Langzeitbelichtung mit der Sigma SD1 - ein erster Versuch
Hallo Leute,
es trifft zwar nicht genau die Ausgangsfrage, aber der Schrat hat mir damit keine Ruhe gelassen.
In der Vollmondnacht letzte Woche habe ich mir die SD1 geschnappt und einfach mal ein paar Probeaufnahmen gemacht. Leider hatte ich (aufgrund einer leichten Wolkendecke) keine konstanten Lichtverhältnisse - und so musste ich von einer Belichtungsreihe mit unterschiedlichen Verschlusszeiten absehen.
Aber die Aufnahme mit 120 sek Belichtungszeit gibt dennoch einigen Aufschluss:
Objektiv: Sigma EX 1,8/24 mm, Blende 5,0, 100 ASA (50 ASA gibt es bei der SD1 nicht mehr)
Version 1 - Nullstellung der Regler in SPP 6.2:
Diese Aufnahme kann man (abgesehen davon, dass sie etwas dunkel geraten ist) guten Gewissens als technisch einwandfrei bezeichnen - in der Praxis keine erkennbaren Störungen im Bild (wenn man sie nicht gerade sucht).
Version 2: Schatten durch
Kontrastregler -2
Schattenregler +1
X3F-Fill-Light +0,4
moderat aufgehellt:
Jetzt kann man an den dunkelsten Bildpartien Rotfleckigkeit erkennen. Ich denke aber, das könnte man durch partielle Bildverarbeitung noch hin bekommen.
Version 3: Schatten durch
Kontrastregler -2
Schattenregler +2
X3F-Fill-Light +1,2
stark aufgehellt:
Jetzt wird die Rotfleckigkeit unübersehbar.
Man beachte: Die Rotfleckigkeit tritt nur in den dunkelsten Bildpartien auf. Im Himmel (dort mehr Licht auf dem Sensor) sind keinerlei Bildstörungen -trotz der Belichtungszeit- sichtbar.
Schlussfolgerung: Der Foveon-Sensor braucht für eine korrekte Bildwiedergabe eine Mindestmenge Licht. Daraus wiederum ist zu folgern: Langzeitaufnahmen reichlich belichten :ausrufezeichen::ausrufezeichen:
Letzteres scheint widersinnig zu sein - ist es aber nicht: Es heißt in der Praxis: Blende auf! Dadurch schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Der Sensor bekommt eine genügend genaue Quantenstatistik für die Bildberechnung - und man vermeidet das schädliche Aufziehen der Schatten.
Ich hätte mit der Erfahrung von letzter Woche einfach die Blende noch um 1-2 Stufen geöffnet. Um zu verhindern, dass die Spitzlichter ausfressen, hätte ich noch Aufnahmen mit 30 und 8 s. gemacht und bei Bedarf die dunklen Partien aus der Langzeit mit den hellen aus einer der kürzeren Belichtungen kombiniert.
Man möge mir die mangelnde Qualität des Beispiels verzeihen. Aber Nachtaufnahmen fotografiere ich normalerweise nur analog. Der Film ist jedem Digitalsensor haushoch überlegen - umso mehr, je länger die Belichtungszeit. Hier zum Vergleich ein Beispiel:
Vollmondnacht an der Donau
Hasselblad 205TCC, Fujichrome Velvia, Bl. 16 (wegen der Schärfentiefe), 45 min.
Andreas
P.S: Die Vorschaubilder auf dem Kameramonitor sehen scheußlich aus - kein Vergleich zum fertigen Bild!