Luchs, Krebs und Zwillinge (Sternbilder)
Weiter geht es mit einem Linksschwenk der Kamera. Haben wir mit der königlichen Familie im Norden begonnen, so schauen wir nun schon fast in Richtung Westen. Die Lichter rechts am Horizont gehören zur Schleuse Eckersmühlen am Main-Donau-Kanal.
Luchs
Der Luchs (Lynx) "schlängelt" sich als Kette von mehr oder weniger unauffälligen Sternen über Krebs, zwillinge und Fuhrmann. Der hellste Stern ganz links, α Lyncis, hat gerade mal 3 mag. Nicht sehr imposant also. Den Luchs kann man in eine Gruppe von benachbarten Sternbildern einordnen, die allesamt Fleischfresser sind. Das sind der Löwe, der Kleine Löwe, der Grosse Bär, der Kleine Bär (kleiner Wagen), die Jagdhunde und der Drache.
Krebs
Der Krebs (Cancer) ist, wie der Luchs, ebenfalls ein sehr unauffälliges Sternbild. Sein hellster Stern ist noch finsterer als der hellste Stern im Luchs. Man braucht also schon ein klein wenig Geduld, um das Sternbild zu entdecken. Am besten sucht man ungefähr in der Mitte zwischen dem Löwen und den Zwillingen.
Obwohl der Krebs so unauffällig ist, ist er dennoch um Klassen bekannter als der Luchs. Man kann dort einen interessanten Sternhaufen entdecken. Und der Krebs gehört zu den 12 Tierkreiszeichen. Desweiteren gibt es den Begriff "Wendekreis des Krebses". Mit diesem Begriff kann man ein Buch von Henry Miller verbinden, man kann ihn aber auch mit der Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel in Zusammenhang bringen. Davon werd ich später vielleicht mal erzählen.
Auf unserem Bild ist der Krebs ziemlich leicht zu entdecken. Denn zum Zeitpunkt der Aufnahme befand sich Jupiter in diesem Sternbild. Und Jupiter ist wirklich kaum zu übersehen.
Irgendwo beim Krebs muß ein Ozean beginnen. Denn der Nachbar des Krebses ist Hydra, die Wasserschlange. Und unterhalb der Wasserschlange fährt, auf der Suche nach dem goldenen Vlies, das Schiff der Argonauten durch das aufgewühlte Meer (leider nicht auf diesem Bild mit drauf).
Auch wenn Luchs und Krebs sehr unterschiedlich sind, Fleischfresser gegen Wasserbewohner, so haben sie dennoch eine Gemeinsamkeit. Beide sind am Sternenhimmel nicht als Luchs bzw, als Krebs zu erkennen. Ich kann es anstellen, wie ich will, ich bekomme keine auch nur entfernte Ähnlichkeit hin. So müssen wir uns mit den Gegebenheiten abfinden und uns einfach merken: Der Luchs ist über den Zwillingen und dem Fuhrmann. Der Krebs krabbelt bei der Wasserschlange ins Meer. Und beide Sternbilder sind Nachbarn.
Zwillinge
Und nun sind wir endlich bei ihnen, nun sind wir bei den Zwillingen. Die beiden helleren Sterne, welche die Köpfe der Zwillinge darstellen, sind wohl jedem von uns wenigstens dem Namen nach geläufig. Es sind Castor und Pollux.
Die Zwillinge scheinen sich an den Händen zu halten, unzertrennlich, wie sie sind. So bieten sie eine markannte Konstellation am Nachthimmel. Markant möchte ich hier aber nicht mit Hell gleichsetzen, denn die Zwillinge müssen erst mal entdeckt werden. Ist aber gar nicht so schwer, wenn man eine Linie bildet vom Löwen zum Perseus: Löwe - Krebs - Zwillinge - Fuhrmann - Perseus, und ab hier kennen wir uns wieder aus.
Irgenwie scheint es in Äthiopien Freibier zu geben. Ich weiß zwar nicht warum, schwebt doch die arme Andromeda in Lebensgefahr. ich kann mir aber keinen anderen Grund als Freibier vorstellen, der die ganze Meute nach Äthiopien zieht.
Bei Perseus kann ich es noch einsehen, denn der will ja Andromeda retten. Und auch beim Fuhrmann kann ich es nachvollziehen. Der möchte von Perseus sein Entgeld haben, das dieser entweder vergessen hat, zu zahlen, oder tatsächlich unterschlagen hat.
Warum die Zwillinge dem Perseus und dem Fuhrmann nachlaufen und warum die Wasserschlange in diese Richtung giert und warum der Löwe ebenfalls gen Äthiopien strebt, das steht in den Sternen.
Kennt ihr das Bild "Leda" von Michelangelo? Das Bild existiert im Original nicht mehr. Vielleicht haben sich die Sittenwächter drüber hergemacht. Denn dieses berühmte Gemälde zeigt Leda in unmissverständicher Liebespose mit einem Schwan. Fast schon ein Porno, den Michelangelo hier gemalt hat.
Leda war die Frau von Tyndareos, dem König von Sparta. Eines Nachts schlief sie mit ihrem Mann, wie es Ehegatten so tun und wurde schwanger. Mit der Verhütung lief es damals noch nicht so optimal.
Nun wollte es das Schicksal, daß sich der Göttervater Zeus in dieser Gegend befand und ein gewisses Bedürfnis verspürte. Diesem Bedürfnis hatte er schon so oft nachgegeben, warum sollte er es diesmal nicht auch wieder tun?
Zeus war, um nicht erkannt zu werden, in Gestalt eines Schwanes unterwegs. Er hatte schon viel von der Schönheit von Leda gehört und wollte sie haben, und sei es nur für eine Nacht. Er schwamm heran und spitzte vorsichtig durch das Fenster, das an den See grenzte. Da sah er sie liegen, unbekleidet, so als wolle sie ihn einladen zu einem Liebesabenteuer. Der Gatte von Leda war weggeritten, von da her bestand keine Gefahr einer Entdeckung.
Zeus schlich sich ins Haus und näherte sich der schlafenden Leda. Die schöne Frau, die von den leisen Tritten gerade aufwachen wollte, dachte, sie träume noch. In ihrem Traum näherte sich ihr ein Schwan und umschlang sie fest, so fest, wie es nur Liebende tun. Als Leda entgültig aufwachte, war der Traum verschunden und mit dem Traum der Schwan. Zeus hatte das Weite gesucht und war mit kraftvollen Flügelschlägen schon in Äthiopien angelangt.
Ging ganz schön wild zu, damals bei den Göttern, oder?
Aus diesem Kuddelmuddel gingen einige Kinder hervor. König Tyndareos war der Vater von Castor und Klytaimnestra, Zeus war der Vater von Polydeukes und von Helena.
Helena, die schöne Helena, heiratete Menelaos, der durch diese Heirat einmal König von Sparta werden sollte.
Klytaimnestra wurde die Gemahlin von Agamemnon, dem König von Mykene.
Und Castor und Polydeukes wurden als Sternbild in den Himmel versetzt. Seitdem bilden sie als Castor und Pollux die Kopfsterne im Sternbild zwillinge.
Edgar