völlig fehlkonstruierte Linksgriff-Auslösung
über einen in diesen Griff integrierten Drahtauslöser:

Über ERGONOMIE darf gestritten werden! Ich kann's nicht gut haben, mit rechts zu fokussieren
und mit links auszulösen! Ich brauche das (nach Möglichkeit) richtigrum ... aber das ist NICHT
alles! Man DARF DIE Kiste mit montiertem Drahtauslöser -allen Ernstes- NICHT abstellen! Der
Edding, den ich da unterlege, dient dazu, dass der Drahtauslöser nicht am Objektiv HEBELT und
so die Feinmechanik verbiegt bzw. zerstört. Ferner macht der IMHO unsinnige Griff, die Kamera
nicht "handlicher", sondern zum Monster, das so in keine Phototasche mehr passen kann ...
ewiges An- und Abbauen des Griffes soll dann "Spaß" machen?
RECHTSAUSLÖSER (Eigenbau)
Kurz .... ich habe einen intelligenteren Rechtsauslöser gebaut und so sieht er aus:



Mit montiertem Rollfilm-Back hat die PRESS ein tadelloses Handling (eben OHNE den dämlichen
Griff) und jetzt auch ergonomisch sinnvolle Rechtsauslösung.
Die Mamiya kann jetzt auch völlig gefahrlos –MONTIERT- abgestellt werden.
Dadurch dass ich eine "Zwischen-Gewinde-Stativschraube" verwende, verliere ich noch nicht
einmal den so "missbrauchten" zusätzlichen Hochformat-Stativanschluss ... die Kamera
kann also auch mit montiertem Rechtsauslöser hochformat auf ein Stativ geschraubt werden.
Das nun überflüssige Griffgewinde schütze ich mit einem dafür angepassten Bakelit Flaschenverschluss.
Dafür einen solchen Deckel mit viel Gefühl erhitzen und warmformen! Vorsicht! Bakelit ist eigentlich
KEIN Thermoplast .... löst sich bei Überhitzung komplett auf! Den heißen, dann teigig weichen Deckel
dann mit Lederhandschuh warm aufschrauben! Das notwendige Innengewinde schneidet sich dann selber ......

Sucherproblematik (gut gelöst!):
Für das größte Mittelformat bietet sich wirklich keine Spiegelreflex-Lösung mehr an! Ein dafür
erforderlicher Spiegel wäre riesig, würde zu enormen Erschütterungen führen und hätte ein sicher
"ordentliches" Auslösegeräusch zur Folge!
Viel WICHTIGER und bei solchen Forderungen ständig vergessen ... der Spiegelschwingkreis!
Spiegelreflex-Kameras erschweren und verteuern die Rechnung von Weitwinkelobjektiven ENORM.
Die sog. Retrofokus-Bauweise, die es umständlich ermöglicht, größere Rücklinsenabstände zu rechnen,
als der Brennweite entsprechen, macht Weitwinkelobjektive für den RIESIGEN 6x9 Ausleuchtungskreis
zum Abenteuer. Fakt ist, es gab nie Retrofokus-Weitwinkel für mehr als 6x7 Kameras (mir fällt auch
für 6x7nur noch die PENTAX 67 ein, die eine 6x7 SLR ist.)
Es kommt also für dieses Format nur ein Seitenachsen-Messsuchersystem infrage, das von Mamiya
HERVORRAGEND gut gelöst werden konnte ... allerdings erst ab 1967 / 1969 mit den beiden "neuen"
Modellen, weswegen ich die älteren PRESS - Modelle deswegen nicht empfehlen möchte.
Es gelang, einen MOTIV/Messucher mit perfektem Parallaxenausgleich gleich für drei Brennweiten
in das Kameragehäuse einzubauen! Der Sucher lässt sich dementsprechend dann einfach umschalten:



je nach gewählter Brennweite werden dann die passenden CROP-Lines in den Sucher eingeblendet
und genau passend zur Fokussierung dann verschoben. In der Suchermitte ist ein glasklar
sichtbares Mischbild-Feld zur exakten Echtzeit-Fokussierung ... besser geht nicht:
Sucher mit Crop-Lines je nach Brennweite:
Die Crop-Linien zeigen den genauen Bildausschnitt für 6x9 bzw. 6x7 ... dazu später mehr!




Aufnahme Mamiya UNIVERSAL PRESS (SEKOR P 150mm auf FOMAPAN 400 +
KODAK D76 1+1 Entwicklung)
Parallaxenproblematik:
Seitenachsensucher müssen IMMER desachsiert sein, will sagen, Du guckst etwas neben der
optischen Achse auf das Motiv. Bei großen Motivabständen ist das völlig egal, spielt quasi gar
keine Rolle, Will man aber bei nahen Motivabständen GENAU komponieren, muss diese
Abweichung zwischen Sucherbild und tatsächlicher Aufnahme wirklich exakt ausgeglichen
werden und das kann die Press tatsächlich!
Der Sucher der Mamiya ist sowohl horizontal, wie vertikal desachsiert (versetzt) und so werden
die Crop Linien je nach Fokuseinstellung in beiden Ebenen passend verschoben.
Irgendwo ist natürlich die Grenze eines Suchers erreicht! Für die drei verfügbaren Weitwinkel-
Objektive gibt es dann passende Aufsteck-Sucher. Fokussiert wird dann eben über das Kameragehäuse,
der Bildausschnitt dann über den Aufsteck-Sucher gefunden.
Hier der Aufstecksucher für das 65mm Weitwinkel:

Auch die Aufstecksucher bieten Croplines für 6x9 und 6x7 Aufnahmeformate und einstellbaren
Sucherparallaxenausgleich. Vergessen werden sollte nicht, dass man für ein SEKOR-P
("P" für PRESS) Weitwinkel immer auch den passenden Sucher benötigt!!!
Die Mamiya Press als Multiformat-Mittelformater:
Wenn man die Mamiya Press als 6x9 Mittelformat-Systemkamera bezeichnet, dann ist
das STARK untertrieben denn sie kann tatsächlich ALLE-Mittelformate belichten und
sogar auch noch das kleinste Großformat (6,5x9 Planfilm!)
Hier mal das Mattscheiben-Rückteil der PRESS mit 6,5x9cm Planfilmkasetten



Es gibt sogar doppelseitige Planfilmkassetten.....


Solche Kassetten sind aber superselten und haben eher mal Sammlerwert ... ich habe sie nicht gekauft
... sie waren "Beifang". Tatsächlich machte schon "damals" das kleinste Großformat nie wirklich Sinn,
weil ja nur MINIMAL größer, als 6x9 Rollfilm und von daher nicht wirklich sinnreich.
Heute ist 6,5x9 Planfilm netterweise immer noch von FOMA lieferbar .... großes Kompliment an die
Firma, die noch ALLE Großformate liefert ... auch Vorkriegsformate wie 10x15 u.s.w.!

Aufnahme MAMIYA UNIVERSAL PRESS (SEKOR P 65mm F;6,3 Entwicklung KODAK D76 1+1)

AUFNAHME MAMIYA UNIVERSAL PRESS SEKOR P auf FOMAPAN 400 DEV KODAK D76 1+1
MITTELFORMATE mit der MAMIYA PRESS:
Hier mal ein Mamiya Press Film 6x9 belichtet:

.....und hier ein Film 4,5x6 "645" belichtet ....

Tatsächlich kann die Mamiya Press wahlweise ALLE Mittelformate bedienen:
4,5x6
6x6
6x7
6x9
....jeweils mit den dafür geeigneten Rollfilm 120 Rückteilen:


Rollfilm-Backs:

Rückteil A (6x9): Automatischer Filmtransportstop (auch für Rollfilm 220)
Rückteil B (6x7): Automatischer Filmtransportstop (auch für Rollfilm 220)
Rückteil K (4,5x6/6x6/6x9) Nur manueller Filmtransport nur 120 Film)
Das Rückteil "K" ist besonders "versatil" denn man kann über das Einlegen von Blechmasken
das Aufnahmeformat ändern: 6x6 und 4,5x 6 mit Masken ... 6x9 ohne Maske:

Der Deckel bietet dann drei Schieber für die jeweiligen Zählspuren der genannten Aufnahmeformate:


Aufnahme Mamiya Universal Press (SEKOR 65mm F:6,3 4,5x6 + D76 1+1 DEV)
Sucheranpassungen:
Die beiden großen Mittelfomate 6x9 und 6x7 werden suchermäßig sowieso erfasst ... durch entsprechende
Croplinien. 6x6 kann man sich mit etwas Phantasie noch ganz gut "etwas enger" als 6x7 vorstellen,
spätestens aber bei dem (wie ich finde sehr interessanten) 4,5x6 Aufnahmeformat muss eine weitere
Sucheranpassung her!
Es gab für die "neuen" Modelle zahlreiche Suchermasken zu kaufen ... für alle erdenklichen Formate und Objektive,
die man heute aber kaum noch findet und die auch damals schon selten gekauft wurden....
Hier habe ich die wichtigste Maske .... 4,5x6 und 6x6 für das 100mm Objektiv:


Für "Weiteres" bietet es sich an, einen Taschenrechner zu verwenden und sich andere Brennweiten
und Formate selber auszurechnen! Einlegemasken, wie diese, lassen sich dann aus schwarzer
Pappe doch selber anfertigen!




Mit einem simplen Trick kann auch der Parallaxenausgleich ganz exakt mit den Masken genutzt werden!
Man blendet sich ganz einfach die 250mm Croplinien in den Sucher ein und guckt so durch den Sucher,
dass die Croplinien in der Mitte der Maskierung liegen.
Hier mal das "gesammelte" Format-und Sucherzubehör in einer dafür genutzten Lederschachtel:


Aufnahme MAMIYA UNIVERSAL PRESS (SEKOR P 65mm 4,5x6 DEV KODAK D76 1+1 auf FOMAPAN 400)
Fokussieren unterhalb der Messsucher-Distanzen.
Seitenachsen-Messsucher finden ihre Grenze natürlich in einer endlichen Nahgrenze, die auch von der
Brennweite abhängt. Will man kürzere Distanzen fokussieren, dann bietet die Mamiya Press ein
Zwischenringsystem und parallel dazu auch einen "Spacer", der zusätzlich auch noch das Rückteil vom
Kameragehäuse abrücken kann:
Fokussiert werden muss dann auf einem hinten montierten Mattscheiben-Rückteil, das gleichzeitig
dann auch der Planfilmhalter ist:
Zwischenringe, Spacer und das Mattscheiben-Back

Die Press mit montierter Mattscheibe:

Die zu dunkele Mattscheibe habe ich mit einer dafür angefertigten Fresnel-Linse aufgehellt.

Schnelles Arbeiten oder aus der Hand ist im Ultranahbereich also unmöglich!
Hier gilt ganz klar Stativzwang!
Um dann tatsächlich zu Photographieren muss im einfacheren Fall ein Planfilm eingeschoben
werden ODER das Mattscheiben-Back komplett gegen ein Rollfilm-Back ausgetauscht werden
.... das ist Großformat-Umstand!

Aufnahme MAMIYA PRESS (SEKOR P 100mm f:3,5 auf FOMAPAN 400 DEV KODAK D76 1+1)
Objektive für die Mamiya Press:

Ich bleibe hier KURZ .... die sind natürlich alle makellos genial gut ... ansonsten hätte das ganze
Kamerasystem nie Sinn gemacht.
Ich habe hier mal das 65mm, das 100/f:3,5mm, das 150mm und das 250mm/F:8
Das ist eine schön gestaffelte Auswahl aus insgesamt 10 möglichen Objektiven des Systems.
Bis 1967 wurden die älteren PRESS-Modelle mit einem 90mm/f:3,5 ausgeliefert ... mit entsprechend
angepassten Sucher dafür, ab 1967 dann mit einem (einschiebbaren) 100mm/f:3,5
Besonders gesucht ist das 100mm/f:2,8, das natürlich eine für diesen riesigen Ausleuchtungskreis
beeindruckende Offenblende hat. Dagegen spricht nur eines ... der Preis.....
Interessiert man sich für Aufnahmeformate KLEINER als 6x7, dann gilt es zu berücksichtigen,
dass man es dann mit anderen Cropfaktoren zu tun bekommt. Das "normale" 100mm rückt
dann in den Telebereich.
Es gelten für die verschiedenen Mittelformate folgende Brennweiten als "normal".
6x9: 100-110mm
6x7: 90-100mm
6x6: 75-85mm
4,5x6: 75mm
Für die kleineren Formate sollte man also eines der drei Weitwinkel-Objektive anstreben.
50mm / 65mm / oder 75mm
Bei dem günstigeren 250er (also meinem F:8) gilt es zu wissen, dass es KEINE Messsucherkopplung
hat. Man "soll" es also ohne Mattscheibenfokussierung nur ab mindestens 7m Motivabstand und dann
geschätzter Fokussierung nutzen.
Man kann aber auch einen ungekoppelten Mischbild-Entfernungsmesser nutzen ... hier gezeigt ...

... und dann die so gemessene Entfernung auf das Objektiv übertragen. Die Sucherparalllaxe
muss dann (wie bei vielen anderen Kameras) im Nahbereich "geschätzt" werden.

MAMIYA UNIVERSAL PRESS + SEKOR P 65mm 6,3 + FOMAPAN 400 + D76 1+1 auf 4,5x6
Historisches:
Die Mamiya Press kam 1960 als angedachte "Pressekamera" reichlich SPÄT.
Angedacht war zunächst, eine etwas leichtere Alternative zu den seit den späten 1930ern
sehr erfolgreichen GRAFLEX Presse-Großformatern zu bieten.
Allerdings wurden in den 1960ern schon mehrheitlich deutlich kleinere und praktischere
Aufnahmeformate und VIEL einfacher bedienbare Kameras eingesetzt. Als Pressekamera
wurde sie deswegen ein ziemlicher FAIL ... aber ... und erfreulicherweise... fand die "PRESS"
ihre Fans ganz wo anders ... nämlich in der Mode-Portrait und hochwertigen Landschaftsphotographie.
Auch im Studio wurde die "PRESS" gerne für hochwertige Aufnahmen auf Film eingesetzt.
Ihr Einsatz als 6,5x9 Großformter blieb natürlich überschaubar ... der Rollfilm war ihre wirkliche
Stärke und es sollte NIE etwas vergleichbar leistungsfähiges für 6x9 Rollfilmnutzung geben.
Während die Mamiya Press in Kontinentaleuropa selten blieb (wohl ihre Fans hatte) war sie
in Fernost ein beachtlicher Verkaufserfolg!
Wer heute eine hat, gibt sie LEBEND nicht ab! Ich übrigens auch nicht!
Wer heute eine haben will, kommt SELTEN an Japan vorbei, wo man fast alles bestellen kann.
Das klappt über die ja bekannte Verkaufsplattform zwar gut ABER ES MUSS mit erheblichen
Zusatzkosten gerechnet werden!
Auf die SUMME aus Kaufpreis und Versandkosten kommen noch Importzoll und die deutsche
Umsatzsteuer, denn wir haben KEIN Freihandelsabkommen mit Japan. Rechnen muss man also
Kaufpreis plus Versandkosten Plus ca. 35% auf beides!
Sinn macht ja NUR ein PRESS-Kamerasystem ... nur das 100mm Standardobjektiv macht ja
wenig Sinn. Muss man ein solches Kamerasystem aus (durchaus verfügbaren) Einzelteilen
zusammenstellen, dann wird das SEHR TEUER!
Ich habe meinen Kram (fast) komplett aus einer Sammlungsauflösung im Set und in Deutschland kaufen
können .... so ging's preislich .... und nur deswegen auch. Ich habe NICHT gezögert ... sowas ist SELTEN!
Technische Probleme mit der bis zu 65 Jahre alter Phototechnik:
Ganz KLAR!! Ja ... es gibt technische Probleme mit diesen alten und durchaus empfindlichen Sachen.
Ein Kauf ist besondere Vertrauenssache und etwas für KENNER auf Käufer- wie Verkäuferseite, sonst
ist die Gefahr, dass das in die Buchse geht ERHEBLICH!
Problematisch ist am Kameragehäuse das hochkomplizierte Messsuchersystem, das nicht selten leider
"verpeilt", verdreckt, verpiltzt oder durch Sturzschäden in Mitleidenschaft geraten ist.
Fast IMMER kann man das richten, wenn man mit Verständnis, Fingerspitzengefühl und viel
Geduld dieser Feinmechanik/Feinoptik begegnen kann. Es gibt im Netz Anleitungen und Zeichnungen
für solche Eingriffe. Für Ersttäter ist so was gar NIX!
Jedes Objektiv hat einen eigenen kompletten Zentralverschluss, der ebenfalls uralt ist und die
von mir schon so oft genannten Probleme machen kann.
Die alten Linsensysteme sind vom Feinsten, wenn alles sauber und klar ist ... aber NUR dann.
Problem Lichtdichtungen:
Hier sieht man, was ich meine:

Das 6x9 Back hatte LEICHTEN Lichteinfall ... noch nicht relevant ... aber hier bei starkem
Sonnelicht beim Testfilm nicht übersehbar!
Diese Lichtdichtungen sind bei ALLEN Rückteilen IMMER hinne und müssen deswegen
auch IMMER erneuert werden:


Der uralte Schaumstoff ist zu TEER zerfallen und macht den job nicht mehr!
Der Dreck muss mit Isoprop gelöst und entfernt werden!
Fortsetzung folgt!
Grüße
Klaus
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