Blaubeeren mit Milch

Sebi6000

Sebi6000

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Das Foto-Wetter in Hamburg gibt derzeit leider nicht soo viel her. Zum Glück waren Blaubeeren im Kühlschrank 😉

DSC05207.jpg

DSC05233.jpg

Falls gewünscht, kann ich gerne mal was zum Setting der Aufnahmen schreiben.

Beste Grüße
Sebi
 
16.02.2020
#1

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Guest

Schau mal hier: Blaubeeren mit Milch . Dort wird jeder fündig!
Harald

Harald

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Oh ja, das würde mich interessierten.
Gute Aufnahmen!
 
Sebi6000

Sebi6000

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Dann schreib ich mal was zum Aufbau:

Die Aufnahmen sind nicht gerade unter Studiobedingungen entstanden, sondern etwas improvisiert. Ich mache solche Bilder gerne bei uns im Gästebad. Hier kann ich zum einen den Ärger mit meiner Frau minimieren (Blaubeerenmatsche 😉). Zum anderen ist das Bad praktisch eine riesige Softbox. Weißer Boden, weiße Wände, weiße Decke, keine Fenster.

Weiter verwende ich

- Sony Alpha 6000
- Blitz HVL-45RM (ich weiß, schweineteuer, aber auch schweinegut)
- Stativ Rollei c6i
- diverse Objektive (komme ich noch drauf)
- Pappe und Alufolie
- Gummibänder
- einen Hocker
- diverse Schraubzwingen und Klemmen
- schwarzes T-Shirt
- Milch und Beeren

Zum Setting

Der Löffel wird mit Schraubzwingen und Isoband am Hocker befestigt. Den Hintergrund bildet ein schwarzes T-Shirt. Es muss nicht tiefschwarz sein, aber dunkel. Eine Folie o.ä. geht sicher auch, sofern sie nicht zu viel Licht reflektiert bzw. spiegelt. Die Kamera wird mit aufgestecktem Blitz auf dem Stativ ausgerichtet. Es wurde nicht entfesselt geblitzt. Kann man natürlich auch, habe ich hier aber nicht gemacht. Einzige Lichtquelle ist der Aufsteckblitz.

Zu den Objektiven bzw. Schärfe und Fokus

Das Problem ist hierbei der Schärfebereich bzw. die Schärfentiefe. Ein Beispiel: Wenn ich mein Minolta Rokkor 50 mm f/1.4 benutze und formatfüllend aufnehmen möchte, ergibt sich ein Abstand zwischen Sensorebene und Motiv von rund 50 cm. Das ist aus zwei Gründen schlecht. Zunächst steht die Kamera dann innerhalb der Spritzzone. Zum anderen habe ich dann bei einer Blende von f/5.6 einen Schärfebereich von gerade einmal 1,9 cm. Das heißt, wenn ich auf die Blaubeere bzw. den Löffel scharf stelle, ist alles was diesen nur 1,9 cm tiefen Schärfebereich verlässt, nicht mehr scharf.

Die Milchspritzer und auch die Blaubeere bewegen sich nach dem Aufprall auf dem Löffel unvorhersehbar und mehr als 1,9 cm. Die Folge ist, man erhält ein Bild, das in Teilen unscharf ist. Jetzt besteht natürlich die Möglichkeit, weiter abzublenden und damit die Schärfentiefe zu erhöhen. Bei Blende f/16 hätte ich mit dem o.g. Objektiv bei 50 cm Motivabstand schon eine Schärfentiefe von 5,4 cm. Das würde vielleicht schon reichen.

Aufgrund der vielen dunklen Bereiche möchte ich jedoch die ISO-Empfindlichkeit nicht zu hoch einstellen. Wenn ich dann insbesondere HSS Blitze (also kürzer also die Synchronzeit) und das sehr schnell hintereinander, dann kommt der Blitz nicht mehr nach wenn zu viel Leistung benötigt wird (darauf gehe ich weiter unten noch ein).

In der Regel möchte ich bei diesem Aufbau die Blende nicht viel weiter als f/8 oder f/11 schließen. Hier sollte also genau geschaut werden, welches Objektiv in welchem Abstand zum Motiv verwendet wird. Ich bin eigentlich ein großer Fan von Festbrennweiten, aber hier bietet sich schon ein Objektiv mit variabler Brennweite an. Bei den gezeigten Aufnahmen hatte ich rein rechnerisch eine Schärfentiefe von ca. 8,6 cm. In der Praxis stellt sich das oft noch anders dar. Fokussiert wird manuell.

Kamera und Blitz

Die Kamera stelle ich in den Serienbildmodus. Die macht dann ca. 11 Bilder pro Sekunde. Der Blitz hält da selbst bei mittlerer Leistung locker 8 bis 10 Aufnahmen mit. Und das reicht. Sobald es anfängt zu Blitzen, wird die Beere auf den Löffel fallen gelassen. Durch den Serienbildmodus hat man eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein passendes Bild aufgenommen wird. Die gezeigten Aufnahmen habe ich gerade mal mit 5 Blaubeeren erzeugt.

Und an dieser Stelle kommt auch die Blende wieder ins Spiel. Wenn ich im normalen TTL-Modus fotografieren würde, würde bei geschlossener Blende der Blitz relativ viel Leistung benötigen. Mit zunehmender Leistung erhöht sich aber auch die Abbrennzeit des Blitzes. Das kann so lang werden, dass sich deutliche Bewegungsunschärfe zeigt. Ich kann jetzt mit dem HSS-Modus entgegenwirken und eine Verschlusszeit wählen, die kürzer ist als die Synchronzeit (z.B. 1/4000 Sekunde).

Dann brauche ich allerdings auch viel Blitzleistung. Und in Kombination mit dem Serienbildmodus schafft der Blitz dann ca. 2 bis 3 Auslösungen, bis er nachladen muss. Ich nutze hier häufig einfach TTL mit leichter Korrektur (Sony Kamera und Sony Blitz, das passt und harmoniert ohne großes Gefummel). Allerdings bastel ich mir in der Regel mit Pappe und Alufolie Reflektoren. Bei den Blaubeeren wurde ein ca. DIN A4 großer Reflektor verwendet, der mit Gummiband am Blitz befestigt wurde (parallel zur Blitzkarte). Der Blitz selbst geht 60 Grad gegen die Decke.

Die Blitzleistung ist um -1.3 korrigiert. Die Abbrennzeit ist bei dieser Konfiguration kürzer als die kürzeste Verschlusszeit meiner Kamera (falls jemand die genauen Zahlen kennt, gerne melden). Als Umgebungslicht habe ich nur ein kleines Licht, um nicht das Stativ umzurennen. Ansonsten soll das Licht vom Blitz kommen. Deckenleuche etc. sind aus, keine Fenster. Dieses Licht stört und erzeugt Belichtungsschatten (Doppelbilder vom Löffel, der sich unter dem Gewicht der anprallenden Beere nach unten biegt).

Die Aufnahmen

Fotografiert wurde in RAW. In Darktable wurden die Schatten etwas angehoben, bisschen Tonwertkorrektur, klein bisschen Spitzenlichter. Alles im Allem nicht viel.

Die Bilder haben ganz bestimmt noch Luft nach oben. Insbesondere bin ich mit der Schärfe noch nicht zufrieden. Ich muss für mich das Zusammenspiel aus Blitz, Bewegungsunschärfe und Fokus noch optimieren. Aber da kommt bei mir immer der Wissenschaftler durch. Immer nur an einem Parameter schrauben und systematisch die Ergebnisse vergleichen 😉 Auch lässt sich natürlich noch mal über Komposition und Bildeinteilung nachdenken. Aber das war für mich jetzt mehr ein Experiment für Regentage, um den Fotoentzug zu mindern.

Wenn ihr Verbesserungen oder Anmerkungen habt, lasst es mich wissen.

Best Grüße
Sebi
 
dj69

dj69

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WOW! Kreative Idee :) und tolle Bilder!
Aber das Putzen in der Küche nachher... :D
Vielen Dank auch an die vielen guten Infos rund um dein Projekt.
 
oz75

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Prima gemacht - die Aufnahmen sind klasse! Ebenso die Infos übers "making of". 👍 👍
 
Klaus-R

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Wirklich sehr schön! 😊 👍👍

Grüße und solche Photos

Klaus
 
Sebi6000

Sebi6000

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Vielen Dank für die lobenden Worte. Was ich noch vergessen hatte: Es bietet sich mitunter an, die Matrixmessung abzuschalten. Der Hintergrund soll ja beabsichtigt absaufen. Falls die Kamera hier bei der Belichtungsmessung versucht über Mittel bzw. Median ein Neutralgrau zu belichten, muss sie den Hintergrund nicht mit einbeziehen. Ich weiß aber nicht, ob das wirklich viel Einfluss hat, die Belichtung wird ja manuell korrigiert. Ich werde es bei Gelegenheit mal testen.
 
Klaus-R

Klaus-R

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.... sind schon "Hingucker" .... und das ist ja meistens so, wenn Bilder Momente zeigen, die man nicht so mit bloßem Auge erleben kann ..... 😊
 
Der Bü...

Der Bü...

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Hej...

das erste Bild gefällt mir sehr gut, weil die Beere noch zu sehen ist.
Hast du sehr gut gemacht und vielen Dank für das Making of... 👏 👏 👏

Gruß, der Bü...
 
Robert

Robert

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Auch von mir danke für das Making off! Die Resultate sind schon jetzt sehenswert 👍👍