Klaus-R
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Hallo zusammen,
Die Chinesen kommen mit einem dritten Objektiv, das ein sehr starkes Argument auf seiner Seite hat .... den unschlagbaren Neupreis.
Yongnuo (gesprochen "Jongno") bietet ein EOS-EF-kompatibeles 35mm/2,0 an .... zum derzeitigen Preis von 100,-€.

Das YN/35mm/2,0 kommt in schlichter Kartonverpackung praktisch nur per Post. Es scheint auch nur einen einzigen Importeur zu geben, der über die bekannteste Verkaufsplattform anbietet. Ich würde von Angeboten aus China lieber die Finger lassen .... dauert ewig und geht nicht ohne den Zoll. Ggfls. also darauf achten, dass das Gläsachen in Deutschland (oder einem EU-Land) lagernd ist.
WICHTIG: Ich vergleiche hier Aufnahmen für die Vollformat-Nutzung des YNs. Das Objektiv stellt sich für APS-C Nutzung ganz anders da!
Allgemeines:
Blende 2,0 (offen!) ist für eine 35mm Festbrennweite an Kleinbild eine sehr ambitionierte Maximal-Öffnung. Da können einfach keine WUNDER erwartet werden .... auch bei deutlich teureren Vertretern dieser Brennweitenklasse. Die Frage sollte also weniger sein, ob bei sehr kleinen Arbeitsblenden ein perfektes Bild gezeichnet wird, sondern, ob man solche Blenden überhaupt gebrauchen kann (sonst ja sinnlos!)
Im weiteren finde ich sehr interessant, wie sich ein solches Objektiv auch abgeblendet verhält. Es ist nämlich mitnichten so, dass jedes Objektiv durch Abblenden scharf zeichnet oder alle seine Fehler verliert. Ich habe durchaus in Jahrzehnten der Knipserei doch auch einige wenige "Flaschenböden" im Regal-2 stehen, die einfach keine ordentlichen Photos hergeben. Sowas ist dann definitiv schlecht! Schlecht ist IMHO eben nicht generell, was an Kleinbild keine perfekt scharfen Bildränder bei offener Blende zeichnet, abgeblendet aber eben dann doch .... ohne gesagt zu haben, dass es solche Spitzenobjektive nicht geben kann .... für sehr viel Geld und (praktisch immer!) bei unvergleichlich höherem Gewicht und Baugröße (aufgrund enorm komplizierter optischer Konstruktion).
Die Frage ist also nicht NUR ... "Was kann ich bezahlen?" sondern eben auch "was will ich z.B. schleppen" ... letztlich ja immer auch ... "Was brauch ich?" ... einen Flaschenboden braucht NIEMAND!
Testdurchführung:

Objektivtests sollten halbwegs sorgfältig durchgeführt werden, sonst kann man das gleich lassen! Das Testmotiv hat einen kleinen Haken! Die Türme rechts und links am Bildrand sind einige Meter kameranäher, als die Bildmitte der Burg-Vondern.
Ich habe das Gebäude deswegen leich schräg abgelichtet, damit Bildmitte und der RECHTE BILDRAND in einer Schärfeebene liegen. Der Linke Bildrand darf daher bitte NICHT beachtet werden. Bei großen Blendenöffnungen liegt der linke Turm MERKLICH vor der Schärfeebene und kommt unschärfer (bei allen Objektiven im Vergleich!)
Die Kandidaten:
Vergleichsweise möchte ich 35mm Brennweite mit verschiedenen Objektiven realisieren, die verschiedener nicht sein könnten! Eine Gemeinsamkeit haben sie (bei mir ja Programm!) .... sie belasten die Portokasse nicht sonderlich ... was sie können .... wir werden sehen:
Yongnuo 35mm/F:2,0 - Der Newcomer und Preisbrecher -
CANON EF/24-85mm / F:3,5-5,6 -Oldie but Goldie- ein CANON Klassiker
SOLIGOR 19-35mm / F:3,5-4,5 - Budget but Quality WW-Tipp
VIVITAR (SERIES 1) 35mm/F:2,8 Manueller M42 Oldtimer (seinerzeit ein sehr geschätztes 35er)
Die ersten drei Kandidaten sind EOS-AF-Objektive, das Vivitar muss natürlich manuell fokussiert werden.

Kamera: Ich habe mich für meine EOS-1Ds II entschieden, weil sie einfach einen traumhaft genauen und zuverlässigen AF hat und auch manuelles Fokussieren exakt ermöglicht.
Optimale Arbeitsblende für Architektur:
Keine Frage ... NIEMAND kann eigentlich auf die Idee kommen und Architektur (wie hier getestet) mit Blende 2,0 abzulichten.
Selbst dann, wenn die Optik (an Kleinbild) ein perfektes Bild zu zeichnen in der Lage wäre, bliebe das physikalische Problem der sehr dünnen Schärfeebene, die bei Architekturaufnahmen kaum passend zu legen wäre! Insbesondere dann nicht, wenn sowieso nicht exakt senkrecht auf die Baumasse ausgerichtet werden kann.
Ideal sind die Blenden 5,6 oder 8,0 für solche Zwecke .... mal ganz unabhängig von der maximalem Öffnung der Optik.
Bildfeldwölbung:
Die allermeisten Objektive teilen sich mehr oder weniger deutlich einen der vielen Abbildungsfehler, der insbesondere bei kurzen Brennweiten und bei hohen Lichtstärken nicht wirklich ganz zu beheben ist ... die sog. Bildfeldwölbung.
https://www.univie.ac.at/mikroskopie/1_grundlagen/optik/opt_linsen/5e_bildfeld.htm
Der KB-Bildsensor ist eine vergleichsweise riesige ebene (planare) Fläche. Das Objektiv zeichnet aber leider kein planares Bild sondern eine Kugeloberfläche. Bei Teleobjektiven ist dieser Effekt vernachlässigbar, da die "Zeichnungskugeln" einen sehr großen Radius haben und deswegen näherungsweise eine planare Fläche zeichnen. Bei kurzen Brennweiten entstehen kleinere "Zeichnungskugeln" und der Effekt (Fehler!) wird auffällig.
Der gezeichnete Fokus verschiebt sich leider zum Bildrand hin in Kamerarichtung. Beim Yongnuo ist es so, dass der Randfokus bei fokussierter Bildmitte auf Unendlich bei WENIGER ALS 4 METERN liegt.
Warum ist der Punkt wichtig? Ganz einfach! Randunschärfe kann sog. sphärische Unschärfe sein. Dann genau ist der Bildrand IMMER unscharf und es gibt keine Möglichkeit, am Bildrand scharf abzubilden. Ist der Bildrand aufgrund von Bildfeldwölbung unscharf, muss er nur anfokussiert werden, und er wird scharf gezeichnet ... natürlich zu Lasten der Bildmitte, deren Fokus deutlich weiter hinten liegt.
Unmöglich bleibt es natürlich, Architektur in einer einzigen scharfen Ebene zu erfassen, man kann aber ein Objekt oder ein Portrait am Bildrand scharf fokussieren ... dann, wenn die Bildmitte keine Schärfe erfordert .... oder umgekehrt ... und eben das ist eine wichtige Option.
Natürlich gibt es eine sichere Gegenmaßnahme gegen sog. Bildfeldwölbung und die heißt Abblenden.
:daumen:
Blende 5,6...
.... können sie alle und in den 70ern und 80ern war es sowieso selbstverständlich, dass die eigentliche Arbeitsblende von Weitwinkelobjektiven eben diese F:1:5,6 war.
Beim VIVITAR (dem Oldtimer!) ist sie deswegen auch farblich hervorgehoben ... das war bei sehr vielen Weitwinkeln so üblich.

Geht weiter .....
Die Chinesen kommen mit einem dritten Objektiv, das ein sehr starkes Argument auf seiner Seite hat .... den unschlagbaren Neupreis.
Yongnuo (gesprochen "Jongno") bietet ein EOS-EF-kompatibeles 35mm/2,0 an .... zum derzeitigen Preis von 100,-€.

Das YN/35mm/2,0 kommt in schlichter Kartonverpackung praktisch nur per Post. Es scheint auch nur einen einzigen Importeur zu geben, der über die bekannteste Verkaufsplattform anbietet. Ich würde von Angeboten aus China lieber die Finger lassen .... dauert ewig und geht nicht ohne den Zoll. Ggfls. also darauf achten, dass das Gläsachen in Deutschland (oder einem EU-Land) lagernd ist.
WICHTIG: Ich vergleiche hier Aufnahmen für die Vollformat-Nutzung des YNs. Das Objektiv stellt sich für APS-C Nutzung ganz anders da!
Allgemeines:
Blende 2,0 (offen!) ist für eine 35mm Festbrennweite an Kleinbild eine sehr ambitionierte Maximal-Öffnung. Da können einfach keine WUNDER erwartet werden .... auch bei deutlich teureren Vertretern dieser Brennweitenklasse. Die Frage sollte also weniger sein, ob bei sehr kleinen Arbeitsblenden ein perfektes Bild gezeichnet wird, sondern, ob man solche Blenden überhaupt gebrauchen kann (sonst ja sinnlos!)
Im weiteren finde ich sehr interessant, wie sich ein solches Objektiv auch abgeblendet verhält. Es ist nämlich mitnichten so, dass jedes Objektiv durch Abblenden scharf zeichnet oder alle seine Fehler verliert. Ich habe durchaus in Jahrzehnten der Knipserei doch auch einige wenige "Flaschenböden" im Regal-2 stehen, die einfach keine ordentlichen Photos hergeben. Sowas ist dann definitiv schlecht! Schlecht ist IMHO eben nicht generell, was an Kleinbild keine perfekt scharfen Bildränder bei offener Blende zeichnet, abgeblendet aber eben dann doch .... ohne gesagt zu haben, dass es solche Spitzenobjektive nicht geben kann .... für sehr viel Geld und (praktisch immer!) bei unvergleichlich höherem Gewicht und Baugröße (aufgrund enorm komplizierter optischer Konstruktion).
Die Frage ist also nicht NUR ... "Was kann ich bezahlen?" sondern eben auch "was will ich z.B. schleppen" ... letztlich ja immer auch ... "Was brauch ich?" ... einen Flaschenboden braucht NIEMAND!
Testdurchführung:

Objektivtests sollten halbwegs sorgfältig durchgeführt werden, sonst kann man das gleich lassen! Das Testmotiv hat einen kleinen Haken! Die Türme rechts und links am Bildrand sind einige Meter kameranäher, als die Bildmitte der Burg-Vondern.
Ich habe das Gebäude deswegen leich schräg abgelichtet, damit Bildmitte und der RECHTE BILDRAND in einer Schärfeebene liegen. Der Linke Bildrand darf daher bitte NICHT beachtet werden. Bei großen Blendenöffnungen liegt der linke Turm MERKLICH vor der Schärfeebene und kommt unschärfer (bei allen Objektiven im Vergleich!)
Die Kandidaten:
Vergleichsweise möchte ich 35mm Brennweite mit verschiedenen Objektiven realisieren, die verschiedener nicht sein könnten! Eine Gemeinsamkeit haben sie (bei mir ja Programm!) .... sie belasten die Portokasse nicht sonderlich ... was sie können .... wir werden sehen:
Yongnuo 35mm/F:2,0 - Der Newcomer und Preisbrecher -
CANON EF/24-85mm / F:3,5-5,6 -Oldie but Goldie- ein CANON Klassiker
SOLIGOR 19-35mm / F:3,5-4,5 - Budget but Quality WW-Tipp
VIVITAR (SERIES 1) 35mm/F:2,8 Manueller M42 Oldtimer (seinerzeit ein sehr geschätztes 35er)
Die ersten drei Kandidaten sind EOS-AF-Objektive, das Vivitar muss natürlich manuell fokussiert werden.

Kamera: Ich habe mich für meine EOS-1Ds II entschieden, weil sie einfach einen traumhaft genauen und zuverlässigen AF hat und auch manuelles Fokussieren exakt ermöglicht.
Optimale Arbeitsblende für Architektur:
Keine Frage ... NIEMAND kann eigentlich auf die Idee kommen und Architektur (wie hier getestet) mit Blende 2,0 abzulichten.
Selbst dann, wenn die Optik (an Kleinbild) ein perfektes Bild zu zeichnen in der Lage wäre, bliebe das physikalische Problem der sehr dünnen Schärfeebene, die bei Architekturaufnahmen kaum passend zu legen wäre! Insbesondere dann nicht, wenn sowieso nicht exakt senkrecht auf die Baumasse ausgerichtet werden kann.
Ideal sind die Blenden 5,6 oder 8,0 für solche Zwecke .... mal ganz unabhängig von der maximalem Öffnung der Optik.
Bildfeldwölbung:
Die allermeisten Objektive teilen sich mehr oder weniger deutlich einen der vielen Abbildungsfehler, der insbesondere bei kurzen Brennweiten und bei hohen Lichtstärken nicht wirklich ganz zu beheben ist ... die sog. Bildfeldwölbung.
https://www.univie.ac.at/mikroskopie/1_grundlagen/optik/opt_linsen/5e_bildfeld.htm
Der KB-Bildsensor ist eine vergleichsweise riesige ebene (planare) Fläche. Das Objektiv zeichnet aber leider kein planares Bild sondern eine Kugeloberfläche. Bei Teleobjektiven ist dieser Effekt vernachlässigbar, da die "Zeichnungskugeln" einen sehr großen Radius haben und deswegen näherungsweise eine planare Fläche zeichnen. Bei kurzen Brennweiten entstehen kleinere "Zeichnungskugeln" und der Effekt (Fehler!) wird auffällig.
Der gezeichnete Fokus verschiebt sich leider zum Bildrand hin in Kamerarichtung. Beim Yongnuo ist es so, dass der Randfokus bei fokussierter Bildmitte auf Unendlich bei WENIGER ALS 4 METERN liegt.
Warum ist der Punkt wichtig? Ganz einfach! Randunschärfe kann sog. sphärische Unschärfe sein. Dann genau ist der Bildrand IMMER unscharf und es gibt keine Möglichkeit, am Bildrand scharf abzubilden. Ist der Bildrand aufgrund von Bildfeldwölbung unscharf, muss er nur anfokussiert werden, und er wird scharf gezeichnet ... natürlich zu Lasten der Bildmitte, deren Fokus deutlich weiter hinten liegt.
Unmöglich bleibt es natürlich, Architektur in einer einzigen scharfen Ebene zu erfassen, man kann aber ein Objekt oder ein Portrait am Bildrand scharf fokussieren ... dann, wenn die Bildmitte keine Schärfe erfordert .... oder umgekehrt ... und eben das ist eine wichtige Option.
Natürlich gibt es eine sichere Gegenmaßnahme gegen sog. Bildfeldwölbung und die heißt Abblenden.
Blende 5,6...
.... können sie alle und in den 70ern und 80ern war es sowieso selbstverständlich, dass die eigentliche Arbeitsblende von Weitwinkelobjektiven eben diese F:1:5,6 war.
Beim VIVITAR (dem Oldtimer!) ist sie deswegen auch farblich hervorgehoben ... das war bei sehr vielen Weitwinkeln so üblich.

Geht weiter .....
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