Was zur Hölle ist die Belichtungszeit und wie Beeinfluss ich sie ?
Hallo Stefan,
schau mal für's erste hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Belichtung_%28Fotografie%29
rein. Dort ist die Funktion von Blende und Belichtungszeit gut erklärt.
Ansonsten:
Nachfolgend copy-paste...ein kleiner "Grundlehrgang"...ich hatte es anderswo schon einmal geschrieben...ich denke, es passt hier auch recht gut...
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Verschlußzeit (=Belichtungszeit):
Die Verschlußzeit gibt vor, wie lange der Sensor in Deiner Kamera belichtet werden soll. Ein Schlitz direkt vor dem Sensor öffnet sich, der Sensor registriert Licht für eine gewisse Zeit, der Schlitz schließt sich.
Mit einer kurzen Verschlußzeit frierst Du bewegte Objekte ein. dafür sieht Dein Sensor aber auch nur kurz Licht (was entsprechend Auswirkungen hat).
Anders herum sieht Dein Sensor länger Licht (=mehr "Futter", z.B. bei Dunkelheit), dafür werden aber bewegte Objekte mit Bildfeld verschmiert.
Schöne Beispielbilder zur Wirkung der Verschlußzeitwahl findest Du hier
http://de.wikipedia.org/wiki/Verschlußzeit
Einfach nur die Bilder ansehen.
Blende:
Die Blende ist ein optisches Element in Deinem Objektiv und funktioniert ähnlich wie die Iris in Deinem Auge.
Licht tritt durch Deine Pupille - die kreisringförmige Iris steuert, wie groß das Durchtrittsloch Pupille sein soll - je nach Bedarf.
Genauso funktioniert es im Objektiv: Mit der Wahl der Blende steuerst Du die Größe des Durchtrittslochs für das Licht (durch Dein Objektiv). Mal größer, mal kleiner.
Größeres Durchtrittsloch (="offenere Blende") = kleiner Blendenwert.
Z.B. Blende 2,8.
Die Blende "offener" zu machen nennt sich aufblenden
Kleineres Durchtrittsloch (="geschlossenere Blende") = größerer Blendenwert.
Z.B. Blende 16.
Die Blende "kleiner" zu machen nennt sich abblenden
Hier findest Du eine Skizze, wie so etwas prinzipiell in Deinem Objektiv aussieht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Aperturblende
Mit der Wahl der Blende steuerst Du folgende zwei wichtige Eigenschaften Deiner Aufnahme:
1)Die sogenannte Schärfentiefe und
2)Die Lichtmenge
1) Schärfentiefe (= wie tief die Schärfe vor und hinter den durch Dich anvisierten Fokuspunkt reicht):
Wenn Du mit der Kamera auf ein Objekt scharfstellst passieren je nach Blendenwahl folgende Dinge:
Nehmen wir mal an, Dein Objektiv kann Blenden(zahlen) zwischen 2,8 und 32 darstellen.
Mit größeren Blendenzahlen (z.B Blendenwert 11 anstelle von 2,8) wächst die Schärfentiefe.
Konkret: Wenn Du auf exakt auf ein Objekt fokussierst, wird mit größerer Blendenzahl, d.h. mit größerer Schärfentiefe eine größere Zone vor- und hinter Deinem Scharfstellungspunkt (Fokuspunkt) ebenfalls scharfgestellt.
Mit kleineren Blendenzahlen schrumpft diese Zone vor und hinter dem Schärfepunkt. Solche Dinge kann man gezielt in der kreativen Fotografie zu Nutze machen (z.B. Portraits).
Hier findest Du Beispiele dazu:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schärfentiefe
Spar Dir das "Fachchinesisch" und schau Dir einfach die Beispielfotos und Ihre Kommentierungen an.
2) Lichtmenge
Wenn Du die Blende öffnest oder schließt, veränderst Du, wie bei der Iris Deines Auges, die Durchtrittsfläche des Lichtes durch das Objektiv.
Je weiter die Blende geöffnet wird, desto mehr Licht kann durchtreten. Dein Auge macht sich das bei Dunkelheit zunutze. Die Iris öffnet die Pupille, mehr Licht dringt durch die (größere) Fläche - und Du siehst besser bei Dunkelheit.
Genau dasselbe gilt für die Blende im Objektiv. Schließt Du die Blende, kriegt alles im Objektiv dahinterliegende weniger Licht mit. Auch Dein Sensor.
Belichtung:
Die Belichtung ist nichts anderes als das Ergebnis des
Zusammenspiels von Blendenwahl und Verschlußzeitwahl.
Dein Sensor braucht schließlich genug Licht, um ein gutes Bild zu erzeugen. Ähnlich wie Dein Auge.
Die optimale Belichtung stellt sich durch die Länge der Belichtung (Verschlußzeit) und die Lichtmenge die durch das Objektiv treten kann (=Wahl der Blende) ein.
Die Kombination macht's:
Du kannst viel Licht in kurzer Zeit (größere Blendenöffnung + kürzere Verschlußzeit)
oder
wenig Licht über längere Zeit (kleinere Blendenöffnung + längere Verschlußzeit)
zum Sensor lassen.
Sofern Du bisher in der Programmautomatik "P" oder Motivprogrammen gearbeitet hast, hat Dir die Kamera dieses Zusammenspiel von Blende und Verschlußzeit, sprich die Belichtung, vollständig abgenommen.
Da Deine Kamera aber nichts über das Motiv und Deine fotografischen Absichten weiß, sind Ergebnisse in der Programmautomatik nicht immer optimal. So ggf. auch bei Nacht.
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Zu den (nichtvollautomatischen) Programmen in deiner Kamera:
Modus "Av" (=Blendenprioriät):
In diesem Modus entscheidest einzig und allein DU, wie stark die Blende geöffnet/geschlossen werden soll - ganz nach Deinen Bedürfnissen. Den Rest, d.h. die Wahl der passenden Verschlußzeit, erledigt Deine kamera für Dich. "A" ist also ein halbautomatisches Programm. Du die Blende (nach Geschmack), die Kamera die Verschlußzeit.
"Tv" (Verschlußzeitpriorität)
...Du wählst die Verschlußzeit (z.B. kurze Verschlußzeiten, um sich schnell bewegende Motive "einzufrieren"), die Kamera kümmert sich um den geeigneten Blendenwert, damit der Sensor noch genug Licht erhält
"M" (Manuell)
Hier bist du der Chef und erledigst alles auf eigene Faust. Der Belichtungscomputer "berät" Dich nur bei der Wahl von Blendenwert/Verschlußzeit.
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Für Aufnahmen in der sogenannten blauen Stunde - oder bei Nacht solltest Du die Blende vorgeben (das ist bei Dir der Modus "Av").
Wähle z.B. Blende 8.
Die Sensorempfindlichkeit "ISO" stellst Du auf 100-400.
Die Wahl der Belichtungszeit übernimmt der Computer in Deiner Kamera.
Im Forum gibt es für diese Thematik übrigens eine ganze Rubrik. Reinschauen, lesen, lernen.
Nachfolgend noch ein weiterer, empfehlenswerter Link:
http://www.ralfonso.de/Fotoschule/fotoschule106.html
Viel Erfolg,
Oz