Sigma 500/4,5 APO HSM DG

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crazy

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Hallo zusammen,

nachdem wir uns ja schon länger mit dem Gedanken an eine AF-Festbrennweite im 500er-Bereich auseinandergesetzt haben, lief uns vor kurzem das im Titel erwähnte Objektiv über den Weg. Wir haben gezögert, weil es ein Sigma ist - und leider mit unserer Skepsis Recht behalten (soweit zum Fazit vorweg).

Nach den ersten Tests habe ich mir gedacht, unsere Eindrücke zu verschriftlichen - vielleicht interessierts ja.

Vorab: Das Ding ist etwas weniger massiv und besser transportabel als das 500/4er Gegenstück von Nikon - allerdings hat dieses dann eben die Lichtstärke 1:4,5 und nicht 1:4 (und das spielt leider doch eine Rolle - weiter unten mehr dazu).

PRO:

- die optische Leistung ist erstklassig, sie liegt nach meinem Empfinden und einigen Tests auf dem Niveau des Platzhirschen Nikkor AFS-VR II 500/4 - SUPER!

- die Stativschelle des Sigma ist -gemessen am grade erwähnten Nikkor- um einiges bessser (die Stativschelle des Nikkors ist ein Trauerspiel) - gleichfalls Super!

- der AF greift sich das anvisierte Objekt rasend schnell und frißt sich auch bei schnellen Bewegungen sofort fest - Klasse!

- das ganze Objektiv macht einen sehr wertigen uns ausserordentlich gut verarbeiteten Eindruck - was sich im Handling bestätigt.

- das Sigma ist ausserordentlich gut manuell fokssierbar, fast wie ein manuelles Supertele - Super!

CONS:

- die Streulichtblende ist viel zu kurz (weil sie umgekehrt über das Objektiv zu Transporzwecken noch passen soll, schon klar. Wäre sie länger, würde sie in diesem Zustand mit der Stativschelle kollidieren) - das hat Nikon schonmal mit einer zweiteiligen Streulichtblende gelöst. Ist zwar teurer, aber immerhin reden wir hier über Objektive, die satt und dreckig im vierstelligen Preisspektrum angesiedelt sind - da machen 100 Euro mehr oder weniger auch nichts mehr aus). O.K. - da könnte man sich 'ne Bastellösung einfallen lassen.

- das richtig dicke Minus: Das Sigma ist im AF-Betrieb konverteruntauglich - und weil 500mm in Europa z.B. bei Wildlife immer noch zu kurz sind, ist das für uns das Killerkriterium. Der Chip des Sigmas ist -idiotischerweise- so programmiert, dass er bei angesetztem Konverter sofort den AF abschaltet - obwohl viele Kameras auch bei einer Lichtstärke von unter 1:5,6 vernünftig mit dem AF arbeiten können. Gut - dem kann man abhelfen, indem man die ersten drei Kontakte des Konverters abklebt und dem Objektiv damit verheimlicht, dass ein Konverter angesetzt ist.

Resultat: mit dem 1,4er-Konverter von Sigma fokussiert das Objektiv dann...auf irgendwas. Scharfstellung? Fehlanzeige... peinlich, peinlich...

Mit einem Kenko 1,4er findet der AF sofort sein Ziel...um dann ununterbrochen wenige Milllimeter vor und zurück zu zittern...

Das gleiche Spiel mit dem Nikkor 1,4er, dem 1,7er Konverter....

Zum Vergleich: ein Nikkor 500/4 oder 600/4 fressen sich mit einem 1,4er oder 1,7er ohne nennenswerte Geschwindigkeitsverluste am Objekt fest und bleiben drauf (selbst getestet, leider nur leihweise)...technisch also nicht unmöglich.


Tja: wir werden noch ein bißchen testen (ist von der Abbildungsleistung wirklich ein feines Objektiv) und das Ding dann voraussichtlich in den Verkauf geben - wird also letztlich doch ein Nikkor...


So - das Sigma im Einsatz, weitere Fotos stelle ich irgendwann nachher noch ein.

DSC_6250uebersicht.jpg


Gruß, Karsten
 
12.10.2010
#1

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Guest

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crazy

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Nachschlag: ein paar erste Testphotos mit der D3 und dem Sigma 500/4,5 APO HSM DG.

Erst das komplette Bild, dann der 100%-Crop. Da gibt's wirklich nichts mehr zu kritteln. Solo ist das Sigma eine Offenbarung...alle Photos bei Offenblende.


DSC_0507_rt_gp_klein.jpg

DSC_0507_rt_gp_crop.jpg

DSC_0518_rt_gp_klein.jpg

DSC_0518_rt_gp_crop.jpg

DSC_0532_rt_gp_klein.jpg

DSC_0532_rt_gp_crop.jpg

Alles via RawTherapee, in Gimp nur noch verkleinert,...

Gruß, Karsten
 

six.tl

Guest
@crazy
"Solo ist das Sigma eine Offenbarung...alle Photos bei Offenblende."
Sehr schön zu sehehn.
 

MartinB82

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Interessanter Test, danke, die Linse sieht gut aus.

Was mich wundert: Die Crop-Bilder der D3 bei ISO 400 wirken wie schön gemalte Ölgemälde in den 'feinen' Details. Besonders deutlich sichtbar beim dunklen Jungschwan. Ist das immer so?


Viele Grüße
Martin
 
crazy

crazy

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...Was mich wundert: Die Crop-Bilder der D3 bei ISO 400 wirken wie schön gemalte Ölgemälde in den 'feinen' Details. Besonders deutlich sichtbar beim dunklen Jungschwan. Ist das immer so?...
Hallo Martin,

wenn Du insbesondere die Oberseites des Schnabels meinst, dann kommt das wohl eher daher, dass der halt so aussieht - die oberste Schicht scheint mir irgendwie halbopak zu sein (ist mir schon mehrfach aufgefallen).

Ansonsten steh' ich grade mit dem Vergleich "Ölgemälde" etwas auf meinem eigenen Schlauch - will sagen: ich weiß nicht so genau, was Du meinst. Ich kann aber mal gerne ein paar Testfotos machen und 100%-Crops reinstellen - vielleicht kannst Du es dann genauer beschreiben und ich besser verstehen, wäre kein Problem.

------------

War wohl doch etwas spät gestern als ich das Thema startete - nur das erste Foto ist Offenblende, die beiden anderen nicht :eek:

Und vielleicht zur Klarstellung: mir geht es mit meinen ersten Eindrücken in keinster Weise um das anderswo so beliebte "Sigmabashing" - im Gegenteil. Ich ärgere mich, dass die Sigmaingenieure es nicht geschafft haben, diesem exzellenten Objektiv die Konvertertauglichkeit anzuzüchten - sonst würden wir nämlich keinen Gedanken an ein 500er oder 600er Nikkor verschwenden.

Was hab' ich in meinem Eingangsbeitrag noch vergessen?

Das Sigma verfügt über einen Einschubfilterhalter, der das Filter in einer drehbaren Fassung hält und via "Getriebe" auf einen geriffelten Aussenring überträgt - so kann man ein Polfilter ganz bequem von aussen drehen, ohne ihn entnehmen zu müssen. Prädikat: absolut praxisnah!

Und wenn die Sigmaingenieure bei der schon sehr guten Stativschelle noch 5 Minuten weitergedacht hätten, hätte das die beste Stativschelle überhaupt am Markt werden können. Das Ding hat nämlich am kameraseitigen Ende eine Halterung für einen Trageriemen - und ein Gegenstück sitzt kurz vor dem Filterring am Objektiv. Der Clou: der Objektivring ist geschmeidig um das Objektiv drehbar. HÄTTE man diese beiden Enden verbunden, wäre die Stativschelle wirklich schwingungsresistent und problemlos in das Hochformat drehbar - das wäre eine klassische Zweipunktabstützung! Es hätte so schön sein können (und wäre das Sigma konvertertauglich, würden wir uns eine Aluverbindung fräsen lassen. Bei der oben gezeigten Kombination Stativ - Kopf - Objektiv ist halt die Stativschelle der Punkt des Aufbaus, der am wenigsten schwingungsresistent ist. Obwohl das bei der Qualität der Sigma-Schelle klagen auf ziemlich hohem Niveau ist).

Das nächste kleinere Problem wäre mit einer leicht verändert konstruierten Schelle nämlich auch behoben: ohne Kamera ist das Objektiv gut austariert, mit angesetzter Kamera wird die ganze Chose hecklastig (kann man im ersten Bild auch sehen, die Kombi muss ziemlich weit nach vorne austariert werden - ist zwar bei dem verwendeten Fluidkopf kein Problem, aber "Schön" geht anders).

Gruß, Karsten
 
crazy

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So - nun ist ein bißchen Zeit in's Land gegangen und wir haben mal wieder das besagte Objektiv verwendet.

Allerdings diesmal mit der Modifikation der Stativschelle, die ich in meinem letzten Beitrag schon angedacht hatte. Erstmal provisorisch mit einem zurechtgedengelten Stück Holz - der Effekt ist mehr als verblüffend. Das Ding hat jetzt eine richtige Zwei-Punkt-Abstützung.

Zur Erläuterung: Der grün markierte Bereich ist bei diesem Aufbau die Schwachstelle, da schwingt's (wenn auch wenig). Der rot markierte Bereich zeigt die "Testabstützung" - schluss mit Lustig...ich meine natürlich mit der Schwingerei ;-))

DSC_6258_gp_bf.JPG

Der Überblick - hier wird vermutlich auch klar, dass die ganze rot markierte Länge hinter der Stativschelle einiges an Schwingungspotential zu bieten hat (das Objektiv-Kamerageraffel wiegt 5,2 kg). Um es mal zum Testen gleich auf die Spitze zu treiben, ist der TC-E 2,0 II gleich noch mit dabei, das ergibt an Vollformat 1.000mm Brennweite.

DSC_6257_gp_bf.JPG


Ziel des Tests: Kann man mit Zeiten unterhalb von 1/1000 sek. die Hand beim Auslösen an der Kamera lassen? Meine Vermutung war, dass die Kopf-Stativkombination meinen Datterich samt Spiegelschlag ziemlich locker würde wegstecken können, wenn ich eine Zwei-Punkt-Abstützung realisiere (mit der man übrigens auch ohne Komfortverluste in das Hochformat schwenken kann).

Das vorläufige Ergebnis, wie immer ohne Nachschärfung oder sonstiges EBV-Gehampel. Erstmal eine artuntypische Verwendung als Aushilfsmakro aus knapp 5 Metern Aufnahmeentfernung, Belichtungszeit 1/200 sek:

DSC_2378_rt_gp_bf.jpg

Der 100 % Crop:

DSC_2378_crop.jpg


Und nun schweifen wir in die Ferne, Belichtungszeit 1/640 sek:

DSC_2366_rt_bf.jpg


Der 100 % Crop:

DSC_2366_rt_bf_crop1.jpg


Die Abbildungsleistung des 500er ist Spitze und der Konverter von Nikon scheint sie nicht nennenswert zu verschlechtern, keine Farbsäume, kein "weicher" Look.

Noch Fragen?! Kaum macht man es richtig, funktioniert es auch....

Gruß, Karsten
 
Robert

Robert

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Wirklich beeindruckend - Kontrast & Schärfe machen einen guten Eindruck :)
 
skynyrd

skynyrd

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Super Ergebnisse !!! Besonders die Blumen sehen erstaunlich gut aus !!!
 

Scherbe

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Hallo Karsten,
ich habe mit großem Interesse deinen Bericht gelesen.
Wie hast du denn jetzt die Konverterfrage für Dich gelöst?

Funktionieren die Konverter von Nikon besser wie der Sigma oder wäre auch ein Kenko eine Überlegung wert?

Viele Grüße
Jörg
 

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