Öler ....

Diskutiere Öler .... im Technik & Industrie Forum im Bereich Bildbesprechungen; Seit Mitte des 19. Jhdts. hielt der Maschinenbau in Europa Einzug. Die Dampfmaschine konnte mechanische Energie erzeugen, wie zuvor völlig...
  • Öler .... Beitrag #1
Klaus-R
Klaus-R
Moderator
Beiträge
23.351
Seit Mitte des 19. Jhdts. hielt der Maschinenbau in Europa Einzug. Die Dampfmaschine konnte mechanische Energie erzeugen, wie zuvor völlig unbekannt. Maschinen und deren rotierende Teile mussten beweglich, sicher und langlebig gelagert werden. Dazu dienten jahrzehntelang ausschließlich sog. Gleitlager, die auch heute noch Verwendung finden, da wo ihre Vorteile überwiegen.;)

Sog. Wälzlager sind im Maschinenbau erst ab ca. 1910 vereinzelt zu finden ... man vertraute ihnen lange nicht ... mit einiger Berechtigung. Wälzlager haben immer eine endliche Lebensdauer! Ihre Mechanik ist einem unvermidbaren Verschleiß ausgesetzt, der das Lager nach einer bestimmten Anzahl von Betriebsstunden (die sich rechnerisch abschätzen lässt) zerstören muss.

Ein Gleitlager besteht immer aus einem Wellenzapfen (i.d.R. aus einsatzgehärtetem (also randschichtgehärtetem) Stahl, dessen Lauffläche hochglänzend poliert wird, um Gleitreibung auf ein absolutes Minimum zu begrenzen. Als Lagerbuchsen (Vollschalen- oder Halbschalenbauweise) wird immer ein ganz anderes Metall (sehr oft Bronze!) benutzt, das sich (vereinfacht gesagt) mit dem Stahl der Welle so gar nicht versteht. Diese Materialpaarung ist deshalb maximal verschleißarm, weil beide Metalle nicht legierungsfähig sind (nicht flüssig mischbar also) und auch nicht verschweißt werden können. Die Tatsache, dass sie sich nicht verweißen lassen "wollen" führt zur geringstmöglichen "Fressneigung", die sich bei evtl. kurzzeitiger Mangelschmierung technisch realisieren lässt.

Die Lagerbuchse muss natürlich einen etwas größeren Durchmesser haben, als der Zapfen. Das Mittlere Lagerspiel eines Gleitlagers beträgt etwa 1/1000 seines Nenndurchmessers. Ein 50mm Wellenlager muss also in seiner Gleitlagerbuchse etwa 5/100mm Spiel ("Lagerluft") haben.

In diesen "Lagerluftspalt" gehört unbedingt ÖL!! Dauerschmierung ist für jedes Gleitlager absolut überlebenswichtig. Gleitlager müssen also permanent geschmiert werden, sonst überhitzen sie. Und jetzt ihr absoluter Vorteil: Wenn die Schmierung gewährleistet ist, dann verhindert der sich im Lager befindliche Schmierkeil jeglichen Verschleiß der Lagerung! Das Öl verhindert also, dass sich Zapfen und Lagerschale überhaupt berühren. Das Lager hat eine endlose Lebensdauer, wenn eine sog "Übergangsdrehzahl" überschritten wird, ab welcher die Welle "aufschwimmt".

Sorry, kürzer kann ich das nicht beschreiben.:eek:

Und jetzt endlich zu den Bildern ...

In den Maschinenfabriken des 19. und frühen 20. Jhdts. wurden auf solche Lagerungen sog. "Öler" montiert. In ein Glasgefäß wurde nun das Öl zur Schmierung der Gleitlager eingefüllt. Das Öl konnte nun in das Lager hineinfließen (es schmieren und kühlen) und seitlich aus dem Lager wieder hinausfließen (Seitenfluss oder Lecköl). Eine solche "Verlustschmierung" war viele Jahre Lang Standard. Das Lecköl floss nun gemächlich an der Maschine hinunter und sammelte sich in dafür vorgesehenen Nuten (Rinnen) der Maschinenkonsolen ... fast immer aus Grauguss gegossen. Leider ist sowas wie Umweltbewusstsein erst viel später gekommen! Geschlossene Schmierkreisläufe und gekapselte Wälzlager sind natürlich heute Vorschrift.

Der ÖLER! Es war nun damals Aufgabe der Maschinisten, dafür zu sorgen, dass immer genug Ölreseven in den Schaugläsern der Öler zu sehen war. Es durfte nie vergessen werden, nachzufüllen ... sonst war ein Lagerschaden unausweichlich.

CANON EOS 1Ds II + ZEISS Pancolar 50mm/F:1,8 (offen)

Bild - 7.jpg

Bild - 8.jpg

Grüße und schöne Photos

Klaus
 

Anzeige

Re: Öler ....
  • Öler .... Beitrag #2
Nett erzählt, wie immer.
Und die Bilder sind, denke ich, zu unrecht nicht beachtet.

Diese kleinen Dinge zeigen, mit welcher Detailverliebtheit seinerzeit die Dinge betrieben wurden. Nicht nur schlichte, gerade Funktion, nee, ein bisschen
"schön" durfte schon sein.

Diese Dinger erinnern entfernt noch an die (teils) heute noch üblichen
Füllstandsgläser bei Tankanlagen.
 
  • Öler .... Beitrag #3
Das erste Bild ist einfach nur top :klatschen:
Da passt sogar der Rahmen (vorallem von der Farbe her!), ein Stilmittel, dass ich eigentlich nicht mag ...

Beim zweiten will mir die Mittigkeit nicht so recht gefallen, wenn auch sonst alles makellos ist - ich bleib dabei - das Erste :daumen:

P.S.
Die Abbildungsleistung spieglet die verwendete HW wieder - Respect :cool:

.
 
  • Öler .... Beitrag #4
Hallo zusammen,

vielen Dank für die netten Kommentare über diese nicht ganz "mainstreamigen" Photomotive.;)

Diese kleinen Dinge zeigen, mit welcher Detailverliebtheit seinerzeit die Dinge betrieben wurden. Nicht nur schlichte, gerade Funktion, nee, ein bisschen
"schön" durfte schon sein.
Absolut! Man findet Jugendstil-Elemente durchaus auch im damaligen Maschinenbau und natürlich bei allem was eine Schnittmenge (Technik/Architektur) hatte.

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
  • Öler .... Beitrag #5
Tolle Infos&Fotos, Klaus. Du solltest mal überlegen, ob Du nicht die Maschinenelemente-Vorlesung an der hiesigen Uni übernehmen solltest! :daumen::daumen:

Gleitlagerungen sind immer noch sehr en vogue - genau aus den von Dir genannten Gründen. Selbst das ist nach diesem Prinzip gelagert.:)

Grüße,

Oz
 
  • Öler .... Beitrag #6
(...) Du solltest mal überlegen, ob Du nicht die Maschinenelemente-Vorlesung an der hiesigen Uni übernehmen solltest! :daumen::daumen:
(...)

Joo ... ungefähr dann so, wie mein damaliger Universitäts-"Lehrmeister", der immer wieder beim "Ochsenkarren" anfing. Der war schon sehr cool drauf und interessant war's immer!

Ist ja auch schon was her .... mit Computern hatte der's aber noch nicht so wirklich damals ... CAD ... so meinte er ... das heißt "Computer Anstatt Deneken" Ihr braucht keinen Computer! Nehmt eine Cigarre (zum Denken:cool:) und einen spitzen Bleistift ...

Naja ... diese Zeiten sind definitiv vorbei. Fest steht aber, dass sowohl das Lager, dessen Öler ich oben zeige, wie auch das Objektiv, mit dem die Aufnahmen hier entstanden, noch ohne Computer berechnet werden konnten.;)

Grüße und schöne alte Zeiten

Klaus
 
  • Öler .... Beitrag #7
..... Nehmt eine Cigarre (zum Denken:cool:) und einen spitzen Bleistift .....
Naja ... diese Zeiten sind definitiv vorbei. ...

Glaub' ich nicht.
Ideen und Gedanken kommen (noch immer) nicht aus der ByteKiste.
Eher aus der Bitkiste :)
Denken, scribbeln, skizzieren und kombinieren funktioniert mit der kleinen, grauen Wetware zwischen den Ohren und einem Stift immer noch am einfachsten, weil unaufgeregtesten.
Zigarre oder nicht, musst Du Frau Lewinsky fragen :)
 
  • Öler .... Beitrag #8
KEINE Cigarre!!:ausrufezeichen::ausrufezeichen:

Grüße

Klaus
 
  • Öler .... Beitrag #9
Feigling!

*renntschnellrenntweit*
 
  • Öler .... Beitrag #10
Ich finde diese Öler total schön anzusehen.

Ich selbst kannte bis vor einem Jahr weder den Namen noch die Funktion. Während eines Betriebsausfluges haben wir eine alte Brikettfabrik besucht und da habe ich sie zum ersten Mal gesehen. Sie haben mich direkt fasziniert.
 
  • Öler .... Beitrag #11
Moin Klaus,
super tolle Bilder dieser alten Teile!
Auch mein Favorit ist Bild 1, das schmälert aber die Qualität von Bild 2 in keiner Weise :)
 
  • Öler .... Beitrag #12
Huch ...:eek: ... eine Spätmeldung!;)

Danke für das Interesse! Das sind ja nun wirklich auch keine Maintream-Photos.

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
Thema:

Öler ....

Zurück
Oben Unten