Coast Guard

Diskutiere Coast Guard im Reise Forum im Bereich Bildbesprechungen; Hallo zusammen, auch wenn die Thematik nicht ganz einfach ist, wollte ich euch meine Eindrücke nicht vorenthalten. Aufgenommen von der...
  • Coast Guard Beitrag #1
oz75
oz75
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Hallo zusammen,

auch wenn die Thematik nicht ganz einfach ist, wollte ich euch meine Eindrücke nicht vorenthalten.

Aufgenommen von der türkischen Küste (Assos, Sivrice-Bucht) aus mit der SD1 und dem 120-400 (Offenblende) und direktem Blick auf Lesbos: Ein Schiff der türkischen Küstenwache auf Patrouille - im Hintergrund die Küste von Lesbos.

120mm
500k_SDIM0079.jpg

400mm
500k_SDIM0075.jpg

Die Distanz wischen dem Festland und der Insel beträgt hier gerade einmal 9km.

2015-09-23_164257.jpg

Dennoch kommen in den Gewässern immer wieder Menschen bei der Überfahrt mit den hoffnungslos überfüllten Schlauchbooten um. So auch am 20. September:



Wir waren im August für zwei Nächte in Assos. Von Bootsüberfahrten haben wir in unserem im Inland gelegenen Hotel nichts mitgekommen. Die Realität sieht allerdings wohl so aus, dass sich 10-15 Schlauchboote pro Tag sich in Bewegung setzen. Zumeist gleichzeitig, um das Eingreifen der Küstenwache zu erschweren. Sogar bis zu 30-40 Boote sollen es zu Spitzenzeiten sein.

Dem gegenüber steht eine Aufstockung der türkischen Küstenwache in der Region von 3 auf 10 Schiffe, damit die Lage nicht völlig außer Kontrolle gerät.

Sehr eindrucksvolle und meines Erachtens präzise Berichte über die Lage finden sich in nachfolgenden Links:





Was uns auffiel: Schwimmwesten, die in so macher Kleinkaschemme an der Küste, quasi als "Deko" (von wegen!) an den Wänden hingen. In einer kleinen Butze an der Küste saßen sehr viele junge, arabisch sprechende Männer, die dort ihre Smartphones luden und in aller Regelmäßigkeit Telefonate entgegennahmen.

Abschließend noch ein Blick von der Sivrice-Bucht zur blauen Stunde: Rechts die türkische Küste, links und im Hintergrund Lesbos mit den Lichtern der Stadt Mithimna.

500k_SDIM0081.jpg

Grüße,
Oz

P.S.: Ich bitte darum, auf "Flüchtlings-Panikmache" im Thread zu verzichten. Das Problem ist hochkomplex und x-dimensional. Stammtischparolen würden der Sache nicht gerecht.
Mir geht es hier vornehmlich darum, die gemachten Eindrücke, die Schönheit der Landschaft und die Ambivalenz der Situation als Tourist/Beobachter mit euch zu teilen.
 
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  • Coast Guard Beitrag #2
Hallo Oguzhan!

Vielen Dank für diesen Bericht! Auch die verlinkten Artikel finde ich sehr interessant. :daumen:
Tja, und was könnte man noch dazu sagen, ohne anzuecken oder eine Diskussion zu provozieren?

Schwierig. :psst:

Die SD1 macht auch schöne Farben! ;)



Schönen Abend Dir, und danke für den Mut! :daumen:
der Waldschrat!





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  • Coast Guard Beitrag #3
Hallo Oguzhan,

ich wollte mal (ob der etwas fahlen Himmelszeichnung Bild-1) die EXIFs wegen der Tageszeit der Aufnahme einsehen ...öhöm ... die Aufnahme ist aus Februar 2011?? :D:D Du könntest mal die Uhr stellen ...:D

Ansonsten sehr interessante Aufnahmen + Bericht dazu. Die damit verbundene Tagespolitik bleibt sehr schwierig ... in vielerlei Hinsicht.

Grüße und schöne Photos

Klaus
 
  • Coast Guard Beitrag #4
Danke für euer Interesse. :)

...
ich wollte mal (ob der etwas fahlen Himmelszeichnung Bild-1) die EXIFs wegen der Tageszeit der Aufnahme einsehen ...öhöm ... die Aufnahme ist aus Februar 2011?? :D:D Du könntest mal die Uhr stellen ...:D

Öhm, ja. :D

Bei der SD1 ist das Datumsdingens ...ein . :D:eek:

Tja, und was könnte man noch dazu sagen, ohne anzuecken oder eine Diskussion zu provozieren?

Oh, viel. Und Mut gehört wirklich nicht dazu, zumal es an dieser Stelle doch möglich sein sollte, vernünftig mit der Thematik umzugehen.

--

Eine weitere Beobachtung vor Ort war, dass neben jenen, denen es offenkundig nicht gut ging, ein Teil der Syrer die uns in der Türkei begegnet sind, einen durchaus gut situierten Eindruck machten.

Bei der Flüchtlingsbewegung aus Syrien handelt es sich meines Erachtens ganz und gar nicht um eine Bewegung des Präkariats - der ganze Bevölkerungsquerschnitt scheint vertreten. Natürlich machen Flucht aus der Heimat und Zerstörung in der Heimat nicht reich - die Not der Menschen wird von manchen, nicht nur Schleusern, schamlos ausgebeutet.

Dass nun eine starke Weiterwanderungsbewegung stattfindet, hat m.E. mit der enormen zeitlichen Ausdehnung des Konflikts (seit März 2011) sowie den vielen Horror- und Hiobsbotschaften zu tun. Der Faktor Stabilität, eine Perpektive und ein, wie auch immer geartet, geregeltes Leben, dürfte eine sehr großem Rolle spielen. Gerade bei jenen mit einer höheren Ausbildung.

In der Türkei steht ihnen die lokale Bevölkerung sowie der Staat nicht feindselig gegenüber - so meine Beobachtung. Aber für einen Neustart reichen die Randbedingungen und die magere Unterstützung des Staates häufig nicht.

Es gibt jedoch wohl auch Gegenbeispiele:



Bei über 2Mio+ Menschen allerdings eine Minderheit.


Grüße,
Oz
 
  • Coast Guard Beitrag #5
Ich finde schade, dass das Thema nicht mehr Beachtung findet, genauer: mehr Resonanz.


... Das Problem ist hochkomplex und x-dimensional. Stammtischparolen würden der Sache nicht gerecht. ...

Stammtische sind mir fremd, aber eigentlich ist das Thema doch zunächst mal gar nicht sooo komplex:

"Da unten", speziell in Syrien, gibt es einen unmenschlichen Krieg, und das seit Jahren. Es gibt dort keine humanen
Lebensbedingungen mehr, und keine Zukunftsperspektive.
Hier in Mitteleuropa gibt es massenhaft leerstehende Wohnungen, ein guter Teil des Essens landet im Müll,
und qualifizierte Arbeitskräfte werden gesucht. Und selbst wenn die letzten drei Faktoren nicht gegeben wären:
Ist es nicht einfach menschlich, und "das Normalste von der Welt", in Not geratenen Menschen zu helfen?


Meine 2 cent zum Thema.
Grüße vom Waldschrat!




_
 
  • Coast Guard Beitrag #6
Ich finde schade, dass das Thema nicht mehr Beachtung findet, genauer: mehr Resonanz.

Stammtische sind mir fremd, aber eigentlich ist das Thema doch zunächst mal gar nicht sooo komplex:

"Da unten", speziell in Syrien, gibt es einen unmenschlichen Krieg, und das seit Jahren. Es gibt dort keine humanen
Lebensbedingungen mehr, und keine Zukunftsperspektive.
Hier in Mitteleuropa gibt es massenhaft leerstehende Wohnungen, ein guter Teil des Essens landet im Müll,
und qualifizierte Arbeitskräfte werden gesucht. Und selbst wenn die letzten drei Faktoren nicht gegeben wären:
Ist es nicht einfach menschlich, und "das Normalste von der Welt", in Not geratenen Menschen zu helfen?

Vielleicht lag es auch etwas an der etwa kantigen "Stallregie".

Es ist natürlich ein Thema, dass keinen emotional unberührt lässt, wenn auch unterschiedlich motiviert. Sei es durch humanitäre Motive oder aber auch durch die Angst, dass einem "die Dinge im eigenen Land" außer Kontrolle geraten könnten.

Neben diesen Dingen gibt es natürlich auch rein rechtliche Erwägungen.
Fakt ist, dass jene Menschen, die sich aus der im Eingangsposting beschriebenen Region auf den Weg machen, um in Europa ihr Glück zu suchen, seit geraumer Zeit nicht an Leib und Leben bedroht werden. Die allermeisten dieser Menschen halten sich in der Türkei seit längerem auf. Die dortige Bevölkerung verhält sich weitestgehend verständnisvoll. Allerdings ist die Türkei ein Land sozialer Härten. Ein wirkungsvolles (staatliches) Auffangnetz gibt es für Flüchtlinge genausowenig wie für die Schwachen in der eigenen Bevölkerung. Diejenigen, die die türkische Sprache beherrschen, schaffen es zu einen gewissen Teil auch, sich eine neue bzw. eine Übergangsexistenz aufzubauen. Zumal es gerade unter den syrischen Flüchtlingen so ist, dass da ein kompletter Bevölkerungsquerschnitt, von reich und hochgebildet bis bitterarm, auf der Flucht ist.
Diese Menschen "fliehen" (nicht die Ärmsten - die können sich die Schlepper nicht leisten und stranden in den Großstädten), weil sie in der Türkei keine gute Perspektive sehen.

Dieses Jahr sind bis dato ca. 53000 Flüchtlinge aus Syrien in Deutschland angekommen. Das Gros der bis dato 257.000 Flüchtlinge in diesem Jahr kommt aus europäischen Staaten. Bei diesem Gros dürfte es sich eher um eine Bewegung de Präkariats handeln (anders also, als z.B. extrem wohlhabende Syrer, die sich via Moskau und Murmansk, d.h. über den Nordpolarkreis per Fahrrad nach Norwegen absetzen - letztens noch im Weltspiegel gesehen). Keine Kriege. Politische Verfolgung strittig. Die Wahrscheinlichkeit einer Anerkennung ist sehr gering.

Das alles rein wertungsfrei. Dass Menschen sich nach besseren Perspektiven umsehen, ist grundsätzlich nachvollziehbar.

Zurück zu den Bildern (auch jenen im Kopf - ohne Kamera): Man sieht dort teils, wie sich Menschen organisieren, um haarsträubendes auf sich zu nehmen. Dann sind dort auch Menschen, die dies schamlos ausnutzen. Zugleich ist die Landschaft wunderbar, voller Kultur (Assos!) und ein kleiner Urlaubstraum.

Apropos Assos: Dort buddelten zur selben Zeit einige Archäologen herum. :)
500k_SDIM0052.jpg
(Vom Tempelberg aus mit der SD1 und dem 120-400 HSM)

Gruß,
Oz
 
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