Alles über 9x12 Plattenkameras ....

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  • Alles über 9x12 Plattenkameras .... Beitrag #1
Klaus-R
Klaus-R
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Hallo zusammen,

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Ein großkotziger Titel, denn NIEMAND weiß ALLES über ein Thema und ich natürlich auch nicht,
aber ich will ja, dass FILM lebt und GANZ EHRLICH ... ich hätte mich damals sehr gefreut, wenn
ich das, was ich jetzt veröffentliche hätte IRGENDWO zusammengefasst lesen dürfen.
Das Wissen über diese mehr als 100 Jahre alten Kameras ist RAR geworden und kaum jemand
photographiert noch mit den sog. Reisekameras oder Laufbodenkameras oder Plattenkameras
längst vergangener Tage OBWOHL es sowohl Spaß macht, als auch EXORBITANT gute Bildergebnisse
ermöglicht, wie ich zeigen werde!
KEIN GELABER von mir sondern gesichertes und verifiziertes Wissen! EHRENWORT!
LEIDER ist es diesmal sehr lang geworden ...sorry, es geht nicht kürzer, wenn es von NACHHALTIGEM
Nutzen sein soll ich bitte um Gnade und wer hier schon gelangweilt ist, darf hier schon aussteigen.

INHALT:

NOMENKLATUR
KAMERAGESCHICHTE
GROßFORMATE
GLASPLATTENMAGAZINE "PLANFILMHALTER"
FALZUNGEN
WIE FINDE ICH DIE RICHTIGEN KASSETTEN FÜR MEINE KAMERA
TROCKENGLASPLATTEN GIBT ES NICHT MEHR ...... Das "Was und Wie" für jetzt und heute??!
UMBAU DER PLATTENMAGAZINE ZU PLANFILMHALTERN
LADEN VON PLANFILMHALTERN (KURZVIDEO)
PLANFILME RICHTIG HERUM EINLEGEN
PLANFILME ENTWICKELN (Kurzvideo)
ALTERNATIVE VERWENDUNG VON PHOTOPAPIER
HANDHABUNG EINER LAUFBODENKAMERA
SUCHER EINER LAUFBODENKAMERA
ENTFRNUNGSMESSUNG
OBJEKTIVE UND VERSCHLÜSSE
WEITWINKELAUFNAHMEN MIT EINER 9X12 REISEKAMERA
REISEKAMERAS IM EINSATZ

NACHWORT

Wer Lust auf eine Photo-Zeitreise zwischen 1910 und heute hat und Aufnahmen sehen möchte, die
HEUTE mit der Technik von DAMALS möglich sind, der bleibe gerne 'dran


Fortsetzung folgt!

Grüße und RETTET FILM

Klaus
 
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  • Alles über 9x12 Plattenkameras .... Beitrag #2
9X12 Plattenkameras Basiswissen

Hallo zusammen, (Aufnahme 9x12 Planfilm)

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ich möchte hier für Interessierte und mit Interessierten über eine erstaunlich preiswerte Möglichkeit der klassischen Großformatphotographie nachdenken, die noch nicht ganz in Vergessenheit geraten ist, die für Enthusiasten der Film-Photographie aber ein hochinteressanter Teilbereich der klassischen Photographie bleiben kann und sollte, zumal die kleine Exkursion zu den Anfängen der Photographie NICHT NUR Geschichte ist, sondern mit vertretbarem Aufwand und mit überschaubaren finanziellen Mitteln relativ schnell zu aktuellen Bildern bzw. Bildergebnissen werden kann.

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Problem ist i.d.R. nicht die dann erforderliche Ausrüstung und das Klimpergeld dafür, sondern das Wissen um die Dinge, das rar geworden ist und das hier und jetzt am Leben erhalten möchten würde ........ ☺️

NOMENKLATUR:

Plattenkamera, Laufbodenkamera, Reisekamera,

KAMERAGESCHICHTE:

Das 9x12cm Negativformat:

Historisch muss gewusst werden, dass das Vergrößern von kleinen und kleinsten Negativen EIGENTLICH erst im großen Stil üblich und selbstverständlich wurde, als mit der LEICA von LEITZ der bis heute so beliebte Kleinbild-Film (Typ 135) aus dem 35mm Kinofilm abgeleitet wurde. Dies geschah zeitgleich mit der Kommerzialisierung der Leica in den 1920er Jahren, als Leitz nicht nur die Kamera zum Welterfolg machen konnte, sondern gleichzeitig die erforderlichen Vergrößerungsgeräte und die LABOR-Infrastruktur dafür schaffen musste und tatsächlich durchsetzte. In der frühen Zeit waren tatsächlich fast alle Vergrößerungsgeräte für Kleinbildnegative von LEITZ .... andere kamen natürlich hinzu.

DAVOR war Aufnahmegröße und Ausbelichtungsgröße (Bildgröße) meistens gleich!
Wer also ein großes Bild wollte, musste auch ein großes Negativ belichten.
Aus diesem Grunde war die Negativgröße 9x12cm sehr interessant!

Die damaligen Glasnegative (Glasplatten) wurden einfach auf Photopapier durchbelichtet (Glasträger nach oben, Photoemulsion nach unten) und so entstand ein seitenrichtiges und gleich großes Positiv vom Plattennegativ.

Warum Glasplatten??

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(Abb. (Alte 9x12 Trockenglasplatte) roh ... also nicht entwickelt .... aufgefunden in einem gekauften Glasplattenmagazin .....)


Ich kann es hier nur kurz anreißen und dann verlinken, weil das nicht Kernthema hier werden kann und soll .... aber....
Seit Mitte des 19. Jhdts. (Film war noch nicht erfunden!) wurde nach dem Kollodium-Nassplatten-Verfahren mit lichtempfindlichen Glasplatten (auch Metallplatten) photographiert.
Dieses Verfahren war zwar damals revolutionär, weil das Ergebnis in dauerlichtfesten und ausstellbaren (noch heute qualitativ hochwertigen) SW-Aufnahmen resultierte, aber das Kollodium Nassplatteverfahren war EXTREM schwierig, außerhalb eines Photostudios umsetzbar!
Die Platten mussten unmittelbar VOR der Aufnahme beschichtet werden, noch nass belichtet werden und unmittelbar nach der Aufnahme entwickelt und lichtfixiert werden.

Außenaufnahmen waren zu dieser Zeit NUR mit einem mitgeführten Zeltlabor möglich ... Photographen waren immer auch Photolaboranten und die Reise- und Reportagephotographie war nur mit Gefolgsleuten und "Scherpas" überhaupt machbar bzw. fast unmöglich. Ein anderes Hindernis waren die EXTREM geringen Lichtempfindlichkeiten der Nassplatten (etwa ISO 1 ... kein Tippfehler)!

Ohne Stativ ging sowieso nichts, Momentaufnahmen waren auch bei Sonnenlicht unmöglich ... Personen mussten wie versteinert still halten (teilweise für mehrere Minuten später mehrere Sekunden) .....kurz ... Photographie war Expertensache und äußerst mühselig! Photo-Amteure waren da raus .... Photographen waren immer Profis .... das Wort "Amateurphotograph" war noch unbekannt.

LINK:


Sooo und dann kam's! ☺️

Der Photograph und Arzt Richard Leach Maddox erfand 1871 die sog. Gelantine-Trocken-Glasplatte, die zwei ENORM wichtige Vorteile hatte .... Sie war zunächst für einige Wochen, aber schon in den 1880er Jahren für 5 Jahre unbelichtet haltbar und konnte auch bis zu Jahren später erst entwickelt werden.

Zweitens ... die Lichtempfindlichkeit dieser Glasplatten konnte schon in den 1880er Jahren soweit gesteigert werden, dass mit damals verfügbaren Offenblenden (etwa F:11) bei Sonnenlicht und 1/25s Verschlusszeit die allerersten Freihand- und Momentaufnahmen mit solchen Trocken-Glasplatten möglich wurden.

Eine ganz neue Zeit der Photographie war eingeläutet .... die REISEPHOTOGRAPHIE .... und der Kreis schließt sich .... genau deshalb nannte man die 9x12 Kameras, die ich hier behandele, unter anderem auch REISEKAMERAs .... sie waren erstmals klein, handlich und transportabel.

Es musste kein Photozelt auf Reisen mitgeführt werden .... der Beginn der Reise- und Reportagephotographie war mit der industriellen Fertigung der Trockenglasplatten eingeläutet.

Erwähnenswert .... Film kam damals auch schon an den Start. Unser klassischer und immer noch so genormter Rollfilm Typ 120 kam tatsächlich schon 1889 in Gebrauch.... allerdings nur für "kleine" Negative / Bilder ... An Planfilm im Format 9x12 dachte man erst im Folgejahrhundert.

Die alten Glasplatten konnte Film lange Zeit nicht verdrängen. Die allerletzten Glasplatten in 9x12cm wurden Ende der 1970er Jahre noch bei ORWO beschichtet. Was heute noch geht .... dazu später!

REISEKAMERA und PLATTENKAMERA .... das haben wir geklärt ....
"LAUFBODENKAMERA", das fehlt jetzt noch.

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Dresden und überhaupt Deutschland spielten für Jahrzehnte während der Pionierzeit der "Photoapparate" eine dermaßen dominierende Rolle, dass sehr viele der heute noch erhaltenen und zahlreich verfügbaren "Laufbodenkameras" tatsächlich in Dresden gebaut wurden und auch in Ostdeutschland gefertigte Objektive haben.

Man verstand es, die neuen Möglichkeiten der Trocken-Glasplatten in einem ganz neuen Kameradesign umzusetzen.

Man wollte:

-geringe Baugröße
-geringes Gewicht
-Wegfall des Stativzwanges
-Wegfall des Lichtschutztuches vor der Mattscheibe

Photographie sollte reisetauglich werden und das Großformat 9x12cm versprach
Große und qualitativ sehr gute Abzüge 1:1


Vielen ist gar nicht bewusst, dass der Begriff "Photo-ABZUG", der heute meist eine "Vergrößerung" meint, noch aus der Zeit der tatsächlichen Kontaktabzüge stammt. Das ENORME Vergrößerungspotential, das die schon damals hervorragend scharfen und auflösungsfähigen Objektive boten -heute mit modernen Photoemulsionen um so mehr-, war damals noch gar nicht so das Thema.

Eine Laufbodenkamera ist immer auch eine Klappkamera:

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Fortsetzung folgt! Viel Spaß

Klaus
 
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Aufnahme auf 9x12 Planfilm FOMAPAN 100....☺️

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Die neuen Reisekameras konnte man beidseitig auf kleinstmögliches Packmaß

zusammenklappen!

Vorne wurde das Objektiv auf einer zweigleisigen Schiene über den ausgeklappten Laufboden ausgeschoben und rastete i.d.R. am Unendlich-Fokuspunkt ein.

Für kürzere Aufnahme-Entfernungen musste das Objektiv dann weiter vom Kameragehäuse entfernt werden, was durch weiteren Ausschub (oft mit einer Zahnstangenmechanik) realisiert wurde.

Ein Schleppzeiger zeigt auf einer Skale die eingestellte Fokussierung genau an.

Fokus-Einstellung:

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Nach hinten wurde auch "geklappt"

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Die Mattscheibe dieser Kameras wurde vor Lichteinstrahlung nicht mehr (wie zuvor) durch ein Lichtschutztuch, sondern durch einen faltbaren Klapp-Lichtschacht abgedunkelt und damit erst einsehbar gemacht.
Kurz .... es war gelungen ... Es gab nun höchstqualitative und dennoch transportabele sog. -Reisekameras für das Großformat 9x12cm.
Diese Kompaktheit macht solche 9x12cm Großformat-Kameras bis heute hochinteressant, zumal sie (ich nehme das vorweg) die Bildqualität von teuren Nachkriegskameras bis heute problemlos auch erreichen und eher einfacher, als schwieriger zu bedienen sind ... auch wenn es heute keine Trockenglasplatten mehr gibt ... doch dazu später:

GROßFORMATE:

Andere (gebräuchliche) Großformate:

Ferner gab und gibt es die folgenden Plattenformate (Kameraformate):
6,5x9cm (wurde durch das kaum kleinere Mittelformat (Rollfilm 6x9cm bald obsolet)
9x12cm (darum geht es hier!)
10X15cm (extrem selten und kaum verwendet)
13x18cm
4x5''-INCH (ZOLL) 10,16 x 12,7cm (heute meistverwendetes Großformat –
amerikanischen Ursprunges)
5x7''-INCH (12,7 x17,8cm…. UNGLEICH 13x18cm Planfilm!)
8x10''-inch selten auch heute noch im Gebrauch

GLASPLATTENMAGAZINE "Kassetten"

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(Abb.: Glasplattenmagazin 9x12 Drauf- und Untersicht, mit gezogenem Lichtschieber und sichtbarer Trockenglasplatte Schicht oben (grau) die Unterseite ist bei dieser rot vgl. Abb. weiter unten im Folgepost)

Die Annahme, dass, (wie viel später) austauschbare und genormte Magazine Für ALLE damaligen 9x12 Reisekameras "unterwegs" wären, geht aber SOWAS von fehl, dass ich hier mal versuche, wenigstens ETWAS Übersicht zu schaffen, was es da gibt und was da "wo" passt.

Falzungen:

Nun gut .... zumindest waren ja die damaligen Trockenglasplatten des Formates 9x12cm exakt genormt, mussten also gleichermaßen in alle verfügbaren Plattenkassetten passen. Allein deren Anbringungen an die verschiedenen Kameras war Herstellersache und da kochten (fast) alle ihre hauseigene Suppe.

Die Plattenmagazine werden über eine Schienung an die jeweilige Kamera hinten am Kameragehäuse eingeschoben, nachdem der Sucherkasten (Lichtschacht + Mattscheibe) dafür abgeschoben wurde.

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Fortsetzung folgt! Viel Spaß

Klaus
 
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Aufnahmen auf 9x12 Planfilm FOMAPAN 100 ☺️

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Die sog. "Falzung" der Magazine muss jetzt zur Schienung der jeweiligen Kamera passen.
Eine WIRKLICH vollständige und 100%ig garantierte Zuordnung durch diesen "Dschungel" verschiedener Falzungen gibt es bis heute leider nicht, wohl aber eine wichtige Hilfestellung durch uralte Dokumente der Firma RADA, die solche Plattenmagazine lange nach der Trockenplattenzeit (bis in die 1970er Jahre) noch nachgefertigt und vertrieben hat.

LINK: Alte Bestelliste der Firma RADA aus den 1960ern.....



Hier mal ein kleiner Auszug .... das sind längst nicht alle Falzungen, die es gab und gibt:

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RADA listete damals ERFEULICHERWEISE zu den wichtigsten Falzen auch
"verdächtige" Kamerahersteller .... sicher ist das aber leider auch nicht, denn es gab nicht wenige Kleinmanufakturen, die ihre Falzungen im Laufe der Jahre auch mal gewechselt haben. Kameras über Seriennummern ganz genau zu bestimmen ist heute unmöglich denn Seriennummern waren noch unüblich (Ausnahme Objektive, die wurden schon gekennzeichnet aber natürlich in verschiedenste Kameratypen eingebaut.
Kurz, wir fischen heute im Trüben aber es macht schon Sinn, den Blick in den Teich etwas zu erhellen.....
HIER mal eine Zuordnung der sog. "NORMALFALZ" zu den "wahrscheinlichen" Kameramarken von RADA:

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Hier mal eine Kassette mit "Ernemann Dreifalz"

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Oder hier eine Kassette mit "Million Falz" (sozusagen GLATT🤣)

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Zu allem Überfluss gibt es bei gleicher Falzung auch noch verschiedene Kassetenlängen .... bei allerdings gleicher Breite:

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(Abb. Kurze Kassette oben im Vergleich zur langen Kassette unten)

Man kann (ZUR NOT!) eine kurze Kassette an einer "langen" Kamera nutzen. Man muss sie dann etwa in die Mitte schieben und beim Ziehen des Lichtschiebers festhalten, damit sie nicht verrutscht und es dann zu Lichteinfall kommt. Ebenso kann man eine lange Kassette auch an einer kurzen Kamera nutzen, nur wird dann das Filmfenster nicht ganz exakt mittig liegen (wäre tolerabel) und die Kassette lässt sich nicht verriegeln, kann also beim Ziehen des Lichtschiebers ebenfalls verrutschen und Licht bekommen. Beides geht zwar, ist aber nicht wirklich toll!

Wie finde ich die richtigen Kassetten für meine Kamera?

Die wohl heute einzige Möglichkeit, an solche Kassetten zu kommen ist die gezielte Online-Bestellung! Dafür sind GANZ GENAUE Produktphotos unerlässlich!

Beide müssen Ahnung haben ... der Käufer (daran arbeiten wir hier) und der Verkäufer auch. Kommunikation im Zuge des Kaufes ist unverzichtbar!

LEIDER hat so gut wie KEIN Verkäufer Ahnung von der Sache ... leider auch die Fachhändler in aller Regel NICHT.

Der Käufer muss wissen, ob er eine lange oder eine kurze Kassette braucht und welche Falz die Kassette haben soll. Da die Verkäufer aber mit Begriffen wie "Ernemann 2-Falz" fast schon garantiert nix anfangen können muss der Käufer die Falz und die Länge der Kassetten auf exakten Produktfotos identifizieren können!!! Der Verkäufer muss diese Photos vor dem Kauf liefern, sonst geht der Deal mit leider großer Sicherheit schief.
Wie gesagt .... nicht nur die Falzung muss stimmen, es muss auch gewusst und gesehen werden, ob da eine "lange" oder eine "kurze" Kassette angeboten wird:

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TROCKENGLASPLATTEN GIBT ES NICHT MEHR ...... Das "Was und Wie" für jetzt und heute??!

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Und hier zeige ich mal eine bis zu 145 Jahre alte Trockenglasplatte 9x12cm

Diese Glasplatten wurden gegen Haltefedern also in die Magazine eingeklippt und nach Belichtung wieder ausgeklippt.

Bei Licht ist das einfach und genau das war in den ersten Jahren gar kein Problem, weil die Photo-Emulsionen alle noch ORTHOCHROMATISCH (also rotblind) waren. Man konnte sie also im Labor bei rotem "Safelight" hantieren und genau wie SW-Photopapier auch bei Rotlicht auf Sicht in einfachen Laborschalen entwickeln.

Mit späteren panchromatisch sensibilisierten Trockenplatten ging das dann leider nicht mehr so schön einfach .... solche Platten mussten unter kompletter Dunkelheit mit reiner Haptik in die Kassetten, dann wieder raus und letztlich auch bei völliger Dunkelheit entwickelt werden.

Wird heute anstatt mit Glasplatten mit Planfilm gearbeitet (und wie das geht, das folgt gleich), dann muss ebenfalls bei völliger Dunkelheit hantiert werden (Ausnahme ist orthochromatischer Planfilm).

Möglichkeit 1:

-Ich besitze eine passende Planfilmkassette UND EINE ALTE GLASPLATTE und klemme den Planfilm (GRÜN und falschherum damit man den grünen Film von der grauen Platte unterscheiden kann!) einfach über die Glasplatte-

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Kurz: Es ist machbar aber nicht wirklich cool! Die Magazine sind schon teuer, die alten Glasplatten (auch belichtete) sind sehr schwierig zu bekommen und nochmals sehr teuer. Das ganze ist auch für erfahrene und geschickte "Dunkelkameraden" ärgerlicher Fummel.

Möglichkeit 2:

Man besitzt die extrem seltenen und sehr teuren Planfilmhalter, die genau dafür
gedacht waren, Planfilm in diesen Kassetten zu verwenden.
Dabei wird der Planfilm in den Planfilmhalter geschoben und dann der Halter mit dem Film wie die Glasplatte in die Kassette geklippt.
Ich habe über die Jahre mehrere dieser Halter ergattert (aber erstens viel zu wenige für alle meiner Magazine und zweitens ..... UNZUMUTBARER DUNKELFUMMEL auch für mich als geübten Dunkelkameraden ... das macht keinen Spaß!)

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Möglichkeit 3: (MEINE EMPFEHLUNG)

Umbau der Plattenmagazine zu Planfilmhaltern:

Gesucht war eine Lösung, die die Planlage der Filme gewährleistet, ein sicheres Haltesystem der Filme sicherstellt und eine zumutbar einfache Dunkelhantierung erlaubt (gute Haptik) und möglichst NON-destruktiv ist.
Ich gehe zwar nicht davon aus, dass es je wieder Trockenplatten zu kaufen geben wird, dennoch habe ich eine Lösung gefunden, die die Kassetten völlig unbeschädigt lässt.
Als Haltesystem dienen zwei Blechstreifen, die man aus zwei Schnellhefter-Heftstreifen gewinnt.

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Diese Blechstreifen dann glattziehen (Knickstellen können mit einer Kombizange glatt gezogen werden).

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Auf Planfilmbreite abkanten: Ich nutze hier eine alte Trocken-Glasplatte, die ja exakt die gleichen Maße hat, wie ein Blatt 9x12cm (exakt 88,5 x 118,5mm) Planfilm als "Biegeklotz", was die Aufgabe extrem vereinfacht!
Anschließend werden die beiden Bördel-Enden mit einem Seitenschneider passend gekürzt, so dass sie den Film nur knapp aber sicher umfassen.

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Nun sieht man, wie einfach man die beiden Halteklammern innerhalb der Planfilmkassetten befestigt indem man sie einfach unter die beiden Blattfedern schiebt, die eigentlich die Glasplatte gegenhalten sollen.

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Beide Klammern nun mit schwarzem Panzertape festmachen.

Prüfen, dass der Film etwas Spiel in der neuen Halterung hat! Der Film muss sich leicht verschieben lassen, damit man ihn gut dunkelhantieren kann .... (ein Blatt muss man haben oder opfern ...ich habe dieses Blatt mit einem Planfilmhalter mal mitbekommen ... eh uralt und nicht mehr zu gebrauchen).
Die Enden der Klammer müssen ganz exakt so nachgebogen werden, dass der Planfilm möglichst knapp unterhalb des Lichtschiebers liegt, sie aber NICHT MIT DEM SCHIEBER IN BERÜHRUNG KOMMEN! Der Schieber muss berührungslos
Über die Klammern gleiten!!
Problem Planlage des Planfilmes .... (die eigentliche Arbeit!)
Planfilm und Glasplatte haben zwar exakt das selbe Zuschnittsmaß aber natürlich ist der Film hauchdünn und die Glasplatte im Vergleich viel dicker.
Die Kassetten müssen also UNTERLEGT werden, so dass der Planfilm möglichst genau in die schärfeebene der Kamera kommt und nicht dahinter. Die Filmemulsion muss also genau da liegen, wo sonst die Glasplattenemulsion liegen würde.
Mit weiterem Panzertape und Pappeinlagen wird nun der Boden der Kassette mit äußerster Sorgfalt so unterlegt, dass der Planfilm auch in optimale Planlage kommt.
Das muss sicherlich NICHT auf Hundertstel Millimeter genau sein, wie bei einer Kleinbildkamera, mit dem Auge sichtbare Abweichungen kann man sich aber ganz sicher nicht erlauben, wenn der Fokus später passen soll!!!
Ob die Planlage des Filmes gut ist, kann man an den Rändern recht gut sehen, in der Mitte des Blattes nicht ganz so gut. Hier hilft der Schieber, den man langsam über den Testfilm schiebt und den Spalt zwischen Schieber und Filmoberfläche genau beobachtet .... er muss gleich bleiben und in der Mitte mit den Rändern übereinstimmen. Natürlich muss der Schieber neuwertig gerade sein ... einen stark welligen solchen entweder richten oder keulen!


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Wie man nun eine dann so umgebaute Kassette dunkelhantiert erläutere ich mit
Einem diesbezüglichen Kurzvideo:



Anhang anzeigen Kassette Laden.mp4

-Planfilm in die beiden zugewandten Klammern einhaken (gut im Dunkeln tastbar!)
- Den Film –wie gezeigt- "umploppen" und wie gezeigt unter die anderen beiden Haken clippen.
- Film unter die Lasche schieben
- Riegel ziehen und Film leicht runterdrücken, dann Riegel loslassen
-Tastkontrolle: Es müssen sich alle vier Haken tasten lassen und auch die beiden
Laschen des Riegels. Dann ist sicher, dass der Film richtig liegt und der Lichtschieber nicht klemmen wird.
-Schieber wie gezeigt montieren! Zugewandte Ecke tasten und einhängen, dann Schieber drehen, bis es hörbar KLICKT. Schieber an der anderen Ecke eindrehen und den Schieber einschieben! Kontrollieren, dass er komplett "untergeschoben" ist

Erst jetzt DARF das Licht eingeschaltet werden!!!
Fortsetzung folgt ... viel Spaß

Klaus
 
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Aufnahme auf 9x12 Planfilm FOMAPAN 100

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PLANFILME RICHTIG HERUM EINLEGEN

Die alten Glasplatten wurden ja in der Fabrik mit einer an ihnen haftenden lichtempfindlichen Schicht (Emulsion) beschichtet und natürlich muss diese Schicht beim Laden der Kassetten oben liegen. Die Platten waren NICHT gekennzeichnet, sondern waren in den Schachteln so verpackt, dass die "Schicht", wie man sagte oben lag! GESETZ war es, die Platten NIEMALS umzudrehen ... sie wurden später auch "Schicht-oben" in Laborschalen entwickelt.
Bei den Glasplatten wird aber ein erfahrener Dunkelkamerad auch bei Finsternis die "Schicht oder Emulslion" ertasten können, denn sie fühlt sich etwas "stumpfer" an als die Glasträger-Gegenseite.
Bei Planfilm hätte man keine Chance, die Schichtseite zu ertasten ... deswegen gibt es da IMMER eine Hilfe.
Planfilmblätter haben immer eine Tastkerbe, die wie gezeigt OBEN RECHTS zu tasten sein muss. Dann guckst Du auf die "Schicht" will sagen die lichtempfindliche Seite liegt dann oben. Fühlt man die Kerbe auf der linken Seite, dann liegt die "Schicht" eben unten und das Blatt muss umgedreht werden.

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Diese Kerben sind je nach Hersteller sehr unterschiedlich, dienen auch manchmal dazu, Planfilme im dunkeln identifizieren zu können (nach Hersteller, Filmart und Empfindlichkeit), sind aber immer gut tastbar und gehören IMMER nach OBEN RECHTS, wenn der Film in die Kassette eingelegt wird!

Hier mal ein entwickelter Planfilm meiner "Hausmarke" FOMA: Bei Foma besteht die "Kerbung" nur aus einem einfachen gut tastbaren Halbkreis. Hier liegt das Negativ auf dem Lichtpult und liegt "LINKS" und eben NICHT "RECHTS". Das bedeutet, dass jetzt die "SCHICHT" unten liegt und wir auf den Träger gucken. So entsteht in der Betrachtung dann ein seitenrichtiges Bild.

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Planfilme entwickeln:

Die Budget Methode:

Gemacht habe ich es so noch nie, aber eine (wenig bekannte) Methode, über die ich mal las, besteht darin, die Planfilme einfach (Schicht nach Innen!) in ein Haargummi zu legen und in einer ganz normalen Film-entwicklungsdose zu entwickeln (hier eine Jobo 1.000) Dabei kann man bis zu drei der Filme gleichzeitig entwickeln! Es darf NICHT vergessen werden, den Spulenkern mit in die Dose zu legen, denn sonst ist sie natürlich nicht lichtdicht!!!

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Es gibt viele (professionelle) Lösungen, um 9x12 Planfilm zu entwickeln. Ich selber nutze dafür gemachte alte Spindeln von JOBO für das Tanksystem 2000.

Die Filme bei absoluter Dunkelheit da reinzufummeln ist Übungssache aber kein Hexenwerk. Ich zeige das hier mal in einem Kurzvideo mit "Betonung" der Tastpunkte und wie man "ertastet", ob die bis zu sechs Filme dann auch richtig liegen:

Hier mal ein hoffentlich selbsterklärendes Kurzvideo, zum Laden einer JOBO 9x12 Spindel.
Das Hantieren muss selbstverständlich bei absoluter Dunkelheit erfolgen ... ich betone deswegen die
geeignete HAPTIK ohne Sichtkontakt!

KURZVIDEO: "Spindel laden"

Anhang anzeigen Spindel Laden.mp4

Es ist bei absoluter Dunkelheit und beim ersten Mal nicht einfach aber schon die zweite "Beschickung der Spindel geht dann "wie von selber".

Ob die "Schicht" hier innen oder außen liegt, ist hupe. Wichtig ist es, die Nuten –wie gezeigt) genau abzuzählen und von innen nach außen die Spindel zu laden.
Hier zeige ich gerade entwickelte (noch nasse) Planfilme bei der Endwässerung;

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Es ist grundsätzlich möglich und oft schon beschrieben, Großformate auf Photopapier anstatt auf Planfilm zu belichten!
Ich hatte darüber schon geschrieben und es sogar (mit viel Mühe!) geschafft, Farbphotopapier als Aufnahmemedium zu verwenden.
Farbphotopier muss aber bei der Aufnahme aber soooo stark gefiltert werden (anderes Thema), dass das zwar grundsätzlich möglich, aber kaum noch sinnvoll ist.
Ich hatte (nach Vorsatz starker KOKIN-Filterpakete) keine Knackschärfe mehr und eine effektive ISO von etwa 1,5 .... was permanenten Stativzwang bedeutet.
Die Verwendung von Schwarzweiß-Photopapier ist grundsätzlich aber möglich, preiswert und machbar .... und jetzt kommt das ABER!!!
Meine Versuche endeten mit einer ISO-Empfindlichkeit von ISO-3 (FOMAPAN Multigrade-Glossy-Papier.
Ferner muss man berücksichtigen, dass Photopapier IMMER isochromatisch sensibilisiert ist (also total Rotblind) und im Grunde NUR blausichtig ist. Will sagen, man erreicht mit Photopapier den absolut historischen ORTHO-Look, der alles, was ROT ist PECHSCHWARZ zeichnet .... ein Hellrotes Auto wird also pechschwarz erscheinen .... Dieser spezielle ORTHO-Look kann bei Landschaft und Architektur sehr ansprechend und interessant enden .... sehr problematisch bleiben allerdings Portraits, weil Hauttöne nun mal ROT enthalten und gerade Hautunreinheiten orthochromatisch extrem betont werden.
Wenn Photopaier genutzt werden soll, dann MUSS es unbedingt 100 %ig genau auf das genannte exakte 9x12-Maß zugeschnitten werden! Ansonsten klemmen die Papiernegative in den Haltern, fallen heraus usw. .... werden mehr Frust als
Freude bereiten!
Mein Rat ist, doch schon in Planfilm zu investieren! FOMA bietet SW-Planfilm im Format 9x12 noch an .... zu wirklich sehr günstigen Preisen und das Material steht weit teurerem Material meiner Meinung nach nicht wirklich nach!

Handhabung einer Laufbodenkamera:

Oft wird falsch dargestellt, als müsse man IMMER erst über die Mattscheibe einer
Großformatkamera das Motiv finden und auch fokussieren. Das stimmt so absolut NICHT!
Gerade bei Landschaft oder Architekturaufnahmen ist dieser Umstand oft nicht nötig. Wirklich erforderlich wird das Benutzen der Mattscheibe NUR, wenn auf geringe Distanzen ganz exakt fokussiert werden soll (Portraitbereich z.B.) Oder , wenn z,B. stürzende Linien über das Verstellen der SHIFT-Standarte (Objektivstandarte) korrigiert werden sollen. Dann geht es nicht anders, dann muss erst die Mattscheibe bemüht werden und anschließend der für Planfilm umgebaute Planfilmhalter.
Ferner stimmt es gar nicht, dass alle Großformat-Kameras immer auf ein Stativ müssen. Wenn mit verwackelungssicheren kurzen Verschlusszeiten gearbeitet werden kann, dann kann ohne Weiteres auch aus der Hand photographiert werden ... zumal mit modernen lichtempfindlichen Filmen unserer Tage.

SUCHER einer Laufbodenkamera:

Rahmensucher:

Manche gut ausgestattete Laufböden haben klappbare Rahmensucher, die sich tatsächlich besser nutzen lassen, als man meinen könnte.
Solche Rahmensucher haben natürlich reletiv "kräftige" Parallaxenfehler und sind daher für den Nahbereich ungeeignet. Für Entfernungen ab 3m sind sie (wie gesagt) gar nicht mal schlecht.
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Brillantsucher:

Praktisch alle Laufböden haben die sehr praktischen, parllaxefehlerarmen Brillantsucher vorne an den Objektiven, so nahe an der optischen Achse, dass bis in den Nahbereich kaum ein Prallaxenfehler zwischen Sucherbild und Aufnahmeausschnitt entstehen kann. Diese Sucher sind überaus nützlich, lassen sich von Hoch- auf Querformat umstellen, so dass man immer von oben reinschauen kann.

Brillantsucher liefern immer ein aufrechtes aber seitenverkehrtes Sucherbild, an das man sich gewöhnen muss. (Anmerkung: Das Mattscheibenbild ist beides ... auf dem Kopf stehend und auch noch seitenverkehrt .... eine echte Herausforderung!)

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Aufstecksucher:

Aufstecksucher sind i.d.R. nicht original, sondern aus viel späterer Zeit.
Auch die Norm-Blitzschienen, die ich an meine beiden Reisekameras montiert habe, gab es vor 100 Jahren natürlich noch nicht .... das war ja noch die Zeit, als blitzende Photographen keine langen Haare hatten!
Ich gönne mir zum tatsächlichen Photographieren aber gerne moderne Aufstecksucher, die die Möglichkeiten der Laufböden dann doch schön erweitern.

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Entfernungsmessung:

Klassische Laufbodenkameras haben KEINE Entfernungsmessung, man kann aber Entfernungen über Skalen exakt einstellen, wenn man sie kennt. Wenn man also keine Zeit hat, über die Mattscheibe der Kamera zu fokussieren muss man sie messen, oder einen Entfernungsmesser nutzen und dann die ermittelte Entfernung an der Kamera einstellen. Hier ein Mischbildentfernungsmesser aus den 1950er Jahren .... ebenfalls viel jünger als die Kameras.

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Man nennt dieses Vorgehen "Ungekoppelte Entfernungsmessung". Der Entfernungsmesser hat also keine Kopplung mit der Fokussierung der Kamera. Die damit ermittelte Entfernung muss also manuell an der Kamera eingestellt werden.

OBJEKTIVE UND VERSCHLÜSSE:

Grundsätzlich bilden bei (FAST!) allen Großformat-Kameras Objektiv und Verschluss eine kompakte Montageeinheit:

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Diese Einheit wird dann so in die sog. Objektivstandarte der Laufbodenkamera eingebaut. Im Gegensatz zu späteren Konstruktionen hat die Generation "Reisekamera" noch keine Option für Wechselobjektive. Alle Reisekmeras haben also fest verbaute Normalobjektive .... der vielleicht einzige Nachteil gegenüber Späteren MONO-RAIL Studiokameras oder moderneren Laufböden späterer Jahre. Bei Systemen mit Wechselobjektiven sind die Objektive dann auf sog. Wechselplatinen vormontiert und werden dann zusammen mit den Platinen in die Objektivstandarten der Kameras eingehängt.

Großformat Objektive haben KEINE eingebaute Fokussierung. Fokussiert wird immer über den verstellbaren Laufboden der Kameras.

Bauartbedingter Nachteil der Genaration 9x12 Reisekamera ist also, dass damit KEINE WEITWINKELAUFNAHMEN möglich sind.

An Weitwinkelobjeltive dachte damals noch niemand ... alle dieser Reisekameras 9x12 haben also Normalobjektive .... üblicherweise 135mm Brennweite ... seltener 140mm und sehr selten 150mm (Wenn die Kamera ein 150mm Objektiv hat, dann ist es wahrscheinlicher, dass man es mit einer der seltenen 10x15cm Kameras zu tun hat oder gleich mit einer 4x5 inch ... da sind nämlich 150mm Normalbrennweite.)

Dass man mit einer 9x12 Reisekamera TROTZDEM WEITWINKEL photographieren kann, zeige ich weiter unten, denn GEHT NICHT GIBT's ja nicht!!

FRÜHE OBJEKTIVE:

Zur ersten Generation (später im preiswerten Segment immer noch zu finden) gehören die sog. ACHROMATEN in technisch einfachen Rotationsverschlüssen:

Bild - 82.jpg

Bild - 90.jpg

Achromaten sind einfache verkittete Zweilinser aus einer Kombination zweier Glassorten mit unterschiedlichen Brechungseigenschaften Kronglas und Flintglas.

Mit solchen "Achromaten" war es zunächst einmal möglich, den Haupt-Linsenfehler, die "Chromatische Abberation" zu korrigieren. Alle anderen Linsenfehler lassen sich mit solchen Rechnungsn leider nur ankorrigieren aber nicht grundsätzlich beheben. Die einzige Möglichkeit, mit solchen Objektiven ordentliche Aufnahmen zu machen war, die Offenblenden sehr klein zu halten. Linsenfehler verstärken sich DRASTICH zum Rand der Linsen hin. Will man sie klein halten, muss also bei solchen Konstruktionen der Radbereich wegfallen und die Öffnung sehr klein gehalten werden.

Dieser Achromat hat eine Offenblende von F:12,5:1 ....

Bild - 83.jpg

Der einfache Verschluss hat nur drei Einstellungen:
TOGGLE: "Umschaltung auf DAUERND GEÖFFNET oder ZU zum Einstellen auf der Mattscheibe"
BULB Die bekannte Dauerbelichtung solange "gedrückt"
MOMENTAUFNAHME .... ich vermute (so nach Auge) etwa 1/25s ... ich finde keine technische Dokumentation zu diesem Verschluss der Firma ICA-Dresden.

Ich sage es mal so .... für die Vitrine ganz nett, zum Photographieren heute eine wirkliche Zumutung! Blende 12,5 OFFEN ist so dunkel auf der Mattscheibe, dass man praktisch nichts erkennen kann und selbst auf 9x12 schon viel zu tiefenscharf, um den Fokus exakt setzen zu können. Der Verschluss ermöglicht im Grunde nur Langzeitbelichtungen mit "B" ... damit geht also photogrphisch praktisch nichts mehr!

Hier habe ich den Linsen-Achromaten mal zerlegt ... man sieht die einzige verkittete Linsengruppe hier ganz gut:

Bild - 60.jpg

Diese Optik habe ich tatsächlich aus der Reisekamera ausgebaut und wirklich in die Vitrine gelegt ... warum, dazu weiter unten ...ich habe ein anderes Objektiv an seiner Stelle in die ICA-Dresden Kamera eingebaut ... ein sehr viel jüngeres!

Bild - 90.jpg


Fortsetzung folgt!

Grüße und RETTET FILM☺️

Klaus
 
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Aufnahme auf 9x12 Planfilm FOMAPAN 100 Classic:

Bild - X147.jpg

Spitzenobjektive, damals wie heute:

NICHT zu verwechseln mit den frühen ACHROMATEN sind die viel anspruchsvolleren ANASTIGMATEN, die üblicherweise so auch beschriftet sind.
Ein ANASTIGMAT ist eine vollständig korrigierte Optik, die verspricht, konstruktiv ALLEN vorhandenen Linsenfehlern entgegenzuwirken!
Hier ein so auch beschrifterer hochwertiger Anastigmat in einem hochwertigen Spannverschluss der Firma Friedrich Deckel "COMPUR":

Bild - 112.jpg

Anastigmaten bieten an 9x12 Negetiven Spitzenqualität bei wesentlich höheren Lichtstärken. F: 6,3 ist Standard und Spitzenobjektive gehen bis zu F:4,5.
Mit solchen Objektiven in hochwertigen Spannverschlüssen der Firmen DECKEL oder GAUTHIER ist auch heute noch WIRKLICH ZEITGEMÄßES Großvormat-Photographieren möglich. Auch viel spätere Großformat-Kameras können da nicht mehr.

Das TESSAR 135mm F:4,5

Als wirklich allerbestes Objektiv der Reisekamera-Zeit galt das vierlinsige Tessar
von Zeiss:
Bild - 52.jpg

Abb.: Carl Zeiss Tessar F:4,5 / 135mm im Friedrich Deckel COMPUR Vorspann-Verschluss ca. 1930 an einer Zeiss MAXIMAR 9x12 Laufbodenkamera.....mein ganzer 9x12 Stolz! ☺️

WEITWINKELAUFNAHMEN mit einer 9x12cm Reisekamera:

Wie ja schon gesagt .... an Weitwinkelobjektive hatte man damals noch lange nicht gedacht und der WESENTLICHE Nachteil dieser wirklich preiswert zu erstehenden Großformat-Kamerageneration ist, dass man damit EIGENTLICH keine Weitwinkelaufnahmen machen kann. 😟

Weitwinkelaufnahmen sind natürlich in der Landschafts- und Architekturphotographie superwichtig und ich habe lange darüber nachgedacht, vielleicht doch mal in eine Nachkriegs-4x5 INCH- Großformat-Kamera mit der Option zu investieren, da auch ein Weitwinkelobjektiv für haben zu können.

Allein die Preise für sowas (weit vierstellig) haben mich davon abgehalten. Ich habe nachgedacht .... Geht es nicht vielleicht DOCH mit einer Reisekmera????..... und ich war erfolgreich!

Gesucht war also ein Objektiv deutlich kürzerer Brennweite als 135mm (Normalbrennweite 9x12cm), was kein großes Problem darstellt, denn es gibt zahlreiche Objektiv-Verschluss-Kombinationen aus der späteren Faltkamera Zeit.

Das Problem ist aber, dass die meisten den riesigen 9x12cm Ausleuchtungskreis einfach nicht ausleuchten können.
Da half nur Ausprobieren und eine gewisse Überlegung .... denn .... erfolgversprechend für größere Ausleuchtungskreise als unbedingt notwendig sind oft Rechnungen, die ursprünglich noch für Shiftstandarten geplant waren, dann aber nur noch für 6x9 Faltkameras genutzt wurden.
Kurz ... ich habe aus meiner Grabbelkiste ein Schneider Kreuznach RADIONAR 105mm / F:4,5 Objektiv positiv getestet.
Eigentlich für eine 6x9 AGFA RECORD gedacht, leuchtet es 1a tatsächlich auch noch 9x12cm wirklich eckenscharf aus ... und PENG, da ist es, mein Weitwinkelobjektiv für 9x12.

Bild - 54.jpg

Bild - 59.jpg
Abb.: Schneider Kreuznach Radionar F4,5 105mm (ca. 1955) in einem Gauthier PRONTO Zentralverschluss

Tja ....eingebaut habe ich diese "hochmoderne" Optik anstelle des für mich unbrauchbaren Achromaten in meine ICA-Dresden.
Diese Optik ermöglicht den Bildblickwinkel eines 35mm Kleinbild Objektives ... und BINGO!
Es gibt hinsichtlich des Verschlusses den Vorteil, dass dieser jetzt sogar einen Selbstauslöser hat! Einziger Nachteil ist, dass der PRONTO keine TOGGLE Funktion mehr kennt, denn die war ja bei Faltkameras obsolet, es gab da keine Mattscheiben ... aber das Problem ist einfach zu lösen ... man verwendet einfach einen Drahtauslöser mit Feststellfunktion und "BULB" um die Blende zum Einstellen des Fokus' auf der Mattscheibe offen zu arretieren.

Ein weiterer Vorteil dieser Konstruktion ist, dass die Optik jetzt sogar eine eingebaute Fokussierung hat. Ich brauche jetzt nur noch eine Markierung für den exakten Unendlich Fokus auf dem Laufboden und kann dann ganz "normal" mit Stellring und Skale am Objektiv alle anderen Aufnahmeentfernungen einstellen.
105mm-Markierung auf dem Laufboden:

Bild - 85a.jpg

Reisekameras im Einsatz:

Das also sind meine beiden Laufböden, die ich tatsächlich auch nutze, rechts die Zeiss Maximar und links die ICA-Dresden mit dem Weitwinkel Objektiv.

Bild - 40.jpg

Diese beiden Schwestern bieten sich ideal an, weil sie beide die "LANGEN" Kasseten mit "NORMALFALZ" nehmen.
Beide passen bequem in eine Phototasche + bis zu 24 Magazine und so kann ich je nach gewünschter Brennweite die Zeiss mit 135mm oder die ICA mit 105mm nutzen.

Bildanmutung und Bildqualität:

Ist das Großformat-Photographieren heute mehr ein Spleen oder sind die Bildergebnisse den großen Aufwand dann doch wert?

Fragt mich etwas Leichteres ... ich bin ganz einfach fasziniert davon und eines ist sicher ... das ENORME Freistellungspotential bei ungeahnter Schärfe sieht schon anders aus, als Blende 1,4 an Kleinbild .... wenn man einen Blick dafür hat.

Die ENORME Schärfe und das Auflösungspotential ist auf jeden Fall ein exorbitanter Genuss:

Totale aus 9x12 Planfilm:

Bild - 121.jpg

Crop aus diesem Bild:
Bild 130.jpg

Hier beschränkt tatsächlich die relativ grobkörnige Rodinal Entwicklung bzw. die Korngrenze noch höhere Auflösung auch reichen die eingestellten 2400 DPI des Scanners nicht ganz aus.

Totale:
Bild - 123.jpg
Crop aus diesem Bild:
Bild 131.jpg

Totale:

Bild -X 136.jpg

Crop aus diesem Bild:

Bild 132.jpg

Nachwort:

Wer Blut lecken sollte und Interesse an der Großformatphotographie im alten 9x12cm Format bekommen sollte, ist herzlich eingeladen hier zu kommentieren, Fragen zu stellen, Ergänzungen zu machen, Kritik zu äußern etwas besser zu wissen usw ...
Natürlich sind auch alle eingeladen, die einfach nur Spaß hatten, meine Geschichte mal wieder durchzulesen .... klar ... es muss nicht jeden interessieren.....☺️

Ich weiß noch viel mehr mehr ... wie solche Riesennegetive ausbelichten oder digitalasieren? ... usw ... all das würde hier den Rahmen noch weiter sprengen, als sowieso schon passiert.

Wenn das Interesse da ist, dann gerne. Ich teile mein gesichertes Photographenwissen sehr gerne ... um diesen wertvollen Teil der Photographie nicht unwiederbringlich sterben zu sehen ... es wäre nämlich jammerschade!

Noch geht ALLES! Alles, was man braucht ist sehr bezahlbar verfügbar und es wäre schön, wenn das so bliebe ....

Arbeiten WIR doch gemeinsam daran!
Grüße und RETTET FILM🤣

Klaus
 
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  • Alles über 9x12 Plattenkameras .... Beitrag #8
Das ist eine tolle nostalgische Reise in vergangene Zeiten der Photographie.
Wie immer von Dir mit vielen fundierten Wissen und Charm geschrieben.

Mit so einem Typ Kamera konnte ich vor vielen Jahren nichts anfangen und habe sie verkauft.
Zumindest ist die Kamera bei einem Grafik Studenten eingezogen.

Dein hier ausführlicher Bericht wird am Wochenende studiert.
Danke und Grüße
 
  • Alles über 9x12 Plattenkameras .... Beitrag #9
Das liest sich wunderbar, habe schon vor Jahren mit einer 9x12 Laufbodenkamera auf Planfilm fotografiert. Da ich jedoch nicht über ein Labor verfügte, hat mir ein Fotografenmeister die Negative entwickelt. Diese Art der Fotografie mit Großformat ist ohne Frage heute ein abenteuerliches Erlebnis und ich bin sehr froh es im Leben mal gemacht zu haben.
 
  • Alles über 9x12 Plattenkameras .... Beitrag #10
Vielen Dank für das Interesse und die Kommentare,

Ich kann mir die Silberhalogenid-Photographie ohne eigenes "Kleinstlabor" nicht vorstellen. So, wie ich immer geschrieben habe, dass ich mir die Digitalphotographie ohne Bildbearbeitung NICHT vorstellen kann, wäre doch die Film-Photographie ohne eigene Laborarbeit für mich nicht einmal die Hälfte .... viel zu interessant ist das und viel zu "LANGWIERIG" wäre mir "Machen lassen"!
Dabei geht es mir gar nicht mal um die Kosten! Nur Maschinenentwicklungen können preiswert sein .... sobald sich da ein Fachmann
'dran setzt wird es teuer ..... nicht ZU TEUER, denn ich weiß ja, wie zeitintensiv Photo-Laborarbeiten sind und dass die Liebhaber, die heute noch den Dienst anbieten, da sicher nicht von leben können.

Wenn ich sage, dass ich verdammt viel weiß und -gerne berate- dann lüge ich ja nicht .... gebt Euch einfach mal den Ruck und fangt an ..... es ist hochkreativ und macht sehr viel Spaß! .... und ich weiß, wie das alles auch bezahlbar bleibt oder wird!

Grüße und rettet Film!☺️

Klaus
 
  • Alles über 9x12 Plattenkameras .... Beitrag #11
Es gibt ein Leben als Analogfotograf ohne Laber und auch das macht Spaß. Bin damit sehr zufrieden. Ich kann es nicht ändern, mir ist es so passiert und ich werde meine Lebenserfahrungen deshalb nicht widerrufen. Großformat ist spannend, aber das Entwickeln können andere machen. Es gibt auch Digitalfotografen ohne Bildbearbeitung und ich finde, dass kann man respektieren.
 
  • Alles über 9x12 Plattenkameras .... Beitrag #12
Besten Dank für den ausführlichen Beitrag! Hier noch mein Senf aus der Froschperspektive:
Glasplatten sind mir durchaus vertraut. Mit denen habe ich die Fotografiererei begonnen, so um 1960. Da gab es die im Format 6x9 zu kaufen - von Perutz. Die habe ich dann in eine Box "geladen", das Objektiv war rausgenommen und das ganze irgendwie an einem Mikroskop befestigt. Und dann meine Präparate minutenlang belichtet... Hat funktioniert.

Mit Planfilm hatte ich auch mal was. Und zwar war mir eine gebrauchte Polaroid zugelaufen, die war von irgendeinem Mächler auf Planfilm umgerüstet worden. Und zwar das 4 auf 5 Format. Fürs Entwickeln habe ich mir dann einen Paterson-Tank angeschafft, der hatte einen Planfilm-Einsatz, sodaß ich das Einfädeln recht bequem im Wechselsack vornehmen konnte.
Allerdings erwies sich die Polaroid für den ihr zugedachten Zweck -Sternfeldaufnahmen- als ungeeignet und ich habe dann alles wieder über "die Bucht" an den Mann gebracht. Je nun...
 
  • Alles über 9x12 Plattenkameras .... Beitrag #13
Ja .... diese Polaroid Umbauten kenne ich auch! Ich denke aber, dass eine umgebaute Polaroid auch nicht "kompakter" wird, als eine
historische "Reisekamera". Optisch besser?? Ich glaube eher nicht! Die klassische Laufbodenkamera kann zudem mehr, denn sie hat i.d.R. eine Shift-Standarte, die der UMBAU-POLA fehlt und ein Objektiv mit größerem Shift-Bildkreis! Zudem ist der Oldtimer auch noch preisgünstiger, so dass sich der Umbau einer Polaroid für mich nicht wirklich anbietet.

Grüße und viel Spaß mit Film

Klaus
 
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