Biete hertie in leipzig...

  • Autor des Themas ultraprimel
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ultraprimel

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oder auch, wer einmal eine blechbüchse hatte, darf auch keine ansprüche auf originalsubstanz stellen...


in leipzig spielt sich gerade ein historiendrama ab: im prinzip seit der DDR kennen alle hier nur die "blechbüchse"-eins der DDR-vorzeigewarenhäuser, stil 60er mit den typischen alu-verkleidungsdeckeln. ähnlich wie in dresden etc.

nur hier in leipzig gab es eine klitzekleine besonderheit (die gar nicht so bekannt war): die originalfassade des original hertiekaufhauses war unter dem blech gut erhalten. quasi wetterfest konserviert für bessere zeiten.

jetzt kommt das drama. jetzt wo ein stück altes leipzig (und nicht das unbedeutendste) ans tageslicht kommt, soll das gute stück gleich mal abgerissen werden! einkaufsquadratmeter (für wen eigentlich-für griechische touristen??) zählen mehr, als die ureigenste geschichte einer der bedeutendsten HANDELSstätte deutschlands.

etwas sprachlos hatte ich heut zum glück anläßlich eines kurzaufenthaltes die dp1 dabei, die so die geschichte wenigstens digital kurz aufleben läßt. insgesamt absolut unverständlich, was leipzig sich dabei denkt, bzw. wieder ein bestechungstrauerspiel ersten ranges.

doch jetzt die bilder:

hertieganz.jpg


hertie.jpg


hertie2.jpg
 
15.05.2010
#1

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Guest

Schau mal hier: hertie in leipzig... . Dort wird jeder fündig!
Saturn

Saturn

Moderator
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Das ist ja wirklich ein markantes Gebäude!
Aber wie man sieht, spielt Geld keine Rolex!!

schade, sehr schade
 
wpau

wpau

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Die Fassade sieht aber so verbaut aus, das sie wohl nicht mehr zu rekonstruieren ist.
Die Stahlteile sind wohl nachträglich angebaut worden und die Fensterbereiche sind anscheinend zu gemauert.
 

Eule

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ist das das haus, welches ganz oben so eine große, rote digitaluhr hatte?
 

sigmacrazy

Guest
Die Außenfassade ist so nicht mehr zu retten, außer mit emensen € Aufwand.
Der Architekt baut jetzt von sich aus ein "Sichtfenster" ein in dem ein Teil der alten Fassade zu sehen sein wird.
Desweiteren wird die komplette Aluverkleidung wieder angebracht.
Das Kaufhaus wurde Ende der Sechziger umgebaut und mit einer Aluverkleidung versehen. Eröffnung des "Konsument" Warenhaus war wohl 1968.
Diese Aluverkleidung steht meines Wissen unter Denkmalschutz und es war wohl Bedingung das diese bei einen neuen Komplex wieder integriert wird.
Keiner hatt wohl mal hinter diese Verkleidung geschaut.

Morgen mal noch einige Aufnahmen vom Gebäude.
 

sigmacrazy

Guest
@ultraprimel
welcher Bestechungsskandal lief/läuft da? Bitte Infos/Quellen.

@eule
ja, dieses Haus hatte eine weit sichtbare Digitaluhr ganz oben auf dem Bürotrakt.
 

ultraprimel

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sigmacrazy: danke erstmal für deine links. da werd ich mich mal durcharbeiten. von bestechungsskandal schrieb ich ich nix, aber ich habe lange genug in leipzig gewohnt und mehr als eine wertvolle historische immobilie abreißen sehen müssen und in den hintergründen in der bauaufsicht ist es ein offenes geheimnis das da einfach viel viel geld fließt.....

nur kurz noch: leipzig ist DIE handelsstadt par excellence. und dieses kaufhaus mit rang und namen an einer der damals mit exponiertesten plätze. schon allein historische gründe würden es rechtfertigen sowas wieder aufzubauen. das die fassade jetzt auch noch da ist-besser kann man es doch als ausgangsmaterial gar nicht haben. natürlich würde das teuer sein, aber angesichts des gewinns an historischer substanz dort um die hainstrasse, den markt und eben gegenüber des ehemaligen first-class-hotels fürstenhof, ist es aus städtischer sicht unverständlich. dazu kommt noch, daß es zumindest für mich als ddr-bürger und 20jährigem leipzigbewohner unverständlich ist, wenn ein bauwerk erst 40 jahre lang versteckt wird (das "alte" leipzig schaute man sich dann auf fotos an...) und dann in "freiheit" nix besseres dazu einfällt, als es abzureißen.

ich lebe ja jetzt in dresden und dort sieht man an einigen beispielen (frauenkirche z.b.) was es für eine stadt bedeuten kann ihr städtebauliches historisches erbe wieder aufzubauen! umgedreht habe ich es zu oft gesehen WAS genau AN SOLCHEN PLÄTZEN aller-allermeistens seitens gewinngieriger kaufhausquadrtameterspekulanten hingebaut wird. am ende ist es für solche plätze touristisch der tod. eine stadt wird dadurch extrem unattraktiv (z.b. plauen-stadtzentrum!!!). im gegensatz zu der alten gewachsenen bürgerlichen jugendstilarchitektur, die ästhetik und handel verbindet, ist die moderne shoppingmeile in ihrer billligkeit einfach nur abstoßend.

es ist ja nicht so, daß man nicht in anderen städten schauen könnte wie sowas aussieht... solange da leerraum ist-gut, da hat man wenig argumente, aber wenn ein stadtbild an einer stelle verschandelt wird, wo noch alte historische baussubstanz steht-nein, da geh ich nicht mit, sondern entschieden dagegen!
das ganze gelabere um geld etc. ist dabei einfach verschleierung.

es ist außerdem zu befürchten, daß das dann dort signalwirkung hat (und genau die könnte aber auch umgedreht sein)-denn die unmittelbar angrenzende hainstrasse strotzt nur so von gaanz alter bausubstanz, die aber -merkwürdigerweise- verfällt. soll man hier keine nachtigall trapsen hören???

zu meiner zeit durfte ich übrigens den damaligen bausdezernenten immer mal beobachten. es war kein bild eines standhaften, seiner bedeutung bewußten mannes. ich weiß nicht, wer heute diesen posten hat,aber vorgänge wie die jetzigen zeigen zumindets mir, daß sich da nicht viel verändert hat.

sorry, etwas länger geworden, aber in dem falle sehe ich z.b. fotografie als wichtig an. man kann dokumentieren, sowas z.b. auch bekannt machen usw. es lohnt sich aus meiner sicht, deshlab über sowas sich durchaus nähere gedanken zu machen.
lg
 

sigmacrazy

Guest
@ultraprimel
Danke für Deine umfangreiche Darlegung, hatte diesen, "wieder ein bestechungstrauerspiel ersten ranges.", Satzauszug aus Deinen Anfangspostl
so verstanden das da ein Bestechungsskandal verfolgt wird. In Leipzig haben sie eh ein Talent die Stadt zu verunstalten, siehe Bildermuseum, Tunelbau und noch einiges Andere.

Aufnahmen folgen, muß jetzt zu den Schwänen.

bis denn
 
uwedd

uwedd

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Das ist ja wirklich eine Schande, wenn das gute alte Stück abgerissen wird. Zumal neue Einkaufstempel so überflüssig sind wie ein Kropf...
Ich wusste nicht, dass die alte Hertie - Fassade noch so gut drunter erhalten ist. Kenne nur die Bemmenbüchse.

Uwe
 

sigmacrazy

Guest
Am Bauzaun dieses Bild

bauzaun.jpg

gesehen.
Stimme einer Sanierung der alten Substanz zu, passt besser zu den umliegenden Gebäuden.


Anbei einige Details

12.jpg

13.jpg

14.jpg

16.jpg

15.jpg
 

sigmacrazy

Guest
so noch einige Details

01web.jpg

03.jpg

04.jpg

05.jpg

zum derzeitigen Zustand.
Der Bürotrackt ist bereits gefallen, war aber der Neuanbau.
 

sigmacrazy

Guest
@ultraprimel
Dein Satz "es ist außerdem zu befürchten, daß das dann dort signalwirkung hat (und genau die könnte aber auch umgedreht sein)-denn die unmittelbar angrenzende hainstrasse strotzt nur so von gaanz alter bausubstanz, die aber -merkwürdigerweise- verfällt. soll man hier keine nachtigall trapsen hören??? " geht aber nicht durch.
In dieser Strasse sind ein unsaniertes und ein schon länger saniertes Haus die etwas aus dem Rahmen fallen.
Ansonsten ist die alte Substanz restauriert.
Eine Lückenbebauung gab es oberhalb zum Markt die nicht dem historischen Stil entspricht.
War Gestern vor Ort und kann Dir so nicht folgen.
Ausreißer wie City-Tunnel, Bildermuseum, Galerie-Kaufhof, Ring-Messehaus und noch einige Andere können nicht den sehr guten Zustand der historischen Gesamtheit zerreden. Ich spreche jetzt vom Stadtkern um den alten Markt, also Richtung Augustus-Platz, Leuschner-Platz, Hauptbahnhof und Thomaskirche.
Würden mich Interresieren was Du noch für "Nachtigall ich hör dir trapsen" Gedanken oder Infos hast, auch gerne als PN.
 

ultraprimel

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jens-uwe: ich seh in der hainstrasse mehr als ein unsaniertes haus. u.a. dieses ganz kleine (von der breite) mit dem erker, wohl eins der ältesten mit im stadtzentrum.

mir geht es ja hauptsächlich darum, wie der platz in seiner gesamtheit gestaltet wird. drumrum ist genig original bausubstanz, aber genau der kaufhausort ist in seiner dominanz natürlich absolut zentral. was auch immer dort steht, wird diesen platz dominieren... wenn ich so gegen den abriss wettere, dann vor allem, weil ich zu wissen glaube, was dort hingebaut wird. so billig wie möglich, so groß wie möglich, etwas pseudomodern etc.

die dresdner centrumsgalerie ist das jüngste beispiel für so eine billige modernarchitektur. die frankfurter zeil durchaus nachdenkenswert.

letztlich könnte man auch sagen, daß die blechbüchse im zuge der ddr-geschichte (montagsdemos am ring) auch eigentlich genug an historie zu bieten gehabt hätte, um denkmalsmäßig erhalten zu werden! ich sehe das sehr geschichtlich. warum immer nur neue große geschichtslose klötze hinbauen, die nur davon künden, daß jemand mit riesen-bauaufträgen dank der baulobby sich ne goldene nase verdient und dann später der mieter der immobilie nie und nimmer die zuvielen quadratmeter gewinnbringend nutzt?
bei der gegenwärtigen wirtschaft halte ich es für frevel immer wieder noch mehr kaufhäuser hinzubauen. hier im osten vor allem... wir haben genug. und kleiner als vorher wird man dort nicht bauen.
lg
 

sigmacrazy

Guest
@ultraprimel
Du hast doch recht, als Außenstehender weiß mann viel zu wenig was hinter der Bühne läuft. Was ich bei meinen Stadtrundgang gesehen habe ist schon erfreulich.
Ich mag nicht wegen der Hainstraße zoffen, hier die zwei Gebäude

01web.jpg, gehört wohl der Messe

02web.jpg, ist bewohnt,

die Dich wohl ärgern.
Beim Ersten kann ich vieleicht eine Info nachreichen.

Bei diesen ganzen Irrsinn müßte mann eh mal wieder auf die Strße gehen,
Symbolisch dieses Mal anders herum.
 

Eule

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ich würde ja fast unken: zu guter letzt baut dort die mfi eine ihrer ach so tollen langweil-arcaden hin. :rolleyes: