Planetenjagd am Kaktushügel

Diskutiere Planetenjagd am Kaktushügel im Astro Forum im Bereich Bildbesprechungen; Es ist nun schon wieder einen Monat her, da ging ich auf Planetenjagd. Die Luft war zwar ziemlich unruhig, für mein Vorhaben würde es aber schon...
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #1
escho
escho
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Es ist nun schon wieder einen Monat her, da ging ich auf Planetenjagd. Die Luft war zwar ziemlich unruhig, für mein Vorhaben würde es aber schon reichen. Weltklassebilder waren aber nicht zu erwarten. Als die Sonne gerade hinter dem Horizont verschwand, baute ich das Teleskop auf, direkt vor dem Kakushügel.

bf_0047.jpg

Das Spiegelteleskop hat eine Brennweite von 2000mm bei einer Öffnung von 10 Zoll. Hinten hab ich dann noch einen 5fach Telekonverter und die Kamera drangeschraubt. Effektive Brennweite des Ganzen war also 10 Meter! Nachdem ich das Systen ausgerichtet und eingestellt hatte, ging es mit dem ersten Planeten los, mit der Venus

bf_0048.jpg

Viel Details sind nicht zu sehen. Die konnten auch nicht erwartet werden, da sich die Venus dank ihrer dichten Athmosphäre dem geneigten Beobachter sehr eintönig darbietet. Immerhin konnte ich die Phase der Venus darstellten. Ist gerade Halbvenus.

Venus ist der Planet mit der größten scheinbaren Helligkeit. Hier strahlt er vom Himmel mit einer Helligkeit von -4,3 mag. So hell würde uns auch die ISS erscheinen, wenn sie über unsere Köpfe hinwegzieht. Der Planet war bei der Aufnahme etwa 100 Millionen Kilometer von der Erde entfernt.


Jupiter, der größte Planet des Sonnensystems brachte es an diesem Abend immerhin noch auf -1 mag bei einer Entfernung von 850 Millionen Kilometern.

bf_0049.jpg

Der Gasriese wird von einem Haufen Monden umkreist, von denen zwei auf dem Bild zu sehen sind. Der innere Mond ist Europa, der Mond außen im Eck ist Io. Der schwarze Fleck auf Jupiter ist der Schatten von seinem Mond Europa.


Fehlt noch Saturn, den ich nun ins Visier nahm.

bf_0050.jpg

Ist schon eine imposante Erscheinung, der Ringplanet. Mit 0,1 mag war er schon deutlich dunkler als Jupitor und vor allem die Venus. Er war aber immer noch hell genug, um zwischen den Sternen auch aufzufallen. Er war 1,3 Milliarden Kilometer von meinem Telekop entfernt, als ich auf den Auslöser der Kamera drückte.


Die ersten beiden Planeten, Venus und Jupiter, hab ich mit der EOS6D aufgenommen (3 Minuten Video). Bei Saturn hab ich eine kleine Astro-Farbkamera, die ASI120MC ausprobiert (Videoaufnahme über den Laptop). Die Einzelbilder aus den Videos hab ich mit autostackert gestapelt, mit fitswork bearbeitet und mit darktable den letzten Schliff gegeben. Hier noch eine kurze Tabelle der scheinbaren Durchmesser der Planeten zum Aufnahmezeitpunkt:

Venus: 23 arcsek (Bogensekunden)
Jupiter: 34 arcsek
Saturn: 18 arcsek
Ringsystem: 43 arcsek

Zum Grössenvergleich:

Vollmond: 30 arcmin = 1800 arcsek

Edgar
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #2
Hallo Edgar,

besten Dank für Deine Darlegungen. Tolle Ergebnisse sind das! :klatschen::klatschen::klatschen:
Bei solchen Brennweiten, Motive überhaupt erst einmal ins Bild zu bekommen, ist schon eine Kunst für sich. GOTO hin oder her. :eek:

Ein paar Fragen hätte ich da: :)

-Mit 5-fach Telekonverter meinst Du doch eine Barlowlinse, oder?

-Ich sehe bei Deinem Aufbau kein Aufsuchrohr. Hast Du wirklich nur den Telrad-Sucher verwendet? :eek:

-Das Motiv 180s eingriffsfrei im Bildfeld zu halten, dürfte ohne genaue Justage ja kaum möglich sein. Hast Du die Kombination eingescheinert, oder manuell nachgeführt? Ich sehe kein Guidingrohr oder-system an Deinem Teleskop.

-Du hast am Jupiter die EOS6D verwendet und für Saturn die ASI120MC. Letztere ist doch eine prädestinierte Planetenkamera und wäre auch für Jupiter sicher gut geeignet. Was hat Dich dazu bewogen, es mit der 6D zu versuchen? Gibt es da irgendwelche Vorteile?

-Verwendest Du Backyard EOS für die Steuerung der 6D?

Beste Grüße,
Oz
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #3
Wow - beeindruckent!
Mein ist der Saturn mir seinen Ringen - genial :daumen:
Wenn ich irgendwann mal viel Zeit hab, dann wär das auch was ...:)
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #4
Wow, boooahhhh ehhhh das is ja 'n Ding :daumen::klatschen:
TOp resultate von Jupiter und Saturn.
Ich kenne überhaupt nix von Astrophotographie. Hatte einmal mit dem "Prügel" ( Samyang 650-1300 + 2x Konverter ) aber da ist nix bei rausgekommen, gar nix.

Deine Bilder sind einfach nur TOP, und lese sehr gespant hier wieder mit... Oz's Fragen sind sehr interessant und ich bin gespannt auf deine Antworten.
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #5
Da kann man nur Staunen und die Bilder geniessen :klatschen: :daumen:











Gruss
JAN
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #6
Ich bin auch beeindruckt - tolle Aufnahmen der Planeten :daumen:

In welchem preislichen Rahmen bewegt sich denn eine solche Ausrüstung?
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #7
Moin Moin,
hab die Bilder mit großer Begeisterung Verschlungen!
Einfach Superspitzenmäßig! :klatschen: :daumen: :klatschen:
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #8
Hey das sind echt spitzenmäßige Resultate! Hut ab davor!

Da hat sich die aufwändige und gewissenhafte Vorbereitung definitiv ausgezahlt. :)
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #9
So, dann will ich mal versuchen, eure Fragen ausreichend zu beantworten.

Also, eine einigermaßen passable Vorbereitung, sprich Einstellung des Systems ist Voraussetzung für ein paar entspannende Stunden am Teleskop. Dabei ist es egal, ob ich nur beobachte oder fotografiere. Ist einfach blöd, wenn das Objekt der nächtlichen Begierde aus dem Sichtfeld wandert. Wie genau ich die Einstellung vornehme hängt von Brennweite und Belichtungszeit eines Einzelbildes ab.

Die Planeten dürfen zum Beispiel langsam durch das Sichtfeld wandern. Hauptsache ist, daß sie eine Viertelstunde lang sichtbar bleiben ohne lästige Nachjustiererei. Dazu hab ich Montierung nur grob eingenordet. Mit dem (Telrad-) Sucher auf Polaris gezielt und gut isses. Wo genau Polaris neben dem tatsächlichen Himmelspol steht, ist mir Wurscht. Es folgt noch die elektrische Einstellung der Nachführung an 2 bekannten Sternen. Die Videosequenzen, die ich aufnehme, sind in etwa 3 Minuten lang. Das Video besteht dann aus ca. 5000 Frames (Einzelbildern) je nach verwendeter framerate und das reicht mir.

Wenn ich nun Einzelaufnehmen mit längeren Belichtungszeiten mache (1 Minute bei 2000mm Brennweite hab ich mich schon getraut), wird die Einnordung der Montierung etwas aufwändiger. Dann stell ich Polaris mit nem Polsucher (ist in meiner Montierung eingebaut) exakt ein. Es folgt die Alignierung diesmal nicht an zwei, sondern an drei Sternen. Auf Einscheinern und guiding verzichte ich, so groß sind meine Ansprüche dann doch nicht. Guiding wird aber wahrscheinlich in Zukunft noch kommen, wenn ich ein bißchen mehr deepsky mache. Hab da Blut geleckt, als ich mal diese wunderbare Whirlpool-Galaxie mit dem RC aufgenommen hab.

EOS6D oder ASI120MC? Da muß dann noch meine 600D dazunehmen.
Die Aufnahmen mit der 6D waren Tests. Ich hab die Kamera erst seit Februar diesen Jahres und wollte sie auch mal am Teleskop ausprobieren. Das niedrige Rauschen der 6D ist natürlich phänomenal, da werd ich weiter dranbleiben. Mond und Sonne werd ich wohl mit dieser Kamera aufnehmen. Bei den Planeten selber schätze ich aber den Cropfaktor der 600D. In Verbindung mit MagicLantern bekomme ich dann Rohvideos mit 1:1 Auflösung. Ist ne geniale Sache.
Die kleine ASI, also die Planetenkamera, verwende ich sehr selten. Ich wollte sie einfach mal wieder probieren. Ich hab aber in der Vergangenheit festgestellt, daß ich mit der ASI keine besseren Ergebnisse schaffe, so daß ich getrost bei den Canons bleiben kann. Da möchte ich mir dann aber mal was Schwarzweißes mit Filterrad zulegen. Das wird dann eine wesentlich bessere Auflösung bringen. Ist aber noch Zukunftsmusik.

Backyard EOS kannte ich noch nicht. Weiß nicht, ob ich das wirklich brauche. Ich schlepp den Laptop ungern mit, eigentlich nur wenn ich die ASI im Einsatz habe.

so, und was hat das Ganze nun gekostet?
Mein kleiner 5Zoll MAK mit 15b00mm Brennweite hat damals etwas unter 500 Euronen gekostet, inclusive Stativ, Montierung und Nachführung.
für den GSO-RC hab ich etwa 1800€ gelöhnt, die AZ-EQ6-Montierung war mit 1600€ dabei, die ASI-Kamera war mir 270€ wert und den FT-Okularauszug hab ich mir für 600 Euronen geleistet. Ich hab immer zwischen 5 und 10 % Rabatt bekommen. Fragen hilft manchmal auch beim Online-Händler. Zu dem Ganzen kommen natürlich noch die Kleinteile wie Telrad-Sucher, Justierokular etc. Alles immer so schön nach und nach, wenn ich wieder genug Geld in meinem Astro- und Fototopf habe.

Ich freu mich über euer Interesse.

Edgar
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #10
Besten Dank für Deine ausführlichen Antworten! :daumen:

Grüße,
Oz
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #11
Da kannste ganz schön weit gucken, vom Kaktushügel! :daumen:
Meine Anerkennung! Tolle Ergebnisse. :klatschen:
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #13
Die halb entblößte Venus sagt mir jetzt nichts,
aber Jupiter und Saturn sind schon recht gut.
Und dein Equipment kann sich sehen lassen.
Ganz zu schweigen von deiner ausführlichen Erklärung.
Danke.

HaWe
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #14
Das ist bestimmt ein sehr schönes Erlebnis gewesen, finde es toll wie Du es uns erklärt hast.
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #15
Die halb entblößte Venus sagt mir jetzt nichts,

Ich hätte die Venus auch gern noch ein wenig detaillierter gehabt. Das schaff ich aber mit meiner Ausrüstung im Moment noch nicht. Das Bild war übrigens mein erstes und bisher einziges vorzeigbares Venusbild :)

Danke für eure Reaktionen
Edgar
 
  • Planetenjagd am Kaktushügel Beitrag #16
Ich hätte die Venus auch gern noch ein wenig detaillierter gehabt. Das schaff ich aber mit meiner Ausrüstung im Moment noch nicht. Das Bild war übrigens mein erstes und bisher einziges vorzeigbares Venusbild :)

Danke für eure Reaktionen
Edgar

Ich kenne das von meinen Vogelbilder. Beim ersten Kontakt wird alles behalten und gesammelt, bis man dann endlich ein vorzeigbares Bild geschossen hat.

HaWe
 
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