Hallo Jens,
so einen VHS-Kurs hätte ich auch gern mal. Damit nicht alles "Learning by doing it yourself" ist.
Es ist wohl ein bisschen arg viel verlangt, wenn man von erwarten sollte, dass man von einem solchen Kurs Bilder mitbringt, die den Größen der Streetphotography das Wasser reichen können. Klar erkennbar finde ich aber, dass - evtl. mit kleiner Einschränkung bei den Bildern aus dem Inneren der U-Bahn - eben nicht einmal mal ausgelöst wurde, sondern ein Wille da ist, etwas bewusst zu zeigen.
So gefällt mir bei Bild 1, dass es eine angedeutete Harmonie zwischen den Haaren und dem Peace-Zeichen gibt. Gut gesehen, finde ich.
Aus den ja ohnehin gestellten Szenen bei Bild 2 und 3 etwas zu machen, ist nicht so einfach. Fotografen beim Fotografieren des Gestellten zu fotografieren, ist keine so ganz neue Idee, aber immerhin eine. Die SW-Bearbeitungen bringen m.E. nichts Zusätzliches. Bei den Breakdancern finde ich rein optisch Nr. 5 am Gelungensten, allerdings bleibt der junge Mann ohne besonderen Bezug zur Umwelt. Bei den anderen 3 scheint es mir umgekehrt. Da ist dann etwas zu viel Ambiente für meinen Geschmack. Toll wäre es, wenn es eine Aufmerksamkeitsbeziehung zwischen Akteuren und Fotografen gäbe. Nr. 7 ist das Stärkste aus dieser Reihe, wäre da nicht ... aber das hast du ja schon selbst gesehen.
Bild 9 zeigt zwar nicht viel, überzeugt mich aber durch eine fast perfekte Eckführung.
Nr. 10 ein Klassiker mit schönen leuchtenden Farben. Witzig das kleine Farbecho zum Gefahrensymbol. Der Traum wäre es gewesen, wenn in diesem Meer von Poppigkeit die eher zurückhaltend gekleidete Dame allein gewesen wäre. Man kann es sich nicht aussuchen.
Nr. 11 ist ein dokumentarisches Foto.
Bei Nr. 12 und 13 gefällt mir die SW-Ausarbeitung besser, in der Bildaussage könnte man sich im Hintergrund mehr Wahnsinn wünschen. Es ist relativ leer, so dass der Widerspruch zwischen der Ruheposition und dem Lärm der Stadt nur im Angedeuteten bleibt.
Nr. 14 hat Witz, der in der grotesken Haltung des Fotografen am Fußende der Treppe besteht. Die Bildspannung besteht hier m.E. zwischen ihm und seinen Objekten auf der Mitte der Treppe. Möglicherweise wirkt das Bild stärker, wenn man es auf diese beiden Elemente reduziert.
Nr. 16 und 17 finde auch ich top, mit Vorteil für 17, das ich mir wirklich gern lange anschaue. Bei 18 geht ein wenig von der Einsamkeit und Tristesse verloren durch die starken Farbe, ist aber als Bild natürlich auch nicht schlecht.
Nr. 22 ist ebenfalls voll nach meinem Geschmack. 23 hat einen guten Ansatz, leidet aber m.E. vor allem darunter, dass das Schild angeschnitten ist. Der Bezug zum (gesellschaftlichen) Ausgang ist vermutlich für die schnelle Betrachtung ein wenig subtil.
24 ist für mich eindeutig das Künstlerischste. Auch das ist richtig schön geworden.
Bei 25 und 26 fehlt mir die Aktion. Die nach der Flasche greifende Hand. Was ist das Besondere an gerade dieser jungen Dame in der Straßenbahn.
Ein einheitliches Urteil über Banalität oder Nicht-Banalität scheint mir nicht möglich. Zu unterschiedlich sind die Bilder. Ich glabue aber, dass die konzentriert positive Rückmeldung zu einigen ganz bestimmten Bildern schon ein wenig richtungsweisend ist. Mit den öfter genannten 10, 16, 17, 22 und 24 hast du schon eine echt gute Ausbeute.
LG Albrecht