Ukraine 1992

Diskutiere Ukraine 1992 im Reise Forum im Bereich Bildbesprechungen; Irgendwie schien die Welt damals im Wandel und die Menschen hofften auf bessere Zeiten. Kurz nach dem s.g. Fall des eisernen Vorhangs taten sich...
  • Ukraine 1992 Beitrag #1
HellWeichei
HellWeichei
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Irgendwie schien die Welt damals im Wandel und die Menschen hofften auf bessere Zeiten. Kurz nach dem s.g. Fall des eisernen Vorhangs taten sich auf einmal Möglichkeiten für Reisen auf, die mir als ehemaligem BW Angehörigen untersagt waren. Neugierig und unternehmungslustig waren meine Frau und ich mit einer bunt zusammengewürfelten Reisegruppe zu einer Tour in den ehemaligen Ostblock aufgebrochen. Organisiert wurde die Reise von ein paar jungen Leuten, die sich im Rahmen ihres Studiums kennengelernt und zu einem kleinen Reiseunternehmen zusammengeschlossen hatten. Die Reise begann in Franktfurt/a.M. und ging über Wien nach Kiew. Dort verbrachten wir einige Tage mit "Sightseeing" in der Stadt der goldenen Kuppeln. Dann ging´s mit dem Überlandzug auf eine lange Tour nach Simferopol auf die Krim. Glücklicherweise mussten wir in dem dortigen Hotel "Moskwa" nur eine Nacht verbringen, bevor wir auf eine drei Tage dauernde Wanderung quer über das Krimgebirge Richtung Schwarzes Meer aufbrachen. Das war in der Rückschau sicherlich der schönste Teil der gesamten Reise. Viel Natur, begleitet von sieben russischen Studenten, die für uns das Gepäck und die Verpflegung transportierten und mit denen wir abends im Lager dann Sauf- und Gesangswettbewerbe zelebrierten. Am Schwarzmeer angekommen blieben und noch 14 Tage in einer ehemals von den Sowjets als Sanatorium für Funktionäre genutzten Anlage in dem Städtchen Foros. Von dort unternahmen Ausflüge entlang der Küste. So haben wir Jalta einen Besuch abgestattet und und den Hafen von Sewastopol, dem Stammplatz der Schwarzmeerflotte angesehen.

Die Bilder sind nicht perfekt, aber ich dachte mir, in einem Bilderforum darf man auch mal etwas fast historisches zeigen. Aufgenommen wurden die mit einer Canon AE1, die Abzüge habe ich Jahre später mit einem Rollei Gerät digitalisiert.

Einkaufen.jpg
So wandelten wir durch die Straßen von Kiew und bestaunten die Einwohner und die uns...

Kiew.jpg
Viele Gebäude und Straßen waren in dem damals so üblichen ungepflegten Zustand. Nur Kirchen und Klöster glänzten schön im Sonnenlicht.

Lagerfeuer.jpg
Das war herrlich. Nach einem langen Tag querfeldein über´s Gebirge konnten wir abends beim Lagerfeuer Wodka trinken und mit den Russen um die Wette singen.

Schwarzmeerflotte.jpg
Einfach mal ein paar Böötchen der Schwarzmeerflotte fotografieren. Auch das ging damals.

Impressionen.jpg
Unglaublich, aber Fotos dokumentieren ja so wie es ist (war). Dies ist der Blick in das "Bad" unseres Hotelzimmers im Hotel "Moskwa" in Simferopol. Ich weiss ja nicht, warum die Russen die Krim nun wirklich annektiert haben, aber sicher nicht deswegen :D
 
  • Ukraine 1992 Beitrag #2
Schöne und gruselige Eindrücke und tolle Geschichte dahinter. Ihr habe das Bad wirklich benutzt?! :D

Leider nicht meine Zeit, da war ich erst 5 :rolleyes:.
 
  • Ukraine 1992 Beitrag #3
Klasse! :daumen::daumen::daumen:

Ich war kurz vor Zerfall der Sowjetunion dort (Donezk/Kiew/Moskau). Im Rahmen eines Schüleraustauschs (Bochum/Donezk).

Damals wurden auf dem Майдан Незалежності, der damals allerdings noch nicht so hieß, sondern auf Russisch tituliert wurde, Plaketten und Fähnchen mit der (mir bis dahin unbekanten) ukrainischen Fahne verschenkt.

Zu den Bildern. Toll! :) So versiffte Badezimmer sind mir allerdings nicht untergekommen. :eek:

Insbesondere in Moskau war das Hotel космос praktisch auf West-Standard (allerdings halt auch ein Vorzeigehotel).

Am Flughafen Donezk habe ich dann meine erste und letzte Sowjet-Pepsi getrunken. Ein sehr chlorlastiges Vergnügen war das. :D

Parallel lief der USA-Austausch. Damals dachte ich mir, dass ich den Besuch der Twin Towers in NY irgendwann nachholen könnte. :psst:

Gruß,
Oz
 
  • Ukraine 1992 Beitrag #4
Ihr habe das Bad wirklich benutzt?! :D

Nein! Wir fuhren mit dem Bus vom Hauptbahnhof Simferopol zu dem Hotel quer durch die Stadt. Die Nacht im Zug war aufregend und auch anstrengend, entsprechen müde kamen wir dort an. Vor dem Hotel stand ein alter 5er BMW mit abgekratztem deutschen Kennzeichen, darin mehrere breitschutrige Gestalten, die unsere Ankunft beobachteten. Wir rollten unsere Gepäckstücke zum "Empfang" und bekamen unsere Zimmer zugeteilt. In einen altersschwachen Fahrstuhl gequetscht fuhren wir in die 3. Etage und mussten einen langen Gang entlang zu unserem Zimmer. Alles recht düster und für uns mehr als ungewohnt. Ich hatte den Eindruck, der Teppich im Flur würde an den Rollen unseres Samsonite kleben bleiben. Also, Schlüssel ins Schloss und rein in´s Zimmer. Vier männliche Russen sprangen auf und wuselten im Zimmer durcheinander. Wir wieder zurück zur Rezeption und erklärten der Reisebegleitung unser Problem. Kurze Rücksprache mit der Hotelangestellten und die "Etagenchefin" klärte die Situation, indem sie die 4 Typen einfach rausschmiss. Eine Putzfrau REINIGTE das Zimmer und innerhalb von 3 Minuten durften wir da rein. Dort fanden wir dann dieses Bad, ein Doppelbett von dem ein Bein fehlte und diverse andere unbeschreibliche Dinge. Also nein, wir haben das Bad nicht benutzt und das Bett auch nicht. Wir haben uns reichlich mit dem dort überall erhältlichen und sehr preiswerten einzigen Getränk eingedeckt, von dem wir annehmen durften, dass es einigermassen echt war: Krimsekt. Damit haben wir dann, gemeinsam mit anderen Reiseteilnehmern mit ähnlichen Zimmern, uns die Nacht auf dem Balkon schön gesoffen.

Leider nicht meine Zeit, da war ich erst 5 :rolleyes:.

Sei doch froh, dafür sterben wir wahrscheinlich früher. :D:D
 
  • Ukraine 1992 Beitrag #5
Klasse! :daumen::daumen::daumen:

Ich war kurz vor Zerfall der Sowjetunion dort (Donezk/Kiew/Moskau). Im Rahmen eines Schüleraustauschs (Bochum/Donezk).

Damals wurden auf dem Майдан Незалежності, der damals allerdings noch nicht so hieß, sondern auf Russisch tituliert wurde, Plaketten und Fähnchen mit der (mir bis dahin unbekanten) ukrainischen Fahne verschenkt.

Zu den Bildern. Toll! :) So versiffte Badezimmer sind mir allerdings nicht untergekommen. :eek:

Insbesondere in Moskau war das Hotel космос praktisch auf West-Standard (allerdings halt auch ein Vorzeigehotel).

Am Flughafen Donezk habe ich dann meine erste und letzte Sowjet-Pepsi getrunken. Ein sehr chlorlastiges Vergnügen war das. :D

Parallel lief der USA-Austausch. Damals dachte ich mir, dass ich den Besuch der Twin Towers in NY irgendwann nachholen könnte. :psst:

Gruß,
Oz

Ja, das mit den Getränken war bei uns auch so eine Sache. Am sichersten erschien uns wirklich der überall erhältliche Krimsekt, oder Alternativ Wodka. Der hätte uns allerdings den Tag zu sehr verkürzt. Speziell in Foros war das Mineralwasser, in Flaschen abgefüllt, keine Alternative. Die Flaschenverschlüsse waren alle nicht mehr versiegelt und das Wasser hatte einen starken Salzgehalt. Ein Schelm, wer in Meeresnähe was Böses dabei denkt :D

Kiosk.jpg
Dies ist ein typischer Kiosk, an dem Krimsekt eines der preiswertesten Getränke war.

Krimsekt.jpg
Für die Bahnfahrt hatten wir uns auch eingedeckt.

Bahnhof.jpg
Zur Not hätten wir an den vielen Bahnhöfen auf der Fahrt nach Simferopol noch was einkaufen können. Es kamen Händler und Bauern direkt an den Bahnsteig und boten ihre Waren an.
 
  • Ukraine 1992 Beitrag #6
Helmut, ich danke dir für deine Reiseeindrücke.
Sie zeigen auch wie gut es uns in Deutschland geht.
Auch, wenn man natürlich nicht verallgemeinern darf.
Die Canon AE1 war damals auch ein Traum von mir.
Mein Bruder hatte eine.
 
  • Ukraine 1992 Beitrag #7
Astrein!:ausrufezeichen::daumen::daumen::daumen:

Danke für diesen Back-shift in die photographische und historische Vergangenheit.;)

Nun bin ich ebenso alt, wie der engagierte TO hier, empfinde historische Photograohie folglich ähnlich "erfahren", wie alle, die die Zeit noch erlebt haben.....

Klasse! Die Vergangenheit lebt (seit iherer Erfindung!) durch Bildaufzeichnungen! Dabei spielt deren technische (UN)Vollkommenheit eine ehrer untergeordnete Rolle.
Die Ansprüche, die wir heute an Bildvollkommenheit stellen, sind ja nicht wirklich wichtig, um eine Zeit, eine Epoche, einen vergangenen "Trend" anschaulich werden lassen zu können.

Je älter ich werde, desto lieber schaue ich in die Vergangenheit ... die kenne ich gut, die kann ich handhaben ... die Zukunft ist mir zunehmend unheimlicher, ungewisser schwieriger zu bewältigen .... eine Frage der Perspektive ... natürlich .....

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
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