Also
Ich weiss ja jetzt nicht, wie alt du bist, aber in grauer Vorzeit gab es mal Filme, die man in die analogen (Spiegelreflex-)Kameras einlegte. Wenn man nun auf den Auslöser drückte, hob sich der Spiegel und der Film wurde belichtet. Dann hat man den Film (manchmal noch mechanisch) weitertransportiert und man konnte das nächste Foto schießen. Wenn der Film voll war, hat man ihn zum Entwickeln gebracht.
In der digitalen Variante hat die Aufgabe des Films der sog. Sensor übernommen. Wenn du auf den Auslöser drückst, klappt der Spiegel der Kamera innen nach oben und lässt das (durch das Objektiv) einfallende Licht auf den Sensor treffen. Das Ergebnis ist dann halt nicht auf einem Film festgehalten sondern wird von der internen Kamerasoftware an die Speicherkarte übergeben.
Da muss also nix weitertransportiert werden, sondern du kannst sofort das nächste Bild schiessen usw.
Jetzt stell dir vor, du verklebst das einzige Fenster in einem Raum flächenfüllend mit schwarzer Folie, so dass kein einziger Lichtstrahl mehr den Raum erhellt.
Dann ist es zappenduster, soweit klar, oder?
Jetzt machst du ein Loch in die Mitte der Folie, sagen wir mal Durchmesser 1 cm.
Jetzt fällt ein sehr dürftiger Lichtstrahl in den Raum, vermutlich kannst du aber noch nichts im Raum erkennen, weil es einfach noch immer zu dunkel ist.
Ok, nun vergrösserst du das Loch auf 2 cm Durchmesser ... reicht noch immer nicht? Ok, dann mach schrittweise weiter, bis das Loch so gross ist, dass du die Gegenstände im Raum zumindest schemenhaft erkennen kannst.
Vermutlich würdest du aber immer noch gegen Stühle oder andere Gegenstände stossen, denn die Sicht ist noch immer nicht wirklich gut.
Damit du wirklich in dem Zimmer was machen könntest (aufräumen, staubsaugen, einen Brief schreiben ...), wird das Loch vermutlich auf eine Größe von mindestens 30-40 cm Größe anwachsen müssen.
Und wenn du das jetzt nachvollziehen kannst, hast du schon kapiert, wie die Blende funktioniert :daumen:
Also:
- große Blendenzahl = sehr kleine Öffnung = sehr kleines Loch in der Folie auf dem Fenster = sehr wenig Licht, das auf den Sensor fällt und "belichtet"
- kleine Blendenzahl = sehr große Öffnung = grosses Loch in der Fensterfolie = viel Licht, das auf den Sensor fällt und "belichtet".
So. Und abhängig von der eingestellten Blende ergibt sich (jetzt etwas vereinfacht erklärt) auch die Belichtungszeit.
Wenn ich sehe, dass die Sonne runterknallt, ist es heller, als wenn wir einen trüben, nebelverhangenen Novembertag haben.
Also muss ich mir vor dem Foto überlegen, mit welcher Blende (und Verschlusszeit) ich fotografieren muss, damit das Foto nicht unter- oder überbelichtet wird.
Um beim Beispiel mit den Adlern zu bleiben: es war sonnig, also hell; Adler bewegen sich deutlich schneller als bspw. eine Schildkröte. Also muss ich, um die Flugbewegung eines Adlers auf dem Foto einzufrieren, eine möglichst kurze Verschlusszeit (=ist die Zeitspanne, in der der Spiegel hochklappt und damit Licht auf den Sensor trifft und der Spiegel wieder runterklappt) nehmen.
Eine achthundertstel Sekunde ( 1/800 Sek.) war zu lang bei meinem ersten Versuch: die Adler waren im Flug nicht scharf abgebildet. Mit einer Verschlusszeit von 1/2000 Sek konnte ich den Flug einfrieren und die Bilder wurden weitgehendst scharf.
Aber logisch ist auch, dass je kürzer die Verschlusszeit ist, auch weniger lange Licht auf den Sensor fällt. Ergo muss ich noch andere Parameter ändern, damit das Bild nicht kohlrabenschwarz (weil unterbelichtet) wird.
Hier kommen die ISO ins Spiel: früher hatten die Filme auch immer eine Angabe, wie empfindlich sie sind, hieß ASA.
Wenn du meinen Thread mit den Adlern liest, schau mal bei den besseren Fotos, da habe ich die Einstellungen immer mit dazu geschrieben: "xxx Sek, f xxx (steht für die Blende), xxx ISO".
Wenn du die ISO hochschraubst, erhöhst du die Empfindlichkeit des Sensors. Hat aber zur Folge, dass die Bilder u. U. dann hohes Rauschen (also so grieselig) aufweisen. Aber bei sehr kurzen Belichtungszeiten (=Verschlusszeiten) kann man u. U. eben mit den entsprechenden ISO-Werten doch noch korrekt belichtete Bilder zustande bringen. Da muss man sich rantasten
Die Blende ist auch verantwortlich für die Schärfentiefe (= Tiefenschärfe), aber das sprengt jetzt den Rahmen.
Ich hoffe, dir ein wenig geholfen zu haben und bitte alle anderen, mich zu korrigieren, falls ich was komplett falsch erklärt habe
