Kameraportrait ADOX GOLF 63 .... Eine Kamera erzählt ihre Geschichte!

Klaus-R

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Hallo zusammen,

seit heute Morgen bin ich nun auch Besitzer eines 6x6 Falters und ungeheuerliche 10 Euros ärmer.😊

Und ja ... ich war mal wieder auf dem Trödel!🤪

In neuen Händen ist jetzt eine Mittelformat Rollfilmkamera aus dem Jahr 1954 der Marke ADOX.
Die Adox GOLF 63

Werbetext aus 1954:

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„Zum Preis von 49,75 DM gehört die Adox 63 fast noch zur Box, doch in ihrer Leistung ist sie eine vollwertige Markenkamera. Das vergütete Markenobjektiv ADOXAR ergibt gestochen scharfe Negative. Mit dem Blitzlicht-Synchronkontakt lassen sich auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen gelungene Aufnahmen herstellen. Schnappschuß-Einstellung, heller Fernrohrsucher, Gehäuseauslöser, griffiger Filmtransportknopf, Schuh zum Aufstecken eines Belichtungs- oder Entfernungsmessers und eine Auslösesperre mit rotem Sichtsignal gegen Doppelbelichtungen vervollständigen die Ausstattung dieser preiswerten 6x6-Kamera. Sie ist mit feinem Kunstleder bezogen, die Metallteile sind chromlackiert.“
____________________________________________________________
Nun, der Preis scheint zu stimmen! Im Rückdeckel Meiner ADOX GOLF I 63 ist exakt dieser Preis notiert (rechter Bildrand) :

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Ich hab' mal recherchiert .... das Durchschnittseinkommen in Teutonien betrug 1954 etwa 320,-DM BRUTTO, um den Kaufpreis mal zu relativieren.

Die GOLF 63 ist gut aber nicht sehr gut ausgestattet:

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Der VARIO Zentralverschluss ist der preisgünstigste der Zeit! Im Grunde vergleichbar mit dem PRONTO, nur dass der Vario auf das Vorlaufwerk (Selbstauslöser) verzichtet. Der Vario gilt als vergleichsweise problemlos und robust, macht auch nach Jahrzehnten keine Probleme!

Auch die ADOX kommt noch mit den alten Vorkriegs-Verschlusszeiten daher: 1/200s / 1/50s / 1/25s und BULB .... ENDE! Die langen Verschlusszeiten des PRONTOR-S oder des COMPUR RAPIDs fehlen.

Das Objektiv zählt laut Internet und Berichten aus den 1950ern zum schärfsten, was es gab (natürlich farbkorrigiert!). Natürlich ist es mit F:6,3 nicht gerade lichtstark .... eben eine Mittelklasse-Kamera zum damaligen Kampfpreis.😊

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Nicht so toll finde ich, dass das Zähl-Fenster in der Rückwand nicht verschließbar ist (hier ist gerade Filmfenster 12 also das letzte auf den Film eingestellt).
Zwar ist der Film durch den Filmträger recht gut geschützt .... allerdings steht in jeder Bedienungsanleitung, dass man es auch nicht direkter Sonneneinstrahlung aussetzen sollte. Zur Kamera habe ich auch die gut erhaltene Ledertasche ....ich werd' mir wohl ein Kärtchen basteln und das Schauloch damit abdecken.
Spätere ADOXen haben einen Shutter für das Fensterchen ... dieses Modell aus 1954 noch nicht.

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Schön gemacht finde ich die Kippwippe, mit der der Film ein und ausgelegt wird. Eine besonders einfallsreiche Klammer hält den Filmträger bis zuletzt stramm, damit sich dieser nicht aufrollen kann ... gut gelöst!

Und jetzt sehen wir schon, was an dieser 6X6 das Besondere ist ... da liegt tatsächlich noch ein Film drin!! 8 von 12 Aufnahmen waren schon belichtet ..... aber welcher Film???

Kann dieses Museumsstück etwa eine Geschichte erzählen?? Ich will das wissen!!! .... Aber ich habe gleich noch eine Idee .... warum nicht die letzten 4 Aufnahmen noch selber belichten???😊

Es gibt eine umständliche Möglichkeit herauszufinden, welcher Film eingelegt ist, wofür ich die Kamera natürlich öffnen muss. Das geht tatsächlich ohne den Film durch Licht zu zerstören.

Man kann 120er Rollfilm nicht zurückspulen, sondern nur vorspulen, was ich auch mache. Eigentlich hatte ich mit einem Schwarz-Weiß-Film gerechnet .... zum Vorschein kommt ein URALTER KODACOLOR VR 200. Erfreulicherweise ein C-41 Farbfilm ... das nunmehr einzige Entwicklungsverfahren, das Kodak später weltweit durchsetzen konnte (erfreulicherweise!).

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Das also ist er .... sieht uralt aus ... ist uralt, aber wie alt genau???

Geht gleich weiter .......
 
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07.07.2019
#1

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Klaus-R

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Was nun mit dem uralten Streifen???

Wie man mit stark überlagerten Filmen umgeht, weiß ich zwar im Grunde nur wie alt ist er denn genau und welchen Temperaturen war er denn über JAHRZEHNTE in der abgelegten Kamera ausgesetzt???

Ich gehe von Olimszeiten aus, alt wie der Filmträger aussieht.

Sooo ... ich nehme also einen alten Spulenkern und wickele den Film im Dunkelsack wieder auf Anfang um.
Das ist gar nicht so einfach, weil der Film nur am Filmanfang am Träger mit Klebeband befestigt ist. Das Filmende ist leider lose! Schwierig ist nun, in wieder stramm und damit lichtdicht auf Anfang zu wickeln ... es gelingt mir im zweiten Versuch dann doch noch.

Ich lege den Film wieder ein, transportiere ihn auf Bild 9 und mache drei Testaufnahmen, die ich absichtlich zwei Blenden überbelichte ...denn:

Ungekühlt gelagerte Filme verlieren ihre Empfindlichkeit. Bei Farb-Negativfilmen macht das bei Durchschnittstemperaturen etwa eine Isostufe in 5 Jahren aus. Ob ich richtig damit lag, werden wir sehen!

Spannend ist auch, was mit den latenten Aufnahmen von damals wohl wird ..... 1970er Jahre vielleicht????

Ich entscheide mich für eine PUSH Entwicklung.

Eine PUSH Entwicklung ist eine absichtliche Überentwicklung, die man dafür einsetzt, die Filmempfindlichkeit eines frischen Filmes zu erhöhen ODER um einem überlagerten Film irgendwie zu begegnen bzw. ihm seine Geheimnisse zu entreißen:

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Hier lege ich den 120er Film in die AGFA RONDINAX 60 Tageslicht-Entwicklungsdose oberhalb der Filmkammer ein, die noch geschlossen ist ....

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Ich schließe den Deckel, öffne die Filkammer und ziehe einfach den Filmträger nach außen weg.
Der eigentliche Film ist lichtgeschützt und spult sich automatisch im Inneren der AGFA RONDINAX 60
lichtgeschützt auf.
Der Filmträger wird nun so lange gezogen, bis man einen Widerstand fühlt ... auf keinen Fall jetzt weiterziehen, sondern die Filmkammer verschließen und erst dann den Deckel der RONDINAX öffnen:

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Jetzt kann ich den Klebestreifen lösen, der den Filmträger mit dem eigentlichen Film verbindet und den Filträger entfernen.
Der lichtdicht in der Filmkammer befindliche Film wird jetzt am Zugband festgeklemmt:

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Deckel wieder drauf, Kammer wieder öffnen und den Film aufspulen ... so einfach ist das bei vollem Tageslicht und ohne Dunkelsack-gefummel!

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Wie sich C-41 ganz einfach zu Hause realisieren lässt, lasse ich jetzt mal weg ... habe ich an anderer Stelle ja schon beschrieben.

Ich beschließe eine 2X PUSH entwicklung ... mehr geht nicht.

Die reguläre Entwicklungszeit wird also um 30% verlängert und so der Film um satte zwei Belichtungsstufen überentwickelt .... wird das reichen? Für meine drei Neubelichtungen und die latenten Aufnahmen, die evtl. schon 'drauf sind???

Gleich geht's weiter .....
 
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Klaus-R

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..... Entwickeln, Bleichen und Fixieren .... dazu Vorwässern, jeweils Zwischenwässern, Endwässern und Stabilisieren .... C-41 war "damals" viel komplizierter, als mit der neuen COMPARD Photochemie jetzt.

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Der spannende Moment ... erst im Anschluss an das Fixieren ist der Film komplett Licht-unempfindlich und erst jetzt kann man ihn in augenschein nehmen .... ein ungewöhnliches Bild! Normalertweise schimmert so ein Farbfilm nicht bläulich, sondern eher mal braunrötlich!

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Schlusswässerung:

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Der spannende Moment: Gaaanz blasse Filmzeichnung und ein Fimträger, dem die typische Maske abhanden gekommen ist???!
Was eine Filmmaske ist, ist nicht ganz schnell erklärt! Die typische Orangefärbung des Farbfilms (dient zur Farbkorrektur) fehlt hier gänzlich. Der Fil ist eher mal braun??!

Egal! Irgendwas ist 'drauf ... nur was?! Sind das meine drei Testaufnahmen oder latente Bilder aus vergangenen Zeiten???

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An den Haken damit!

Ein frischer Film ist praktisch glasklar ... hier zeigt sich der extreme Grundschleier schon, der jahrzehntelang überlagertes Filmmaterial unbrauchbar werden lässt.

Der schräge Streifen in der Mitte des Filmstreifens geht auch auf die Zahl der Jahre. Das hier ist der Filmanfang ..... wie aber sieht das Filmende aus, wo sich meine eigenen Aufnahmen befinden sollten???

NIXE! Der alte Streifen hat trotz zweifacher Überbelichtung und 2X PUSHentwicklung nicht im Geringsten noch Belichtung angenommen .... nur noch Grundschleier.
Es fällt aber ebenso auf, dass die Aufnahmen des Vorbesitzers zum Filmende hin ebenfalls immer blasser werden. Nach Aufnahme 5 ist keinerlei Zeichnung mehr vorhanden.

Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass der Filmanfang im Inneren der Spule vielleicht besser gegen Sommerhitze geschützt war, der die Kamera mit Sicherheit oft ausgesetzt war.

Normal ist das eigentlich nicht!! Latente Aufnahmen auf einem unentwickelten Film sollten eigentlich sehr viel vergänglicher sein, als frische Aufnahmen auf einem überlagerten Film!

Welche Geheimnisse erzählt uns denn jetzt die alte Kiste? Kann man da noch was rausholen?

Gleich geht es weiter ......
 
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Klaus-R

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Ganz vergessen zu erwähnen ... natürlich habe ich die alte ADOX nach Inaugenscheinnahme des Filmes nochmal überprüft, was bei den alten Zentralverschluss Schätzkes sehr einfach ist.

An der Kamera hat das nicht gelegen ... die funktioniert genauso, wie sie aussieht!
Die Entwicklungsstrategie war übrigens Ultima Ratio für diesen Film. Eine noch stärkere Überentwicklung hätte den Grundschleier hochentwickelt und den Kontrast eher vermindert.

OK. was ging denn nun?

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Die Bilder sind stark bearbeitet und mehr ist da wirklich nicht mehr herauszuholen gewesen.

leider gibt das Bildmaterial keinen genauen Anhaltspunkt über das Alter des Filmes ... ich tippe mal auf
1970er Jahre.

Dass latente Farb-Aufnahmen überhaupt vielleicht 45 Jahre auf so einem Film in der ungekühlten Kamera überleben können erstaunt mich dann doch.

Warum der Film nur bis zur Filmmitte überlebt hat, erklärt sich mir nicht .... auch möglich natürlich, dass der Photrograph unterbelichtet hatte ... keine Chance dann natürlich.

Die zweite Aufnahme zeigt ein generelles Problem mit dieser Kamerageneration. Mittelformat hat eben sehr wenig Tiefenschärfe und sehr viele Nahbereichs-Aufnahmen waren eben fehlfokussiert.
bei Aufnahme 2 sieht man, dass der Fokus vorne auf dem Handlauf liegt.

Der Könner hat die Entfernung entweder gut schätzen können (sehr schwierig!) oder einen Entfernungsmesser benutzt.
Trifft man den Fokus, dann ist auch diese Optik sauscharf ..... ich werd's bestimmt noch zeigen können!

Die Aufnahmen sind natürlich anonymisiert!

Hoffe, es war interessant!

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
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Superinteressant - auch die "Bergung" des Filmschatzes!! 👍🙂👍
 
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Sehr schön... hat bestimmt Spaß gemacht das Überraschungs-Ei...

Gruß, der Bü...
 
Klaus-R

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Hallo zusammen,

vielen Dank für Euer Interesse und die Kommentare.
Ich muss Kleinigkeiten korrigieren, nachdem ich hier fündig geworden bin:

Die ADOX Golf – neu betrachtet – Michael Spengler

Es gab die ADOX GOLF wohl schon seit 1952 (nicht 1954, wie ich wohl falsch informiert war.)
Ferner gab es die GOLF in mehreren Ausstattungen:
Meine ist das "Volksmodell" also die günstigste Variante mit 75mm /F:6,3 und VARIO Vrschluss

Es ist keine GOLF I, wie ich dachte, sondern nur eine "GOLF 63"

Modelle (1952):

GOLF 63 (50mm/6,3 + VARIO VERSCHLUSS) - 49,75 DM
Golf I (Cassar 1:4,5+PRONTO) - 89,-DM
Golf II (Cassar 1:4,5+PRONTOR-S) - 118,-DM
Golf IV (Cassar 1:3,5+PRONTOR-S) - 145,-Dm

Eine GOLF III hat es merkwürdigerweise nicht gegeben!

Wieder was gemerkt!😊

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
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Klaus-R

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Hmmm ... es sind noch sehr viele GOLF 63 im Internet zu haben. Alle aber nur mit 6,3er Optik .... viele mit dem VARIO-Zentralverschluss.

Einige haben die 6,3er Optik in Verbindung mit einem PRONTO Verschluss (wohl selten!). Das wäre dann ein Zwischenmodell zwischen GOLF 63 und GOLF I??!

Der Pronto unterscheidet sich zum Vario vor allem dadurch, dass er ein Vorlaufwerk hat.

Grüße

Klaus
 
Klaus-R

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Hallo zusammen,

ich war ja noch eigene Aufnahmen mit der ADOX Golf 63 schuldig geblieben, die ich jetzt liefern kann. 😊
Ganz kurz nochmal .... die ADOX Golf 63 war (ab 1952) ein Verkaufsschlager. Man bekam für damals 49,-DM einen Mittelformat Falter, der es durchaus mit erheblich teureren Kameras aus Deutschland aufnehmen konnte.
Beachtlich eben, dass die ADOX nur wenig teurer kam, als beispielsweise eine AGFA-Box, dafür aber Bildqualität versprach, die dem Mittelformat Anspruch auch gerecht werden konnte.
Die 49,75 DM sind natürlich sehr relativ zu sehen .... war 1952 auch noch ein schönes Sümmchen und wer hatte damals (so kurz nach Kriegsende) das Geld übrig?
Viele ADOXen gingen natürlich in den Export.

Heute kann die alte ADOX BEDINGT auch noch überzeugen .... es gibt dann doch einige Einschränkungen zu damals (erheblich) teureren Kameras, die ich gleich noch nenne.

Hier mal Bildbeispiele auf KODAK Portra 160 ..... richtig schöner feinstkörniger Farbfilm ... gefällt mir ähnlich gut, wie der KODAK Ektar 100.

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Die Adox ist, wie fast alle Nachkriegs Faltkameras eine sog. Sucherkamera (keine Messsucherkamera!)
Die Vorkriegsfalter hatten noch ganz primitive Aufklapp-Rahmensucher, die Nachkriegs-Modelle haben immerhin schon sog. Okularsucher, die den Bildausschnitt dann doch schon genauer anzeigen.

Der Sucher liefert also nur den Bildausschnitt, liefert leider KEINE Entfernungs Messung, wie das später bei den sog. Messsucherkameras möglich wurde.

Oben haben wir gesehen, dass die historischen Aufnahmen, die ich aus dem uralten Film noch herausentwickeln konnte mächtig danebenfokussiert waren. Man hat also mit der ADOX (wie mit fast allen Faltkameras damals) nur die Möglichkeit, die Entfernung zu schätzen und dann am Objektiv den Schätzwert einzustellen.

Das Problem bei den Mittelformatern war und ist aber, dass es kaum Schärfentiefe gibt (noch erheblich weniger, als bei Kleinbildkameras) und dass auch bei Blende 11 noch genz exakt fokussiert werden muss.
Insbesondere im Nahbereich verschätzt man sich da ganz schnell und 10cm zu kurz oder zu lang reichen um 2m schon, dass eine Portrait völlig unbrauchbar kommt.

Abhilfe schafft da mein Voigtländer Aufsteck Entfernungsmesser!

Solche Mischbild-Entfernungsmesser (eben auch aus den Nachkriegsjahren) liefern dann die exakte Aufnahme-Entfernung, die man dann am Objektiv einzustellen hat.
Man nennt das "ENTKOPPELTE" Entfernungsmessung, weil Messen und Einstellen eben nicht gleichzeitig erfolgen kann.

Ebenso "entkoppekt" ist natürlich auch die Belichtungsmessung, denn die ADOX hat auch keinen eigenen Belichtungsmesser. Hier muss ein Handbelichtungsmesser her ... z.B. mein alter Gossen Sixtomat ... natürlich auch aus den 1950ern .... wenn schon RETRO, dann richtig!

Die entkoppelte Entfernungsmessung funktioniert! So kann auch im Nahbereich ganz genau fokussiert werden .... wenn sich zwischen Messen und Einstellen natürlich nix bewegt!!

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Einschränkungen der preiswerten ADOX Golf 63 .....

Die Optik ist durchaus scharf (nicht ganz zu vergleichen mit meiner Voigtländer Bessa oder der superscharfen REVUE-6x6 TLR, aber durchaus einem 120er Rollfilm auch würdig!)

Chromatische Fehler kann ich keine erkennen, Vignettierung findet nicht statt, Verzeichnungsfehler sucht man ebenfalls vergeblich. Da konnte eine Agfa-BOX nur noch gucken .... gar kein Vergleich mit so einer
"Volkskamera".

Was aber zum Problem werden kann ist die geringe Öffnung der Optik. Mit F:6,3 ist das ADOXAR Abjektiv
dann doch vergleichsweise lichtschwach, was Innenaufnahmen ohne Blitzlicht fast unmöglich erscheinen lässt (zumindest mit den vergleichsweise lichtschwachen Farbfilmen, die ich ja nun bevorzuge).
Die 75mm Brennweite gefallen mir gut .... 75-85mm gelten für 'ne 6x6 als Normalbrennweite.

Das nächste Problemchen ist der Zentralverschluss, an dem natürlich auch gespart werden musste....

Der Vario-Verschluss bietet nur drei Verschlusszeiten und B.:

1/200s
1/50s
1/25s

Auch ein Vorlaufwerk lässt er leider vermissen ... ein Drahtauslöser kann angeschossen werden und ein Blitzsynchronkontakt ist auch verbaut.

Nunja ... man kann jetzt argumentieren, dass die längeren Verschlusszeiten sowieso nicht mehr aus der Hand zu halten wären. Danach ist sowieso ein Stativ nötig und ab 1s aufwärts kann man mit Drahtauslöser und Zählmethode oder Sekundenzeiger arbeiten .... NAJA!!

Ich hätte gerne wenigstens noch die wichtige 1/100s (oder 1/125s) gehabt ... fehlt irgendwie dann doch!

Fazit:

Eine wirklich gute (aber einfache!) 6x6, die in rauhen Mengen gebaut werden konnte, weil sie ein enorm gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten konnte, sehr gut verarbeitet war und ist und ein lichtschwaches aber scharfes Objektiv bietet.

Heute kann man die ADOX Golf 63 für ganz kleines Geld kaufen .... auch in so gutem Zusatend, wie meine hier gezeigte.

Als Einstieg in die Mittelformat-Retro-Szene (Tummelplatz für Spinner!!😊) ist sie prima geeignet!
Meine soll meine bleiben, solange ich lebe!

Dennoch .... naja .... die Einschränkungen ....

Ein lichtstarkes Objektiv, ein Luxusverschluss (PRONTOR S oder COMPUR Rapid) .... das wäre schon doch sehr GOIL .... und deswegen ist da auch noch ein anderer 6x6 Falter zu mir unterwegs ....
ich werde berichten ...

Grüße und schöne Film-Photos

Klaus
 
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😲😲😲 Unglaublich, wie knackscharf die Bilder geworden sind... 👏👏👏

Bin wirklich sprachlos darüber...

Gruß, der Bü...
 
Klaus-R

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Kleiner Nachtrag noch .....

Man kann mit Film natürlich auch Panoramen aufnehmen (setzt natürlich digitale Nachbearbeitung voraus).

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Die Einzelaufnahmen sind alledings jetzt nicht mit der ADOX aufgenommen, sondern mit der kleinen
Regula auf KODAK Gold 200, die ich auch dabei hatte.

Grüße

Klaus
 
GD7

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Hut ab, auf solche Zeitreisen habe ich mich bis jetzt nicht getraut.
Von diesen alten Kameras und eigenhändiger Entwicklung habe ich keinen blassen Schimmer.
Die Ergebnisse sind aber erstaunlich gut.
Danke für den kurzweiligen Blick zurück, in die Technik von damals. 👍
 
Klaus-R

Klaus-R

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Danke für die Rückmeldung,

man kann die überragende Bildqualität heutiger Digitalkameras natürlich mit Film nicht mehr erreichen.
Die alte Aufnahmetechnik hat aber trotzdem ihren ganz besonderen Charme, weil die Aufnahmen (insbesondere die Farb-Negativ-Afnahmen) eine ganz andere Anmutung haben, als die viel perfekteren und farbgenaueren digitalen Bildergebnisse.

Mit den alten Kameras zu hantieren macht schon wirklich Spaß ... und ... Du wirst dauernd von Interessierten angesprochen, die kaum glauben, dass einer mit dem Museumszeug tatsächlich noch Photos macht.

Die Idee kam für mich ja hier aus dem Forum von Teilnehmer "Feg", der sich leider kommentarlos wieder
verabsentiert hat .... eigentlich schade ... manchmal versteht man's ja nicht.

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
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Die ADOX Golf 63 mit Vario-Verschluss und die Golf 63S mit Pronto-Verschluss wurden etwa in gleicher Stückzahl hergestellt. Sind gleich gut zu bekommen. Von den von mir registrierten 576 ADOX Golf waren immerhin 242 ADOX Golf 63, 227 ADOX Golf 63 S und nur 31 ADOX Golf 45 S. Und die ADOX Golf 63S hat dann auch, die hier vermisste Belichtungszeit von 1/100 s. Besser ist eigentlich nur eine Golf II mit Prontor-S oder eine Golf IV mit dem lichtstärkeren Objektiv.
 
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Blöde Fragen gibt es ja nicht. Aber es ist eine gute Methode festzustellen, welche Typen und Versionen es gibt, wie die Verteilung ist. Auch zu welcher Zeit sie hergestellt wurden. Und um gleiche Kameras nicht doppelt und dreifach in die Betrachtung einzubeziehen, schreibt man die Seriennummer des Objektivs mit auf. Die ADOX Golf hat ja keine eigene Seriennummer.
Der Erkenntnisgewinn ist jedenfalls enorm und er hat für einen sehr umfangreichen und detailierten Artikel gereicht. Und ich kann jetzt mit Sicherheit sagen, welche ADOX Golf selten ist und welche nicht.
Und generell interessiert mich ADOX und Wirgin ganz besonders, weil diese Kameras in Wiesbaden hergestellt wurden. Meine Heimatstadt seit 20 Jahren.
 
Der Bü...

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Hej...

Danke für die Info. Wieder etwas gelernt. Mir war nicht bewusst, dass die ADOX aus Wiesbaden kommt. So wie es der Zufall will, bin ich auch aus Wiesbaden. Nicht Gebürtig, aber jetzt auch schon 20 Jahre hier.

Gruß, der Bü...
 
Klaus-R

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Hallo zusammen,

genau das war meine Idee .... durch so eine "Spinnerei", wie meine Museumskamera Wiederbelebung hier im Forum auch mal Leute ins Forum zu ziehen, die ähnliche Gefühle hegen, wie Bülent und ich.

Ich war insofern erfolgreich mit diesem Faden!😊

Herzlich willkommen Michael! 😊 😊 👍 👍

Ich habe Deinen Link zur ADOX GOLF 63 oben im Faden erneuert!

Klasse Bericht, der an Präzision und Exklusivität nicht zu toppen ist. Toll wenn Du Dich für diese Kamera so begeisterst und ihr so ein neues Leben verschaffst.

Grüße und schöne Film-Photos

Klaus

P.S. Ich habe bestimmt nicht die letzten Photos mit der ADOX gemacht!
 
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