Nachtigall

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  • Nachtigall Beitrag #1
oz75
oz75
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...genauer die Zeche Nachtigall im Muttental, Witten.

Witten und Sprockhövel gelten als die Wiege des Ruhrbergbaus.

Kleiner Exkurs:
Im Devon und Carbon, also vor gerade einmal 400-300 Millionen Jahren prallten die Urkontinente Gondwana und Laurussia aufeinander (Variskische Orogenese) - Gebirge entstanden. Nördlich davon senkte sich die Erde - Moore bildeten sich. In Verbindung mit starker Sedimentation aus dem Gebirge und des Urmeeres in die Tiefebene wurde reichlich Biomasse unter luftundurchlässigen Sedimenten eingeschlossen. Diese Schichtenkuchen aus Sumpfwälder-Biomasse wurde im Rahmen des Prozesses der fortschreitender Inkohlung unter reichlich Druck und Temperatur in den Tiefen des Erdinneren gebacken.

Und nach ein paar hundert Millionen Jahren waren dann die Steinkohlen (bituminösen Kohlen) des Ruhrgebiets fertig. 😁

In Witten und Sprockhövel ging der Abbau im 13 jahrhundert los. Grund dafür war, dass die Flöze dort in Folge von weiteren Gebirgsfaltungen an die Erdoberfläche treten und somit leicht erreichbar waren/sind.

#1
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#2
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Dieselben Flöze fallen unstet (Faltung) aber doch fortwährend vom nordwestlichen Ruhrgebiet in Richtung des südwestlichen Ruhrgebiets ab. Dort liegen sie dann bereits in 700-1000m Tiefe.

Das Ganze zieht sich fort bis an die Nordsee (ca. 6000m Tiefe.), dort weiter (8000m), bis die Flöze des Carbon in den Kohlegebieten Englands (Durham) wieder an die Erdoberfläche treten.

#3
Interessante Entdeckung am hinteren Ausgang des "Besucher"stollens 😁...
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#4 Photo-Erklärbär Klaus 😁
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#5 Kleine Impression aus dem Inneren des Stollens: Gebückter Gang ist angesagt...
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Re: Nachtigall
  • Nachtigall Beitrag #2
Dominantes Gebäude auf dem Zechengelände ist heutzutage die Ziegelbrennerei, welche nach Stillegung der Zeche vom Unternehmer Wilhelm Dünkelberg im Jahr 1897 errichtet wurde.

Hintergrund für diesen Bau sind die reichhaltigen Schiefertonschichten unterhalb der Flözebene (siehe #1 und #2).

#6 Der Eingang auf das Zechengelände...
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#7 Ziegelbrennerei in Totalaufnahme
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#8 Eingang in den Besucherstollen - eine Grotte für Eheschließungen ist im Inneren auch vorhanden - daher das schmiedeeiserne "Standesamt" über dem Eingang...
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#9 ...von der anderen Seite...
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Die eigentliche Förderung der Zeche fand über vier vertikale Schächte statt, von denen heute nur der Schacht Hercules noch in Ansätzen erhalten ist. Hercules befindet sich unterhalb der Ziegelbrennerei.

Der horizontale durch den Berg verlaufende Besucherstollen ist nicht für bergbautouristische Zwecke errichtet wurden, sondern diente Dünkelberg als Abkürzung beim Transport des Schiefertons. Praktisch, dass im Stollen auch Flöze zugänglich waren - so konnte die vereinfachte Logistik mit der Gewinnung von Brennstoff (Esskohle) für den Betrieb der Ziegelöfen kombiniert werden.

#10
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Zuletzt bearbeitet:
  • Nachtigall Beitrag #3
Zeche "Eimerweise": Nachbau einer typische Kleinstzeche, wie sie in der Nachkriegszeit betrieben wurde...

#11
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#12
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Diese Kleinstzechen wurden auch Lilliput-Zechen, Familienpütte oder Kohlenzwerge genannt.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Nachtigall Beitrag #4
Drinnen im Nachtigallstollen war und ist es schön...

...schön ungemütlich!

#13
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#14 Wer will, kann trotzdem dort heiraten. Die Eheschließungsgrotte... 😁
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#15 Das Gezäh der Bergleute
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#16 Flöz im Nachtigallstollen
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Zur Abstützung wurde Fichtenholz verwendet. Denn: "Die Fichte spricht, bevor sie bricht". Machte das Holz laut knarzende Geräusche, war dies das Zeichen für die Bergleute, die Beine unter die Arme zu nehmen.

Zum Abbau des Flözes mussten die Leute sprichwörtlich ins Flöz kriechen. Luxusgegenstände wie Presslufthämmer kamen erst später - Keilhaue und Mottek waren lange Zeit das Standardwerkzeug, während der Bergmann seine Grubenlampe im Mund halten musste. Elektrische Beleuchtung gab es lange Zeit nicht.

#17
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#18
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#19
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  • Nachtigall Beitrag #5
...genauer die Zeche Nachtigall im Muttental, Witten.

Witten und Sprockhövel gelten als die Wiege des Ruhrbergbaus.

Kleiner Exkurs:
Im Devon und Carbon, also vor gerade einmal 400-300 Millionen Jahren prallten die Urkontinente Gondwana und Laurussia aufeinander (Variskische Orogenese) - Gebirge entstanden. Nördlich davon senkte sich die Erde - Moore bildeten sich. In Verbindung mit starker Sedimentation aus dem Gebirge und des Urmeeres in die Tiefebene wurde reichlich Biomasse unter luftundurchlässigen Sedimenten eingeschlossen. Diese Schichtenkuchen aus Sumpfwälder-Biomasse wurde im Rahmen des Prozesses der fortschreitender Inkohlung unter reichlich Druck und Temperatur in den Tiefen des Erdinneren gebacken.

Und nach ein paar hundert Millionen Jahren waren dann die Steinkohlen (bituminösen Kohlen) des Ruhrgebiets fertig. 😁

In Witten und Sprockhövel ging der Abbau im 13 jahrhundert los. Grund dafür war, dass die Flöze dort in Folge von weiteren Gebirgsfaltungen an die Erdoberfläche treten und somit leicht erreichbar waren/sind.

#1
Anhang anzeigen 186686

#2
Anhang anzeigen 186687

Dieselben Flöze fallen unstet (Faltung) aber doch fortwährend vom nordwestlichen Ruhrgebiet in Richtung des südwestlichen Ruhrgebiets ab. Dort liegen sie dann bereits in 700-1000m Tiefe.


#5 Kleine Impression aus dem Inneren des Stollens: Gebückter Gang ist angesagt...
Anhang anzeigen 186690

So genial, da geht mir ein Schauer über den Rücken...DANKE
 
  • Nachtigall Beitrag #6
Da wird mir schon beim Zuschauen mulmig, wie muss es einst für die Bergleute gewesen sein... dazu noch der Kohlenstaub.
 
  • Nachtigall Beitrag #7
Hallo zusammen,

ich kann Schwarzweiß-Film Photos beisteuern.

Aufnahmen mit Revueflex AC1 (umgelabelte Chinon Memotron CE-3) auf KODAK Eastman Double X 5222-Cinefilm
Entwickelt in KODAK D76 und digitalisiert mit Plustek 135i-Scanner.

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Grüße und gerne Film☺️

Klaus

P.S. Ich mag den KODAK Double XX 5222 wirklich sehr! Das ist ein sehr platisch zeichnender etwas grobkörniger SW-Kinofilm,
auf dem z.B. "Schindlers Liste" oder die uralten Miss Marple Filme gedreht wurden. Ein echter Klassiker also, der es an
Stimmung nicht fehlen lässt. Dennoch muss hier auch ehrlicherweise gesagt werden, dass die ISO 200 des Filmes für freihändiges
Aufnehmen im Stollen selber unmöglich waren. Ein Stativ hatte ich zwar dabei, durfte ich aber nicht aufstellen. Bei solchen Gelegenheiten geht der Punkt ganz klar an moderne DIGTAL-Kameras, die inzwischen bei filmunmöglichen ISOs ja immer noch grandiose Handbelichtungen ermöglichen!

HIer hatte ich mich mal angelehnt und versucht, 0,5s aus der Hand zu bewältigen ......

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...leider ohne Erfolg ... die Aufnahme ist natürlich verwackelt.

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
  • Nachtigall Beitrag #8
Schöne Eindrücke zeigt ihr hier - nur Klaus sollte mal wieder zum Friseur 😄😄
Auch ich war mal vor Jahren an der Zeche Nachtigall. Und anschließend ging es noch zum Feldbahnmuseum, auch sehr interessant.
 
  • Nachtigall Beitrag #9
Tolle Eindrücke und vielen Dank für den geschichtlichen und geologischen Exkurs. Das ist schon sehr interessant. Auch dass es diese Stollen noch gibt...
 
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