(Makro) Wabi-Sabi (侘寂)

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  • Wabi-Sabi (侘寂) Beitrag #1
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634
hi @ all,

heute mal was "philosophisches" :)

(ich stelle es mal hier rein, sollte es nicht passen kann der mod es ja verschieben)

......
Die zunehmende Technisierung und Anonymisierung unserer Gesellschaft lässt in immer mehr Menschen eine Sehnsucht nach Einfachheit, Natürlichkeit und Ursprünglichkeit wachsen. Dies ist ein in der Seele des Menschen tief verankertes Bedürfnis. In unserer reizüberfluteten Umwelt wird es jedoch immer schwerer, das zu erkennen.


Es gilt herauszufinden, was für jeden von uns wesentlich ist. Inmitten von Ablenkung und Entfremdung gibt es immer wieder Dinge, auf die jeder anspricht und unmittelbar reagiert: das mag die beruhigende Stille der blauen Stunde sein, der erhebende Anblick, wenn das Sonnenlicht durch das Herbstlaub bricht, eine schöne Melodie, der weite Blick über regenverhangene Täler. Jeder Mensch hat hierauf seine eigenen Antworten, seine persönlichen besonderen Momente.


Über allem liegt eine universelle Wahrheit: Es gibt eine Schönheit, die die Seele des Menschen unabhängig von seiner Herkunft und seinen Erlebnissen klingen lässt und ihn an die Wurzeln des Seins führen kann.

Japanische Kunstphilosophien haben diese Wahrheit in ihre ästhetischen Konzepte aufgenommen und umgesetzt.
Drei der wichtigsten sind:

Shibui (渋い), „Bitterer Geschmack“

Mit diesem schwer ins Westliche zu übertragenden Begriff wird die Ästhetik der einfachen, subtilen und unaufdringlichen Schönheit ausgedrückt. „Shibui“ stellt die höchste Form der Schönheit dar. Sie beinhaltet natürliche Komponenten, wenn sie nicht sogar ausschließlich daraus besteht. Das bloße Auge sieht die Dinge, jedoch das innere Auge erkennt, ob es „Shibui“ ist.

Wabi-Sabi (侘寂), Konzept der Wahrnehmung von Schönheit

Ursprünglich bedeutet „Wabi“: sich elend, einsam und verloren fühlen. Dies erfuhr die Verbindung mit „Sabi“: alt sein, Patina zeigen, über Reife verfügen, eine Wandlung. So entstand die eigentlich nicht übersetzbare Begriffseinheit, die den Maßstab der japanischen Kunstbewertung bildet: Nicht die offenkundige Schönheit ist das Höchste, sondern die verhüllte. Der bemooste Fels, das grasbewachsene Strohdach, die knorrige Kiefer, der leicht berostete Teekessel, das und ähnliches sind die Symbole dieses Schönheitsideals. Es geht um die Hoheit, die sich in der Hülle des Unscheinbaren verbirgt, die herbe Schlichtheit, die dem Verstehenden doch alle Reize des Schönen offenbart.

Ma (間) „Schönheit ist auch dort wo es nichts gibt“

Dieses Konzept kann in japanischen Steingärten betrachtet und erfahren werden: Raum, Leere, Ruhe.
Ein schönes Gedicht kann man schnell hervorsprudeln und damit verhindern, dass sich die poetische Kraft entfaltet. Erst die gezielte Pause, ein bewusstes Innehalten lässt dem Geist Zeit und Raum, alles aufzunehmen. Auf Bildern äußert sich dies in vielen freien Flächen. Der westlich geprägte Betrachter sieht eine zunächst ungewohnte Leere, die er lernen kann, mit eigener Interpretation zu füllen.
...........


so und nun die pics



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hardware ist auch "Wabi-Sabi"

canon eos 10D
sigma 50mm 2.8 makro non DG
 
  • Wabi-Sabi (侘寂) Beitrag #2
Danke für Ausführung oben:klatschen:!

Die Wabi-Sabi;) Bilder gefallen mir beide sehr gut, aber das Erste gefällt mir von den Farben und dem Schnitt besser!
 
  • Wabi-Sabi (侘寂) Beitrag #3
Schwierig für mich, auf deine Einlassungen einen Kommentar zu schreiben. ;)

Das zweite Foto spricht mich mehr an. Gefällt mir von der Farbgebung und der Motivgestaltung her besser.
 
  • Wabi-Sabi (侘寂) Beitrag #4
Und mir gefällt das erste sehr gut, die Wirkung der mittleren Blüte spricht mich hier einfach an !
 
  • Wabi-Sabi (侘寂) Beitrag #5
Hallo Joerg,

nun bin ich gerade nicht erstaunt ausgerechnet von dir diese Zeilen hier im Forum zu finden - hatte schon einen ähnlichen Hintergrund vermutet anhand Deiner wunderschönen Bildern...
Für mich lässt sich Shibui (渋い), Wabi-Sabi (侘寂), Ma (間) in einen Begriff und Lebensweise zusammenfassen:
ZEN
praktisch gelebt, hier und jetzt, jeden Tag, jede Minute und vor allem beim Fotografieren.

Danke für Deinen Beitrag!
snowstar
法月
 
  • Wabi-Sabi (侘寂) Beitrag #6
Hallo Jörg,

auch wenn ich von den Dingen, die du oben erläuterst, nicht viel verstehe, gefällt mir doch Bild 1 gut.

Grüße

Klaus
 
  • Wabi-Sabi (侘寂) Beitrag #7
Auch wenn mir die japanischen Philosophien nicht so zusagen, die Bilder finde ich Spektakulär. Einfach vom Motiv, aber doch sehr gut umgesetzt und schön anzusehen.

Da ich in meinem Berufsleben zu oft an japanischen Tugenden gemessen wurde, sprechen mich deren Lebensweisheiten nicht so an. Mittlerweile hat sich dies ja auch Dank der schlechten japanischen Wirtschaftslage gelegt und wir besinnen uns wieder auf unsere eigenen Tugenden.

Arbeit, Fleiß und Disziplin
 
  • Wabi-Sabi (侘寂) Beitrag #8
Hallo Jörg

Zu Deinen Bildern: Bild 1 gefällt mir in allen Belangen besser. :)

Zu Deinem Kommentar: Deinen Beitrag über Japanische Kunstphilosophien fand ich sehr interessant und aufschlussreich. Oft ist es die ausführliche Erklärung, die ein Bild interessant macht. Dass ist Dir sehr gut gelungen! :klatschen::klatschen::klatschen:
Falls Du Dich für Chinesische Gartenkultur ebenfalls interessierst, besuche doch einfach mal den Duisburger Zoo. Dort wurde 1988 ein beeindruckender angelegt.

Über Chinesische Gärten

Ein Chinesischer Garten entsteht keineswegs zufällig. Beinahe alles was man hier sieht, seien es die Pflanzen, Skulpturen, oder auch nur Steine, hat seine Bedeutung.
Bereits beim betreten des Gartens durch seine großen schwergängigen Torblätter „stolpert“ man über die hohe Torschwelle. Direkt hinter dieser Schwelle liegen (Stolper)-Steine unmittelbar vor einer Wand, der es auszuweichen gilt. Nach nur wenigen Schritten steigt man nun einige Stufen (um eine Holzwand herum) herauf. Bisher war bis auf spärliche Bepflanzung noch nicht viel von einem Garten zu sehen, sondern lediglich ein Hindernis nach dem anderen.
Genau das ist jedoch der Zweck dieses Garteneingangs: Vor Jahrhunderten dachten sich die chinesischen Gärtner dass sie so böse Geister abschrecken können: Die bösen Geister stolpern zunächst über die hohe Türschwelle, schlagen dann vor die gegenüberliegende Wand. Anschließend stolpern sie benommen die (unregelmäßigen) Stufen hinauf, was sie wiederum dazu zwingt geradeaus zu laufen, um nochmals vor die Holzwand zu laufen. Wir Menschen jedoch werden dazu gezwungen den Garten mit offenen Augen zu durchschreiten und auf alles um uns herum zu achten.
Einmal im Chinesischen Garten angekommen, überwältigt einen ein atemberaubender Anblick. Die dichte Botanik, der kleine Bachlauf der in einem kleinen See endet, die Anordnung der Steine, die Brücke mit ihren unregelmäßigen Stufen und nicht zuletzt das Teehaus. Unweigerlich glaubt man sich im fernen China zu befinden.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Wabi-Sabi (侘寂) Beitrag #9
Falls Du Dich für Chinesische Gartenkultur ebenfalls interessierst, besuche doch einfach mal den Duisburger Zoo. Dort wurde 1988 ein beeindruckender angelegt.

Danke für den Link. Auch wenn ich kein Zoo Sympathisant bin, bei diesen Bildern pocht mein Gärtnerherz. Zur Kirschblüte ist ein Besuch vorgemerkt. Gerne auch als Usertreff für die Ruhrgebietler von Dir als Fachmann organisiert.;)
 
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