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Hast du nicht neulich mal berichtet, daß das bei dir mit dem Fokusieren auf den IR-Index bei deinen manuellen Gläsern nicht so genau hinhaut? Das dürfte mit dem verwendeten Filter zu tun haben. Die IR-Indizes der meisten manuellen Objektive sind für 790nm-Filter berechnet. Daher eventuell die Abweichung. ...
Hi Steffen!
Wie an anderer Stelle schon geschrieben, denke ich, dass die reale Fokuslage bei IR-Fotos
ein Puzzle aus mehreren Faktoren ist.
Zu Deinem Aspekt:
Grundsätzlich nimmt die Brechung von Glas bei zunehmender Wellenlänge ab. Eine einzelne Linse müsste Mann/Frau im IR gegenüber sichtbarem Licht immer ein Stück weiter vom Sensor entfernen, um wieder Schärfe zu erreichen. Das Problem der je nach Wellenlänge verschiedenen Fokuslage besteht aber auch schon im sichtbaren Bereich. Genau dies dürfte *ein* wesentlicher Grund sein, warum die Hersteller so viel Gehirnschmalz und Rechnerpower investieren. Sie kombinieren
mehrere Linsen zu einem Objektiv, damit sich die Fokusversätze über das Abbildungsspektrum gegenseitig kompensieren.
Eine Vertiefung dieser Thematik z.B. hier:
http://de.wikipedia.org/wiki/Achromat
http://de.wikipedia.org/wiki/Apochromat
Im IR greift diese gegenseitige Korrektur der Linsen der Optik u.U. nicht mehr, und der Fokus weicht ab. (Es gibt wohl auch Objektive, die bis ins nah-IR hinein korrigiert sind - Super-Apochromate)
mehr Vertiefung u.a. hier:
http://www.dantestella.com/zeiss/achromat.html
Das dieser Fokusabweichungs-Effekt im IR je nach individueller Konstruktion des Objektives verschieden ausgeprägt ist, verdeutlicht ein Blick auf den alten M42-Objektivpark. Die IR-Indizes für "unendlich" sind je nach individuellem Objektiv unterschiedlich weit vom unendlich-Anschlag entfernt.
Ob dieser IR-Index, wie Du schreibst, nun genau für
790nm Wellenlänge gilt, weiss ich nicht.
Woher stammt diese Info, und für welche Objektive welches Herstellers gilt diese Aussage genau?
Wir - Du und ich - nutzen gerne die M42-Altgläser aus "unserer" DDR. In der DDR gab es nur einen IR-Film im
Kleinbild-Format,

feil: ORWO NI750.
(Zu erwerben, wenn man mit Glück drauf zukam, im Frühjahr, im Kühlschrank des Foto-Geschäftes am Berliner Alexanderplatz.

)
Der NI750 hatte folgende spektrale Empfindlichkeit:
(
Vielen Dank an Herrn Frank Böhme von der Filmotec GmbH Wolfen http://www.filmotec.de/.
Herr Böhme ist nach meiner Anfrage im Mai 2013 extra ins ORWO-Museum abgetaucht, und holte das Datenblatt der ORWO-IR-Materialien wieder ans virtuelle Tageslicht.
Genehmigung zur Veröffentlichung hier im Bilderforum liegt mir vor)
Wie zu sehen ist, peakt die Kurve des NI750 bei 760nm...790nm. Über 815nm "geht gar nix mehr". Diese spektrale Empfindlichkeit deckt sich gut mit Deiner Aussage, der IR-Index sei von den Herstellern für 790nm markiert. :daumen: Zumindest für den Mikrokosmos der DDR macht das Sinn.
Der wundervolle IR-Film Kodak HIE
http://en.wikipedia.org/wiki/Kodak_High-Speed_Infrared
zeichnete IR jedoch bis ca. 900nm auf. Datenblatt:
http://www.kodak.com/global/en/professional/support/techPubs/f13/f13.pdf
Das hinterfragt m.E. einen generellen weltweiten Bezug aller Hersteller auf 790nm.
Silizium als Sensor ist hingegen bis über 1000nm für Photonen empfänglich. (Wer hat dazu genauere Infos??) Werden wie im ganz oben gezeigten Bild Lichtanteile kürzerwellig als 850nm per Filter abgeschnitten, ist der Fotobereich nun digital also zwischen 850nm und irgendwo jenseits 1000nm. Mithin in einem Bereich, wo die Filme gar nicht hinreichten.
Niemand weiss, wie das Objektiv da genau reagiert. Genau das war ja im Grunde auch Deine These.
Da hilft nur: Versuch macht kluch.
