Zorki 4 ....POOR MANs LEICA .... Kameraportrait und Zeitreise ....

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ZORKI-4 (1956-1973)😊 (gesprochen SORKI 😊 )

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Hallo zusammen,

ich wĂŒrde Euch gerne wieder auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Filmphotographie mitnehmen und Euch die ZORKI-4 (1956-1973) vorstellen. Diese Kamera, die aus der LEICA II (1932) hervorgeht, ist nicht nur ein schönes StĂŒck Nostalgie, sondern auch eine Kamera, mit der man heute noch sehr gute Aufnahmen machen kann.

Ich hab's getan und ich werde auch damit aufgenommen Aufnahmen unten zeigen. Zuerst etwas Kamerageschichte und Kameratechnik ....
viel Spaß.

POOR MAN's LEICA....

Die Zorki 4 wird nicht selten als "Leica fĂŒr Arme" bezeichnet ... damals, wie heute. Ob das so stimmt, oder berechtigt ist, soll hier mal untersucht werden.

Richtig ist, dass dieser alte "Range-Finder" ursprĂŒnglich auf einem Nachbau der 1932 erschienen LEICA II basiert, allerdings dann weiterentwickelt wurde.

Richtig ist auch, dass es keine zur Zorki 4 baugleiche LEICA gibt, denn die Zorki 4 wurde etwa zeitgleich mit der LEICA M3 vorgestellt bzw, gebaut.

Die LEICA - Revolution der Photographie und NACHBAUTEN ......

In den frĂŒhen 1930er Jahren revolutionierte die Leica II die Photographie mehr als grĂŒndlich! LEItzCAmera ...also LEICA stand fĂŒr das erste, den 35mm Kinofilm fĂŒr Photos nutzende Kamerasystem der Welt und baute auf der UR-Leica ihres Erfinders OSCAR BARNACK auf, der die Idee hatte, Photoapparate fĂŒr den 35mm-Kinofilm zu konstruieren, diesen Film QUER zu transportieren und das Aufnahmeformat auf die maximal möglichen 24x36mm im SeitenverhĂ€ltnis 3:2 zu erweitern.
Er nannte dieses Aufnahmeformat KLEINBILD.

Nachdem frĂŒhe LEICAs der Firma Leitz fest verbaute 50mm ELMAR Objektive hatten, begann man ab etwa 1930, einen Schraubanschluss fĂŒr Wechselobjektive zu verbauen und einen gekoppelten Entfernungsmesser zu konstruieren. Dieser Mischbild-Entfernungsmesser wurde von Anfang an ein durchschlagender Erfolg.
Es wurde eine Revolution der Reise- und Reportagephotographie. Man hatte jetzt eine Kamera, die unglaublich schnell war, die extrem leicht und transportabel war und die rekordmĂ€ĂŸig bis zu 36 Aufnahmen schießen konnte bis sie mit einem neuen Film nachgeladen werden musste.

1932 dann wurde die Leica II vorgestellt und das Auflagemaß des LTM -M39 Objektivanschluss' auf genau 28,8mm festgelegt.
Bei den Vormodellen der LEICA-II war eben dieses Maß noch nicht genau festgelegt, was dazu fĂŒhrte, dass Kameras und Objektive aufeinander eingestellt werden mussten. Die Objektive einzelner Kameras waren also nicht austauschbar. Ab 1932 also wurde diesbezĂŒglich bei Leitz prĂ€zise gefertigt.
Die Leica war dermaßen gut und beliebt, dass sie schon vor dem 2. Weltkrieg plagiiert und in anderen LĂ€ndern einfach mehr oder weniger nachgebaut wurde.
Alle diese Nachbauten eint der von LEITZ ĂŒbernommene M39 - LTM Objektivanschluss:

-Leica Thread Mount Metrisches ISO Schraubgewinde 39mm Nennmaß 1mm Gewindesteigung -

So richtig los ging es mit dem Nachbau der LEICA aber erst Nach dem Weltkrieg.
Waren die Vorkriegs-Plagiate ja noch eindeutig illegal, ist das bei Nachkriegs-Nachbauten weniger eindeutig.
Im Zuge von damaligen ReparationsansprĂŒchen wurden sĂ€mtliche deutsche Reichspatente von den damaligen SiegermĂ€chten fĂŒr UNGÜLTIG erklĂ€rt. In Russland wurde nicht nur die Industrie regelrecht ANGEWIESEN, deutsche Produkte nachzubauen, man ging noch viel weiter! Insbesondere aus den russisch besetzten Sektoren wurden komplette Produktionsanlegen abgebaut, nach Russland geschafft und dort zur Kameraproduktion eingesetzt. Besonders hart hat das die dresdener Kameraindustrie getroffen, die nach dem Krieg völlig ruiniert war und sozusagen wieder bei NULL anfangen musste.

Die Leica II wurde ĂŒbrigens nicht nur in Russland einfach nachgebaut, auch in Japan gab es solche Plagiate, die sich NICCAs nannten. SpĂ€ter wurde daraus die heute gut bekannte Marke NIKON.
In 1956 endet bei LEITZ in Wetzlar eine Ära .... das Zeitalter der sog. "Barnack-Leicas" oder "Schraub-Leicas" geht zu Ende.
Mit der Vorstellung der Leica M3 wird das M-Bajonett eingefĂŒhrt. Ein von Leitz angebotener Adapterring sichert die weitere Verwendbarkeit der LTM-M39 Objektive an einer M-Leica, AbwĂ€rtskompatibilitĂ€t ist natĂŒrlich nicht gegeben.
Die allerletzten "Barnack-LTM-Leicas" werden dann 1960 abverkauft.
Nicht zuletzt deswegen sicher auch, weil nun wieder gĂŒltige Bundespatente den neuen Objektivanschluss gegen die unliebsamen Nachbauer schĂŒtzt.
In Russland blieb man also bei LTM-39 auch bei den dann weiter entwickelten Kameras.

Dieser LTM-39 Standard wurde (Ă€hnlich wie der spĂ€tere M42-Standardanschluss) weltweit zu einem nicht totzukriegenden Objektivanschluss fĂŒr eine Unzahl dafĂŒr gebauter Kameras. Auch CANON hat ĂŒber Jahre Kameras und Objektive in LTM-39 gebaut.
Bis heute werden noch nagelneue LTM-39 Objektive unter dem Label "VoigtlÀnder" gebaut und vervollstÀndigen das reichhaltige Objektivangebot weiter.

Erfolg der LEICA bzw. aller LTM-39 Kameras:

Die GrĂŒnde fĂŒr den weltweiten Erfolg der Leica bzw. auch der LTM-39 Nachbauten beruhte auf den Folgenden Aspekten:

-Handlichkeit
-Sehr gute BildqualitÀt
-bis zu 36 Aufnahmen je Filmpatrone
-Gekoppelter Entfernungsmesser
-Wechselobjektive als Option
-einfache Bedienbarkeit auch fĂŒr Privatleute

Zorki 4 Entwicklungsstand 1956:

Die Zorki 4 (Aussprache "Sorki") ist, -wie oben schon angerissen- zwar ein LEICA II Derivat, wurde aber konsequent weiterentwickelt.
TatsĂ€chlich steht sie einer Leica M3 (ebenfalls 1956 eingefgĂŒhrt) in ihrer Ausstattung im Grunde nicht nach. Über den Funktionsumfang der Leica II (oder Zorki 1) hinaus kamen die folgenden Features hinzu:

-Gekoppelter, vergrĂ¶ĂŸerter Mess-Motivsucher mit Dioptrienausgleich
-Lange Verschlusszeiten bis 1s
-Vorlaufwerk (Selbstauslöser)
-Blitzsynchro-Auslösung (X und M-Synchro)
-Abnehmbare RĂŒckwand (vereinfachter Filmladevorgang)
-Anschluss fĂŒr einen Standard-Drahtauslöser (Kabelauslöser mechanisch!)


Die Zorki 4 kann insbesondere mit ihrem auf 50mm Brennweite abgestimmten kombinierten Mess-Motivsucher auftrumpfen, der bei Leitz zeitgleich auch erst mit der M3 Einzug hielt.
Die letzte Barnack-Leica (Leica 3g) hatte noch getrennte Sucher. Messucher (zum Scharfstellen) und Motivsucher hatten noch getrennte Sichtfenster.
Genau genommen war man bei KMZ-(Zorki ProduktionsstÀdte) sogar schon zwei Jahre schneller mit diesem Kombisucher als Leitz, denn schon das Vormodell (Zorki 3) hatte eben diesen Sucher schon seit 1954.

Poor Man's Leica:

Wer eben dieses historische Messsucher-Photo Erlebnis heute mit einer Zeitreise nachempfinden möchte, muss dafĂŒr nicht UNBEDINGT sehr tief ins Portemonnaie greifen, denn das geht sehr schön auch mit einer Zorki.

Im Zuge meiner eigenen Informationsgewinnung fiel meine Aufmerksamkeit dann auf die Zorki 4 - wie ich finde - ein toller Kompromiss zwischen "hĂŒbsch" und hohem Gebrauchswert heute, eben aufgrund ihrer guten Ausstattung. SpĂ€tere Modelle (bis Zorki 6) verlieren meiner Meinung nach diesen Charme, weil sie im Design plump und wenig gelungen erscheinen. technisch kam eigentlich nur noch der Blitz-Hotshoe und der Schnellspannhebel hinzu, auf den die Zorki 4 noch verzichten muss.

Was ich "gesammelt" habe:

Zorki Nr.1
Eigentlich sollte eine Zorki ausreichen! Die andere Zorki 4, die ich inzwischen besitze, war sozusagen Beifang bei der Objektivsuche:

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Bei dieser Zorki aus einer Online Auktion bin ich dann schwach geworden! Äußerlich wunderschön und geliefert mit einem interessanten Mittelklasse-Objektiv (Industar 61 - 52mm/f:2,8) komplett mit selten schön erhaltener Lederttasche.
Es stellt sich heraus, dass die Zorki aus 1962 ist .... die ersten beiden Ziffern der Seriennummer verraten das Baujahr.

Zorki -34.jpg


HĂŒbsch anzusehen ... ja .... aber mehr auch leider nicht!

Wie sich herausstellen sollte, funktioniert sie nicht, macht enorme Schwierigkeiten, war wohl einem "Bastler" in die HĂ€nde gefallen.

Ich hatte sie eigentlich schon aufgegeben, sie dann aber nach vielen Stunden Arbeit wieder instandsetzen können! Da war wirklich alles verdreht, verbogen verstellt und festgegammelt. Kurz ... die Zorki geht jetzt wieder, wie am ersten Tag.

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Kamera 2:

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(vordere Kamera!)

Wie gesagt .... meine (andere) Zorki kam ungeprĂŒft aus einem Kramkonvolut, den ich wegen zweier LTM-39 Wechselobjektive ersteigert hatte.

Zu meiner grĂ¶ĂŸten Überraschung ist diese Kamera TADELLOS in Ordnung. Mit einer einfachen CLA (Clean, Lubricate and Adjust) Behandlung lĂ€uft diese "4" fast "freiwillig" auch wie am ersten Tag.
So kann's gehen .... mit ungeprĂŒften Sachen!

Kamera Zwei ist eine 1968er:

Zorki -33.jpg

Ausgeststtet ist diese Zorki mit einem Jupiter 8 Objektiv (50mm F f:2)
Das ist das russische FAST Fifty ... das TOP-50er mit f:2 hier in einer schönen silbernen AusfĂŒhrung.

Objektive:

Ein Kamerasystem macht ja nur Spaß, wenn man auch interessante Brennweiten einsetzen kann. GrundsĂ€tzlich sind natĂŒrlich ALLE erhĂ€ltlichen LTM-39 Objektive geeignet und verwendbar. Dabei darf man sich zwischen "sehr erschwinglich" bis "unbezahlbar" bei Leica, Canon, Nikon, VoigtlĂ€nder, Steinheil MĂŒnchen, Zeiss IKON, usw. aber natĂŒrlich auch bei INDUSTAR und JUPITER bedienen.

NATÜRLICH habe ich mich fĂŒr "sehr erschwinglich" entschieden und mir insgesamt vier russische Objektive geangelt:

IINDUSTAR 61 (52mm / F:2,8)

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Das Industar 61 ist ein Mittelklasse Objektiv aus der Ukraine. 4 Linsen in drei Gruppen plus VergĂŒtung sorgen fĂŒr einwandfrei scharfe Aufnahmen.
Ob die Rechnung ĂŒbernommen wurde, oder eine Ukrainische Eigenleistung ist, kann ich nicht herausfinden.

Das Industar 61 hatte in frĂŒhen Versionen 52mm Brennweite, dann 53mm und zum Ende der Produktion dann sogar 55mm Brennweite.
Mein Industar 61 kam mit Kamera 1 zusammen.
Mit einiger Sicherheit ist es aber deutlich jĂŒnger, als die Kamera, nĂ€mlich aus den frĂŒhen 1970ern, kann also nicht original zur Kamera gehören.

Die Optik ist 1a erhalten, glasklare Linsen und einwandfreie Funktion!

JUPITER 8 (50mm / f:2)

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Das J8 ist das Luxus FAST Fifty aus Russland und eine sehr geschĂ€tze Normaloptik fĂŒr Leica und Leica-Kopien.
Die hervorragende BildqualitÀt ist kein Zufall, sondern dem Umstand geschuldet, dass man hier zwar nicht bei Leitz geklaut hat, sondern bei Carl Zeiss Jena. Das J8 ist ein nachgebautes CZJ Sonnar 50mm f:2.
Meines stammt aus dem oben genannten ersteigerten Kramkonvolut.
Es ist ein frĂŒhes Objektiv .... geschĂ€tzt spĂ€te 1950er Jahre.
Das J8 kam einwandfrei glasklar, sauber und beweglich bei mir an.


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Jupiter 11 (135mm / f:4)

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Auch das J11 ist eine Carl Zeiss Jena Kopie und dem Sonnar 135mm f:4 baugleich. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass das Objektiv sehr gut abliefert. Die CZJ Sonnar Tele haben zudem den Vorteil, dass sie sehr klein und kurz bauen, was der "Leica/Zorki" Idee ja sehr zugute kommt.
Das J11 habe ich aus dem oben genannten Kram-Konvolut. Es kam ebenfalls in neuwertigem 1a Zusatand bei mir an.

Jupiter 12 (35mm / f:2,8)

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Was ist ein Kamerasystem, ohne Weitwinkel?

Und da kann es etwas teurer werden! Es gibt fĂŒr das LTM-39-System auch einige Weitwinkel verschiedenster Hersteller. Leider sind die allesamt sehr gesucht und werden nicht verschenkt.
Auch hier soll es aber bezahlbar bleiben und so fÀllt die Wahl auf das Jupiter 12 Objektiv.
Es gelingt mir, eines zu ersteigern das bislang in Sizilien gelebt hatte.

Auch das J12 ist eine alte Carl Zeiss Jena Rechnung, entspricht dem
Zeiss Biogon. Sechs Linsen in vier Gruppen erzeugen wirklich schöne Weitwinkelaufnahmen.

KMZ-Revolversucher:

Zorki -24.jpg

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Nun ist es ja so, dass bei Messsucherkameras der Motivsucher immer nur fĂŒr die Normalbrennweite (hier 50mm) zu gebrauchen ist. Andere Bildblickwinkel fĂŒr andere Brennweiten mĂŒssen mit einem Aufstecksucher abgedeckt werden!
Hier bietet sich der hochwertige Revolversucher von KMZ an. Man wĂ€hlt mit einem Drehteller das jeweils zur Aufnahmebrennweite passende Sucherobjektiv aus. Sogar den Parallaxefehler (besonders wichtig bei Telebrennweiten) kann dieser Sucher ausgleichen. Bei geringen AufnahmeabstĂ€nden sollte das am Sucher dann eingestellt werden, damit der Bildausschnitt auch tatsĂ€chlich ĂŒbereinstimmt.

Blick Durch den Revolversucher:

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Wird der Sucher nicht gebraucht, steht ihm ein Bakelit Container zur VerfĂŒgung:

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Belichtungsmesser:


Die Zorki hat keine eingebaute Belichtungsmessung. Benötigt wird also ein externer Belichtungsmesser, wenn man die Belichtung nicht nach "SUNNY-16-Regel" schÀtzen will. Ich habe inzwischen einige historische Lichtmesser .... immer wieder gerne nehme ich den Gossen SIXTOMAT .... der ebenfalls in die Zeit der Zorki 4 gut passt ... ein sehr kultiges GerÀt.

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Die komplette AusrĂŒstung (ohne Bereitschaftstaschen) auf einen Blick:

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Erfahrungswerte bei der Materialbeschaffung: 😊

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Man kann so eine Zorki 4 wirklich sehr sehr gĂŒnstig kaufen, was aber leider nicht heißt, dass die dann auch funktionieren wird. Die Kameras sind feinmechanische Uhrwerke, die nach bis zu 70 Jahren oft nicht mehr so wirklich wollen. Insbesondere schwergĂ€ngige VerschlussaufzĂŒge und nicht mehr ablaufende SchlitzverschlĂŒsse sind eher die Regel, als die Ausnahme.
Wirklich kaputt sind die Kameras aber eher selten, meist nur "vergammelt".
Die Zorki braucht in vielen FÀllen dann die oben erwÀhnte CLA-Behandlung durch jemanden, der das fachgerecht machen kann.
Keine Chance besteht allerdings, wenn die Kamera unsachgemĂ€ĂŸ verbastelt wurde und solche FĂ€lle gibt es leider auch.
Wer sich weniger gut auskennt und die Zorki zum Photographieren möchte, tut gut daran, etwas mehr zu bezahlen und eine geprĂŒfte Kamera mit GewĂ€hrleistung zu kaufen.

Handhabung:

Besonders wichtig ist es, die Verschlusszeiten an der Zorki NUR BEI GESPANNTEM VERSCHLUSS einzustellen.

Wird MIT KRAFT am Zeitensteller gerippt, wenn die Kamera ausgelöst ist, dann kann es zu SchÀden an der Kameramechanik kommen.

Es ist kein Fehler, sich im Netz eine Bedienungsanleitung fĂŒr die Zorki zu laden und diese auch zu lesen!

Wie jede mechanische Kamera soll auch die Zorki NUR AUSGELÖST GELAGERT WERDEN. Gespannte Verschlussfededern wĂŒrden ĂŒber Jahre der Nichtbenutzung ansonsten unweigerlich ausleiern.

QualitÀt einer Zorki 4:

Hier gibt es im Netz sehr kontroverse Meinungen und ich kann nur mit meiner Meinung dienen!
Ich denke, dass die QualitÀt einer historischen Kamera nach Jahrzehnten ganz stark eine Frage der Pflege bzw. der WertschÀtzung der Kamera ist.
Wie sagt da ein geschÀtzter Photokollege auf Youtube sehr trefflich:
WÀre der durchschnittliche Pflegezustand einer Zorki so gut, wie der einer Leica, dann wÀre sie auch genau so gut.

Ich denke da ganz Àhnlich!

Die Kameras haben keine typischen MÀngel, sind ordentlich gefertigt, fassen sich hochwertig an, funktionieren zuverlÀsslich und sehen Àhnlich gut aus, wie eine Barnack Leica.

Selbst typische Verschleißteile (wie zum Beispiel die VerschlusstĂŒcher) sind ĂŒber alle Baujahre von ausgezeichneter QualitĂ€t und fallen selten aus. Die Zorki hat eine solide Substanz .... so sie einigermaßen gut gelagert wurde .... vor allem trocken und mit ausgelöstem Verschluss!

Wer berĂŒcksichtigt, dass eine zeitgleiche M3 das ca. 70-fache einer Zorki 4 kostet, wird sich ĂŒberlegen, ob ihm das Original so viel wert ist, oder eben nicht.

Auch eine Leica 3 (letzte LTM-39 Leica) kostet Unsummen gegen eine Zorki und kann mit den gleichen Objektiven verwendet werden.

Objektive:

Wer "Angst" vor den preiswerteren russischen Linsen hat, macht ganz sicher einen Fehler.
Wie sich herausgestellt hat, sind die oben gezeigten vier Objektive allesamt klasse und liefern auch heute noch superscharfe Bilder ab.

Wer sich fĂŒr Vergleiche mit sĂŒndhaft teuren Leitz-Objektiven interessiert, wird bei You Tube schnell fĂŒndig und wohl ĂŒberrascht sein.

Die Zeiss-Kopien sind in der Abbildungsleistung anderen guten Sachen nÀmlich auf Augenhöhe gewachsen.
Keine Glaubenskriege! Nur meine Meinung! .... jeder entscheidet selber!

Objektiv-Beschaffung:

Das Objektiv-Angebot fĂŒr den LTM-39 Mount ist riesig! Die Kameras kommen oft mit dem gĂŒnstigen Industar 22, das es in zwei Versionen gibt ... einmal "Collapsible" also zum Einschieben und einmal mit FestgehĂ€use.

Auch das Industar 22 (50mm /f:3,5) taugt!
Es ist zwar nur mĂ€ĂŸig lichtstark aber scharf zeichnend. Auch hier darf man sich auf youtube Vergleiche zum Leitz-ELMAR 50mm / f3,5 ansehen.

Andere Brennweiten sind ebenfalls gut zu bekommen .... ebenso diverse Aufstecksucher fĂŒr die jeweiligen Brennweiten.

Faszination Messsucherkamera:

Jetzt kann man sich mal fragen, warum die LEICA(nachbauten) auch dann noch so beliebt waren, als es doch schon Spiegelreflex-Kameras mit all ihren bekannten Vorteilen gab und ich will mal eine Antwort versuchen.

-Eine Leica war zuallererst mal klein und unauffÀllig und sie hatte ein (im Vergleich zu den SLRs) etwas unauffÀlligeres AuslösegerÀusch.

-Die Kameras haben immer ein von der LichtstÀrke der Aufnahmeoptik unabhÀngig helles Sucherbild.

-Das Fokussieren mit dem Mischbild-Kombi-Sucher geht enorm schnell und einfach ....insbesondere bei schlechten LichtverhĂ€ltnissen, bei denen damalige frĂŒhe SLR-Mattscheiben noch Probleme machten.

-Vorteile bei den Weitwinkelobjektiven!!!

Mir war das bis vor kurzer Zeit gar nicht so klar .... aber .... man konnte mit den frĂŒhen Spiegelreflex-Kameras gar keine Weitwinkel-Photos machen, weil man konstruktiv mit den damaligen Weitwinkelobjektiven (kurzen Brennweiten) noch sehr nahe an die Filmebene heran musste.

Hier mal veranschaulicht am Jupiter 12 (35mm):

Zorki -18.jpg

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Man sieht gut, wie weit die RĂŒcklinse dieses ZEISS BIOGON-Nachbaus in das KameragehĂ€use hineinragt. FĂŒr das Objektiv braucht man unbedingt einen speziellen weit ausgetopften RĂŒckdeckel.
Solche Altkonstruktionen waren an SLR-Kameras natĂŒrlich nicht verwendbar, denn sie wĂ€ren mit dem Klappspiegel kollidiert.

Erst nachdem Pierre Angenieux in 1951 den Retrofokus-Strahlengang erfunden hatte, der es erlaubte, die Linsenhauptebene von kurzbrennweitigen Objektiven HINTER die eigentliche Optik zu verlagern, gelang es ab Mitte der 1950er Jahre die ersten Weitwinkel-Objektive zu bauen, deren Brennweite auch bei SLR-Kameras geringer sein konnte, als der Abstand RĂŒcklinse zu Filmebene.

Die Leica hatte diese Probleme als Messsucherkamera ja nie, die Weitwinkelphotographie war damit viele Jahre frĂŒher in guter BildqualitĂ€t möglich.

Nachteile gibt es freilich auch .... Nahbereichsphotographie geht mit Messsucherkameras nicht wirklich, weil der Sucherparallaxenfehler keine AufnahmeabstÀnde unter einem Meter zulÀsst.

Teleproblem:

Es ist mit Messsucherkameras leider auch nicht möglich, mit sehr langen Telebrennweiten sinnvoll zu arbeiten. Bis 135mm geht das noch gut, bei noch lÀngeren Brennweiten ist der Messsucher nicht mehr genau genug bzw. die Ausrichtung des Aufstecksuchers ebenfalls zu unprÀzise.

Wichtig ist sowieso, die Kamera daraufhin zu prĂŒfen, ob der Zubehörschuh wirklich gerade eingebaut ist!!! Ansonsten wird man insbesondere mit einem 135mm Objektiv schnell mal am Motiv vorbeiphotographieren!

Bei einer meiner "Damen" musste ich den Blitzschuh tatsĂ€chlich gerade richten, der Sucher saß nicht gerade in Kamera-Blickrichtung.

Stay Tuned .... gleich g eht es weiter .......
 
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Kann es losgehen??

Ja, nun soll geknipst werden! Die AusrĂŒstung steht und funktioniert mutmaßlich ... die Zorkis rufen beide nach FILM!
Ich konfektioniere zwei 36er Fomapan 100 SW-Filme selber .... ich habe diesen Film als Meterware immer auf Lager.

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Das Laden der Kamera ist sogar einfacher als bei einer LTM-Leica oder bei Ă€lteren Zorkis, weil man bei Modell 4 nicht nur den Kameraboden abnehmen kann, sondern auch dei ganze RĂŒckwand:

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Man nimmt die Filmaufnahmespule aus der Kamera heraus und klippt den Kleinbild-Film wie gezeigt außerhalb der Kamera ein:

FILM -11.jpg

So werden dann Film und Take-Up-Spool zusammen in die Kamera eingelegt und die RĂŒckwand wieder montiert.

Nachdem beide Kameras geladen sind, soll es die ersten Aufnahmen damit geben .... ich schÀtze nach sehr sehr langer Zeit.

Stay tuned! Es folgen die Zorki 4 Photos in diesem Faden!

GrĂŒĂŸe und RETTET FILM!😊

Klaus

P.S. Und wieder ist es mir gelungen, einen Forenfreund aus diesem Forum mit dem Zorki-4 Virus zu
infizieren! Ich glaube ich darf sagen, dass wir sehr viel Spaß haben und in Sachen "Kamerageschichte"
mal wieder gut zusammengearbeitet haben.
Ich glaube ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass es in diesm Forum noch zwei weitere inzwischen funktionierende Zorkis und auch noch andere LECA-NACHBAUTEN gibt.
Ich hoffe, dass der Kollege hier im Faden noch schreiben wird!


RETTET FILM!😊

Klaus
 
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Jo, der Infizierte meldet sich gerne und dankbar zu Wort. 😁
Was fĂŒr eine tolles Kameraportrait! 👍👍👍👍

Ich habe mittlerweile eine Zorki 4 aus dem Jahr 1961, ursprĂŒnglich völlig hinĂŒber und mittlerweile mit viel Liebe und Zeit wieder in Betrieb und eine Zorki 4s aus dem Jahr 1974, welche in tadellosem Zustand kam und ohne Probleme funktioniert.

Diese beiden Sowjet-Russinnen aus Krasnogorsk haben weiterhin Gesellschaft bekommen durch zwei Sowjet-Ukrainerinnen aus Charkiw (eine Fed-1 f aus dem Jahr 1951 und eine Fed-2).

All diese "poor man's Leicas" sind wunderbare Kameras und lassen das Herz von Analogkamerafreunden höher schlagen. 😍
 
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Eine klasse Doku ĂŒber die Entwicklung der Zorki 4, all ihre Detail, ihre Nutzung und worauf man beim Kauf achten sollte:

Zorki 4
 
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Zorki 4 ... die Bilder! 😊

ich bin nicht eitel, aber ich mag es sehr, wenn mich Menschen auf meine alte Phototechnik ansprechen und genau das passiert, wenn man mit so einer Kamera unterwegs ist und wenn sie im Café dann auf dem Tisch liegt. Wunderschöne alte Sachen, die schon wohl auffallen!
Schön auch, wenn ich dann den Film zurĂŒckspule und bei totaler Dunkelheit den belichteten Film auf eine Spidel fĂ€dele und dann in eine Entwicklungsdose ĂŒberfĂŒhre.
TatsĂ€chlich hatte ich ja zwei 36er Filme ... je einen fĂŒr beide Kameras, die ja beide nach unendlich langer Zeit mal wieder Photos aufnehmen sollten ... und das haben sie auch!😊

Ganz klassisch entwickele ich die beiden FOMAPAN 100-Classic Filme in RODINAL .... einem Entwickler, den Agfa 1891 patentieren ließ und der heute noch UNVERÄNDERT von ADOX hergestellt und vertrieben wird. RODINAL gilt bis heute als einer der besten und vielseitigsten SW-Entwickler.

Rodinal – Wikipedia


Es ist immer wieder der erste spannende Moment, wenn ich eine "neue" Kamera auf Funktion prĂŒfe, ob die Kiste richtig belichtet ... will heißen, ob die Verschlusszeiten stimmen:

Bild -1.jpg

Und das sieht schon mal super aus .... Zwei Filme, jeder aus einer Zorki 4 zum Trocknen!😊

Sie sog. "Dichte" der Negative ... sozusagen die "GrundschwÀrzung" stimmt 1a ... bei beiden Zorkis!
Beide Filme sind prima belichtet und zeigen keine einzige Fehlbelichtung .... ich habe auch sorgfÀltig gearbeitet und genau mit dem Gossen Sixtomat gemessen.

Wenn beide Filme dann trocken sind, werden die Negative in Streifen a6 Aufnahmen geschnitten und
in ProspekthĂŒllen archiviert.

Im Anschluss gibt es zwei Möglichkeiten:

Klassisch ausbelichten oder digitalisieren!

Dieses Mal möchte ich schnelle Ergebnisse, weil mich ja BildqualitÀt und Kamerafunktion sehr interessieren. Die Negative sollen gescannt und ausgewertet werden!

STAY TUNED .... wir gucken uns gemeinsam an, was die Zorkis nach wohl Jahrzehnten der UntÀtigkeit
nun wieder liefern. 😊😊

GrĂŒĂŸe und rettet Film

Klaus

😊
 
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So,

ich hoffe, dass ich ein paar -zu den beiden alten Kameras passende- Motive gefunden habe:

#1 Jupiter 12 / 35mm

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#2 Jupiter 12 / 35mm

DOKU-Bild -7.jpg

#3 Jupiter 12 / 35mm

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#4 Jupiter 11 / 135mm

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#5 Jupiter 11 / 135mm

DOKU-Bild -11.jpg

#6 Jupiter 11 / 135mm

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#7 Jupiter 8 / 50mm

DOKU-Bild -13.jpg

#8 Jupiter 8 / 50mm

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GrĂŒĂŸe und schöne Photos

Klaus
 
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#9 Jupiter 12 / 35mm

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#10 Jupiter 11 / 135mm

DOKU-Bild -20.jpg

#11 Jupiter 11 / 135mm

DOKU-Bild -21.jpg

#12 Jupiter 11 / 135mm

DOKU-Bild -24.jpg

#13 Jupiter 11 / 135mm

DOKU-Bild -25.jpg

#14 Jupiter 11 / 135mm

DOKU-Bild -26.jpg

#15 Jupiter 11 / 135mm

DOKU-Bild -27.jpg

#16 Jupiter 11 / 135mm

DOKU-Bild -28.jpg

#17 Jupiter 12 / 35mm

DOKU-Bild -30.jpg

#18 Jupiter 8 / 50mm

DOKU-BILD -58.jpg

#19 Jupiter 12 / 35mm

DOKU-Bild -31.jpg

#20 Jupiter 12 / 35mm

DOKU-Bild -33.jpg

#21 Jupiter 12 / 35mm

DOKU-Bild -36.jpg

GrĂŒĂŸe und rettet Film! 😊

Klaus
 
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Tja .... was kann nun ein sooo alter Range-Finder heute noch .... gucken wir mal:

Jupiter 12 ..... das 35mm Weitwinkel:

TOTALE:

DOKU-Bild -33.jpg

Crop aus diesem Photo:

Crop 1.jpg

Jupiter 8 / 50mm

Totale:

DOKU-Bild -34.jpg

Crop aus diesem Photo:

Crop 4.jpg

Jupiter 11 / 135mm

Totale:

DOKU-Bild -22.jpg

Crop aus diesem Photo:

Crop 2.jpg

Ich glaube, es ist zu erkennen, dass alle drei Objektive bis an die Auflösungsgrenze der Filmemulsion auflösen. Ich bin sehr beeindruckt ..... hÀtte nicht geglaubt, dass man mit einer so betagten Messsucherkamera so exakt fokussieren kann und dass die "umstrittenen" russischen /ukrainischen Objektive so leistungsstark sind.

Das "Leica-Feeling" ist superschön!
Zu photographieren, wie damals ist einfach ein tolles Erlebnis und ich hoffe an dieser Stelle auch andere dafĂŒr begeistern zu können, eine solche oder Ă€hnliche Zeitreise anzutreten!

Die beiden Zorkis sind wirklich alt (eine davon Ă€lter als ich, die andere habe ich knapp ĂŒberholt! 😊 )
Das Erlebnis mit den "LEICAS FÜER ARME" war neu .... es war klasse!👍

GrĂŒĂŸe und rettet Film😊

Klaus

P.S.: So manches FILM Bildergebnis leidet SEHR unter schlechter Digitalisierung!!!
Hier sei empfohlen PLUSTEK OpticFilm 7400 .... ein sehr guter Kleinbild-Scanner
 
oz75

oz75

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Danke fĂŒr die sehr schönen Aufnahmen. Es ist sehr gut zu erkennen, dass die verwendeten Optiken hervorragend abliefern! 👍👍👍
 
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Klaus-R

Klaus-R

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Und wieder ein spannendes PortrĂ€t aus der Kamera-Gechichte, danke dafĂŒr Klaus !!👍🙌🙌🙌
Gerne wieder!

Vielen Dank fĂŒr Deine anerkennenden Worte. 😊

Photonostalgie steht natĂŒrlich nicht in der Mitte der Photograhie, aber manch einen interessiert es eben doch.

GrĂŒĂŸe und rettet Film😊

Klaus
 
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Der BĂŒ...

Der BĂŒ...

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Hej Klaus...

Vielen Dank fĂŒr den sehr ausfĂŒhrlichen Beitrag zur Zorki, die schon lange auf meine Wunschliste steht. Vielleicht fang ich mir jetzt auch mal eine aus der Bucht...

Gruß, der BĂŒ...
 
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Klaus-R

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Vielen Dank fĂŒr Euer Interesse! 😊

GrĂŒĂŸe und rettet Film!

Klaus
 
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