Eisenhüttenstadt - erste „sozialistische Wohnstadt“

rod

rod

Beiträge
366
Eisenhüttenstadt? Sicher öde Plattenbauten bis zum Horizont vor einem abgetakelten Eisenwerk. Wir pflegen unserer Vorurteile.

Als Stalinstadt gründete die DDR Anfang der 50er die erste „sozialistische Wohnstadt“. Hier sollten die „Werktätigen“ des Eisenhüttenkombinats Ost (EKO) leben. Die Architekten entwarfen die sozialistische „Idealstadt“ gänzlich am grünen Tisch.

In den 50er bis 60er Jahren zogen Bauarbeiter im Osten Brandenburgs die Wohnkomplexe I bis IV hoch. Eisenhüttenstadt war für 30 000 Menschen geplant, in der Hochzeit lebten dort 50 000.

Mit der Wende geriet das Stahlwerk ins schlingern und riss die Stadt in eine Wirtschaftskrise. Eisenhüttenstadt schrumpfte auf 23 000 Einwohner. Vor allem junge Menschen kehren ihr den Rücken

Die Verwaltung versucht gegenzuhalten und saniert die frühen DDR-Wohnanlagen.



01 Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Lindenallee






04 Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Friedrich-Wolf-Theater​

Das Theater wurde im stattlichen klassizistischen Stil gebaut, von dem die Architekten dann aber langsam abrückten.






05 Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Wandbild​

Das Wandbild "Arbeit für den Frieden" entwarf der Künstler Walter Womacka für eine Fassade in der Lindenalle.






06 Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Hotel Lunik​

Das Hotel Lunik, kleiner Mond, steht leer und verfällt zusehends. Ein Investor kaufte es und wartet auf bessere Zeiten.






08 Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Ehemaliger IFA-Auto-Pavillon​

Hier wurden zu DDR-Zeiten die neuesten und fast unerreichbaren Automodelle präsentiert. Heute wartet der Pavillon auf neue Ideen...






07 Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Läden und Wohnblock in der Lindenallee​


Folgt Teil 2


Beste Grüße, Uli
 
rod

rod

Beiträge
366
Teil 2 "Eisenhüttenstadt"

Nachfolgend einige Beispiele über sanierte Wohnblöcke in Eisenhüttenstadt.



09 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Wohnkomplex II​


Die Häuser in den Wohnkomplexen I-IV sind in den 50er und 60er Jahren noch aus Steinen gemauert worden. Plattenbauten gab es zu dieser Zeit noch nicht. Weder war die Technologie entwickelt worden, noch gab es so kurz nach dem 2. Weltkrieg Schwerlastkräne, die die Massen hätten heben können.







10 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Grillstation​


Mit den Schrägen und vorkragendem Dach, typische Architektur einer Grillstation








11 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Wohnkomplex I​


Die Häuser des Wohnkomplexes I wurden Anfang der 50er gemauert. Noch einfach im Stil, aber versetzte Fronten und teilweise französische Balkone. Das Wandmosaik zeigt eine sozialistische Familie.







12 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Platz des Gedenkens

Platz des Gedenken mit dem sowjetischen Ehrenmal. Unter dem Obelisken liegen die Gebeine von mehr als 4000 sowjetischen Kriegsgefangenen. Auf diesem Platz fanden die großen Aufmärsche und Kundgebungen statt.







13 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Durchgang​


Durchgang zu den Innenhöfen im Wohnkomplex II






14 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Innenhof​

Zu unserer Überraschung sind die Innenhöfe der Wohnanlagen weit, luftig und mit viel Grün bepflanzt. Die sanierten Wohnanlagen (Wohnkomplexe I - IV) sind vor der Plattenbau-Ära gemauert worden. Sie zeigen eine eigenständige Architektur, die in der industriellen Plattenbauweise weitestgehend verschwand.


Folgt Teil 3


Beste Grüße, Uli
 
Harald

Harald

Beiträge
1.715
Beeindruckend gute Architekturaufnahmen.
Einige, wie bes. das erste des zweiten Beitrags, sehen fast wie realistische Visualisierungen aus einer Architektursoftware aus.
Interessant natürlich auch das Gezeigte! Ich hatte keine genaue Vorstellung von dieser Stadt, danke!
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Waldschrat und rod
rod

rod

Beiträge
366
Beeindruckend gute Architekturaufnahmen.
Einige, wie bes. das erste des zweiten Beitrags, sehen fast wie realistische Visualisierungen aus einer Architektursoftware aus.
Interessant natürlich auch das Gezeigte! Ich hatte keine genaue Vorstellung von dieser Stadt, danke!
Ja, wir waren auch überrascht.

Man muss sehen, dass Eisenhüttenstadt die erste DDR-Modellstadt war. Weshalb man anfangs relativ viel Energie in ihre Entwicklung steckte. Es ging ja auch ums internationale Ansehen: Seht, so baut der Sozialismus.

Die DDR-Bauten ab der 70er Jahre waren angesichts des wirtschaftlichen Drucks mehr durchrationalisiert. höher, einfacher, keine teuren architektonischen Besonderheiten usw.

Beste Grüße, Uli
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Waldschrat und Harald
rod

rod

Beiträge
366
Eisenhüttenstadt Teil 3 und Schluss



15 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Fassade​


Die Architekten lockern die Häuserfront mit versetzten Fassaden, Fenstervorsprüngen und Durchgängen auf. Je nach Sonnenstand verändert sich das Relief der Häuser.






16 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Restaurant "Aktivist"

Kleine Kneipen oder Cafes waren in der DDR eher selten. Dafür baute man an zentralen Plätzen große gastronomische Einrichtungen. Hier das renovierte Restaurant "Aktivist".






17 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Restaurant "Aktivist"

Auch innen wurde die Gaststätte nach alten Plänen restauriert






18 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Ehemalige Juri-Gagarin Oberschule​


Die große ehemalige Juri-Gagarin Oberschule steht leer und verfällt. Auch hier wird nach einem Investor und Ideen gesucht.






19 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Weltkugel​


An der Weltkugel zum anfassen kann man die Welt ertasten. Die Skulptur stand von einem Kindergarten, der mangels Nachwuchs geschlossen wurde. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung war zu DDR-Hochzeiten bei etwa 28 Jahren, heute liegt es bei rund 52 Jahren.







20 - Eisenhüttenstadt - he 1000.jpg

Eisenhüttenstadt


Die Architektur der Wohnkomplexe I - IV in Eisenhüttenstadt ist für die DDR eher ungewöhnlich. Sie ist nicht mit den später industriell hergestellten Plattenbauten zu vergleichen,

Eisenhüttenstadt war Anfang der 50er Jahre das erste städtebauliche Vorzeigeprojekt des Staates. Planer und Architekten entwarfen den Ort nach sozialistischen Vorstellungen völlig neu. Trotz aller Materialknappheit nach dem 2. Weltkrieg versuchte man in der Planung und Bauausführung auf Qualität zu achten. Das Prestigeobjekt sollte zeigen: So baut der Sozialismus.


Heute ist diese Phase fast vergessen. Die Stadt versucht die Wohnungen und ihre Architektur aus der Frühzeit der DDR zu erhalten. Mangels Wirtschaftskraft ist das ein schwieriges Projekt.


Beste Grüße, Uli
 
othello8

othello8

Beiträge
1.339
Hallo Uli,

ich war noch nie in Eisenhüttenstadt. Aber ich denke, Du hast die Stadt sehr gekonnt und authentisch in Szene gesetzt. Alle Bilder sind sehr gelungen und gefallen mir sehr gut!
Viele Grüße
Dieter
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: rod