Ein weiterer Dezemberabend.
Ich mag immer Geschichten, wie bestimmte Fotos entstanden sind. Wer nicht, kann überspringen - jetzt erzähle ich mal selber eine.
Samstag. Es ist diesig mit Hochnebel. Kein Fotowetter. Da kann ich doch mal die neuen Winterreifen auf dem Fahrrad testen Es hat zwar keinen Schnee - aber wenn ich eine Schluchtstrecke wähle, finden sich ja vielleicht ein paar ganz gemeine, schmelzwassergetränkte Eisplatten. Ob ich die Fotoausrüstung mitnehme? Lohnt eigentlich nicht. Aber dann packe ich doch die kleine Fototasche, die auf dem Gepäckträger geklemmt wird.
Und los geht's. Das Bergauf und -ab kostet seine Zeit. In der letzten, steil ansteigenden Schlucht wird es langsam dunkel. Oben am Waldrand angekommen, überrascht mich, dass im letzten Tageslicht der Nebel verschwunden ist. Nach rechts rückwärts sogar tiefblauer Himmel - mit güldenen Federchen gesprenkelt. Irrsinnig. Ich denke an Waldschrats Himmelfotos. Aber leider kein verwertbarer Vordergrund - nur ödliche Tannenwipfel. Da fotografiere lieber den Wiederschein in Vorwärtsrichtung (für beides nacheinander reichte die Zeit nicht - Landschaftsfotografie ist oft schon eine verflixt dynamische Sache).

Sigma SD1, 3,5/10-20mm bei 15(22)mm
Das war's wohl für heute. Weiter geht's. Reifen testen. Straße bergab fehlt noch.
Doch als ich über die mit einzelnen Bäumen bestandene Höhe komme, plötzlich und unvermutet folgende Szenerie (ungefähr dieselbe Blickrichtung). Ich komme da immer mal wieder vorbei - aber das hatte ich noch nie gesehen:

SD1, DG 4-5,6/70-300mm bei 200(300)mm
Im Vordergrund die Wallfahrtskapelle "Maria - Mutter Europas", deren Bau vor einigen Jahren (im Naturschutzgebiet!) heftige Diskussionen ausgelöst hat. Dahinter exakt zentriert in einer Entfernung von 200 km die Viertausender-Gipfel des Berner Oberlandes in der Schweiz.
Für wen es interessiert:
Die herausragenden Berge im Hauptmassiv sind von rechts:
· Jungfrau (4158m) und Mönch (4099m). Unmittelbar rechts des Mönchgipfels als kleines Zipfelchen erkennbar der Eiger (3970m)
und von links
· Finsteraarhorn (4274m), Lauteraarhorn (zackiger Gipfelkamm, 4274m) und Schreckhorn (4078m), anschließend
· Gross Grünhorn 4043m, Hinter Fiescherhorn 4025m, Grosses Fiescherhorn (4043m), Aletschhorn (4195m).
Hier die maximale Auflösung.
Um den Höhepunkt nicht zu verpassen, fotografiere ich im Minutenabstand, bis die Lichtstimmung verschwunden ist.
Andreas