Aufnahme auf 9x12 Planfilm FOMAPAN 100
PLANFILME RICHTIG HERUM EINLEGEN
Die alten Glasplatten wurden ja in der Fabrik mit einer an ihnen haftenden lichtempfindlichen Schicht (Emulsion) beschichtet und natürlich muss diese Schicht beim Laden der Kassetten oben liegen. Die Platten waren NICHT gekennzeichnet, sondern waren in den Schachteln so verpackt, dass die "Schicht", wie man sagte oben lag! GESETZ war es, die Platten NIEMALS umzudrehen ... sie wurden später auch "Schicht-oben" in Laborschalen entwickelt.
Bei den Glasplatten wird aber ein erfahrener Dunkelkamerad auch bei Finsternis die "Schicht oder Emulslion" ertasten können, denn sie fühlt sich etwas "stumpfer" an als die Glasträger-Gegenseite.
Bei Planfilm hätte man keine Chance, die Schichtseite zu ertasten ... deswegen gibt es da IMMER eine Hilfe.
Planfilmblätter haben immer eine Tastkerbe, die wie gezeigt OBEN RECHTS zu tasten sein muss. Dann guckst Du auf die "Schicht" will sagen die lichtempfindliche Seite liegt dann oben. Fühlt man die Kerbe auf der linken Seite, dann liegt die "Schicht" eben unten und das Blatt muss umgedreht werden.
Diese Kerben sind je nach Hersteller sehr unterschiedlich, dienen auch manchmal dazu, Planfilme im dunkeln identifizieren zu können (nach Hersteller, Filmart und Empfindlichkeit), sind aber immer gut tastbar und gehören IMMER nach OBEN RECHTS, wenn der Film in die Kassette eingelegt wird!
Hier mal ein entwickelter Planfilm meiner "Hausmarke" FOMA: Bei Foma besteht die "Kerbung" nur aus einem einfachen gut tastbaren Halbkreis. Hier liegt das Negativ auf dem Lichtpult und liegt "LINKS" und eben NICHT "RECHTS". Das bedeutet, dass jetzt die "SCHICHT" unten liegt und wir auf den Träger gucken. So entsteht in der Betrachtung dann ein seitenrichtiges Bild.
Planfilme entwickeln:
Die Budget Methode:
Gemacht habe ich es so noch nie, aber eine (wenig bekannte) Methode, über die ich mal las, besteht darin, die Planfilme einfach (Schicht nach Innen!) in ein Haargummi zu legen und in einer ganz normalen Film-entwicklungsdose zu entwickeln (hier eine Jobo 1.000) Dabei kann man bis zu drei der Filme gleichzeitig entwickeln! Es darf NICHT vergessen werden, den Spulenkern mit in die Dose zu legen, denn sonst ist sie natürlich nicht lichtdicht!!!
Es gibt viele (professionelle) Lösungen, um 9x12 Planfilm zu entwickeln. Ich selber nutze dafür gemachte alte Spindeln von JOBO für das Tanksystem 2000.
Die Filme bei absoluter Dunkelheit da reinzufummeln ist Übungssache aber kein Hexenwerk. Ich zeige das hier mal in einem Kurzvideo mit "Betonung" der Tastpunkte und wie man "ertastet", ob die bis zu sechs Filme dann auch richtig liegen:
Hier mal ein hoffentlich selbsterklärendes Kurzvideo, zum Laden einer JOBO 9x12 Spindel.
Das Hantieren muss selbstverständlich bei absoluter Dunkelheit erfolgen ... ich betone deswegen die
geeignete HAPTIK ohne Sichtkontakt!
KURZVIDEO: "Spindel laden"
Anhang anzeigen Spindel Laden.mp4
Es ist bei absoluter Dunkelheit und beim ersten Mal nicht einfach aber schon die zweite "Beschickung der Spindel geht dann "wie von selber".
Ob die "Schicht" hier innen oder außen liegt, ist hupe. Wichtig ist es, die Nuten –wie gezeigt) genau abzuzählen und von innen nach außen die Spindel zu laden.
Hier zeige ich gerade entwickelte (noch nasse) Planfilme bei der Endwässerung;
Es ist grundsätzlich möglich und oft schon beschrieben, Großformate auf Photopapier anstatt auf Planfilm zu belichten!
Ich hatte darüber schon geschrieben und es sogar (mit viel Mühe!) geschafft, Farbphotopapier als Aufnahmemedium zu verwenden.
Farbphotopier muss aber bei der Aufnahme aber soooo stark gefiltert werden (anderes Thema), dass das zwar grundsätzlich möglich, aber kaum noch sinnvoll ist.
Ich hatte (nach Vorsatz starker KOKIN-Filterpakete) keine Knackschärfe mehr und eine effektive ISO von etwa 1,5 .... was permanenten Stativzwang bedeutet.
Die Verwendung von Schwarzweiß-Photopapier ist grundsätzlich aber möglich, preiswert und machbar .... und jetzt kommt das ABER!!!
Meine Versuche endeten mit einer ISO-Empfindlichkeit von ISO-3 (FOMAPAN Multigrade-Glossy-Papier.
Ferner muss man berücksichtigen, dass Photopapier IMMER isochromatisch sensibilisiert ist (also total Rotblind) und im Grunde NUR blausichtig ist. Will sagen, man erreicht mit Photopapier den absolut historischen ORTHO-Look, der alles, was ROT ist PECHSCHWARZ zeichnet .... ein Hellrotes Auto wird also pechschwarz erscheinen .... Dieser spezielle ORTHO-Look kann bei Landschaft und Architektur sehr ansprechend und interessant enden .... sehr problematisch bleiben allerdings Portraits, weil Hauttöne nun mal ROT enthalten und gerade Hautunreinheiten orthochromatisch extrem betont werden.
Wenn Photopaier genutzt werden soll, dann MUSS es unbedingt 100 %ig genau auf das genannte exakte 9x12-Maß zugeschnitten werden! Ansonsten klemmen die Papiernegative in den Haltern, fallen heraus usw. .... werden mehr Frust als
Freude bereiten!
Mein Rat ist, doch schon in Planfilm zu investieren! FOMA bietet SW-Planfilm im Format 9x12 noch an .... zu wirklich sehr günstigen Preisen und das Material steht weit teurerem Material meiner Meinung nach nicht wirklich nach!
Handhabung einer Laufbodenkamera:
Oft wird falsch dargestellt, als müsse man IMMER erst über die Mattscheibe einer
Großformatkamera das Motiv finden und auch fokussieren. Das stimmt so absolut NICHT!
Gerade bei Landschaft oder Architekturaufnahmen ist dieser Umstand oft nicht nötig. Wirklich erforderlich wird das Benutzen der Mattscheibe NUR, wenn auf geringe Distanzen ganz exakt fokussiert werden soll (Portraitbereich z.B.) Oder , wenn z,B. stürzende Linien über das Verstellen der SHIFT-Standarte (Objektivstandarte) korrigiert werden sollen. Dann geht es nicht anders, dann muss erst die Mattscheibe bemüht werden und anschließend der für Planfilm umgebaute Planfilmhalter.
Ferner stimmt es gar nicht, dass alle Großformat-Kameras immer auf ein Stativ müssen. Wenn mit verwackelungssicheren kurzen Verschlusszeiten gearbeitet werden kann, dann kann ohne Weiteres auch aus der Hand photographiert werden ... zumal mit modernen lichtempfindlichen Filmen unserer Tage.
SUCHER einer Laufbodenkamera:
Rahmensucher:
Manche gut ausgestattete Laufböden haben klappbare Rahmensucher, die sich tatsächlich besser nutzen lassen, als man meinen könnte.
Solche Rahmensucher haben natürlich reletiv "kräftige" Parallaxenfehler und sind daher für den Nahbereich ungeeignet. Für Entfernungen ab 3m sind sie (wie gesagt) gar nicht mal schlecht.
Brillantsucher:
Praktisch alle Laufböden haben die sehr praktischen, parllaxefehlerarmen Brillantsucher vorne an den Objektiven, so nahe an der optischen Achse, dass bis in den Nahbereich kaum ein Prallaxenfehler zwischen Sucherbild und Aufnahmeausschnitt entstehen kann. Diese Sucher sind überaus nützlich, lassen sich von Hoch- auf Querformat umstellen, so dass man immer von oben reinschauen kann.
Brillantsucher liefern immer ein aufrechtes aber seitenverkehrtes Sucherbild, an das man sich gewöhnen muss. (Anmerkung: Das Mattscheibenbild ist beides ... auf dem Kopf stehend und auch noch seitenverkehrt .... eine echte Herausforderung!)
Aufstecksucher:
Aufstecksucher sind i.d.R. nicht original, sondern aus viel späterer Zeit.
Auch die Norm-Blitzschienen, die ich an meine beiden Reisekameras montiert habe, gab es vor 100 Jahren natürlich noch nicht .... das war ja noch die Zeit, als blitzende Photographen keine langen Haare hatten!
Ich gönne mir zum tatsächlichen Photographieren aber gerne moderne Aufstecksucher, die die Möglichkeiten der Laufböden dann doch schön erweitern.
Entfernungsmessung:
Klassische Laufbodenkameras haben KEINE Entfernungsmessung, man kann aber Entfernungen über Skalen exakt einstellen, wenn man sie kennt. Wenn man also keine Zeit hat, über die Mattscheibe der Kamera zu fokussieren muss man sie messen, oder einen Entfernungsmesser nutzen und dann die ermittelte Entfernung an der Kamera einstellen. Hier ein Mischbildentfernungsmesser aus den 1950er Jahren .... ebenfalls viel jünger als die Kameras.
Man nennt dieses Vorgehen "Ungekoppelte Entfernungsmessung". Der Entfernungsmesser hat also keine Kopplung mit der Fokussierung der Kamera. Die damit ermittelte Entfernung muss also manuell an der Kamera eingestellt werden.
OBJEKTIVE UND VERSCHLÜSSE:
Grundsätzlich bilden bei (FAST!) allen Großformat-Kameras Objektiv und Verschluss eine kompakte Montageeinheit:
Diese Einheit wird dann so in die sog. Objektivstandarte der Laufbodenkamera eingebaut. Im Gegensatz zu späteren Konstruktionen hat die Generation "Reisekamera" noch keine Option für Wechselobjektive. Alle Reisekmeras haben also fest verbaute Normalobjektive .... der vielleicht einzige Nachteil gegenüber Späteren MONO-RAIL Studiokameras oder moderneren Laufböden späterer Jahre. Bei Systemen mit Wechselobjektiven sind die Objektive dann auf sog. Wechselplatinen vormontiert und werden dann zusammen mit den Platinen in die Objektivstandarten der Kameras eingehängt.
Großformat Objektive haben KEINE eingebaute Fokussierung. Fokussiert wird immer über den verstellbaren Laufboden der Kameras.
Bauartbedingter Nachteil der Genaration 9x12 Reisekamera ist also, dass damit KEINE WEITWINKELAUFNAHMEN möglich sind.
An Weitwinkelobjeltive dachte damals noch niemand ... alle dieser Reisekameras 9x12 haben also Normalobjektive .... üblicherweise 135mm Brennweite ... seltener 140mm und sehr selten 150mm (Wenn die Kamera ein 150mm Objektiv hat, dann ist es wahrscheinlicher, dass man es mit einer der seltenen 10x15cm Kameras zu tun hat oder gleich mit einer 4x5 inch ... da sind nämlich 150mm Normalbrennweite.)
Dass man mit einer 9x12 Reisekamera TROTZDEM WEITWINKEL photographieren kann, zeige ich weiter unten, denn GEHT NICHT GIBT's ja nicht!!
FRÜHE OBJEKTIVE:
Zur ersten Generation (später im preiswerten Segment immer noch zu finden) gehören die sog. ACHROMATEN in technisch einfachen Rotationsverschlüssen:
Achromaten sind einfache verkittete Zweilinser aus einer Kombination zweier Glassorten mit unterschiedlichen Brechungseigenschaften Kronglas und Flintglas.
Mit solchen "Achromaten" war es zunächst einmal möglich, den Haupt-Linsenfehler, die "Chromatische Abberation" zu korrigieren. Alle anderen Linsenfehler lassen sich mit solchen Rechnungsn leider nur ankorrigieren aber nicht grundsätzlich beheben. Die einzige Möglichkeit, mit solchen Objektiven ordentliche Aufnahmen zu machen war, die Offenblenden sehr klein zu halten. Linsenfehler verstärken sich DRASTICH zum Rand der Linsen hin. Will man sie klein halten, muss also bei solchen Konstruktionen der Radbereich wegfallen und die Öffnung sehr klein gehalten werden.
Dieser Achromat hat eine Offenblende von F:12,5:1 ....
Der einfache Verschluss hat nur drei Einstellungen:
TOGGLE: "Umschaltung auf DAUERND GEÖFFNET oder ZU zum Einstellen auf der Mattscheibe"
BULB Die bekannte Dauerbelichtung solange "gedrückt"
MOMENTAUFNAHME .... ich vermute (so nach Auge) etwa 1/25s ... ich finde keine technische Dokumentation zu diesem Verschluss der Firma ICA-Dresden.
Ich sage es mal so .... für die Vitrine ganz nett, zum Photographieren heute eine wirkliche Zumutung! Blende 12,5 OFFEN ist so dunkel auf der Mattscheibe, dass man praktisch nichts erkennen kann und selbst auf 9x12 schon viel zu tiefenscharf, um den Fokus exakt setzen zu können. Der Verschluss ermöglicht im Grunde nur Langzeitbelichtungen mit "B" ... damit geht also photogrphisch praktisch nichts mehr!
Hier habe ich den Linsen-Achromaten mal zerlegt ... man sieht die einzige verkittete Linsengruppe hier ganz gut:
Diese Optik habe ich tatsächlich aus der Reisekamera ausgebaut und wirklich in die Vitrine gelegt ... warum, dazu weiter unten ...ich habe ein anderes Objektiv an seiner Stelle in die ICA-Dresden Kamera eingebaut ... ein sehr viel jüngeres!
Fortsetzung folgt!
Grüße und RETTET FILM
Klaus