Hallo Holger!
...
Könnte man evtl am Abend schon in irgendeiner Weise "voraussagen",...
Freue mich, dass Dich das NLC-Phänomen interessiert.

Richtig, NLC treten in den Wochen rund um die Sommersonnenwende auf.
Die Wissenschaft ist soweit, diesen Effekt damit zu begründen, dass es nur
im Hochsommer da oben in der Mesosphäre kalt genug ist für diese Wölkchen.
Andere Aspekte sind wohl noch nicht ganz durchdrungen, zum Beispiel:
Woher kommen die Kondensationskerne in 83km Höhe?
Lange Jahre wurde vermutet, dass die Materialquelle in die Erdatmosphäre
einfallende Meteoroide sind.
Ob diese Theorie allerdings noch up-to-date ist, weiss ich nicht.
Vorhersagen, hmmm.
Mit dem normalen Wetter hat es nur insofern was zu tun, dass die troposphärischen
Wolken einen Blick frei lassen sollten auf die NLC. Da oben in 83+-km Höhe
sind ja fast Weltraum-Bedingungen. Da spielt das, was wir Wetter nennen,
und sich in der untersten Atmosphäre abspielt, keine direkte Rolle mehr.
Für Naturfreunde ist ganz praktisch

, dass die Mesosphäre und damit
auch die NLC-Physik gerade im Fokus der Wissenschaft stehen.

Das IAP in Kühlungsborn betreibt ein Netz aus automatischen Kameras
http://www.iap-kborn.de/Overview.313.0.html?&L=0
welche alle paar Minuten aktualisiert fast-Echtzeit-Bilder des Nachthimmels
bereitstellen. Weiterhin beobachten mehrere Radare wie z.B. dieses
http://www.iap-kborn.de/OSWIN-VHF-Radar.176.0.html
die Atmosphäre.
Die wahren Fans

studieren den Tag über die Radardaten, tauschen sich im Forum
über ihr "Bauchgefühl" und harte Daten aus, beäugen in der Dämmerung
kritisch die Kameras, und wenn sich NLC zeigen, geht es raus zum Beobachten.
Ähnliche Strategie bei Polarlichtern, usw...
So ist das heutzutage.
Früher sah man sowas halt einfach mal zufällig.
Der einführende Artikel über NLC vom Arbeitskreis Meteore ist sehr schön
kompakt und informativ:
http://www.meteoros.de/themen/nlc/
Zur Häufigkeit schnappte ich irgendwo auf, dass es rein statistisch im Maximum
der Aktivität ca. jede dritte Nacht NLC gibt. Die können aber durchaus nur
für geübte Augen am dunklen Ostseestrand erkennbar sein, und evtl. auch
nur wenige Minuten bestehen. Insofern hilft Statistik mal wieder nicht
wirklich, ein Gefühl für die Realität zu bekommen.
So ein sehr helles und stundenlanges Display wie am 4.Juli, hier oben
gezeigt, ist selten, und Glückssache.
Vielleicht erstmal soviel!
Herzliche Grüße vom Waldschrat...
