Wirgin Edixa-Mat-Reflex B-L und C

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Hej…

heute habe ich zwei Kameras aus meiner Wahlheimat Wiesbaden mitgebracht. Hierbei handelt es sich um Kameras der Gebrüder Wirgin. Die Gebrüder Wirgin kamen nach dem 1. Weltkrieg in den frühen Zwanzigern aus Polen nach Deutschland um zu Studieren und gründeten Ihr Fotowerk in Wiesbaden. In letzte Zeit habe ich viel bzgl. der Fotowerke Gebrüder Wirgin recherchiert und möchte euch in Zukunft ein kleines Firmenportrait zusammenstellen. Hier geht es jedoch erst einmal, um die technischen Früchte der Gebrüder Wirgin.

In der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs erlebt Deutschland ein aufblühen der Kameraindustrie und neben den üblichen Verdächtigen hatte sich der Außenseiter Wirgin eingereiht. Die Gebrüder Wirgin waren mit der Edixa Reflex-Serie, Schlitzverschluss, M42 Gewinde und Wechselsucher Mitte der 50er Jahre eine direkte Konkurrenz zu Praktika und Exakta. Leider konnten Sich die Brüder nicht gegen die nachfolgenden Japaner in den 60er und 70er Jahren durchsetzen.

Die Edixa Serie stammt aus der Feder vom Chefkonstrukteur Heinz Waaske. Dieser war bekannt dafür mit einfachsten Mitteln ein Maximum an Funktionalität und Komfort zu erreichen. Seine minimalistischen und sehr kompakten KB-Kameras konnte er bei Wirgin nicht durchsetzen und wurde in den Späten 60ern mit der Rollei 35 bekannt.

Die Kameras sind heute sehr günstig zu bekommen, doch leider nur wenige in gutem optischem Zustand. Die Technik der Wirgin Kameras war eher Robust und deswegen Zuverlässig, so dass die Kameras bis heute immer noch funktionstüchtig sind.

Das Schöne an der Edixa Reflex Serie ist, dass es so eine Art Baukastenprinzip war. Das Gehäuse war immer gleich nur die Ausstattung unterschiedlich.

Aus diesem Grund habe ich mir folgende Modelle besorgt.
#1 – Edixa-Mat Reflex C
comp_04 Wirgin C Vorne Links.jpg

#2 – Edixa-Mat Reflex B-L
comp_01 Wirgin BL Vorne L.jpg

Die Edixa-Mat-Reflex C mit Belichtungsmesser, Baujahr ca. 1956 und
die Edixa-Mat-Reflex B-L, Baujahr ca. 1963

Die Edixa-Mat-Reihe von 1956 wurde ca. 1963 neu aufgelegt und bekam lineare Verschlusszeiten. In diesem Zuge hat man der Modellbezeichnung einfach das „L“ angehängt.

Edixa-mat Reflex/REFLEX Modelle (1956-1968)
mit Wechselsucher, Innenauslösung, Rapidspiegel

B: 1 - 1/1000 sek.
C: wie B, mit elektrischem Belichtungsmesser
D: wie B, mit Selbstauslöser und Langzeitenwerk 9 sek. - 1/1000 sek.
B-L: "lineare" Zeiten 30-60 etc. - 1/1000 sek.
C-L: wie B-L mit Belichtungsmesser
D-L: wie D mit Langezeitenwerk

#3 – Modellreihe
Reflexprospekt.jpg

#4 – Fotoaufnahme ca. 1950, Montage der Edinex III
421_003609.jpg

Zu der Herstellung in den Fotowerken möchte ich, mit seiner Erlaubnis, Herrn Klaus-Eckard Riess zitieren. Er war damals bei Zeiss Ikon als Werkzeugmechaniker angestellt und durfte nach einer Spezialausbildung zu einem dreiwöchigen Aufenthalt nach Wiesbaden zu den Gebrüdern Wirgin fahren.

Auszug aus den Notizen:
„Für mich war es hochinteressant und lehrreich, die Arbeitsweise in der Firma Gebr.Wirgin mit der bei der Zeiss Ikon AG zu vergleichen. In der Zeiss Ikon wurden alle Teile mit hoher Präzision und grösstem Finish gefertigt, so dass die Teile bei der Montage schon passten und nur geringe Justagen notwendig waren. Anders im Kamerawerk Gebr.Wirgin. Hier waren die Teile ziemlich grob hergestellt, hatten auch eine gröbere Oberflächenbeschaffenheit, und mussten deshalb bei der Montage individuell angepasst werden. Die Mechaniker bogen, feilten und polierten an den einzelnen Teilen herum, bis die Sache funktionierte.

Regelrecht schockiert war ich darüber, wie die Schrauben gesichert wurden. Den Senkschrauben wurde ganz einfach ein Schlag mit einem Körner versetzt. Ich liess mir erzählen, dass ein Mechaniker die Sache mal rationalisieren wollte, indem er die Kameras garnicht mehr aus dem Transportkasten nahm, wenn er auf den Körner schlug. Zum allgemeinen Spass passierte es dann, dass der Boden des Kasten herausflog.“


#5 – Edixa-Mat Reflex B-L von Oben
comp_03 Wirgin BL Oben.jpg

Ansicht von Oben mit entnommenen Prismensucher und den neu eingeführten linearen Verschlusszeiten.

Die Edixa-Reflex-Reihe war mit einem Rückkehrspiegel ausgestattet. Bei Wirgin wurde dieser als Rapidspiegel bezeichnet.

#6 – Edixa-Mat Reflex C von Oben
comp_07 Wirgin C Oben.jpg

Auf der linken Seite ist die integrierte Belichtungsmessung gut zu erkennen.

#7 – Edixa-Mat Reflex C mit geschlossenem Belichtungsmesser
comp_05 Wirgin C Vorne R.jpg

Der Belichtungsmesser wurde wie zu diesen Zeiten üblich mit einer Selen-Fotozelle gemessen und an der oberen Seite der Kamera angezeigt. Die Belichtungsmessung war zu dieser Zeit noch nicht mit der Blende oder dem Verschluss gekoppelt.

Im Außenbereich hat man den Belichtungsmesser im geschlossenen Zustand verwendet, so dass durch die vier kleinen Löcher in der Klappe weniger Licht zur Messung auf die Fotozelle traf.
In Innenräumen wurde die Klappe geöffnet und die gesamte Fläche der Selen-Fotozelle zur Belichtungsmessung genutzt.

#8 – Edixa-Mat Reflex C mit offenem Belichtungsmesser
comp_06 Wirgin C Vorne R Offen.jpg

Als nächsten möchte ich mal sehen, ob diese heimatlichen Schmuckstücke noch technisch Funktionieren- Hierzu werde ich demnächst einen Film einlegen und hoffe, dass ich euch ein paar Aufnahmen präsentieren kann.

Im nächsten Schritt möchte ich das Kunstleder an den Kameras wieder herstellen und die Kameras etwas aufhübschen.

Gruß, der Bü…
 
Zuletzt bearbeitet:
20.12.2019
#1

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oz75

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Danke für das tolle Kamera- und Firmenportrait. Absolut klasse! 👍👍
 
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Klaus-R

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Herzlichen Dank lieber Bülent für dieses tolle Kamerportrait einer sehr schönen (wirklich hübsch gemachten) Schachtsucherkamera. 😊 👍 😊

Es war zeitlich eigentlich so, dass Bülent mich mit seiner Edixa erst auf die Idee gebracht hatte, mir auch sowas zuzulegen. Bei mir wurde es (nach Sondierung der Möglichkeiten) dann ja die Praktica FX2.

Bülent war fixer mit der Kamera, ich war fixer mit meinem Kameraportrait! 😊
Jetzt geht das Rennen um die Photos mit den alten Kisten los.
Die Technischen Voraussetzungen sind bei uns beiden gleich! Der Entwickler steht kalt und die Filme sind im Eisfach.

Wer also kriegt zuerst den Popo hoch???
Es werden noch Wetten angenommen!😜🤪

Grüße und nochmals Danke für die schöne Chronik bzw. das Kameraportrait EDIXA-MAT-REFLEX

Klaus
 
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Klaus-R

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Nachtrag:

Zitat:
___________________________________
Auszug aus den Notizen:
„Für mich war es hochinteressant und lehrreich, die Arbeitsweise in der Firma Gebr.Wirgin mit der bei der Zeiss Ikon AG zu vergleichen. In der Zeiss Ikon wurden alle Teile mit hoher Präzision und grösstem Finish gefertigt, so dass die Teile bei der Montage schon passten und nur geringe Justagen notwendig waren. Anders im Kamerawerk Gebr.Wirgin. Hier waren die Teile ziemlich grob hergestellt, hatten auch eine gröbere Oberflächenbeschaffenheit, und mussten deshalb bei der Montage individuell angepasst werden. Die Mechaniker bogen, feilten und polierten an den einzelnen Teilen herum, bis die Sache funktionierte.
__________________________________
Das ist ein sehr interessantes Zitat und hinsichtlich von Reparaturen an den Kameras natürlich von allergrößter Bedeutung!

Mir gefällt ja grundsätzlich die Zeiss Strategie (also hochpräzise Komponenten zu fertigen) doch besser, weil das natürlich die Austauschbarkeit der Einzelteile garantiert und eine sehr gleichmäßige Zuverlässigkeit der Kameras.

Grüße

Klaus
 
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HellWeichei

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Klasse geschrieben. Danke für den Einblick in die Geschichte heimischer Fotogerätefertigung. Bin schon auf die Fortsetzung gespannt.
 
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gewa13

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Moin, wieder ein Wahnsinn s Artikel hier und äußerst interessant !!! Herzlichen Dank
Ich hab glaube ich auch 2 Exe

Liebe Grüße Gerhard

PS.... Otti ? Ähm kommt mir irgendwie bekannt vor .... äh .... etwa unser Sir Otti???Na sowas ... Hammer ! Viel Spaß hier Eure Erhabenheit... untertänigst Euer Diener Gerhard
 
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Gast11423

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Hallo Euer Lordschaft Gerhard,
ja-ich bin es 😘
Sir Peter hat mich mittels spezieller Software wochenlang bearbeitet 🦷und mir den Zahn gezogen...
beste Grüße an Dich-OTTI
 
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Gast11423

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Hallo zusammen,
ich versuche dann mal die Sammlung zu vervollständigen. Eine nach der andern , wird etwas dauern🥴
Hier die MAT-Reflex C-L.
Ursprünglich hiess sie nur C. Das zugefügte L bedeutet, dass man der Edixa „lineare“ Zeiten verliehen hatte. Anstatt die längst altmodischen 1, 2, 5, 10, 25, 50, 100, 200, 500, 1000 hiessen sie 1, 2, 4, 8, 15, 30, 60, 125, 250, 500, 1000. Die Zeiten mussten aber weiterhin mit zwei Rädern eingestellt werden, unten 1, 2, 4, 8 und 0 = 15. Oben hatte man dann B, 30, 60, 125, 250, 500 und 1000. Das alles führte mit sich, dass der Belichtungsmesser nur eingebaut war und nicht mit den Verschlusszeiten gekuppelt. Das ganz grosse Problem war doch, dass wenn man die kurzen Zeiten des oberen Rades verwendete, musste das untere Rad auf 0 eingestellt sein. Sonst konnte es zu Schaden am Verschluss kommen.

Das Model C-L wurde 1961 eingeführt.
Die technischen Daten spar ich mal aus weil es sonst fast ein Roman wird-lassen sich ja googeln...
lG-OTTI
 

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Gast11423

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Weiter geht's mit der Mat-Reflex D.
Drei Modelle gab es im kantigen Design mit Schnellschalthebel und wechselbarem Sucherprisma:

Mod. B: Schlitzverschluß 1 bis 1/1000 und B

Mod. C: gleiche Grundausstattung, zusätzlich mit einem Belichtungsmesser der Fa. Metrawatt

Mod. D: Statt des Belichtungsmessers wurde hier ein Langzeitenwerk bis 9 sec und ein Selbstauslöser eingebaut.
Damit war das Modell D der direkte Konkurrent der Exakta Varex IIa aus Dresden. Beide Kameras boten ein umfangreiches System für wissenschaftliche Anwendungen. Vor allem wegen des weicher ablaufenden Verschlusses und des zierlicheren Aussehens wirkte die Exakta eleganter und war auch erfolgreicher. Aber Forderungen nach einer Konstruktionsänderung konterte der Firmenbesitzer mit dem klassisch gewordenen Satz:"Wozu ändern, wenn’s die Leut‘ auch so kaufen."
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Diese hier habe ich neu beledert weil das Originalleder absolut verschlissen war.
So , jetzt erstmal ne Pause - später geht's weiter...
 

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Hej...

erstmal vielen Dank euch allen für das rege Interesse.
Danke, an @Nachzügler Otti für die weiteren tollen Kamerabilder. Bald haben wir sie alle zusammen.
Das mit dem Leder war ein anscheinend ein Problem bei dieser Serie.

Hier sind mal zwei schnelle Bilder aus der Edixma-Mat-Reflex C.
Die B habe ich nicht verwendet, da diese doch etwas Probleme mit dem Transporthebel hat.

#9 - Der Blech-Emil
comp_bimg477.jpg

#10 - Giardino Ristorante Italiano (Keine Ahnung was das bedeutet, mein Französisch ist nicht so gut)
comp_bimg479b.jpg

Als Objektiv hatte ich mein Yashinon 50mm/1.8 mit Blende 8 verwendet.
Grundsätzlich toll, dass man mit diesen Kameras immer noch gute Bilder schießen kann.

Gruß, der Bü...
 
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Gast11423

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Hej...

erstmal vielen Dank euch allen für das rege Interesse.
Danke, an @Nachzügler Otti für die weiteren tollen Kamerabilder. Bald haben wir sie alle zusammen.
Das mit dem Leder war ein anscheinend ein Problem bei dieser Serie.

Hier sind mal zwei schnelle Bilder aus der Edixma-Mat-Reflex C.
Die B habe ich nicht verwendet, da diese doch etwas Probleme mit dem Transporthebel hat.

#9 - Der Blech-Emil
Anhang 162625 betrachten

#10 - Giardino Ristorante Italiano (Keine Ahnung was das bedeutet, mein Französisch ist nicht so gut)
Anhang 162626 betrachten

Als Objektiv hatte ich mein Yashinon 50mm/1.8 mit Blende 8 verwendet.
Grundsätzlich toll, dass man mit diesen Kameras immer noch gute Bilder schießen kann.

Gruß, der Bü...
Hallo Bü , die allermeisten meiner alten analogen Kameras funktionieren noch sehr gut.
Die Edixen haben meist ein Problem mit den langen Verschlusszeiten aber das läßt sich auch kompensieren🥴
Gruß-OTTI
 
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Gast11423

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Und die Edixa Standard V , kurz nach der Einführung des Rückkehrspiegels begann auch die Ära der Sonder- und Sparmodelle.
Innenauslösung, kein Rapidspiegel
Diese Standard-V hat keinen Rapidspiegel und nur einen eingeschränkten Verschlusszeitenbereich noch mit der alten Zeitenreihe. Baujahr 1959.
Gruß-OTTI
 

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Gast11423

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Als letzte nun die Edixa TL ,
Von Cosina für Wirgin gebaute Spiegelreflexkamera mit TTL-Messung(Arbeitsblende).
Anscheinend die letzte von Wirgin vermarktete Kamera(Wirgin GmbH).
Produziert zwischen 1970-73.
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Ich hätte noch andere Wirgins falls da auch noch Bedarf besteht😁
Abschließend möchte ich noch anmerken daß bei Wirgin damals die Weitsicht fehlte!!!
So hatte man Heinz Waaske in seinen Konstrukteursreihen welcher früh erkannte , daß die Käufer gerne eine handlichere Kamera gewollt hätten. Er entwickelte schon zu seinen Zeiten bei Wirgin die spätere Rollei 35 und manch andere Innovation. Seine Chefs wollten die , wie auch andere namhafte Hersteller , nicht haben !
In dem Zusammenhang empfehle ich das Buch "Kameras für Millionen-in der Bucht meist für 13€ zu kaufen!
lG-OTTI
 

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