Hallo Hans,
irgendwie habe ich den Eindruck, du möchtest dir kein Makroobjektiv kaufen, und versuchst deshalb, dir deine vorhandene Ausrüstung schönzureden und die Besitzer eines Makroobjektivs abzuwerten, weil sie es nötig haben, so etwas unsinnig Teures zu kaufen. Das wirkt auch irgendwie ein bisschen provokant, dabei zeichnet sich ja gerade dieses Forum dafür aus, dass wir uns möglichst nicht über Ausrüstung streiten.
Meine Erfahrung: So etwas wie Großinsekten (Libellen, Hornissen) geht am besten mit einem Teleobjektiv mit annehmbarer Nahgrenze.
Für Blumen und andere ruhige Motive kann man hervorragend mit manuellen Zwischenringen oder auch Retroadaptern arbeiten, dafür sind aber manuelle Objektive aus Analogzeiten nochmal erheblich besser geeignet, weil man bequem an die Blendeneinstellung rankommt, ohne Tricksen zu müssen.
Zwischenringe sind prima, wenn du nur ein bisschen vergrößern willst, so Richtung Maßstab 1:2, danach werden sie unhandlich, und die Qualität verschlechtert sich. Weil die Objektive sich mit dem Bündeln der nahen Lichtstrahlen schwer tun, wenn sie für Fernaufnahmen optimiert sind.
Für Maßstäbe größer 1:1 lässt sich mit verblüffend guter Qualität mit einem Retroadapter arbeiten, weil da einfach alles umgedreht wird. Richtig herum macht das Objektiv aus großen Objekten ein kleines Bild, anders herum aus kleinen Objekten ein großes Bild, aber am Winkel, mit dem die Lichtstrahlen durch die Linse gehen, ändert sich eben nichts, weil einfach Komplettdrehung. (Habs bei meinem eigenen Retrogebastel bemerkt, bei Maßstab 1:4 ist das Bild schrecklich unscharf, bei 2:1 ziemlich scharf. Die werden also besser, je mehr Vergrößerung.)
Die praktische Handhabung bei diesen Maßstäben ist aber gerade in freier Wildbahn eher suboptimal, weil die Schärfeebene so winzig wird, und da bräuchte man also anderes Spezialzubehör wie Stativaufsätze zum stufenlos verschieben, und Lichtanlagen, weil der Lichtverlust so stark ist. Deshalb sind Retroadapter meist nicht so weit verbreitet, weil wer sich das Drumherum leisten kann, um gute Fotos zu machen, kann sich auch ein Makroobjektiv leisten.
Seit kurzem habe ich auch ein Makroobjektiv, auch wenn ich das vorher immer verweigert habe und mit Zwischenringen und Retroadaptern herumgespielt.
Zwei Vorteile hat es: Es bildet detailschärfer ab als das, was ich mit Zwischenringen hinbekommen habe, und es ist sehr bequem in der Handhabung und die Ergebnisse sind einfacher reproduzierbar.
Wenns also nicht nur drauf ankommt, mal ein vergrößertes Bild zu machen, sondern man wirklich an den Motiven interessiert ist und die ganzen winzigen Viecher in Szene setzen will, dann bietet es sich aufgrund der Bequemlichkeit und Schärfe an.
Was ich aber auch gemerkt habe, und das ist vielleicht noch wichtiger:
Einen viel größeren Effekt auf meine Makroaufnahmen als der Kauf des teuren Objektivs haben meine Erkenntnisse in Gestaltung, welche Blende sich wann eignet, und vor allem Lichtsetzung. Hält man einfach drauf, lassen sich mit einem Makroobjektiv noch erheblich schlechtere Ergebnisse produzieren als mit einer Bastelkombi, die aber bei genau dem richtigen Licht genutzt wird (hell, aber nicht knallig von oben) bzw mit Blitz ausgeleuchtet wird.
Ein richtig eingesetzter Blitz, von der Seite, oder zum Aufhellen im Gegenlicht, oder umgelenkt über weiße Pappscheiben von mehreren Seiten gestreut, bringt viel mehr Makrobrillianz als das Objektiv selber. Auch wenn mein neues Objektiv mir natürlich Riesenspaß macht und die Bildwirkung sich vervielfacht, wenn eine passende Ausleuchtung und ein gutes Objektiv zusammentreffen.
Aber für dich die günstigste Lösung ist, falls du den Kram noch hast, die Objektive aus Analogzeiten samt Zwischenringen reaktivieren und einen Adapter besorgen, und falls du noch einen Blitz aus Analogzeiten hast, den ebenfalls reaktivieren und ein bisschen an Lichtumlenkmöglichkeiten basteln.
Wenn du deine modernen Objektive nutzen willst, weil die alten nicht mehr da sind, dann sind vermutlich wegen der Abblendmöglichkeit Automatik-Zwischenringe prakikabler.
PS: Hab noch nie ein Hornissennest gesehen, und keine Ahnung, ob ich mich da rantrauen würde. Ich hab doch einiges an Respekt vor großen brummenden Viechern. Aber besser so als aus Tollpatschigkeit versehentlich die Tiere zu reizen.
