Ich glaube nicht, dass die Frage ideal gestellt ist. Sie setzt voraus, dass es eine begriffsscharfe Definition von "street" gäbe. Die gibt es aber nicht. Deshalb kann man sich eher mit der Frage beschäftigen, ob die Bilder das haben, was jedes bessere Foto von eher durchschnittlichen unterscheiden.
Bei Bild 1 (Frau mit Hand in den Haaren) tue ich mich schwer, dem Bild eine Aussage abzugewinnen. Mir fehlt eine inhaltliche Beziehung zur Umwelt, und als Geste ist mir die im Schatten liegende Handbewegung einer Person am Bildrand zu wenig originell, um das Fot interessant finden zu können.
Bild 2 ist da völlig anders. Der Geiger ist natürlich ein Hingucker. Er ist - für sich betrachtet - auch gut getroffen. Was mir am Bild weniger gut gefällt ist die Planung des Umfeldes. Zwar verschwimmt der rechte Hintergrund ein wenig in Unschärfe, links zieht aber das Zonen-Ende-Schild m.E. sehr viel Aufmerksamkeit auf sich, ohne dass ich erkennen könnte, warum das für die Bildaussage von Bedeutung ist. Wegen der Ausrichtung der Geige, die wie eine Zeigeeinrichtung wirkt, empfinde ich es als nicht so glücklich, dass das Bild relativ harsch vor dem Geigenkopf endet. Mehr nach rechts wäre evtl. die glücklichere Wahl gewesen. Allerdings könnte das "Gemüse", das jetzt angeschnitten den rechten Bildrand ziert, dann bildprägend wirken. Schwer zu beurteilen. So ist das "Gemüse" auch nicht wirklich "schön".
Bei Bild 3 gibt es zwar auch keinen für mich erkennbaren Bezug zur Umwelt. Das Bild gefällt mir trotzdem, weil es eine Interaktion zwischen zwei Menschen zeigt, die ihr Glück, ihre Freude teilen. Etwas mehr Freistellung (offnere Blende) wäre evtl. noch eine Idee gewesen, um die beiden vom Ambiente besser zu lösen.
Bild 4 gefällt mir am besten, weil es unterschiedliche Ebenen im Bild gibt. Der Profi links, der anscheinend die Schönheit von Kuckucksuhrdorf ungestört zu genießen versteht, die beiden Mittelpersonen, denen klar ist, dass sie gerade fotografiert werden und das mit einem uneuropäisch freundlichen Lächeln quittieren, und schließlich das Mädchen rechts, das irgendwo zwischen sich und dem Nirvana oszilliert.
Beim Bildaufbau ist im Grundsatz schade, dass die Kuckucksuhr mit dem Kopf des jungen Mannes überlappt. Witzig ist allerdings das Echo dieser Überlappung durch den Schatten über dem Kopf der Nirvanesin. Insofern ist es mit der Überlappung gar nicht so schlimm.
LG Albrecht