Das stimmt nicht. Denn so ist es schon mit den digitalen Spiegelreflexen.
Schon mal beobachtet wenn Touristenschwärme Denkmäler und Innenstädte infiltrieren?
(...)
Das sind alles Schnappschießer, warum auch nicht.
Selbst ein Porsche darf in einer 30er Zone, 30 fahren und eine 5DMK3 hat eben auch aus diesem Grund einen Dödelmodus damit man auch Schnappschießer mit hochwertigen Kameras bedienen kann.
Was ist ernsthafte Fotografie?
wenn ich eine tolle Blende einstellen kann?
wenn das Bild schön wurde?
wenn mein Bild musealen Charakter hat, also leicht angestaubt ist?
wenn ich Motive von großen Fotografen nachknipse?
wenn ich glaube mein unscharfes Bild ist doch Kunst?
Ernsthaft wird es doch erst wenn ich davon Leben muss.
Das sehe ich mal ganz entspannt. :daumen:
Darüber musste ich eine Weile sinnieren. Teilweise gebe ich Dir Recht. Aber ich befürchte, Du hast mich ein wenig missverstanden.
Durch die Abmessungen werden die Kameras kleiner und vermeintlich handlicher, so dass sie bevorzugt in den Hemd- und Handtaschen der NutzerInnen verschwinden, um bei den unmöglichsten Gelegenheiten wieder heraus geholt zu werden. Ist das negativ? Nein. Diejenigen, die sich vorher mit einer DSLR abschleppten nehmen nun ihre Nikon 1 aus der Tasche und machen damit ihre Bilder. In genau solcher Qualität, wie sie sie zuvor mit der schweren (D)SLR gemacht haben. Das sehe ich völlig neutral und weder ab- noch bewertend.
Ist Fotografie erst in dem Moment ernsthaft, wenn sie einen finanziellen Zweck (den Lebensunterhalt zu verdienen) verfolgt? Ich meine, nein. Die Kamera, die man zum ernsthaften Fotografieren benutzt spielt eine untergeordnete Rolle. Sie muss ihren Zweck erfüllen, um das Bild, das man vor seinem inneren Auge sieht, interpretieren und wiedergeben zu können. Nein, es so aufnehmen zu können, wie man es am Ende haben möchte. Ob das Bild dabei unter mühseligem Ausrichten der Kamera und mehrfacher Prüfung der Lichtverhältnisse und nach Einstellen der Lichtanlage oder im Rahmen einer Reportage in Hektik durch eine Serie entsteht ist dabei auch völlig egal. Ebenso ist dabei egal, ob es nun eine billige Kompakte, eine Bridge, eine System- oder eine schwere Spiegelreflexkamera mit egal welcher Sensorgröße ist, die das Bild aufnimmt.
Man kann, ich habe da mal recherchiert, auch mit einer MF einfach mal so herumknipsen. Das macht aber keinen Spass weil man einfach viel zu viel Gewicht mit sich herum schleppt und bald schon der Akku und/ oder die Speicherkarte gewechselt werden will. Neumodische kleine Kameras schaffen eine Menge mehr an Bildern pro Akku und Speicherkarte und man kann einfach so draufhalten, ohne sich über das Motiv und die dabei entstehende Datenmenge im Vorfeld Gedanken machen zu müssen. Das ist toll. Aber genau das ist es nicht, was ich unter ernsthafter Fotografie verstehe. Denn am Rechner betrachtet sind die meisten dieser Bilder eben nicht toll und zumindest ich lösche solche Bilder dann schleunigst wieder. Alleine schon deswegen, weil ich niemanden (auch nicht die Nachwelt) mit solchen überflüssigen Ergüssen unnötig nerven möchte. Vorrangig nerven mich aber solche unnötigen Bilder selbst am meisten, denn sie bedeuten unnötigen Verschleiss an einem wertvollen Arbeitsgerät. Egal, wie teuer nun die Kamera tatsächlich war.
Aber: Für unsere Wirtschaft sind solche wilden Hobbyknipser ein Segen, denn nicht wenige davon lassen sich durch kleine Abmessungen, viele Megapixel und flexiblen Einsatz zu einem Kauf einer solchen Kamera bewegen und werden langfristig auch den Absatz an notwendigem Zubehör ankurbeln.
Auch hier in diesem Kontext bitte nicht missverstehen: Es gibt eine Reihe an Nutzern, die sich eine solche Kamera bewusst zulegen und hervorragende Bilder damit aufnehmen. Dieser Personenkreis wählt sein Zubehör mit Bedacht und erweitert nur um die Dinge, die er auch wirklich benötigt. Selbst bei den Nutzern von Systemkameras aber habe ich schon solche erlebt, die eine große Tasche mit Krempel voll packen und davon kaum ein Utensil benötigen, weil sie a) nur mit der Kamera und dem darauf gesetzten Objektiv fotografierten und b) den Rest in der Tasche scheinbar nur zum Angeben mitgeschleppt haben. Das ist in meinen Augen auch weit von ernsthafter Fotografie entfernt.
Über die vielen Merkwürdigkeiten, die ich in Darmstadt bei der Fotomesse erlebt habe, hülle ich den Mantel des Schweigens. Es ist sicher davon auszugehen, dass diese "Ultranutzer", die mehr über Kameras reden als sie zu benutzen, sich ohnehin keine kleinen Systemkameras zulegen werden, denn diese sind zu unmännlich und liefern ja keine vernünftige Bildqualität ab. Wie diverse Charts und Messdiagramme im biologischen Reinraum ergeben haben. Oder war es der chemische Reinraum... ich habe es vergessen.
Schön ist jedenfalls, dass der Markt sowohl gebraucht als auch neu eine schier unüberschaubare Fülle an Material vorhält, aus der sich der geneigte Interessent die für seine Bedürfnisse und Vorstellungen richtige und preislich passende Ausrüstung zusammen suchen kann.
Wenn das nun über jede Kamera- und Preisklasse hinweg, auch in den Reihen dieses Forums, endlich einmal in den Köpfen angekommen ist, dann müsste man doch zu dem einzig weisen Entschluss kommen, dass zumindest hier jeder genau diesen Denkansatz verfolgt und mit seiner nun vorhandenen Ausrüstung "seine" besten Ergebnisse erzielen kann.
Raum für Verbesserungen besteht immer. Dieser muss aber nicht zwingend bedeuten, dass man für teures Geld aufrüstet.