Hyperfokale Distanz Landschaftsfotografie

Kangal1966

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......wer von euch wendet diese Technik an ?? ich habe mich in letzter Zeit immer mehr in dieses Thema eingelesen und das WWW. lies alles was man findet. de durchforstet. Bei der "Technik " ist es ein für und wieder vieler Fotografen, so wie man liest. Ziel das Bild von vorne bis hinten knack scharf zu bekommen.

Apps gibt es ohne Ende zur Berechnung des Abstandes usw. Auf den neuen Linsen ist die Entfernungsskala zu ungenau bzw auch sehr grob.

Bisher hab ich auf das Hauptmotiv fokussiert, die passende Blende und es passte in den meisten Fällen. Ich frage mich natürlich immer, geht es noch besser, schärfer usw.......ich schreibe hier von einem Weitwinkelobjektiv.


Wie seht ihr das bzw wie ist euer Vorgehen bei Landschaftsfotografie um das Bild von vorne bis hinten scharf zu bekommen....bin mal gespannt. 👍
 
02.05.2019
#1

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Guest

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pquattro

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Ganz einfach; je mehr WW, desto mehr Schärfentiefe. Besonders bei kleinerem Bildsensor, weil die Schärfenkreise sind kleiner, enger. Bei UWW, wie z.B. Samyang 12mm F2 mit einem Bildsensor APS-C, fängt die gute Schärfe bei F2 schon bei Schuhspitzen des Fotografen an.... :)
Bei normalen Brennweiten und T.O. ist eine Schärfe von Vorne bis Unendlich schon schwieriger, bis unmöglich. 😉🤫😟
Bei Vollformat Bildsensoren ist es noch problematischer, weil die Bildkreise von den VF Objektiven sind nicht so dicht nebeneinander als es bei den APS-C ist, und bei den Händys ist es schon Alles scharf.... :)

Darum für Landschaften mit Vordergrund und Fotos solcher Art, inkl. Makro, ist viel besser APS-C Format als VF, VF ist wieder viel besser für People Fotografie, Studio. Für Makro ist noch besser ein noch kleineren Bildsensor Kamera nehmen.... :)

Gruß,
Peter
 
Kangal1966

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Peter vielen Dank für deine Meinung über das Thema..... 👍👍

Das eine ist die Hardware, das andere ist die Technik oder Gewohnheit....

wie ist aber deine Art zu fokussieren bei Landschaft ? nutzt du selbst die Hyperfokale Distanz oder hast du eine andere Technik ?
 
Janni

Janni

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Also bei Weitwinkelaufnahmen halte ich mich nie an irgendwelchen theoretischen Berechnungen, denn in der Praxis ist es meist doch anderes als in der (berechneten) Theorie 😉

Je weniger Brennweite desto tiefer wird die Schärfeebene bei gleicher Blende.

Nehm ich mein 14mm-Objektiv (am KB-Sensor) und verwende Blende 8, hab ich eigentlich alles scharf im Bild, es sei denn man hat ein Objekt im sehr-sehr nahen VG (Vordergrund), was aber wirklich sehr selten ist, meist sind die Objekte, die im VG zur Bildgestaltung nicht ganz unwichtig sind, schon ein paar Meter vom Fotografen entfernt, dann passt das alles bei Blende 8 👍
Fokussiert wird bei mir auf irgendein Objekt was ungefähr in der mittleren Entfernung liegt, fertig !

Bei Landschaftsaufnahmen mit 24mm Brennweite passt es eigentlich mit Blende 8 auch noch ganz gut.
Wenn aber hier ein sehr nahes Objekt im VG steht, sollte man schon Blende 11-13 verwenden oder direkt 2 Bilder mit unterschiedlichen Fokussierpunkten ablichten und anschliessend "stacken", das reicht dann dicke aus 😉
Aber wie schon gesagt hat man eher selten etwas im sehr nahen VG...und wenn es sehr nah ist, dann stelle ich es meist auch bewusst mit offenerer Blende frei 😉

Wer es wirklich von vorn bis hinten richtig knackescharf haben möchte sollte dann schon mit der "schärfsten Blende" des jeweiligen Objektive arbeiten und die Bilder dann notfalls stacken.
Bei Landschaftsaufnahmen kann man aber mit Blende 8 und korrektes und angepasstes Nachschärfen schon sehr gute Ergebnisse erzielen 👍

Auch diese ganzen Schärfentieferechner im Internet sind zwar auch eine grobe Richtlinie und verdeutlicht das Verhältnis der Schärfeebene bei Blende xy dem Anfänger recht gut, aber jeder hat eine andere Vorstellung und Wahrnehmung von "Schärfe", deshalb vertraue ich diesen theoretischen Berechnungen auch nicht und habe so meine eigenen Erfahrungen damit gemacht !

Hier ein gerade von mir angefertigtes Beispiel das verdeutlicht das es Unterschiede bei gleicher Blende aber unterschiedlicher Brennweite gibt.
Habe vom Balkon aus einmal mit 14mm und einmal mit 24mm bei Blende 8 unterschiedliche Objekte (Nah- und Fernbereich) anfokussiert, bei 14mm ist eigentlich alles gut scharf, egal wo man anfokussiert, aber bei 24mm ist es schon ein Unterschied.....aber sehr selbst :

Die Bilder und Crops sind alle unbearbeitet und nicht nachgeschärft !

- verkleinertes Originalbild bei 14mm und Blende 8
14mm - Blende 8 - 2m fokusiert - Originalbild - klein.jpg



Im nächsten Bild sind die oben eingezeichneten originalen Bildausschnitte (100%-Crops) zu sehen, die obere Reihe zeigt die Crops bei anfokussiertem Nahbereich (Balkonpfosten, ca. 2m vor mir) und die untere Reihe zeigt die Crops bei anfokussiertem Fernbereich (Grill vom Nachbarn in ca. 25m Entfernung)

- 100%-Crops :
Vergleich 14mm - Blende 8.jpg




Das selbe nun mit 24mm Brennweite und Blende 8 (durch mehr Brennweite etwas engerer Bildwinkel)
24mm - Blende 8 - 30m fokussiert - Originalbild - klein.jpg


- die 100%-Crops davon :
Vergleich 24mm - Blende 8.jpg

Wie man gut sehen kann ist es bei 24mm und Blende 8 doch schon ein Unterschied wo ich den Fokus hinlege, bei 14mm ist der Unterschied zwar minimal aber doch viel geringer und schon vernachlässigbar da man hier noch sehr gut mit Nachschärfen einiges herausholen kann. Man sollte auch nicht vergessen das es nur im 100%-Crop sichtbar ist, im kompletten Originalbild sieht man davon rein garnix mehr und wer macht von Weitwinkelaufnahmen schon starke Crops ???...eigentlich niemand 😎👍
 
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Kangal1966

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Vielen Dank Jan für deine ausführliche Antwort und den Testbilder......klasse.... 👍👍

um dieses zu bestätigen mit dem Stack, habe ich gestern Aufnahmen gemacht und in Affinity gestackt, jo das Ergebnis ist schon klasse bei zwei Bildern wo der Fokus jeweils verschieden sitzt.....gefällt mir 👍👍
 
Waldschrat

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Hallo Peter!

Du hinterfragst ein Thema (Tiefenschärfe, Schärfentiefe, hyperfokale Distanz) welches immer wieder mal, gern leidenschaftlich, und endlos, diskutiert wird. 😃 Zwei Antworten haste schon. Jan hat Dir eine sehr ausführliche Antwort gegeben, die viele Fakten darstellt. 👍 Ich selbst nutze in der Landschaftsfotografie manchmal gern einen weiten "Schärfentiefe"-Bereich. Früher im Zeitalter der Farbdias war das für mich die übliche und überwiegende Herangehensweise an Fotos. "Von vorn bis hinten scharf". In letzter Zeit praktiziere ich das jedoch wesentlich seltener, was sicherlich mit gestiegenen Ansprüchen zusammenhängt.

Eines ist klar: Pointiert formuliert, gibt es so etwas wie "Schärfentiefe" überhaupt nicht! Die Fokusebene bleibt die Fokusebene, und nur in der exakten Fokusebene ist die Abbildung (bei einer guten Optik) wirklich messerscharf. Von der exakten Fokusebene ausgehend betrachtet, wird es davor Richtung Fotografen (intrafokal) und dahinter (extrafokal) grundsätzlich zunehmend unschärfer. Man misst diese Unschärfe als Durchmesser von Streukreisen. Die Abbildung eines gedachten oder realen Punktes wird vor und hinter der Fokusebene zu einem Kreis zerstreut. Durch Schließen der Blende wird dieser Verlauf in die Unschärfe abgemildert, die Streukreise kleiner. Halbierst Du den Durchmesser des Loches (der Blendenöffnung) auf die Hälfte, was Abblenden um 2 EV entspricht, halbiert sich der Durchmesser der Streukreise. Die Streukreise werden aber niemals unendlich klein werden. Dafür müsste die Blende unendlich geschlossen werden. Diesen Betriebszustand nähert man übrigens mit der Lochkamera an. Irgendwann wenn das Blendenloch klein genug ist, braucht man das Glas im Objektiv nicht mehr. ☺Aber zurück zur normalen Fotografie mit Linsen im Objektiv: Die Detailzeichnung in den nicht in der exakten Fokusebene liegenden Bildbereichen wird durch Abblenden niemals an die Detailfülle der tatsächlichen präzisen Fokusebene heranreichen! Je nach Objektiv nimmt durch die Beugung des Lichtes am Blendenloch sogar ab Blende 8...11 die Schärfe des gesamten Bildes wieder ab.

Warum geistert diese Schärfentiefe, wenn es sie de facto überhaupt nicht gibt, aber seit anderthalb Jahrhunderten durch das Fotografenleben, schlägt sich in Lehrbüchern, Fotozeitschriften, Tabellen, Schärfentiefeskalen an Objektiven, endlosen Diskussionen in Fotoforen, usw. nieder? Es ist eben ein Kompromiss! Die Kernfrage lautet: Wie viel Unschärfe fällt dem Auge noch nicht augenfällig auf? Wie viel Unschärfe ist man bereit, zu tolerieren? Da spielen also einerseits harte Fakten wie das Auflösungsvermögen des Auges, sowie andererseits auch individuelle Ansprüche des Fotografen sowie weiterer Rezipienten mit rein. Ganz entscheidende Punkte, ohne die Schärfentiefe überhaupt nicht sinnvoll diskutiert werden kann, sind auch: Wie groß soll das Fotos betrachtet werden? Aus welchem Abstand soll es betrachtet werden? Dir ist wahrscheinlich schon aufgefallen, dass ein Bild auf dem kleinen Kameradisplay oder als kleines Thumbnail noch durch und durch scharf aussieht. Zehn, zwanzig mal so groß auf dem Monitor am Computer dargestellt dann vielleicht nicht mehr sooo scharf. Und wie Jan schon sinngemäß beschrieb: Spätestens beim Reinzoomen in 1:1-Darstelllung der Pixel auf Deinem Monitor zeigt sich die ganze Grausamkeit der Unschärfe. 😃 Aber wer guckt sich schon final das Bild auf Pixelebene an?


Zurück zu persönlichen Praxis-Erfahrungen: Ich für meinen praktischen Einsatz bin nach vier Jahrzehnten Fotografie gerade in den letzten Jahren durch die Digitalfotografie, welche zweifellos einen stark gestiegenen Anspruch getriggert hat, zu dem Schluss gelangt, "Schärfentiefe" am liebsten ganz zu meiden, und wenn, dann äußerst vorsichtig und mit großem Sicherheitsabstand zu dem, was diese Schärfentiefe-Rechner und -Skalen so behaupten, zu nutzen. Hyperfokale Distanz funktioniert aus diesem Grund für mich allenfalls mit starken Weitwinkel-Objektiven. Ein letzter Gedanke: Das Ganze ist auch abhängig von der Sensor-Technologie. Eine Bayersensor-Kamera mit vielen Megapixeln ist hinsichtlich leichter Unschärfe viel gutmütiger als eine Foveon-Kamera mit ihren endscharfen Pixeln und vergleichsweise geringer Pixeldichte / wenig Megapixel.


Grüße und viel Spaß beim Fotografieren!
 
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Vielen Dank dir für die ausführliche Erklärung, find ich klasse.....

da ich sehr viel Spaß an der Fotografie gefunden habe, beschäftige ich mich natürlich auch sehr viel mit lesen und bestimmten Bereiche die ich selbst spannend finde und versuche natürlich auch heraus zu finden, was ist möglich und was nicht.

Finde es auch super, dass ihr mit so viel Feedback gebt.....einfach klasse.
 
Waldschrat

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Und, hast Du Dich zwischenzeitlich schon praktisch an das Thema herangetastet?
 
Kangal1966

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Ja bin ja immer am machen was geht und was nicht. Denke ich werde es machen wie ich es immer gemacht habe oder eben bei besonderen Bilder ( für mich ) mach zwei stacken mit unterschiedlichem Focuspunkte.

Danke der Nachfrage 👍
 
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